Au­di TTS Cou­pé Por­sche 718 Cay­man

Mit zwei Zy­lin­dern we­ni­ger als bis­her und nach­ge­schärf­ten Hand­lin­gei­gen­schaf­ten bläst der neue Por­sche 718 Cay­man zur Atta­cke auf den Au­di TTS. Doch kann der Schwa­be den baye­ri­schen Per­for­mer tat­säch­lich in die Schran­ken wei­sen?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Mar­cel Küh­ler FO­TOS Tho­mas St­arck ]

Der Por­sche 718 Cay­man ist das neue Ein­stiegs­mo­dell in die Welt der Zuf­fen­hau­se­ner. 300 PS bei ei­nem Leer­ge­wicht von nur 1437 Ki­lo­gramm las­sen je­doch kei­ne Zwei­fel dar­an auf­kom­men, dass es sich bei dem Mit­tel­mo­tor-Cou­pé um ei­nen ech­ten Sport­wa­gen han­delt. Im ers­ten Här­te­test war­tet je­doch ein har­ter Geg­ner: der Au­di TTS, des­sen 310 PS recht schlan­ke 1444 Ki­lo­gramm zu be­we­gen ha­ben. Ring frei für ein hoch­ok­ta­ni­ges Du­ell um die Kro­ne im Seg­ment der kom­pak­ten Sport­cou­pés.

Mo­tor/Ge­trie­be

Egal, wie sehr guss­ei­ser­ne Por­sche-Tra­di­tio­na­lis­ten auch schimp­fen mö­gen: Der neue Vier­zy­lin­der-Bo­xer mit Tur­bo­auf­la­dung ist ein gran­dio­ses Stück Tech­nik. Vor al­lem die aus­ge­präg­te Dreh­freu­de be­geis­tert bei je­dem herz­haf­ten Spurt aufs Neue. Ab et­wa 3500 Um- dre­hun­gen ent­wi­ckelt der nur zwei Li­ter gro­ße Di­rekt­ein­sprit­zer ei­nen be­ein­dru­cken­den Schub, dem erst bei 7500 Kur­bel­wel­len­um­dre­hun­gen durch den Be­gren­zer ein jä­hes En­de be­rei­tet wird. Wie gut der Cay­man tat­säch­lich im Fut­ter steht, zeigt der Blick auf das Mess­ge­rät: In 4,6 Se­kun­den er­reicht der Por­sche 100 km/ h, die 200-km/ h-Mar­ke fällt nach nur 16,8 Se­kun­den. Das op­tio­na­le Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be PDK, mit dem un­ser Test­wa­gen be­stückt ist, prä­sen­tiert sich der­weil als kon­ge­nia­ler Part­ner des Mo­tors. Blitz­ar­tig zappt es durch die ein­zel­nen Über­set­zun­gen, de­ren An­schlüs­se stets per­fekt har­mo­nie­ren. Die An­triebs­ein­heit des Au­di TTS, der in ex­akt der glei­chen Zeit auf Land­stra­ßen­tem­po sprin­tet, be­zieht ih­re Fas­zi­na­ti­on maß­geb­lich aus dem ex­plo­si­ven Voran­pre­schen aus nied­ri­ge­ren Dreh­zah­len. Be­reits ab et­wa 2000 Tou­ren geht rich­tig die Post ab. Das eben­falls auf­preis-

pflich­ti­ge Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be, das mit sechs Gän­gen aus­kom­men muss, er­weist sich in der Pra­xis aber als nicht ganz so flink wie das PDK des Cay­man. Das Thema Ef­fi­zi­enz wird bei bei­den Sport­lern ähn­lich groß­ge­schrie­ben. Auf un­se­rem Ver­brauchs­zy­klus ver­brennt der Cay­man durch­schnitt­lich 9,6 Li­ter Su­per Plus, wäh­rend sich der TTS mit 9,7 Li­tern nur un­we­sent­lich mehr Kraft­stoff ge­neh­migt.

