GP in Ho­cken­heim: Welt­meis­ter Ha­mil­ton fei­er­te ei­nen un­ge­fähr­de­ten Start-Ziel-Sieg

Das En­de ih­rer Kar­rie­re ist ab­seh­bar: Die eta­blier­ten Stars Alon­so, Räik­kö­nen, Mas­sa und But­ton kön­nen sich auf die Zeit nach der For­mel 1 vor­be­rei­ten

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

an muss sich dar­über im Kla­ren sein: Ar­beits­platz­ga­ran­ti­en gibt es in der For­mel 1 kei­ne. Das gilt im schnells­ten Zir­kus der Welt für je­den und erst recht für die Pi­lo­ten. Kar­rie­ren kön­nen schnell zu En­de ge­hen, sie­he Da­niil Kvyat. Der erst 22-jäh­ri­ge Rus­se zap­pelt als Ner­ven­bün­del durchs Fah­rer­la­ger, seit er vom sieg­fä­hi­gen Red Bull zu­rück in den Mit­tel­feld-To­ro Ros­so de­gra­diert wur­de – um Te­enager Max Ver­stap­pen Platz ma­chen zu müs­sen. Vi­el­leicht be­rap­pelt sich Kvyat ja noch ein­mal. Und dann gibt es Renn­fah­rer-Le­bens­läu­fe, die um­span­nen mehr als zwei Jahr­zehn­te. Wie bei Micha­el Schu­ma­cher (308 Starts) oder sei­nen ehe­ma­li­gen Team­kol­le­gen Ru­bens Bar­ri­chel­lo (326) und Ric­car­do Pa­t­re­se (257), al­le­samt For­mel-1-Dau­er­bren­ner. Doch auch bei ih­nen galt: Ir­gend­wann kommt die For­mel-1-Ren­ten­zeit. Die­se steht nun auch vier gro­ßen Ve­te­ra­nen der Kö­nigs­klas­se be­vor. Fer­nan­do Alon­so, Ki­mi Räik­kö­nen, Fe­li­pe Mas­sa und Jen­son But­ton wis­sen längst, was die Uhr ge­schla­gen hat. Und das nicht erst, seit ih­nen Su­per-Ju­ni­or Ver­stap­pen re­spekt­los vor der Na­se he-

rum­fährt. Al­le vier sind ar­ri­vier­te Mitt­drei­ßi­ger. Die Flau­sen der Jung­stars à la Ver­stap­pen ha­ben sie nicht mehr im Kopf. „Wenn du äl­ter wirst, be­ginnst du über das Le­ben im Gan­zen nach­zu­den­ken“, sagt Fer­nan­do Alon­so, „über Kin­der, Fa­mi­lie, die Zu­kunft.“Von Auf­hö­ren will Alon­so noch nichts wis­sen: „Ich hof­fe im­mer noch auf ei­nen Ti­tel mit McLa­ren-Hon­da“, be­tont der Cham­pi­on von 2005/06. „Ich bin noch schnell ge­nug. Ich zäh­le mich im­mer noch zu den top drei Pi­lo­ten im Feld“, sagt er selbst­be­wusst: „Ich füh­le mich gut, ich fah­re auf ho­hem Le­vel. Es macht mir nach wie vor gro­ßen Spaß.“Alon­so plant, sei­ne For­mel-1-Kar­rie­re bei McLa­ren zu be­en­den: „Das wä­re ein ro­man­ti­scher Weg. Mit drei Jah­ren be­kam ich ein McLa­ren-Mo­dell­au­to. Dann wür­de sich der Kreis schlie­ßen.“Sein Ver­trag mit McLa­ren-Hon­da läuft noch bis En­de 2017.

