Der Al­fa 4C steht für Sport pur:

AUTO ZEITUNG - - VERGLEICH · SPORTWAGEN -

Im Sport­wa­gen­bau gilt: Leis­tung ist im­mer nur so gut wie das Ge­wicht, das ih­rer Ent­fal­tung im We­ge steht. Wir hät­ten da was für Sie, ei­ne auf den ers­ten Blick ei­gen­tüm­li­che Paa­rung: Ein fi­li­gra­ner Ita­lie­ner in Gestalt des Al­fa 4C Spi­der mit heut­zu­ta­ge über­schau­ba­ren 241 PS, aber nur fe­der­leich­ten 1069 Ki­lo­gramm Leer­ge­wicht auf der ei­nen Sei­te. Auf der an­de­ren Sei­te lau­ert dem­ge­gen­über ge­ra­de­zu klas­si­sches ame­ri­ka­ni­sches Schwer­me­tall: das Cor­vet­te Stin­gray Ca­brio, mit fast 466 PS bei­na­he dop­pelt so stark, mit 1580 Ki­lo­gramm aber auch über ei­ne hal­be Ton­ne schwe­rer, wo­mit es in sei­ner Leis­tungs­li­ga aber kei­nes­wegs ei­nen Ter­min beim Weight-Wat­chers-Be­ra­ter bu­chen muss. So rückt der Blick auf die Leis­tungs­ge­wich­te bei­de wie­der ein Stück nä­her an­ein­an­der: 4,4 kg pro PS sind es beim Al­fa, 3,4 kg pro PS bei der Cor­vet­te. Si­cher brin­gen es so man­che Hig­hen­dS­port­ler auf noch bes­se­re Wer­te. Als Ca­bri­os, die in­fol­ge zu­sätz­li­cher Ver­stei­fun­gen kon­struk­ti­ons­be­dingt ei­ni­ges an Mehr­ge­wicht mit sich her­um­schlep­pen, müs­sen sich bei­de Sport­wa­gen den­noch nicht ver­ste­cken. Das macht die Fra­ge in­ter­es­sant, wie sich Da­vid ge­gen Go­li­ath schlägt. Die Al­fa-Ka­ros­se­rie be­sitzt ein mit Kar­bon­fa­sern ver­stärk­tes Kunst­stoff-Mo­no­co­que. Un­mit­tel­bar hin­ter der Fahr­gast­zel­le sitzt der Mo­tor. Das be­deu­tet: der nur 3,99 Me­ter kur­ze Mit­tel­mo­tor-Ita­lie­ner bie­tet nur ein be­schei­de­nes Platz­an­ge­bot. Da sind die Pi­lo­ten der Cor­vet­te, de­ren knapp 4,5 Me­ter lan­ge Ka­ros­se­rie aus GfK von ei­ner Alu­mi­ni­um-Rah­men­struk­tur ge­tra­gen wird und ei­ne Front­mit­tel­mo­tor-Bau­wei­se auf­weist, bes­ser dran. Sie freu­en sich vor al­lem über mehr Ell­bo­gen­frei­heit. Die Be­die­nung im Al­fa 4C Spi­der ist sehr über­schau­bar, es gibt nur we­ni­ge Be­dien­ele­men­te. Aber die Tas­ten des Zu­be­hör­ra­di­os von Al­pi­ne ge­rie­ten viel zu klein. Die Cor­vet­te gibt kei­ne Rät­sel auf, denn die Me­nü­füh­rung des Touch­screens zur Be­die­nung bei­spiels­wei­se der Au­dio-An­la­ge oder des Na­vi­ga­ti­ons­sys­tems er­schließt sich auch Neu­lin­gen recht zü­gig. Doch was ist Fahr­dy­na­mik oh­ne Frisch­luft­zu­fuhr? Eben! Al­so Dä­cher auf. Im Al­fa müs­sen hier­zu zwei Kne­bel im Wind­schutz­schei­ben­rah­men her­aus­ge­dreht wer­den. Dann sind die Dach­hol­me zu ent­rie­geln, wor­auf­hin sich das Stoff-be­spann­te Targ­adach mit­samt der Hol­me