Fahr­dy­na­mik

Der 718 Cay­man lässt dem TTS auf der Hand­lings­tre­cke kei­ne Chan­ce. Mit ei­nem Vor­sprung von rund drei Se­kun­den lässt der Por­sche den Au­di auf dem Rund­kurs weit hin­ter sich. Ver­ant­wort­lich da­für ist vor al­lem das im Ver­gleich zum Vor­gän­ger stei­fe­re Fahr­werk, das im­mens ho­he Qu­er­kräf­te ver­trägt. Die Agi­li­tät, mit der sich der Mit­tel­mo­tor-Sport­ler in al­le Ar­ten von Keh­ren wirft, sucht in die­ser Klas­se ih­res­glei­chen. Dank sei­ner be­ste­chend prä­zi­sen wie rück­mel­dungs­freu­di­gen Len­kung ist das An­pei­len der Ide­al­li­nie ein na­he­zu in­tui­ti­ves Ver­gnü­gen. Da­bei bleibt der Zwei­sit­zer selbst bei de­ak­ti­vier­ter Sta­bi­li­täts­kon­trol­le im Grenz­be­reich ein­fach zu be­herr­schen und schiebt im Ex­trem­fall über die Vor­der­ach­se. Über­steu­ern kennt der 718 nicht, da­für ist sei­ne Trak­ti­on schlicht zu gut. Dar­über hin­aus ist auf die mit 7319 Eu­ro zwar sünd­haft teu­re, da­für aber bru­tal ver­zö­gern­de Kar­bon-Ke­ra­mi­kB­rems­an­la­ge all­zeit Ver­lass. Sie ver­kraf­tet et­li­che Turns auf der Rund­stre­cke, oh­ne dass sich der Druck­punkt auch nur mi­ni­mal ver­än­dert oder die Brems­leis­tung nach­lässt. Für sich ge­nom­men ist auch der Au­di TTS auf der Piste ein über­aus lau­ni­ger Be­glei­ter. Zwar fehlt sei­ner Len­kung das letz­te Quänt­chen Ge­fühl, doch die ge­bo­te­ne Sta­bi­li­tät in schnel­len Kur­ven ver­mit­telt dem Fah­rer um­ge­hend viel Ver­trau­en ins Au­to. Dank se­ri­en­mä­ßi­gem All­rad­an­trieb bleibt der Bay­er stets neu­tral. Al­ler­dings ist sei­ne Brems­an­la­ge, die im Nor­mal­fall gu­te Ver­zö­ge­rungs­wer­te lie­fert, schon nach we­ni­gen Run­den über­for­dert, was sich durch ein mas­si­ves Fa­ding äu­ßert.

Fahr­kom­fort

Trotz al­ler dy­na­mi­schen Ta­len­te las­sen sich mit bei­den Sport­wa­gen – ein paar Neh­mer­qua­li­tä­ten von den Fahr­gäs­ten vor­aus­ge­setzt – pro­blem­los auch lan­ge Stre­cken ab­spu­len. Wo­bei hier je­der sei­ne ei­ge­nen Stär­ken in die Waag­scha­le wirft. So prä­sen­tiert sich der Au­di TTS als das deut­lich lei­se­re Au­to. Vor al­lem der in je­dem Ge­schwin­dig­keits­be­reich om­ni­prä­sen­te Mo­tor des Por­sche kann die Ner­ven zart­be­sai­te­ter Fahr­gäs­te nach ei­ner ge­wis­sen Zeit arg stra­pa­zie­ren. Dies gilt um­so mehr für un-

se­ren Test­wa­gen, der mit der klang­star­ken Sport-Ab­gas­an­la­ge für 2249 Eu­ro aus­ge­rüs­tet ist. Sport­lich am­bi­tio­nier­te Na­tu­ren er­freu­en sich da­ge­gen am cha­ris­ma­ti­schen Sound, der nur in nied­ri­gen Dreh­zah­len ent­fernt an den se­li­gen Kä­fer er­in­nert und na­he der Höchst­dreh­zahl ei­ne ganz ei­ge­ne Dra­ma­tik ent­wi­ckelt. Da­für bie­tet der Cay­man den har­mo­ni­sche­ren Fe­de­rungs­kom­fort. Sein mit ad­ap­ti­ven Dämp­fern (1428 Eu­ro) be­stück­tes Fahr­werk spricht sen­si­bler auf klei­ne­re Qu­er­fu­gen und Kan­ten an als das eher un­nach­gie­bi­ge Set-up des Au­di, der se­ri­en­mä­ßig mit ad­ap­ti­ven Dämp­fern an den Start geht. Wirk­lich schlech­te Stra­ßen möch­te man den bei­den grund­sätz­lich sehr straff ab­ge­stimm­ten Sport­lern in­des nicht zu­mu­ten.