Fah­ren, Ad­re­na­lin, Kampf wird Alon­so ver­mis­sen

Was Alon­so in der Zeit nach sei­ner For­mel-1-Kar­rie­re ma­chen wird, weiß er noch nicht. Er för­dert Kar­tSchütz­lin­ge, er hat ein Mu­se­um. Und er lieb­äu­gelt mit gro­ßen Events wie den 24 St­un­den von Le Mans oder den 500 Mei­len von In­dia­na­po­lis. „Die For­mel 1 ist sehr for­dernd. 365 Ta­ge im Jahr musst du voll en­ga­giert sein. Stän­dig musst du an dei­ner Fit­ness ar­bei­ten. In­so­fern ist es gut, mal ein

nor­ma­les Le­ben zu füh­ren, spä­ter. Aber das Fah­ren, das Ad­re­na­lin, den Wett­be­werb, den Kampf – das al­les wer­de ich sehr ver­mis­sen“, weiß Alon­so schon heu­te. Ki­mi Räik­kö­nen hat man schon län­ger ab­ge­schrie­ben. Vi­el­leicht zu Un­recht. Der schweig­sa­me Fin­ne ver­fügt noch im­mer über ei­nen star­ken Renn­speed – wenn er sich kei­ne Feh­ler er­laubt. Es war Se­bas­ti­an Vet­tel, der den Welt­meis­ter von 2007 wei­ter als Team­kol­le­gen ha­ben woll­te. Gna­den­brot für ei­ne Sai­son, denn nach 2017 ist Schluss. Räik­kö­nen hat er­kannt, dass das Le­ben an­de­res zu bie­ten hat. Sei­ne ge­ra­de an­ge­trau­te Gat­tin Mint­tu er­war­tet bald das zwei­te Kind. „Es wä­re scha­de, wenn sie die For­mel 1 ver­lie­ßen“, meint Ex-Welt- meis­ter Jac­ques Vil­le­neuve über das Ol­die-Quar­tett, „sie sind Ol­dSchool-Ra­cer, die im­mer noch kämp­fen, die Bock aufs Fah­ren und die Re­spekt ha­ben. Wir brau­chen das Fah­rer-Esta­blish­ment, denn es ver­mit­telt den Youngs­tern wich­ti­ge Wer­te.“Auch Fe­li­pe Mas­sa denkt noch nicht an Rück­tritt. Doch sei­ne Ta­ge bei Wil­li­ams sind ge­zählt. Noch hat er kei­ne Ab­sa­ge vom dritt­äl­tes­ten For­mel-1-Team be­kom­men. Aber längst lau­fen sich neue Kan­di­da­ten warm, et­wa der ka­na­di­sche Mil­li­ar­därs­sohn Lan­ce Stroll. 14 Test­ta­ge in ei­nem zwei Jah­re al­ten Wil­li­ams soll Stroll bald schon ab­sol­vie­ren, auf Stre­cken rund um die Welt. 60 Mil­lio­nen Dol­lar, in ei­nem Hong­kon­ger Fond an­ge­legt, soll der 17-jäh­ri­ge Stroll als Mit­gift zu Wil­li­ams brin­gen. Für zwei Jah­re, zu­nächst. „Aber wir wis­sen noch nicht, was wir nächs­tes Jahr ma­chen wer­den“, gibt sich Stroll se­ni­or un­schlüs­sig, „GP2 oder For­mel 1. Das ent­schei­den wir im Sep­tem­ber.“Ne­ben Stroll ver­dich­tet sich Jen­son But­ton als neu­er Team­lea­der bei Wil­li­ams. Der smar­te Hob­by­T­ri­ath­let wird in Ma­lay­sia im Ok­to­ber sei­nen 300. For­mel-1-Start feiern. Den Wil­li­ams-De­al will Spon­sor Mar­ti­ni mit Ex­tra-Dol­lars ver­gol­den. „Ich bin in mei­ner Kar­rie­re für gro­ße Teams mit gro­ßen Her­stel­lern ge­fah­ren. Für mich ist de­fi­ni­tiv ein Traum wahr ge­wor­den. Ein Ti­tel, 15 Sie­ge, 50 Po­di­en“, zählt der En­g­län­der auf: „Ich wer­de mei­ne Kar­rie­re nicht un­glück­lich be­en­den, was im­mer jetzt noch kom­men wird. Aber man will im­mer mehr.“

Du­ell der Ve­te­ra­nen: Fer­ra­ri wird Räik­kö­nen ein wei­te­res Jahr be­schäf­ti­gen. But­ton könn­te zu Wil­li­ams ge­hen

Trio mit Er­fah­rung: But­ton, Mas­sa und Alon­so im Mit­tel­fel­dKampf. Nur Alon­so weiß der­zeit, wo er 2017 fah­ren wird

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