Ei­ne neue Ära

62 Fah­rer, sie­ben Her­stel­ler und ein Ziel: der ADAC GT Mas­ters-Meis­ter­ti­tel 2016. Seit nun­mehr ei­nem Jahr­zehnt kämp­fen Fah­rer und Teams je­des Jahr er­neut um den heiß­be­gehr­ten Sie­ges­po­kal in der „Li­ga der Su­per­sport­wa­gen“

AUTO ZEITUNG - - GEPÄCKRAUM-CHECK · RATGEBER - Jen­ni­fer Falk­ner

„Wä­re der Au­di nicht ein paar­mal punk­te­los ge­we­sen, wä­re die Meis­ter­schaft noch en­ger“Gio­van­ni Cic­co­ne, Te­am­chef Cal­la­way Com­pe­ti­ti­on

M it dem Ju­bi­lä­ums­jahr im GT Mas­ters ist zeit­gleich ei­ne neue Ära im GT3S­port an­ge­bro­chen. Au­di, Mer­ce­des, Por­sche, Cor­vet­te und auch BMW kämp­fen mit ih­ren leis­tungs­stär­ke­ren Renn­bo­li­den um den Ti­tel här­ter denn je. Nach fünf von sie­ben Renn­ver­an­stal­tun­gen zeigt die Bi­lanz: Je­weils drei Sie­ge ge­hen auf das Kon­to von Por­sche und Cor­vet­te. Mit zehn Fahr­zeu­gen im Feld ist je­doch Au­di der be­lieb­tes­te Her­stel­ler. Mit ver­bes­ser­ter Ae­ro­dy­na­mik, leich­te­rem Ge­trie­be und rund 60 PS mehr Leis­tung zum Vor­gän­ger­mo­dell wur­de der Au­di R8 LMS zum Ver­kaufs­schla­ger. Elf­mal stand be­reits ein Au­di-Duo 2016 auf dem Trepp­chen. Doch auch die an­de­ren Her­stel­ler leg­ten deut­lich nach: Die Cor­vet­te C7, die vom Pri­vat-Team Cal­la­way Com­pe­ti­ti­on im schwä­bi­schen Lein­gar­ten kon­stru­iert und ge­baut wur­de, ist das leis­tungs­stärks­te GT3-Mo­dell im Feld. „Die C7 ist kom­plett neu. Le­dig­lich der Mo­tor ist ge­blie­ben“, er­klärt Te­am­chef Gio­van­ni Cic­co­ne das 600-PS-Ge­fährt. „Al­le an­de­ren Kom­po­nen­ten wur­den kom­plett um­ge­baut oder er­setzt“. Kein Wun­der al­so, dass das Cor­vet­te-Ge­schoss bis­lang die meis­ten Punk­te ver­bu­chen konn­te. Als Pri­vat-Her­stel­ler hat das Team ei­nen be­deut­sa­men Vor­teil ge­gen­über den Wer­ken: Je­de Ent­schei­dung kann in­ner­halb we­ni­ger Mi­nu­ten ge­trof­fen wer­den. Je­der hat Mit­spra­che­recht, ob Mecha­ni­ker, Fah­rer oder In­ge­nieur. Doch zum Er­folg zählt nicht nur ein leis­tungs­star­ker Mo­tor. Auch das be­rühm­te Quänt­chen Glück spielt ei­ne be­deut­sa­me Rol­le. „Bis­lang hat­ten wir ein­fach viel Glück und konn­ten fast in je­dem Ren­nen punk­ten“, so Cic­co­ne über sei­ne Schütz­lin­ge Keil­witz/ Gou­non. „Wä­re der Au­di nicht ein paar­mal punk­te­los ge­we­sen, wä­re die Meis­ter­schaft noch en­ger, als sie es eh schon ist“. Vier Her­stel­ler kämp­fen mit rea­lis­ti­schen Chan­cen um den Meis­ter­ti­tel. Ne­ben den Vor­jah­res­cham­pi­ons Sebastian Asch/ Lu­ca Lud­wig (Mer­ce­des AMG GT3) ist auch Da­vid Jahn im Por­sche 911 GT3 R ein Ti­tel­kan­di­dat. Am Red Bull Ring be­scher­te der 25-Jäh­ri­ge zu­sam­men mit Ké­vin Est­re Por­sche den ers­ten ADAC GT Mas­ter­sSieg mit dem neu­en 911 GT3 R. Die Ri­va­li­tät wird grö­ßer, der Druck auf die Teams stär­ker. Fah­rer und Teams ver­su­chen, mit al­len Mit­teln nach vorn zu kom­men. Kein Wun­der al­so, dass sich frü­her oder spä­ter ein Team am Ran­de der Le­ga­li­tät be­we­gen wür­de. Beim Aus­lands­ren­nen auf dem ös­ter­rei­chi­schen Red Bull Ring sorg­te das Team kfz­tei­le24 APR Mo­tor­sport für Auf­se­hen: Nach ei­nem Dop­pel­sieg wur­den bei­de Au­di dis­qua­li­fi­ziert. Der Grund: ein ver­bau­tes Teil im Luft­fil­ter, das in der Ho­mo­lo­ga­ti­on so nicht vor­ge­se­hen ist. Der deut­sche Mo­tor­sport­bund (DMSB) schloss das Team nicht nur von bei­den Ren­nen aus, son­dern be­rief zu­sätz­lich ein Ver­fah­ren vor dem Sport­ge­richt ein. „Wir re­den hier von ei­nem be­wuss­ten Ver­ge­hen“, so Michael Kramp vom DMSB. „Das Team hat ab­sicht­lich ver­sucht, durch das Teil den Druck auf den Re­strik­tor zu er­hö­hen. Es gibt je­doch Re­geln, an die man sich hal­ten muss. Bei solch ei­nem Ver­ge­hen müs­sen wir des­halb so­fort ein­grei­fen.“

