Mit dem All­gäu­er Au­to­ren-Duo Vol­ker Klüp­fel und Micha­el Kobr un­ter­wegs in „Kom­mis­sar Kluf­tin­gers“VW Pas­sat

Wenn Kom­mis­sar Kluf­tin­ger in sei­nem VW Pas­sat zum Ein­satz fährt, ver­sam­meln sich dunk­le Wol­ken des Ver­bre­chens über der grü­nen Idyl­le des All­gäu. Un­ter­wegs mit dem Au­to­renDuo Vol­ker Klüp­fel und Micha­el Kobr

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Jo­han­nes Riegs­in­ger FO­TOS Aleksan­der Per­ko­vic ]

Man hät­te das ja wis­sen kön­nen, ir­gend­wie. Blau­licht aufs Au­to und da­mit am hell­lich­ten Tag durchs All­gäu crui­sen – herr­lich royalb­lau blit­zend, nur das da­zu pas­sen­de Lalü-La­la müs­sen wir selbst schmet­tern: Das ist ei­ne schlech­te Idee. Ei­ne ganz schlech­te. Rich­tig­ge­hend mi­se­ra­bel so­gar. Micha­el Kobr und Vol­ker Klüp­fel müss­ten das ei­gent­lich wis­sen, die schrei­ben schließ­lich nun schon seit 2003 die in­zwi­schen neun Bän­de um­fas­sen­de „Kom­mis­sar Kluf­tin­ger“-Kri­mi-Rei­he und sind nach mitt­ler­wei­le gut fünf Mil­lio­nen ver­kauf­ten Kluf­tin­ger-Bü­chern zu in­ti­men Ken­nern des Po­li­zei-We­sens ge­wor­den. Ihr Kluf­tin­ger jagt Psy­cho­pa­then, Ter­ro­ris­ten und an­de­re meu­cheln­de Zeit­ge­nos­sen, ei­ert da­bei mit al­ler­lei Zwangs­neu­ro­sen durch sei­nen All­tag als Fa­mi­li­en­va­ter und Käs­s­patz­nFan, gru­selt sich vor Lei­chen und dem ge­stelz­ten Dok­tor Lang­ham­mer eben­so sehr wie er sei­nen be­tag­ten VW Pas­sat liebt. Hät­ten Klüp­fel und Kobr heu­te we­nigs­tens auf die­sen ewig klug­schei­ßen­den Richard Mai­er, den nerv­tö­ten­den Mit­ar­bei­ter des Kom­mis­sar Kluf­tin­ger, oder die säch­si(sche) Ab­tei­lungs­se­kre­tä­rin San­dy Hens­ke ge­hört, wä­re die­ser Tag ganz an­ders ver­lau­fen. Aber die Hü­gel des All­gäu­er Voral­pen­lands strah­len eben ei­ne der­ar­ti­ge Recht­schaf­fen­heit aus, dass man als Letz­tes an Un­ord­nung und Ver­bre­chen den­ken mag, des­halb auch die Po­li­zei fer­ne wähnt und sich an­ge­sichts ei­nes Saug­napf-Blau­lichts auf der Rück­bank des him­mel­blau­en Pas­sat Va­ri­ant zu amts­an­ma­ßen­den Al­be­rei­en hin­rei­ßen lässt. „Das stammt noch von den Dreh­ar­bei­ten zum letz­ten Kluf­tin­ger-Film“, er­klärt Micha­el Kobr in sei­nem freund­lich-knusp­ri­gen all­gäue­ri­schen Sing­sang. Vol­ker Klüp­fel pflanzt wort­los das Blau­licht auf – und ab geht die wil­de Fahrt hin­ter dem Fo­to­gra­fen-Au­to der AU­TO ZEI­TUNG her. Sieht schon su­per aus, die leuch­tend blau zu­cken­de Lam­pe. Das wer­den tol­le Bil­der. Und wo kein Rich­ter, da schließ­lich auch kein Hen­ker … Herr