Amg Kun­den-renn­sport

Seit En­de 2011 hat Mer­ce­des mit sei­ner Mar­ke AMG ein äu­ßerst er­folg­rei­ches Kun­den­sport-Pro­gramm in der GT3-Ka­te­go­rie eta­bliert. Nun steht mit dem AMG GT3 die zwei­te Ge­ne­ra­ti­on am Start

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Am Start – se­ri­en­na­he Renn­wa­gen

Bei Jo­chen Bit­zer leuch­ten kei­ne Dol­lar­zei­chen in den Au­gen, wenn es um die ge­stell­te Preis­fra­ge „Was kos­tet der?“geht. Statt­des­sen fo­kus­siert sich sein Blick auf rein be­triebs­wirt­schaft­li­che Nüch­tern­heit. „372.000 Eu­ro plus Steu­er“, sagt der Lei­ter von AMG Cust­o­m­er Sports knapp. „Aha“, ent­fährt es sei­nem Ge­gen­über. Ganz si­cher kein wah­rer Kauf­in­ter­es­sent für ei­nen der neu­en, mäch­ti­gen und ganz schnel­len Mer­ce­des-AMG GT3. Be­sit­zen wür­de er die­sen frei­lich lie­bend gern … Doch ernst­haf­te Kauf­in­ter­es­sen­ten gibt es in al­ler Welt, und nicht zu knapp. Vom Vor­gän­ger­mo­dell SLS AMG GT3 wur­den rund 100 Ex­em­pla­re ge­baut und ver­kauft. „Viel mehr, als wir je er­war­tet hat­ten“, wie Bit­zer zu­gibt. Vom neu­en Mer­ce­des-AMG GT3 rol­len und ra­sen auf den Renn­stre­cken seit die­ser Sai­son be­reits fast 50 Stück. Über 30 ver­schie­de­ne GT3-Cham­pio­na­te bie­ten sich als Platt­form an. Im Lauf der letz­ten sechs, sie­ben Jah­re ha­ben sich im­mer mehr Renn­se­ri­en für GT3-Au­tos eta­bliert. Das Renn­sport-Seg­ment mit den High End-Sport-

wa­gen boomt. Und je­der re­nom­mier­te Her­stel­ler will mit Er­folg da­bei sein, will den eben­so lu­kra­ti­ven wie image­träch­ti­gen Markt nicht ver­pas­sen. Al­lein das deut­sche ADAC GT Mas­ters ist mit ei­nem 32 Au­tos gro­ßen Star­ter­feld ex­trem stark be­setzt – hier star­ten 19 Teams mit zehn un­ter­schied­li­chen Mo­del­len. „Wir wol­len mit se­ri­en­na­hen Renn­wa­gen er­folg­rei­chen Kun­den­sport be­trei­ben“, um­reißt Kun­den­sport­lei­ter Bit­zer das Ziel des Pro­jekts, „eben al­les, was nicht als klas­si­scher Werks­sport gilt.“An­ders al­so als in der For­mel 1 oder in der DTM hat Mer­ce­des im GT3-Re­vier kein klas­si­sches Werks­team am Start. Ein­zi­ge Aus­nah­me: „Beim FIA GT3-Welt­cup in Ma­cau im No­vem­ber sind wir mit un­se­rem Part­ner HWA da­bei“, er­klärt Bit­zer. So konn­te Ma­ro Engel letz­tes Jahr in der eins­ti­gen por­tu­gie­si­schen Kron­ko­lo­nie den pres­ti­ge­träch­ti­gen Ti­tel des GT3-Welt­meis­ters er­kämp­fen. Die Ver­ant­wor­tung für den Ein­satz der Fahr­zeu­ge liegt im­mer bei den Teams. AMG Cust­o­m­er Sports ge­währt da­bei ei­ne völ­li­ge Gleich­be­hand­lung al­ler Kun­den­teams. Al­ler­dings: Mit Be­ginn der Sai­son 2016 wur­den von AMG Cust­o­m­er Sports so­ge­nann­te AMG Per­for­mance Teams eta­bliert. „Wir muss­ten er­ken- nen, dass es mit rei­nen Kun­den­teams schwie­rig ist, bei gro­ßen, wich­ti­gen Events wie et­wa bei den 24-St­un­den-Ren­nen auf dem Nür­burg­ring und in Spa oder beim 12-St­un­den-Ren­nen von Ba­thurst er­folg­reich zu sein“, be­stä­tigt Bit­zer. Das liegt vor al­lem an ei­ner Ver­schär­fung des Wett­be­werbs durch kon­kur­rie­ren­de Her­stel­ler. Dass AMG sei­ne Kun­den mit Werks­pi­lo­ten un­ter­stützt, ge­hört zum gu­ten Ton. Die Kon­kur­renz macht es seit Jah­ren nicht an­ders. „Wenn man nicht ver­sucht, die Teams zu un­ter­stüt­zen, um ge­gen mas­si­ve WerksEn­ga­ge­ments an­de­rer Her­stel­ler stand­hal­ten zu kön­nen, kom­men nicht die Er­geb­nis­se, die man sich er­war­tet“, un­ter­streicht Bit­zer.

