In­ter­view: Bent­ley- und Bu­gat­ti-Chef Wolfgang Dür­hei­mer

Der Prä­si­dent und Vor­stands­chef von Bent­ley und Bu­gat­ti Wolfgang Dür­hei­mer spricht über den Er­folg des Ben­tay­ga, neue Mo­del­le, lang­fris­ti­ge Ver­kaufs­zie­le und das Motorsport-En­ga­ge­ment

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Das Ge­spräch führ­te Vol­ker Ko­erdt

Herr Dür­hei­mer, mit dem Ben­tay­ga, dem ers­ten SUV der Mar­ke, hat Bent­ley Neu­land be­tre­ten. Hat das Au­to Ih­re Er­war­tun­gen er­füllt?

Der Ben­tay­ga hat al­le un­se­re Er­war­tun­gen über­trof­fen. In der Pla­nung für das ers­te Jahr sind wir ur­sprüng­lich von 3600 Au­tos aus­ge­gan­gen. Wir ha­ben un­se­re Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät der Nach­fra­ge an­ge­passt und lie­gen ak­tu­ell bei 5600 – und das, ob­wohl der Ben­tay­ga das teu­ers­te und ex­klu­sivs­te SUV der Welt ist! Der Ein­stiegs­preis liegt bei über 200.000 Eu­ro. Die First Edi­ti­on, von der wir welt­weit mehr als 600 Stück ver­kauft ha­ben, lag so­gar bei 300.000 Eu­ro. Auch bei der Per­for­mance hat das Au­to al­les ein­ge­löst. Es

ist das schnells­te und leis­tungs­stärks­te SUV. Be­son­ders in Chi­na, in Eu­ro­pa, den USA und in En­g­land kommt der Ben­tay­ga bei un­se­ren Kun­den gut an.

Der Ben­tay­ga er­hält dem­nächst ei­nen Die­sel­mo­tor und ist da­mit der ers­te Selbst­zün­der in der Ge­schich­te von Bent­ley. Be­ein­flusst das Die­sel­ga­te Ih­re Stra­te­gie?

Der Ben­tay­ga Die­sel war von An­fang an nur für Eu­ro­pa und Groß­bri­tan­ni­en ge­plant, nicht für Chi­na und die USA – das Die­sel­ga­te be­ein­flusst un­se­re Plä­ne nicht.

Den­noch: Das Jahr 2016 ge­stal­tet sich auf­grund der wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen man­cher Märk­te für Bent­ley nicht ein­fach, oder?

In der Tat ha­ben wir durch Ve­rän­de­run­gen in den Märk­ten wie Chi­na und im Mitt­le­ren Os­ten in der ers­ten Jah­res­hälf­te et­wa 13 Pro­zent we­ni­ger Au­tos ver­kauft. Das lag aber auch dar­an, dass wir den Effekt des Con­ti­nen­tal-Face­lifts im ver­gan­ge­nen Jahr dies­mal nicht wie­der ver­bu­chen konn­ten. Den­noch wer­den wir 2016 er­neut über 10.000 Fahr­zeu­ge verkaufen. Vi­el­leicht er­rei­chen wir durch den Ben­tay­ga so­gar das bes­te Er­geb­nis al­ler Zei­ten.

Das ope­ra­ti­ve Er­geb­nis ist bis zur Jah­res­mit­te ne­ga­tiv ge­we­sen. Wo se­hen Sie die Grün­de?

Hier schlägt sich das An­lauf-Bud­get des Ben­tay­ga nie­der, der erst seit Au­gust in den USA und in Chi­na voll ver­füg­bar ist. Und dann gibt es wei­te­re po­li­ti­sche Ein­flüs­se, die das Ge­schäft nicht ein­fa­cher ma­chen. In En­g­land ist man nach­denk­lich we­gen des Br­ex­its, und in den USA ver­zeich­nen wir ei­ne Kauf­zu­rück­hal­tung vor der Wahl.

In Deutsch­land konn­ten Sie bis En­de Ju­li knapp 500 Fahr­zeu­ge zu­las­sen. Das müss­te Sie doch zu­frie­den stim­men?

Ja, Deutsch­land ist in den letz­ten Jah­ren ei­ne ech­te Er­folgs­sto­ry für Bent­ley. Wir konn­ten un­se­re eta­blier­ten Wett­be­wer­ber über­ho­len. Nichts­des­to­trotz müs­sen wir dran­blei­ben und auch in Län­dern wie der Schweiz, in Ös­ter­reich, Spa­ni­en und Ita­li­en wei­ter zu­le­gen.

Wie wol­len Sie das ma­chen?

Wir set­zen hier­bei un­ter an­de­rem auf den Motorsport. Kei­ne an­de­re Mar­ke ver­bin­det Lu­xus und Per­for­mance so wie Bent­ley. Bei den Renn­ver­an­stal­tun­gen kön­nen un­se­re Kun­den haut­nah mit­er­le­ben, wo­zu un­se­re Fahr­zeu­ge und das Bent­ley-Team fä­hig sind. Sie er­le­ben ei­ne at­trak­ti­ve, sport­li­che Lu­xus­mar­ke, die im Renn­sport er­folg­reich ist.

Gibt es bei Ih­nen wei­te­re Plä­ne, im Motorsport zu ex­pan­die­ren?

