OLA KÄLLENIUS

Ge­spräch mit dem Ver­triebs­vor­stand

AUTO ZEITUNG - - MAYBACH 6 IN PEBBLE BEACH M ERCEDES SLC C-KLASSE C - Das Ge­spräch führ­te Ste­fan Mie­te

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Herr Källenius, Mer­ce­des setzt stär­ker denn je auf au­to­mo­bi­len Lu­xus – auch, um sich von an­de­ren Pre­mi­um­an­bie­tern ab­zu­set­zen. Was ist Ih­re De­fi­ni­ti­on von Lu­xus?

Lu­xus be­deu­tet Zeit­lo­sig­keit, die über das Mo­di­sche hin­aus­geht. Durch die mo­der­ne For­men­spra­che der sinn­li­chen Klar­heit schaf­fen die De­si­gner von Mer­ce­des­Benz Le­bens­räu­me, in de­nen die Kun­den mo­der­nen Lu­xus er­le­ben kön­nen. Das hat nichts mit alt­her­ge­brach­ten Vor­stel­lun­gen wie Opu­lenz oder Ef­fekt­ha­sche­rei zu tun, son­dern schlicht und ein­fach mit dem, was sich die Men­schen heu­te am meis­ten wün­schen: Zeit, Raum und die Fle­xi­bi­li­tät, den All­tag ent­spannt und ef­fi­zi­ent zu ge­stal­ten. Mo­der­ner Lu­xus macht das Le­ben ein Stück weit ein­fa­cher und an­ge­neh­mer.

Ist Lu­xus ein zeit­ge­mä­ßes Le­bens­ge­fühl?

So wie wir Lu­xus ver­ste­hen, auf je­den Fall. Es ist heu­te nicht im­mer ein­fach, die un­ter­schied­li­chen Be­rei­che un­se­res Le­bens un­ter ei­nen Hut zu brin­gen. Wir schaf­fen mo­bi­le Frei­räu­me – auch dank Di­gi­ta­li­sie­rung. Mo­der­ner Lu­xus ver­bin­det das An­ge­neh­me mit dem Nütz­li­chen für ei­nen zeit­ge­mä­ßen, ver­netz­ten Le­bens­stil.

Die De­fi­ni­ti­on von Lu­xus ist in Deutsch­land, Chi­na oder den USA sehr un­ter­schied­lich. Wie stel­len Sie sich dar­auf ein?

Natürlich sol­len al­le Kun­den bei uns ein Fahr­zeug fin­den, das ge­nau zu ih­ren Vor­stel­lun­gen passt. Ent­spre­chend ha­ben wir un­ser welt­wei­tes For­schungs- und Ent­wick­lungs-Netz­werk auf­ge­stellt mit 23 Stand­or­ten in elf Län­dern. Ne­ben der Zen­tra­le in Sin­del­fin­gen/ Un­ter­türk­heim ha­ben wir drei in­ter­na­tio­na­le Kom­pe­tenz­zen­tren: Am Stand­ort Sun­ny­va­le in den USA liegt der Schwer­punkt auf In­no­va­tio­nen für den so­ge­nann­ten „digitalen Fahr­stil“, im in­di­schen Ban­ga­lo­re ste­hen di­gi­ta­le Pro­dukt­ent­wick­lung und IT im Vor­der­grund, und in Pe­king fo­kus­sie­ren wir uns voll auf die An­for­de­run­gen un­se­rer chi­ne­si­schen Kun­den.

Sie ha­ben Mer­ce­des-AMG als Per­for­mance-Mar­ke eta­bliert. Die Mar­ke Mer­ce­des-May­bach ist der­zeit mit nur ei­nem ein­zi­gen Mo­dell ver­tre­ten. Wie sieht die Mo­dell­zu­kunft aus?