Grö­ße­re Wett­be­werbs­fä­hig­keit durch Per­for­mance Teams

Auch AMG-Chef To­bi­as Mo­ers hält die Er­wei­te­rung von AMG Cust­o­m­er Sports mit den Per­for­mance Teams für sinn­voll: „Schon mit dem Vor­gän­ger­typ SLS AMG GT3 wa­ren un­se­re Kun­den­sport­teams sehr er­folg­reich – oft auch ge­gen werks­un­ter­stütz­te Wett­be­wer­ber. Doch die Kon­kur­renz schläft nicht. Mit den Per­for­mance Teams stel­len wir si­cher, dass wir wei­ter­hin wett­be­werbs­fä­hig sind. Wir wol­len un­se­re

24h Nür­burg­ring: fünf AMG GT3 un­ter den top sechs. Da s hatt e zu­vor noch kei­ner ge­schafft

Er­fah­rung und un­ser Know­how aus der DTM und auch als Her­stel­ler op­ti­mal ein­brin­gen, um den GT3-Motorsport bei AMG wei­ter vor­an­zu­brin­gen. Da­von pro­fi­tie­ren al­le Sei­ten.“

Die War­te­zeit für den neu­en AMG GT3 reicht der­zeit bis No­vem­ber

Wie man Motorsport-Bud­gets re­la­tiv klein hal­ten kann, da­bei aber den­noch äu­ßerst er­folg­reich bleibt, de­mons­trie­ren die Schwa­ben seit Jah­ren mit ih­rem En­ga­ge­ment im Werks­sport. Die Er­kennt­nis­se dar­aus kom­men letzt­lich auch dem GT3-Kun­den zu­gu­te. „Es ist im­mer ei­nes un­se­rer vor­ran­gi­gen Zie­le, die lau­fen­den Kos­ten so ge­ring wie möglich zu hal­ten, denn nur so be­kommt man ein nach­hal­ti­ges Ge­schäfts­mo­dell“, er­klärt Bit­zer. Der­zeit um­fasst die Lis­te der Ge­schäfts­be­zie­hun­gen 70 Kun­den. Al­le dür­fen sich mit dem Zu­satz­na­men „Mer­ce­des AMG Cust­o­m­er Sports Team“schmü­cken. Der neue Mer­ce­des­AMG GT3 wur­de noch kurz vor En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res aus­ge­lie­fert: Ei­nen der ers­ten neu­en AMG GT3 nahm das deut­sche Black Fal­con-Team in Emp­fang, um da­mit beim 24-St­un­den-Ren­nen von Du­bai sofort auf Tro­phä­en­jagd zu ge­hen. Wei­te­re frü­he Ex­em­pla­re gin­gen nach Ja­pan und Aus­tra­li­en – dort­hin, wo eben die Kund­schaft so­gleich Ren­nen da­mit fah­ren woll­te. Bit­zer: „Es gibt natürlich auch Samm­ler, die das Au­to als Wert­an­la­ge be­trach­ten. Die konn­ten erst im Ju­ni be­lie­fert wer­den.“Der­zeit dau­ert die War­te­zeit für ei­nen AMG GT3 bis No­vem­ber. Jo­chen Bit­zer er­gänzt: „In den nächs­ten Jah­ren wol­len wir auch auf dem US-Markt stär­ker ver­tre­ten sein.“Seit 2011 ha­ben die AMG-Kun­den­teams mit dem Renn­flü­gel­tü­rer SLS welt­weit 165 Ge­samt­sie­ge und 455 Po­dest­plät­ze er­run­gen. 2013 ge­lang so­gar der Grand Slam des GT3-Sports: Die Langstre­cken­klas­si­ker in Du­bai, Ba­thurst, auf dem Nür­burg­ring und in Spa gin­gen al­le­samt an Mer­ce­des. Und bei al­len Tri­um­phen war Mer­ce­des-Ur­ge­stein Bernd Schnei­der als Fah­rer be­tei­ligt. Der neue AMG GT3 knüpft naht­los an die Er­fol­ge sei­nes Vor­gän­gers an. So konn­te er bis­lang 13 Ge­samt­sie­ge und 35 Po­dest­plat­zie­run­gen in 79 Ren­nen per­fekt ma­chen – dar­un­ter auch den his­to­ri­schen Tri­umph beim 24h-Ren­nen auf dem Nür­burg­ring im Mai mit ei­nem Vier­fach-Er­folg. An­ge­sichts sol­cher Re­sul­ta­te leuch­ten die Au­gen von Kun­den­sport­lei­ter Bit­zer dann doch. Vor Freu­de.

Zwei ADAC-Mas­ters-Sie­ge: Lu­ca Lud­wig und Se­bas­ti­an Asch sieg­ten in Oschers­le­ben und am Sach­sen­ring. Die Ti­tel­ver­tei­di­gung wird al­ler­dings schwer

Fah­ne hoch­ge­hal­ten: Ren­ger van der Zan­de/ Tris­tan Vau­tier/Felix Ro­sen­qvist fei­er­ten trotz schwie­ri­ger Be­din­gun­gen noch Rang zwei in Spa

Ein drei­fa­ches Hoch: Nach span­nen­den 24 St­un­den auf dem Nür­burg­ring stan­den so­gar drei Mer­ce­des­AMG GT3 auf dem Sie­ger­po­dest, die Plät­ze vier und sechs gin­gen eben­falls nach Af­fal­ter­bach

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