in­stanz kom­pak­te

Ein gan­zes Seg­ment ist nach dem Golf be­nannt, weil er dort schon seit Lan­gem die Zu­las­sungs­sta­tis­tik do­mi­niert. Ein Ver­gleich mit klei­nen Mo­to­ren aus dem Ben­zi­ner- und Die­sel­an­ge­bot

AUTO ZEITUNG - - TEST · BENZINER GEGEN DIESEL: VW GOLF - Paul Eng­lert

Ein Au­to für In­di­vi­dua­lis­ten ist der VW Golf nicht – zu glatt, zu per­fekt, zu stark auf die brei­te Mas­se aus­ge­rich­tet. An­de­rer­seits: Mit dem Wolfs­bur­ger macht man nichts falsch, denn er ist prak­tisch, er­go­no­misch, kom­for­ta­bel, über­sicht­lich, gut ver­ar­bei­tet und mo­dern aus­ge­stat­tet. Oben­drein deckt er mit fünf Ka­ros­se­rie-, 15 Mo­tor- und zwei Ge­trie­be-Ver­sio­nen so­wie Vor­der- und All­rad­an­trieb fast al­les ab, was das Au­to­fah­rer­herz be­gehrt. Doch wel­cher ist der rich­ti­ge Golf? Und vor al­lem: Mit wel­chem Mo­tor fährt er be­son­ders güns­tig? Um die­se Fra­ge zu be­ant­wor­ten, ha­ben wir den Vier­tü­rer (900 Eu­ro Auf­preis) mit zwei all­tags­taug­li­chen Vier­zy­lin­dern ge­tes­tet – 1.2 TSI und 1.6 TDI, je­weils 110 PS stark. An­schnal­len im Ben­zi­ner-Golf, Mo­tor­start, der Vier­ven­ti­ler läuft lei­se, bei­na­he frei von Vi­bra­tio­nen und so un­auf­fäl­lig, dass manch­mal al­lein die Dre­zahl­na­del Zeu­ge vom Zy­lin­der­tanz in den vier Brenn­räu­men ist. Be­reits ab 1400 Tou­ren lie­gen die ma­xi­mal mög­li­chen und für den fast 1,3 Ton­nen leich­ten Golf völ­lig aus­rei­chen­den 175 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment an. Erst ab 4000 Kur­bel­wel­len­um­dre­hun­gen ebbt die Durch­zugs­kraft lang­sam ab. In 10,3 Se­kun­den sprin­tet der TSI-Golf aus dem Stand auf Tem­po 100 und mit et­was An­lauf wei­ter bis 195 km/ h, wo­bei die sechs Gän­ge des ma­nu­el­len Ge­trie­bes selbst bei schnel­len Schalt­vor­gän­gen sau­ber ein­ras­ten. Da ha­kelt nichts. Le­dig­lich fünf Gän­ge bie­tet der Golf in Ver­bin­dung mit dem 110-PS-TDI, was je­doch kein Nach-

teil ist. Im Ge­gen­teil: Der Selbst­zün­der agiert elas­ti­scher – we­gen des 250-New­ton­me­ter-Tur­bo­die­sel-Drehmo­n­ents. Beim Ver­brauchs­test spielt er eben­falls sei­nen Ef­fi­zi­enz-Vor­teil aus. 4,9 Li­ter ge­nü­gen dem TDI für 100 km Stre­cke trotz rund 100 kg mehr Bal­last im Ver­gleich zum TSI, was bei ei­nem Tank­vo­lu­men von 50 Li­tern ei­ne ma­xi­ma­le Reich­wei­te von knapp über 1000 Ki­lo­me­tern er­gibt. Au­ßer­dem sind bei zü­gi­ger Fahr­wei­se die Ver­brauchs-Aus­schlä­ge nach oben we­ni­ger stark als beim Tur­bo-Ben­zi­ner. Der ge­neh­migt sich un­ter Voll­last gern ein paar Li­ter ex­tra. Ent­schei­den­der Kom­fort­nach­teil des 1.6-Die­sels ist hin­ge­gen sein rau­er Lauf – nicht nur nach dem Kalt­start. Er wirkt beim An­fah­ren und Be­schleu­ni­gen im­mer et­was knur­rig und an­ge­strengt. Eben­so wenn man ihn for­dert, et­wa auf der Über­hol­spur der Au­to­bahn. Da­ge­gen kommt auch die gu­te Golf-Ge­räusch­däm­mung nicht an. An die­ser Stel­le und im Stadt­ver­kehr ge­fällt der Ben­zi­ner bes­ser. Auf der Kos­ten­sei­te fährt der TSI zu­nächst deut­lich güns­ti­ger: Rund 2500 Eu­ro spart man laut Preis­lis­te beim Kauf, au­ßer­dem sind pro Jahr fast 100 Eu­ro we­ni­ger Steu­ern fäl­lig, und sein Wert­ver­lust ist klei­ner. Der TDI kon­tert mit güns­ti­ge­ren War­tungs-und Ver­si­che­rungs­kos­ten so­wie sei­nen ent­schei­den­den Ar­gu­men­ten: ge­rin­ge­rer Ver­brauch, nied­ri­ge­rer Kraft­stoff­preis. Den­noch rech­net sich der Golf mit 110-PS-Die­sel erst nach et­wa 13.000 km Fahr­leis­tung pro Jahr. Wer den Wolfs­bur­ger al­so nur für Kurz­stre­cken und Ge­le­gen­heits­fahr­ten nutzt, soll­te den TSI kau­fen.

Über­sicht­li­cher, er­go­no­mi­scher Golf-Fah­rer­platz mit sehr gu­ter Ver­ar­bei­tung so­wie hoch­wer­ti­gen Ma­te­ria­li­en. Tas­ten­flut auf dem Lenk­rad Fahr­pro­fi­l­aus­wahl (155 Eu­ro) mit Eco-Mo­dus (l.); Fahr­stil-Analyse mit Trai­nings­pro­gram­men (o.)

Lauf­ru­hig und mo­dern: Der 1.2 TSI kam mit dem Start des Golf VII als kom­plett neu­es Ag­gre­gat

Aus­rei­chend durch­zugs­stark und spar­sam, al­ler­dings läuft der 1.6 TDI knur­rig

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