DTM-Werks­team Phoenix Ra­c­ing mit nur 22 Punk­ten

Ne­ben den neu­en GT3-Bo­li­den sind es aber auch nam­haf­te Fah­rer, die für ei­nen star­ken Wett­kampf sor­gen. Por­sche-Werks­fah­rer wie Ké­vin Est­re oder auch der ehe­ma­li­ge Formel-1-Pi­lot Karl Wend­lin­ger mi­schen mitt­ler­wei­le das Feld auf. Das zu­rück­ge­kehr­te Team Phoenix Ra­c­ing hat sich eben­falls mit ei­nem Pro­fi­fah­rer ver­stärkt: Mar­kus Win­kel­hock, der be­reits DTM- und Formel-1-Er­fah­rung hat, soll­te zu­sam­men mit Mar­kus Pom­mer um Po­dest­plät­ze kämp­fen. Phoenix Ra­c­ing, das als Au­di Werks­team in der DTM Meis­ter­ti­tel hol­te, war be­reits in den Jah­ren 2009 und 2011 ak­tiv im ADAC GT Mas­ters. Nicht ver­wun­der­lich, dass die Eif­ler Mann­schaft be­reits vor der Sai­son zu den Meis­ter­schafts­an­wär­tern ge­zählt wur­de. Doch die Er­war­tun­gen konn­te Phoenix Ra­c­ing nicht er­fül­len. Ge­ra­de mal 22 Punk­te lan­de­ten bis­lang auf dem Kon­to. „Das ADAC GT Mas­ters ist sehr hart um­kämpft und hat ein star­kes Fah­rer­feld“, so Te­am­chef Ernst Mo­ser. „Es wird sehr hart und oft auch un­sport­lich ge­fah­ren. Die Au­tos

sind nach dem Ren­nen rund­um be­schä­digt“. Auch Mar­kus Pom­mer zeig­te nicht die er­war­te­te Per­for­mance und wur­de so­mit kur­zer­hand noch vor dem Nür­burg­ring-Lauf durch den Dä­nen Ni­co­laj Møl­ler-Mad­sen aus­ge­wech­selt.