Po­li­zei­ober­meis­ter Rich­ter und Herr Pol­zei­haupt­meis­ter Hen­ker von der Kemp­te­ner Ver­kehrs­po­li­zei in ih­rem zi­vi­len BMW 3er sind heu­te die Ein­zi­gen, die uns auf der Land­stra­ße hin­ter Al­tus­ried ent­ge­gen­kom­men und an­ge­sichts des Kluf­tin­ger-„Ein­satz­fahr­zeugs“gro­ße Au­gen ma­chen. Der BMW ab­sol­viert ei­ne Tat­ort-ver­däch­ti­ge Hand­brems­wen­de – und Se­kun­den spä­ter ha­ben wir das zwei­te Blau­licht im Rü­cken. Die­ses Mal ganz und gar nicht „Nur zum Spaß“. Al­so fix aus­rol­len las­sen und Hän­de hoch. Lie­ber Vol­ker, lie­ber Mi­chi, ei­nen kur­zen Mo­ment lang er­war­tet man von er­folg­rei­chen Kri­mi-Au­to­ren-Pro­mis in so ei­ner Si­tua­ti­on ir­gend­wie schon, dass die mit den Her­ren von der Renn­lei­tung ein paar ge­tu­schel­te Wor­te wech­seln – Kri­mi­na­ler un­ter sich – und man dann mit er­mah­nen­den Wor­ten, ei­nem „Die Po­li­zei, dein Freund und Hel­fer“-Auf­kle­ber so­wie ei­nem Satz grü­ner Lut­scher mit Wald­meis­ter­ge­schmack wie­der ent­las­sen wird. Ei­nen Au­gen­blick spä­ter ka­piert aber auch der dümms­te Jour­na­list, dass der Ro­man en­det, so­bald die Rea­li­tät be­ginnt. Und dann star­tet ei­ne wort­rei­che Er­klä­rung, dass wir hier ei­ne Re­por­ta­ge über den Kom­mis­sar Kluf­tin­ger ma­chen, ei­nen un­glaub­lich sym­pa­thi­schen All­gäu­er Po­li­zei­be­am­ten, wir al­le­samt un­be­schrie­be­ne Blät­ter und ge­ra­de­zu Fans von Recht und Ord­nung sei­en, wes­halb das Blau­licht ja re­gel­recht als Ver­beu­gung vor der Po­li­zei zu ver­ste­hen sei. Und die gan­ze Zeit denkst du: „Ver­dammt, wenn die schlech­te Lau­ne ha­ben, macht das Amts­an­ma­ßung und mi­ni­mum 3000 Eu­ro, das zahlt der Chef­re­dak­teur nie im Le­ben. Wo­bei: Ge­fah­ren ist ja ei­gent­lich der Klüp­fel …“– POM Rich­ter grinst. „ Al­so I kenn die“, sagt er, PHM Hen­ker klappt dar­auf­hin noch zwei­mal den Mund auf und zu, deu­tet dann aufs Blau­licht, schnarrt: „Run­ter mit dem Ding“– und das war’s. Nur ein him­mel­blau­er Pas­sat steht noch am Stra­ßen­rand. Als wä­re nichts ge­we­sen. Micha­el Kobr schaut den stark tran­spi­rie­ren­den Re­dak­teur ge­las­sen mit schief ge­leg­tem Kopf an: „Wie hast du das ei­gent­lich gmeint: I bin schuld an al­lem, Herr Ad­mi­ral, neh­men Sie mich mit, Sie kön­nen mit mir ma­chen, was Sie wol­len, aber die an­de­ren sind un­schul­dig?“Auch Vol­ker Klüp­fel blickt mit zu­sam­men­ge­knif­fe­nen Au­gen nach­denk­lich in mei­ne Rich­tung: „Ja, das war scho arg über­trie­ben …“Kobr ver­staut das Blau­licht si­cher im Kof­fer­raum und ver­sucht ei­nen ad­äqua­ten The­men-

