Vergleich: Re­nault Ta­lis­man Grand­tour und Kia Op­ti­ma Sports­wa­gon

er­wei­tert sei­ne bis­her we­nig er­folg­rei­che Op­ti­ma-Fa­mi­lie um ei­nen at­trak­ti­ven Kom­bi – hier­zu­lan­de ei­ne sehr be­lieb­te Ka­ros­se­rie­ver­si­on. Ers­ter Schlag­ab­tausch des Sports­wa­gon 1.7 CRDi mit dem Re­nault Ta­lis­man Grand­tour 160 dCi

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Micha­el God­de FO­TOS Da­nie­la Loof ]

Deutsch­land ist Kom­bi-Land – vor al­lem in der Mit­tel­klas­se. Fast 90 Pro­zent der Kun­den ent­schei­den sich hier für die prak­ti­schen La­de­meis­ter. Kia hat die­sen Trend je­doch lan­ge igno­riert. Wäh­rend die Schwes­ter­mar­ke Hy­un­dai vom i40 in die­sem Jahr be­reits über 2800 Ex­em­pla­re ver­kauft und die Li­mou­si­ne gar nicht mehr im Pro­gramm hat, düm­pelt der Ab­satz der neu­en Op­ti­ma Li­mou­si­ne bei ma­ge­ren 600 Fahr­zeu­gen. Das soll sich jetzt än­dern. Kia re­agiert auf die Wün­sche der Kun­den und prä­sen­tiert nun den Op­ti­ma Sports­wa­gon. Der soll den Ver­kauf nach­hal­tig an­kur­beln. Re­nault ist das schon ge­lun­gen: Der Ta­lis­man Grand­tour stiehlt bei den Fran­zo­sen der Li­mou­si­ne be­reits die Show und sorgt für gu­te Ge­schäf­te – und so ist er ge­nau die pas­sen­de Mess­lat­te für den neu­en Sports­wa­gon. Die Er­folgs­re­zep­te der bei­den Her­stel­ler sind mit ho­her Funk­tio­na­li­tät, cle­ve­rer Aus­stat­tung und ex­tra­va­gan­tem De­sign ähn­lich ab­ge­schmeckt.

Der Op­ti­ma Sports­wa­gon bie­tet viel Platz und ei­ne gu­te Ver­ar­bei­tung

Schon als Li­mou­si­ne über­zeugt der Ko­rea­ner mit ex­trem viel Be­we­gungs­frei­heit vorn – aber vor al­lem im Fond. Der Gal­li­er knapst da­ge­gen et­was mit dem Raum: Fah­rer und Bei­fah­rer sit­zen dich­ter an den Tü­ren, und im Fond fehlt es ge­gen­über dem Ri­va­len aus Ko­rea an Knie­frei­heit. Da­für ver­wöhnt der Re­nault mit be­que­men Sit­zen, die auf Knopf­druck den ge­stress­ten Rü­cken ge­fühl­voll mas­sie­ren – und

Kia und Re­nault ver­bin­den Funk­tio­na­li­tät mit ex­tra­va­gan­tem De­sign. und Das Re­zept passt