Zak­speed will mit neu­em Mer­ce­des Ti­tel ver­tei­di­gen

Dass der Ti­tel­ge­winn im GT Mas­ters kein Spa­zier­gang ist, weiß vor al­lem ei­ner: Sebastian Asch. Er ist der ein­zi­ge Fah­rer, der es bis­lang schaff­te, zwei­mal den Ti­tel für sich zu be­an­spru­chen: 2012 über­zeug­te er zu­sam­men mit Maximilian Götz, ver­gan­ge­nes Jahr ge­wann er zum zwei­ten Mal den Meis­ter­ti­tel – zu­sam­men mit Lu­ca Lud­wig und dem AMG Team Zak­speed. Beim Auf­takt­ren­nen in Oschers­le­ben setz­ten bei­de mit dem ers­ten Sieg prompt das Zei­chen zur Ti­tel­ver­tei­di­gung. Der neue Mer­ce­des AMG GT3 ist der Ar­beits­platz der bei­den Zak­spee­dPi­lo­ten. Mit 55 Ki­lo­gramm we­ni­ger Ge­päck an Bord und ver­bes­ser­ter Ae­ro­dy­na­mik über­zeugt der neue AMG mit mehr Ab­trieb. „Am An­fang hat­ten wir mit Kin­der­krank­hei­ten zu kämp­fen“, so Te­am­chef Pe­ter Za­kow­ski. „Bis bei der Kon­fi­gu­ra­ti­on al­les passt, hat es ein we­nig ge­dau­ert. Mitt­ler­wei­le sind wir aber sehr zu­frie­den. Mer­ce­des hat bei der Ent­wick­lung gu­te Ar­beit ge­leis­tet“. Gu­te Ar­beit hat aber auch ei­nen stol­zen Preis: Fast 400.000 Eu­ro muss­te Za­kow­ski für den AMG GT3 hin­le­gen. „Die GT3 Au­tos wer­den im­mer teu­rer“, be­män­gelt er. „Um­so mehr hat es mich über­rascht, dass doch so vie­le neue Au­tos im Mas­ters am Start sind“. Au­di, Cor­vet­te, Mer­ce­des und auch Por­sche über­zeu­gen mit den Nach­fol­ger­mo­del­len aus dem letz­ten Jahr. Nur BMW kann bei der der­zei­ti­gen Ent­wick­lung nicht mit­hal­ten. Trotz ei­ner Leis­tungs­stei­ge­rung um 70 PS konn­te bis­lang kein BMW-Pi­lot in die­sem Jahr aufs Po­di­um fah­ren. Das liegt wohl auch am Ge­samt­ge­wicht von rund 1300 kg – der M6 GT3 ist der schwers­te GT-Bo­li­de im Feld. Im zehn­ten Jahr ist der Wett­kampf stär­ker als in den Jah­ren zu­vor. Die Teams schen­ken sich bei den Ren­nen nichts, und je­de Zehn­tel­wenn nicht so­gar Hun­derts­tel­se­kun­de ent­schei­det über Sieg oder Nie­der­la­ge. Doch nicht nur Fah­rer- und Team­leis­tung sind ent­schei­dend. Auch die im­mer wie­der heiß dis­ku­tier­te BoP-Re­ge­lung (Ba­lan­ce of Per­for­mance) hat Ein­fluss auf die Ren­n­er­geb­nis­se. Über Re­strik­tor- und La­de­druck­an­pas­sung so­wie Er­folgs­bal­last wird re­gel­mä­ßig ver­sucht, die ver­schie­de­nen Fahr­zeug­kon­zep­te an­zu­glei­chen. Ob Cal­la­way Com­pe­ti­ti­on dank Punk­te­vor­sprung tat­säch­lich den Meis­ter­ti­tel ho­len kann oder ob Zak­speed in der Au­ßen­sei­ter-Rol­le nicht doch noch zum Ge­gen­schlag aus­holt, wird sich erst beim Fi­na­le in Ho­cken­heim An­fang Ok­to­ber zei­gen.

Füh­ren­de im GT Mas­ters: Da­ni­el Keil­witz/Ju­les Gou­non Ers­ter Por­sche-Sieg dank Ké­vin Est­re/Da­vid Jahn Sieg ab­er­kannt: kfz­tei­le24 APR Mo­tor­sport

ver­bau­te ein nicht ho­mo­lo­gier­tes Teil

Sebastian Asch und Lu­ca Lud­wig wol­len im Mer­ce­des AMG GT3 die Ti­tel­ver­tei­di­gung Nam­haf­te Fah­rer: der ehe­ma­li­ge Formel-1-Renn­fah­rer Karl Wend­lin­ger im ADAC GT Mas­ters

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.