Ka­ros­se­rie

Die­ses Ka­pi­tel ent­schei­det der In­gol­städ­ter ein­deu­tig für sich. Der In­nen­raum des TTS ist spür­bar ge­räu­mi­ger ge­schnit­ten als der des ver­gleichs­wei­se en­gen Por­sche. Au­ßer­dem bie­tet er den Vor­teil von zwei Not­sit­zen im Fond, wenn­gleich die­se eher als er­wei­ter­te Ge­päck­ab­la­ge tau­gen denn als ernst­haf­te Sitz­ge­le­gen­hei­ten. Der All­tags­taug­lich­keit zu­träg­lich ist fer­ner, dass sich die Rück­bank des In­gol­städ­ters um­klap­pen lässt. So­mit pas­sen auch sper­ri­ge­re Ge­gen­stän­de in den Kof­fer­raum des Au­di, der zu­dem fast 100 Ki­lo­gramm mehr mit auf die Rei­se neh­men darf. Der Por­sche bie­tet mit 334 Li­ter Vo­lu­men zwar auf dem Pa­pier ein or­dent­li­ches Fas­sungs­ver­mö­gen fürs Ge­päck. Da sich die­ses je­doch auf zwei nicht va­ria­ble St­au­fä­cher ver­teilt, ist der Nutz­wert deut­lich ein­ge­schränkt.

Um­welt / Kos­ten

Auch wenn Por­sche den 718 Cay­man als neu­es Ein­stiegs­mo­dell po­si­tio­niert, ist der Zwei­sit­zer al­les an­de­re als ein preis­wer­tes Ver­gnü­gen. So liegt sein Grund­preis zwar nicht we­sent­lich über dem des TTS, doch die vie­len be­wer­tungs­re­le­van­ten Op­tio­nen des Test­wa­gens rei­ßen ein tie­fes Loch in die Kas­se. Un­term Strich tren­nen die bei­den Sport­ler hef­ti­ge 19.000 Eu­ro von­ein­an­der. Dass der Por­sche da­mit das Kos­ten­ka­pi­tel ver­liert, liegt auf der Hand – zu­mal die Zuf­fen­hau­se­ner le­dig­lich zwei Jah­re Mo­bi­li­täts­ga­ran­tie (Au­di un­be­grenzt) bie­ten und zu­dem die zu er­war­ten­den Werk­statt­kos­ten et­was hö­her als beim TTS aus­fal­len. Da hilft dem Cay­man auch die ver­gleichs­wei­se güns­ti­ge Haft­pflicht­ein­stu­fung nicht wei­ter. Die kom­plett neu ent­wi­ckel­te An­triebs­ein­heit und die nach­ge­schärf­te Fahr­werks­ab­stim­mung ma­chen aus dem Por­sche 718 Cay­man ei­nen noch bes­se­ren Sport­wa­gen. Auf der Rund­stre­cke macht er kur­zen Pro­zess mit sei­nem Kon­tra­hen­ten. Doch auch ab­seits der Renn­stre­cke be­geis­tert der Por­sche. So fas­zi­niert sein Trieb­werk mit ein­zig­ar­ti­gem Cha­rak­ter, der sich durch Dreh­freu­de und au­ßer­ge­wöhn­li­chen Klang of­fen­bart. Trotz al­ler fahr­dy­na­mi­schen Ta­len­te schafft es der Schwa­be im Ge­samt­klas­se­ment je­doch nicht, an sei­nem Wi­der­sa­cher vor­bei­zu­zie­hen. Da­für ist er schlicht und er­grei­fend zu teu­er. Der Test­sie­ger heißt da­her Au­di TTS. Das In­gol­städ­ter De­si­gner­stück bie­tet bei eben­falls hoch­ent­wi­ckel­ter Fahr­dy­na­mik durch sei­ne ge­räu­mi­ge­re Ka­ros­se­rie mehr All­tags­taug­lich­keit und dank des we­sent­lich nied­ri­ge­ren Ge­räusch­ni­veaus ei­nen bes­se­ren Langstre­cken­kom­fort. Wirk­lich güns­tig ist aber auch der TTS nicht.

Der Au­di-In­nen­raum prä­sen­tiert sich auf­ge­räumt und sach­lich. Die meis­ten Funk­tio­nen wer­den über das Lenk­rad ein­ge­stellt

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