das so­gar se­ri­en­mä­ßig. Für den Op­ti­ma gibt es sol­che Fea­tu­res nicht. Kia hat sich al­ler­dings viel Mü­he ge­ge­ben, den Sit­zen ei­ne ge­lun­ge­ne Kon­tur zu ver­pas­sen. Vor al­lem die ho­he Leh­ne und die lang­stre­ck­en­taug­li­che Pols­te­rung be­wei­sen, dass die Ko­rea­ner ih­re Haus­auf­ga­ben ge­macht ha­ben. Das zeigt sich noch in­ten­si­ver bei der Be­die­nung des Sports­wa­gon. Die An­ord­nung der Be­dien­ele­men­te folgt ei­ner klar ge­glie­der­ten Struk­tur im auf­ge­räum­ten Cock­pit. Das Ein­stel­len der Fahr­zeug­kon­fi­gu­ra­tio­nen so­wie die Me­nü­füh­rung des bei bei­den Kom­bis se­ri­en- mä­ßi­gen Na­vi­ga­ti­ons­sys­tems folgt im Op­ti­ma ei­nem in­tui­ti­ven und lo­gisch auf­ge­bau­ten Sche­ma. Beim Re­nault muss der Fah­rer öf­ter um die ei­ne oder an­de­re Ecke den­ken, um den rich­ti­gen Me­nü­punkt zu fin­den. Die La­de­ab­tei­le von Sports­wa­gon und Grand­tour lie­gen da­ge­gen mit 552 bis 1686 Li­tern re­spek­ti­ve 572 bis 1681 Li­tern auf ei­nem ähn­li­chen Ni­veau. Die prak­ti­sche drei­ge­teil­te Fond­leh­ne be­schert dem Kia je­doch et­was mehr Va­ria­bi­li­tät. Re­nault be­lässt es bei ei­ner asym­me­trisch vor­klapp­ba­ren Leh­ne mit klei­ner Durch­la­de­mög­lich­keit. Die In­nen­raum-Qua­li­tät ist oh­ne­hin ein­deu­tig die Do­mä­ne des Sports­wa­gon. Das un­ter­mau­ert er mit hoch­wer­ti­gen Ober­flä­chen und ei­ner fei­nen Ver­ar­bei­tung. Der Ta­lis­man wirkt hier im Vergleich teil­wei­se et­was nach­läs­sig mon­tiert.

Auf der Stra­ße nimmt der Grand­tour mit sei­nem 160-PS-Die­sel das Zep­ter aber wie­der in die Hand – er hängt den 19 PS schwä­che­ren Sports­wa­gon pro­blem­los ab. Ihm ge­nü­gen 9,6 Se­kun­den, um Tem­po 100 zu er­rei­chen. Der Kia lässt 1,5 Se­kun­den mehr ver­strei­chen und hat obend­rein mehr Mü­he, sei­ne Spit­ze von 200 km/ h zu er­zie­len. Sein Ri­va­le rennt 213 km/ h. Selbst die 130-PS-Die­sel­ver­si­on des Grand­tour soll laut Werk schon die Fahr­leis­tun­gen des Kia 1.7 CRDi er­rei­chen – üb­ri­gens der ein­zi­ge Die­sel im Op­ti­ma-Pro­gramm. Und auch in punc­to Ver­brauch kann der neue Ko­rea­ner trotz sei­nes Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­bes (2000 Eu­ro) ge­gen­über dem Grand­tour mit se­ri­en­mä­ßi­gem Sechs­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be kei­nen Vor­teil her­aus­fah­ren – bei­de Her­stel­ler ge­ben 4,6 Li­ter Die­sel auf 100 km an.

Op­ti­ma und Ta­lis­man las­sen sich mit ad­ap­ti­ven Dämp­fern aus­stat­ten

Ei­nen Vor­sprung er­ar­bei­tet sich der Kia hin­ge­gen auf schlech­ten und kur­vi­gen Stre­cken. Er liegt gut in der Hand, folgt prä­zi­se den Rich­tungs­be­feh­len des Fah­rers, bleibt stets si­cher in der Spur und meis­tert auch schlech­te Pis­ten dank sei­nes ge­lun­ge­nen Fe­de­rungs­kom­forts. Der Ta­lis­man wirkt hier syn­the­ti­scher. Sei­ne op­tio­na­le All­rad-Len­kung bie­tet nicht so viel Rück­mel­dung wie die des Kia. Und sei­nen ad­ap­ti­ven Dämp­fern (Mul­ti Sen­se 4Con­trol, Pa­ket: 1700 Eu­ro) fehlt die Aus­ge­wo­gen­heit, mit der das ein­stell­ba­re Fahr­werk des Op­ti­ma (1990 Eu­ro; erst ab Aus­stat­tung Spi­rit für 6800 Eu­ro er­hält­lich) Kan­ten und Wel­len her­aus­fil­tert. Ein Grund da­für ist al­ler­dings, dass der Fran­zo­se mit den im Pa­ket ent­hal­te­nen mäch­ti­gen 19-Zöl­lern über Qu­er­fu­gen stol­pert, wäh­rend der Op­ti­ma auf ge­schmei­di­ger ab­rol­len­den 18-Zoll-Rä­dern fährt.

