Vir­tu­al Rea­li­ty: neue Di­gi­tal-Wel­ten bei Au­di – et­wa die Fahr­zeug­kon­fi­gu­ra­ti­on per Da­ten-Bril­le

Mit­hil­fe der Vir­tu­al Rea­li­ty-Tech­nik (VR) macht der Mensch künf­tig völ­lig neue Er­fah­run­gen mit sei­nem Au­di. Zum Bei­spiel lernt er die Funk­tio­nen kom­ple­xer As­sis­tenz­sys­te­me ken­nen, oh­ne dass da­bei ei­ne Ge­fah­ren­si­tua­ti­on ent­steht

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Jür­gen Voigt

Men­schen, die mit klo­bi­gen elek­tro­ni­schen Bril­len auf dem Kopf schein­bar wirr durch die Ge­gend ir­ren, kennt man von Com­pu­ter­spielE­vents und ein­schlä­gi­gen Mes­sen. Diese Men­schen er­le­ben ge­ra­de ih­re ei­ge­ne Rea­li­tät, die ih­nen durch die be­sag­te Bril­le vor die Au­gen pro­ji­ziert wird – die so­ge­nann­te Vir­tu­al Rea­li­ty (VR), die dem Spie­ler ei­ne täu­schend echt wir­ken­de Welt in ani­mier­ter 3DGra­fik vor­gau­kelt. Au­di hat be­reits er­kannt, dass die VR nicht nur zu Un­ter­hal­tungs­zwe­cken die­nen kann. So wird der Au­di-Kun­de künf­tig mit­hil­fe der VR-Bril­le sei­nen neu­en Au­di live er­le­ben kön­nen, noch be­vor er pro­du­ziert ist. Far­be, In­te­ri­eur, Stof­fe – al­les wirkt täu­schend echt, so­dass der Käu­fer ei­nen per­fek­ten und rea­li­täts­na­hen Ein­druck von sei­nem künf­ti­gen Fahr­zeug er­hält. So­gar tech­ni­sche De­tails un­ter dem Blech, die selbst in der Rea­li­tät nicht sicht­bar wä­ren, las­sen sich da­mit für den Kun­den vi­sua­li­sie­ren. Doch es geht Au­di nicht nur ums An­schau­en, son­dern auch um das leib­haf­ti­ge Er­fah­ren des Au­tos und sei­ner Tech­nik. Da­für wur­de das Vir­tu­al Trai­ning Car ent­wi­ckelt, das dem Men­schen die Funk­tio­nen, et­wa von kom­ple­xen As­sis­tenz­sys­te­men, haut­nah ver­mit­teln soll, oh­ne dass man sich da­bei in ei­ne spe­zi­fi­sche, mög­li­cher­wei­se auch ge­fähr­li­che rea­le Fahr­si­tua­ti­on be­ge­ben muss. Im Vir­tu­al Trai­ning Car be­wegt der Fah­rer das Au­to re­al auf ei­nem ab­ge­sperr­ten Ge­län­de, sieht aber nur das elek­tro­ni­sche Bild, das ihm die VR-Bril­le ein­spielt. Die Bril­le und de­ren Steue­rung sind mit dem Fahr­zeug eng ver­netzt. So lässt sich zum Bei­spiel der Not­brems­as­sis­tent (Au­di pre sen­se ci­ty) aus­lö­sen und in Ak­ti­on er­le­ben. Da­bei sieht der Fah­rer durch die VR-Bril­le, wie er auf ein Hin­der­nis zu­rollt, wor­auf das Fahr­zeug selbst­tä­tig ei­ne Not­brem­sung aus­führt. Diese Brem­sung ist echt, und man spürt sie deut­lich am ei­ge­nen Leib. Doch das Hin­der­nis exis­tiert nicht wirk­lich, son­dern wur­de nur elek­tro­nisch si­mu­liert.

Die Not­brem­sung ist spür­bar echt, das Hin­der­nis aber si­mu­liert

Die gan­ze Ak­ti­on wird natürlich von ei­nem Trai­ner auf dem Bei­fah­rer­sitz über­wacht, der not­falls kor­ri­gie­rend ein­grei­fen kann. Wei­te­res Si­cher­heits­fea­ture an Bord ist das hoch­prä­zi­se, auf zwei Zen­ti­me­ter ge­nau mes­sen­de Dif­fe­ren­zi­al-GPS, das sofort er­kennt, wenn der prä­pa­rier­te Au­di A4 das Test-Are­al ver­lässt.

Vir­tu­al Rea­li­ty ent­wi­ckelt sich schnell wei­ter

Da­mit der Pro­band am Steu­er al­les mög­lichst rea­lis­tisch er­lebt, re­gis­triert ein so­ge­nann­ter He­adt­ra­cker auf der Rück­bank­leh­ne die Kopf­be­we­gun­gen des Fah­rers. Die per In­fra­rot­sen­so­rik ge­won­ne­nen Da­ten flie­ßen in die Bil­der­zeu­gung ein. Dreht der Fah­rer den Kopf nach links, wird ihm in Echt­zeit der Blick durch das Sei­ten­fens­ter vor­ge­gau­kelt. Ins­ge­samt wirkt die vor­ge­spiel­te Rea­li­tät nicht im­mer so re­al wie man sich das wünscht, das Sze­na­rio er­scheint aber ins­ge­samt plau­si­bel und echt. Und das Sys­tem steht erst am An­fang sei­ner Ent­wick­lung – die Bril­len, ih­re Bild­qua­li­tät und die Soft­ware wer­den im­mer bes­ser. Der Re­chen­auf­wand für ei­ne sol­che Si­mu­la­ti­on ist schon jetzt im­mens, was man al­lein an der im Kof­fer­raum in­stal­lier­ten sper­ri­gen Rech­nerHard­ware er­kennt. Doch künf­tig sol­len auch kom­ple­xe­re Ma­nö­ver er­le­bbar sein, un­ter an­de­rem das teil­au­to­no­me Fah­ren mit Spur­wech­seln oder das au­to­ma­ti­sche Ein­par­ken mit­hil­fe des Ein­par­kas­sis­ten­ten. Noch bil­det Au­di die ei­ge­nen Händ­ler im Vir­tu­al Trai­ning Car aus. Diese kön­nen spä­ter je­doch auf ge­eig­ne­ten Ge­län­den auch ih­ren Kun­den die Er­fah­run­gen mit dem VR-Tool ver­mit­teln und da­mit die neu­es­te Au­di-Tech­nik live er­le­bbar ma­chen.

Im Vir­tu­al Trai­ning Car sieht der Fah­rer nicht durch die Schei­be, son­dern nur das Bild der VR-Bril­le, das hier auch auf dem rech­ten Mo­ni­tor dar­ge­stellt wird. Mit dem In­fra­rot-He­adt­ra­cker (oben) wird die Kopf­be­we­gung des Fah­rers er­fasst, die in die elek­tro­ni­sche Bil­der­zeu­gung (u.) mit ein­fließt

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