Ak­tu­ell bie­ten wir zwei Mo­del­le un­ter der Mar­ke Mer­ce­des-May­bach an: die Mer­ce­des-May­bach S-Klas­se und den 6,50 Me­ter lan­gen Mer­ce­des-May­bach Pull­man. Dass wir uns in­ten­si­ve Ge­dan­ken um die Zu­kunft von Mer­ce­des­May­bach ma­chen, zeigt auch un­se­re kürz­lich vor­ge­stell­te Stu­die „Vi­si­on Mer­ce­des- May­bach 6“. Natürlich sind zu­dem Fahr­zeu­ge für die na­he Zu­kunft ge­plant – noch in die­sem Jahr wer­den wir ei­nes da­von vor­stel­len.

Stich­wort au­to­no­mes Fah­ren: Wie wird sich der Cha­rak­ter von Mer­ce­des­Au­to­mo­bi­len ver­än­dern, wenn die Au­tos künf­tig ei­nen elek­tro­ni­schen Fah­rer an Bord ha­ben und so au­to­ma­tisch zu Chauf­feurs­li­mou­si­nen wer­den?

Mit un­se­rem For­schungs­fahr­zeug „F 015 Lu­xu­ry in Mo­ti­on“ha­ben wir ge­zeigt, wie wir uns das au­to­nom fah­ren­de Au­to der Zu­kunft so­wohl im In­te­ri­eur als auch in der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit sei­ner Um­ge­bung vor­stel­len: Das Au­to wird zum „Third Place“– Le­bens­raum, Ar­beits­platz, Lounge. In­di­vi­du­ell nach mei­nen Be­dürf­nis­sen kann ich mich mit Freun­den ver­net­zen, ein Mee­ting ab­hal­ten oder mir über die Dis­plays im In­ne­ren des Au­tos wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur Um­ge­bung auf­ru­fen.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung macht auch vor dem Ver­trieb nicht halt. Sie ha­ben ge­ra­de die On­line-Ver­mark­tung in grö­ße­rem Stil ge­star­tet. Wel­che Er­war­tun­gen knüp­fen Sie dar­an?

Mit neu­en Kon­zep­ten zur in­di­vi­du­el­len Kun­den­an­spra­che er­wei­tern wir un­ser An­ge­bot in der digitalen Welt. So er­gän­zen On­line Sto­res un­se­re bis­he­ri­gen Ver­triebs­for­ma­te und run­den den Mar­ken­auf­tritt von Mer­ce­des­Benz ab. Das Ab­satz­vo­lu­men ist für uns nicht von vor­ran­gi­ger Be­deu­tung. In ers­ter Li­nie geht es uns dar­um, ei­nen neu­en Kon­takt­punkt zu un­se­ren Kun­den zu bil­den. Im Zeit­al­ter von In­ter­net und so­zia­len Netz­wer­ken wird von ei­ner Pre­mium­mar­ke er­war­tet, je­der­zeit und über­all mit ihr in­ter­agie­ren zu kön­nen.

Ge­gen­wär­tig ha­ben Be­grif­fe wie Di­gi­ta­li­sie­rung und Elek­tri­fi­zie­rung Kon­junk­tur. Tra­di­tio­nel­le Au­to­her­stel­ler wol­len sich zu Mo­bi­li­täts­dienst­leis­tern wan­deln. Auf vie­le Men­schen wirkt das al­les abs­trakt. Be­steht nicht die Ge­fahr, dass vor al­lem die zah­lungs­kräf­ti­gen äl­te­ren Kun­den ver­un­si­chert wer­den?

Ganz klar, wir ste­hen im Be­reich der Di­gi­ta­li­sie­rung und Elek­tri­fi­zie­rung vor ei­nem der größ­ten Wan­del, den die Au­to­mo­bil­ge­schich­te je er­lebt hat. Ent­schei­dend ist doch, dass wir dies er­kannt ha­ben und uns ge­gen­über neu­en In­no­va­tio­nen of­fen und fle­xi­bel zei­gen. All die kom­men­den Ve­rän­de­run­gen ge­sche­hen nicht von heu­te auf mor­gen. Wir ent­wi­ckeln un­se­re Au­to­mo­bi­le in­klu­si­ve des ge­sam­ten digitalen Öko­sys­tems Schritt für Schritt im­mer wei­ter und ha­ben da­bei je­der­zeit die Be­dürf­nis­se all un­se­rer Kun­den im Blick.