Ein wei­te­rer Plus­punkt des Op­ti­ma Sports­wa­gon 1.7 CRDi im Du­ell mit dem Re­nault ist sein Ein­stiegs­preis. In der Ba­sis­aus­stat­tung Edi­ti­on 7 kos­tet er 30.290 Eu­ro in­klu­si­ve Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be. Der Ta­lis­man Grand­tour dCi 160 EDC hin­ge­gen star­tet erst bei üp­pi­gen 36.200 Eu­ro, der dCi 130 EDC bei 32.250 Eu­ro – bei­de mit Sechs­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be. Der Sports­wa­gon bringt schon in der Ba­sis ei­ne or­dent­li­che Gr­und­aus­stat­tung mit. Ne­ben elek­tri­schen Fens­ter­he­bern, Tem­po­mat, Blue­tooth und ei­ner ma­nu­el­len Kli­ma­an­la­ge ver­fügt er auch über ein Sie­ben-Zoll-Na­vi­ga­ti­ons­sys­tem mit Touch­screen in­klu­si­ve App­leCarPlay- und An­dro­id-Au­to-Funk­ti­on. Der Re­nault hat aber noch mehr zu bie­ten: Die an den 160 dCi ge­kop­pel­te In­tens-Li­nie er­wei­tert das ver­gleich­ba­re üp­pi­ge Kia-Sor­ti­ment um ei­ne Zwei-Zo­nen-Kli­ma­au­to­ma­tik, Di­gi­tal­ra­dio, 8,7-Zoll-Touch­screen, Voll-LED-Schein­wer­fer und 18-Zoll-Rä­der. Mo­der­ne As­sis­ten­ten – vom To­ter-Win­kel-War­ner über den au­to­no­men Not­brems­as­sis­ten­ten bis hin zur Ver­kehrs­zei­chen­er­ken­nung – kos­ten je­doch hier wie dort ex­tra. Nur den Fern­licht­as­sis­ten­ten hat der Re­nault se­ri­en­mä­ßig. Micha­el God­de

FA­ZIT: Mit dem neu­en Op­ti­ma Sports­wa­gon dürf­te Kia in der Kom­bi-Na­ti­on Deutsch­land auch in der Mit­tel­klas­se end­lich Fuß fas­sen. Der Ko­rea­ner punk­tet mit ge­lun­ge­nem Hand­ling, üp­pi­gen Platz­ver­hält­nis­sen, gu­ter Aus­stat­tung und or­dent­li­chem Kom­fort. In Sa­chen An­trieb fällt er aber hin­ter den kräf­ti­ge­ren Fran­zo­sen zu­rück. Der Ta­lis­man Grand­tour über­zeugt zu­dem mit sei­ner noch um­fang­rei­che­ren Se­ri­en­aus­stat­tung, ist al­ler­dings auch deut­lich teu­rer.

Der Kia Sports­wa­gon liegt gut in der Hand. Mehr Tem­pe­ra­ment zeigt aber der Re­nault Grand­tour

Die Sit­ze mit Mas­sa­ge­funk­ti­on ge­hö­ren be­reits zum Se­ri­en­um­fang des Re­nault – Le­der nicht (l.). Viel La­de­vo­lu­men, aber nur ei­ne asym­me­trisch um­leg­ba­re Leh­ne (u.). Um­ständ­li­che Be­die­nung per Tas­ten und Touch­screen (r.)

Die ro­ten Zi­er­näh­te im In­nen­raum des Kia und an den Le­der­sit­zen kenn­zeich­nen die GTLi­ne-Aus­stat­tung (8800 Eu­ro). Klar struk­tu­rier­tes, hoch­wer­ti­ges Cock­pit (l.). Ebe­ner La­de­raum mit drei­ge­teil­ter Sitz­leh­ne (u.)

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