„AU­TOS SIND FÜR GE­SCHICH­TEN WICH­TIG, SIE HA­BEN SEE­LE UND CHA­RAK­TER“

wech­sel: „Film­leu­te sind ja meis­tens Städ­ter, und die mei­nen, al­le auf dem Land sei­en Pro­vinz-Trot­tel. Das kommt im Film scho stär­ker rü­ber als im Buch. Die­ser Re­gio­nal-Kri­miCha­rak­ter, den wir nie im Kopf hat­ten. Wir kom­men ein­fach aus dem All­gäu, da hät­ten wir ja kaum ei­nen über­zeu­gen­den Kri­mi schrei­ben kön­nen, der in New York spielt, oder?“Klüp­fel lä­chelt dia­bo­lisch: „Da­bei ist es ge­ra­de an­ders­rum: Städ­ter ha­ben viel schlim­me­re Ma­rot­ten.“„Das mit dem Pas­sat ist ein schö­nes Bei­spiel“, nimmt Kobr den Fa­den wie­der auf: „Im ers­ten Film fuhr Kluf­tin­ger-Darstel­ler Her­bert Knaup ei­nen Mer­ce­des W123, weil er da­mals ei­nen Ver­trag als Mer­ce­des­Mar­ken­bot­schaf­ter hat­te. Für die Film­leu­te war das Ja­cke wie Ho­se. Das Pu­bli­kum hat aber ge­wal­tig pro­tes­tiert. Die hat­ten die Bü­cher ja ge­le­sen, und da fuhr Kluf­tin­ger eben ei­nen Pas­sat, bas­ta! Au­tos sind für Ge­schich­ten wich­tig, die ha­ben See­le und Cha­rak­ter …“Vol­ker Klüp­fel ver­dreht die Au­gen: „Ach was, Schmarrn, das ist ein­fach ein Re­qui­sit.“Die Au­to Zei­tung se­kun­diert Kobr, der nun ein lei­den­schaft­li­ches Plä­doy­er für die See­le man­cher Din­ge ab­gibt – und drei Sät­ze wei­ter wie­der von Klüp­fel aus­ge­bremst wird: „Hör auf, I muss glei kot­zen. Es geht nicht ums Au­to, son­dern um die Ge­schich­ten der Leu­te, die drin­sit­zen“. Micha­el Kobr zuckt mit den Ach­seln: „Ach was. Kei­ne Ah­nung hast du.“Und wie geht das sonst so mit dem Schrei­ben zu zweit, fra­ge ich vor­sich­tig. „Wir sky­pen“, strahlt Klüp­fel. „Mor­gens geh ich in mein Bü­ro und der Mi­chi in sei­ne Krea­tiv-Hän­ge­mat­te, und dann be­spre­chen wir, was als Nächs­tes kommt.“Micha­el Kobr fi­xiert sei­nen Mi­t­au­to­ren mit ei­nem ge­ra­de­zu lie­be­vol­len Schmun­zeln: „Wir ha­ben es gut er­wischt. Vol­ker könn­te im­mer noch Jour­na­list sein, ich ein Leh­rer. Doch statt­des­sen kön­nen wir zu zweit et­was ma­chen, was nur wir hin­be­kom­men – und das wir und die Leu­te lie­ben. Su­per, oder?“

Zwei Män­ner, über fünf Mil­lio­nen ver­kauf­te Bü­cher: Micha­el Kobr (l.) und Vol­ker Klüp­fel, die Au­to­ren der „Kluf­tin­ger“-Rei­he

Phan­tas­tisch: Orts­ter­min vor dem Sprit­zen­haus von Al­tus­ried, im Ober­ge­schoss probt Kluf­tin­gers Volks­mu­sik-Ka­pel­le

„So ein Mist!“– AU­TO ZEITUNGAu­tor Riegs­in­ger wa­tet durch die gül­le­ge­tränk­te Wie­se, Klüp­fel und Kobr freut das von Her­zen

Blues-Brü­der: im Auf­trag Kluf­tin­gers un­ter­wegs. Der Pas­sat sorgt für amt­li­ches Kri­mi­na­lerLe­bens­ge­fühl

§ 132 StGB, Amts­an­ma­ßung: Lie­be Ver­kehrs­po­li­zei Kemp­ten, das hier kommt be­stimmt nicht mehr vor. Ver­spro­chen!

VW Pas­sat B2: das recht­eck­schein­wer­fen­de Ge­sicht des bür­ger­li­chen Deutsch­lands

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