Kom­men wir zu den An­trie­ben. Die Un­ken­ru­fe über das bal­di­ge Ab­le­ben des Die­sel­mo­tors im Pkw wer­den lau­ter. Wel­che Zu­kunft hat der Die­sel noch?

Der Die­sel­mo­tor hat de­fi­ni­tiv ei­ne Zu­kunft. Er stellt wei­ter­hin den kon­ven­tio­nel­len An­trieb mit dem höchs­ten Wir­kungs­grad dar. Aus un­se­rer Sicht sind Die­sel­mo­to­ren un­ver­zicht­bar, wenn der ver­kehrs­be­ding­te CO2-Aus­stoß wei­ter sin­ken soll. Beim An­triebs­kon­zept der Zu­kunft geht es nicht um ein „Ent­we­der-oder“, son­dern um ein „So­wohl-als-auch“.

Sind denn die not­wen­di­gen In­ves­ti­tio­nen über­haupt noch be­zahl­bar, da­mit der Die­sel auch in

Zu­kunft noch kon­kur­renz­fä­hig ist?

Wir ha­ben ak­tu­ell rund 2,7 Mil­li­ar­den Eu­ro in Ent­wick­lung und Pro­duk­ti­on ei­ner neu­en Die­selMo­to­ren­fa­mi­lie in­ves­tiert. Wir sind der Über­zeu­gung, dass dies ei­ne In­ves­ti­ti­on in die Zu­kunft ist. So er­füllt bei­spiels­wei­se un­ser neu­er Vier­zy­lin­der-Die­sel heu­te schon die stren­gen ge­setz­li­chen Emis­si­ons­vor­schrif­ten, die ab 2017 gel­ten – und we­gen sei­nes nied­ri­gen Ver­brauchs trägt er zu­sätz­lich zur Er­rei­chung der Kli­ma­zie­le bei.

Zu den Kraft­quel­len der Zu­kunft ge­hört frag­los auch der Elek­tro­an­trieb, der bis­lang nur ein Schat­ten­da­sein führt. Mit wel­chem Elek­tro­an­teil rech­nen Sie bei Mer­ce­des im Jahr 2025?

Fahr­zeu­ge mit al­ter­na­ti­ven An­trie­ben ha­ben ei­nen wach­sen­den An­teil am Ge­samt­ab­satz von Mer­ce­des-Benz Cars – auch wenn sich die welt­wei­ten Ver­käu­fe im Vergleich zu un­se­ren her­kömm­lich an­ge­trie­be­nen Au­tos der­zeit noch auf nied­ri­gem Ni­veau be­we­gen. Oh­ne Ih­nen ei­ne kon­kre­te Zahl für 2025 nen­nen zu wol­len: Schritt für Schritt wer­den wir al­le Mer­ce­des-Benz-Pkw-Bau­rei­hen elek­tri­fi­zie­ren. Wir wer­den se­hen, wie un­se­re Stück­zah­len in fünf bis zehn Jah­ren aus­se­hen. Wir sind da sehr zu­ver­sicht­lich.

Der May­bach 6, die auf­se­hen­er­re­gen­de Stu­die von Pebble Beach, dürf­te nicht oh­ne Fol­gen blei­ben. Was ma­chen Sie, wenn sich die ers­ten Kun­den bei Ih­nen mel­den?

Seit je­her bie­ten un­se­re De­si­gnStu­di­en ei­nen Aus­blick auf die künf­ti­ge For­men­spra­che von Mer- ce­des-Benz. Natürlich freu­en wir uns, wenn das De­sign des Vi­si­on Mer­ce­des-May­bach 6 Ge­fal­len fin­det. Las­sen Sie sich über­ra­schen, wel­che Ide­en und Kon­zep­te ih­ren Weg in die Se­rie fin­den wer­den.

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