Im Motorsport wer­den wir uns erst ein­mal auf die fünf Se­ri­en kon­zen­trie­ren, in de­nen wir auch bis­lang an den Start ge­hen. Wir sind mo­men­tan er­folg­reich in der Blancpain En­duran­ce und der Sprint Se­ries, der ADAC GT Mas­ters, der GT Asia, der Bri­tish GT Cham­pi­ons­hip und in den USA in der Pi­rel­li World Chal­len­ge ver­tre­ten.

Das Vo­lu­men­mo­dell der Mar­ke ist der Con­ti­nen­tal. Er wird dem­nächst neu kom­men. In­wie­weit wird er von den Ak­ti­vi­tä­ten im Motorsport pro­fi­tie­ren?

Die Ge­ne­tik der Fahr­dy­na­mik des Bent­ley GT3 Renn­wa­gens wird auf den nächs­ten Con­ti­nen­tal über­tra­gen wer­den. Der neue Bo­li­de wird vor­aus­sicht­lich 2018 an den Start ge­hen.

Wie geht es denn nun wei­ter mit der wun­der­schö­nen Stu­die Speed 6? Fällt sie dem Spar­zwang des VW-Kon­zerns zum Op­fer?

Das Pro­jekt ist noch nicht ent­schie­den. Wir ar­bei­ten an der Stra­te­gie, es in Se­rie zu brin­gen. Der EXP 10 Speed 6 wä­re ei­ne her­vor­ra­gen­de Er­gän­zung un­se­res be­ste­hen­den Port­fo­li­os.

Gibt es Plä­ne für ein SUV un­ter­halb des Ben­tay­ga?

Das ist nicht vor­ge­se­hen. Aber ei­ne Cou­pé-Va­ri­an­te des Ben­tay­ga, die dann et­was güns­ti­ger sein könn­te, ist durch­aus ei­ne Al­ter­na­ti­ve. Au­ßer­dem wird in den USA und Chi­na ein län­ge­rer Ben­tay­ga mit mehr Rad­stand ge­wünscht. Dar­über den­ken wir auch nach.

Was pas­siert bei Bent­ley in Sa­chen Elek­tro­mo­bi­li­tät bzw. Hy­brid­an­trieb?

Auch Bent­ley muss sei­ne Emis­sio­nen sen­ken, die CO2-An­for­de­run­gen er­fül­len und wird sei­nen Bei­trag für die Zu­kunft leis­ten. Je­de Bau­rei­he soll da­her künf­tig ei­nen Plug-in-Hy­bri­den er­hal­ten. Der Ers­te wird der Ben­tay­ga sein. Au­ßer­dem sind diese al­ter­na­ti­ven An­trie­be für ei­nen Markt wie Chi­na äu­ßerst re­le­vant.

Wie steht die Bent­ley­K­li­en­tel zum au­to­no­men Fah­ren? Schließ­lich hat man ei­nen Chauf­feur …

Au­to­no­mes Fah­ren wird bei Lu­xus-Fahr­zeu­gen in ei­ni­gen Jah­ren zum Stan­dard ge­hö­ren.

Das al­les kos­tet aber viel Geld …

Wir in­ves­tie­ren mo­men­tan sehr stark in Pro­duk­te, in un­se­re Han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on und auch in das Werk im eng­li­schen Crewe. Dort ha­ben wir in den ver­gan­ge­nen Jah­ren über 1000 neue Ar­beits­plät­ze ge­schaf­fen.

Zu­sam­men­ge­fasst kon­zen­triert sich das Wachs­tum der kom­men­den Jah­re auf vier Mo­del­le, oder?

Mit dem Ben­tay­ga ha­ben wir das Seg­ment der Lu­xus-SUV de­fi­niert, und er ist be­reits jetzt zum Maß­stab die­ser neu­en Klas­se avan­ciert. Wir wer­den dem­nächst wei­te­re Mo­tor­va­ri­an­ten ein­füh­ren – und ei­ne cou­pé­haf­te Form könn­te das SUV-Port­fo­lio gut er­gän­zen. Diese Idee ist aber noch nicht be­stä­tigt. Der neue und nächs­te Con­ti­nen­tal wird wie­der für Fu­ro­re sor­gen und uns wei­te­res Wachs­tum be­sche­ren. Und ne­ben dem Con­ti­nen­tal könn­te mit dem Speed 6 ein sehr at­trak­ti­ves, fahr­dy­na­misch sport­li­ches, zwei­sit­zi­ges Cou­pé das Mo­dell­pro­gramm ab­run­den – auch hier­bei han­delt es sich aber bis­her nur um Ide­en. Zu­sam­men mit un­se­ren be­ste­hen­den Pro­duk­ten, dem Fly­ing Spur und un­se­rem Flagg­schiff, dem neu­en Mulsan­ne, ist Bent­ley stark für die Zu­kunft auf­ge­stellt.

Wenn dies al­les Rea­li­tät wird, wä­ren dann 20.000 Bent­ley pro Jahr rea­lis­tisch?

20.000 Ex­em­pla­re ist ein gu­ter Wert, auch wenn Vo­lu­men nicht un­ser pri­mä­res Un­ter­neh­mens­ziel ist. Un­ser Ziel ist es, mit au­ßer­ge­wöhn­li­chem hand­werk­li­chen Ge­schick die lu­xu­riö­ses­ten und leis­tungs­stärks­ten Fahr­zeu­ge für un­se­re an­spruchs­vol­len Kun­den zu bau­en.

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