ben hat, oder an den SSK, der ihn zu dem für May­bach un­ge­wöhn­lich feu­ri­gen Rot der Stu­die er­mu­tig­te. Son­dern er hat auch die Bu­gat­ti, Voi­sin oder Pan­hard je­ner Zeit vor Au­gen. Die Hau­be ist des­halb schier end­los lang, und die Ka­bi­ne sitzt förm­lich auf der Hin­ter­ach­se. Die Rä­der sind im­po­san­te 24 Zoll groß und fast so spek­ta­ku­lär ver­klei­det wie bei der Strom­li­ni­en-Stu­die auf der letz­ten IAA. Die Flan­ke ist schlank und aus­trai­niert wie ei­ne We­spen­tail­le. Und das lan­ge, ho­he Heck wür­de je­den Boots­bau­er nei­disch ma­chen. Mit der – no­men est omen – fast sechs Me­ter lan­gen Stu­die will Wa­ge­ner aber nicht nur Träu­me schü­ren und zu­gleich das im zwei­ten An­lauf ge­lun­ge­ne Come­back der Mar­ke May­bach fei­ern. Nach­dem der 57er und der 62er vor 15 Jah­ren mit­ten in die Wirt­schafts­kri­se fuh­ren, des­halb weit hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück­ge­blie­ben sind und sang- und klang­los ein­ge­stampft wur­den, ver­kauft sich der no­ble Ab­le­ger der S-Klas­se vor al­lem in Chi­na und den USA heu­te schließ­lich so gut, dass sie in Sin­del­fin­gen mit der Pro­duk­ti­on des lan­gen Ge­fährts kaum hin­ter­her­kom­men. Mit der Stu­die treibt Wa­ge­ner zu­gleich auch sei­ne De­sign­phi­lo­so­phie der „sinn­li­chen Klar­heit“auf die Spit­ze und spielt ein­mal mehr mit den Ex­tre­men „hot“und „cool“. „Hot“ist der May­bach 6, weil er so lei­den­schaft­lich, so sinn­lich ge­zeich­net ist, ver­füh­re­ri­sche Pro­por­tio­nen hat und ei­nen die Kraft die­ses Sport­wa­gens förm­lich an­springt, selbst wenn er ganz un­schul­dig in der Son­ne steht. Und „cool“ist er, weil es so ein Au­to noch nie ge­ge­ben und Wa­ge­ner ei­ne Li­nie nach der an­de­ren weg­ge­nom­men hat, bis als ein­zi­ges um­so be­stim­men­de­res Stil­ele­ment die mit Chrom be­ton­te, end­los lan­ge „Si­gna­tu­re Li­ne“üb­rig ge­blie­ben ist, die sich in ei­nem schnel­len Bo­gen über die ge­sam­te Flan­ke spannt. Obend­rein steckt die Stu­die voll coo­ler Ex­tras. Au­ßen zeu­gen da­von vor al­lem die bit­ter­bö­se ver­eng­ten LEDSchlit­ze, die Ae­ro-Fel­gen und der glü­hend ro­te Fa­den des drit­ten Brems­lichts, der wie ei­ne mes­ser­schar­fe Fin­ne vom fla­chen Dach aus zwi­schen den ge­teil­ten Rück­schei­ben hin­durch ins hoch­ge­zo­ge­ne Heck schnei­det. Noch deut­li­cher wird die­ser An­spruch al­ler­dings, wenn sich in Wa­ge­ners Vi­si­on die rie­si­gen Flü­gel­tü­ren öff­nen und den Blick in ein Cock­pit frei­ge­ben, an dem Cap­tain Future sei­ne wah­re Freu­de hät­te.

In­nen­raum als Wohl­fühl­oa­se

Denn das, was man frü­her mal als Ar­ma­tu­ren­brett be­zeich­net hät­te, ist jetzt ein kris­tall­klar glän­zen­des Dis­play, das sich im wei­ten Bo­gen von Tür zu Tür zieht und wie ein rie­si­ger Touch­screen ge­nutzt wer­den kann. Und als wä­re das noch nicht ge­nug, wird auch die Front­schei­be noch zum Bild­schirm und über­blen­det die Rea­li­tät bei Be­darf mit vir­tu­el­len In­hal­ten. Ge­steu­ert wird das nicht mehr mit Knöp­fen oder Schal­tern, son­dern auf den Dis­plays mit Be­rüh­rung und an­sons­ten mit Ges­ten oder Bli­cken. Und wahr­schein­lich kann der May­bach so­gar ir­gend­wann Ge­dan­ken le­sen. Sei­ne Pas­sa­gie­re je­den­falls kennt das Cou­pé bes­ser als sie sich selbst: So­bald man in die ele­gan­ten Le­der­scha­len glei­tet, wird man von spe­zi­el­len Sen­so­ren ver­mes­sen und so gründ­lich durch­ge­checkt, dass Sitz­ein­stel­lung, Kli­ma­ti­sie­rung und Mas­sa­ge au­to­ma­tisch die per­fek­te Wohl­füh­l­at­mo­sphä­re zau­bern und sich so­gar die Licht­stim­mung an Klei­der­wahl und Son­nen­stand an­passt. So fu­tu­ris­tisch der May­bach 6 auch wir­ken mag, so gibt es auf der digitalen Spiel­wie­se des Cock­pits aber auch ein paar ver­trau­te Ele­men­te: Für Dreh­zahl­mes­ser und Ta­cho krei­sen

Spar­ta­ni­sches, en­ges Cock­pit mit knapp ge­schnit­te­nen Sit­zen. Drei­stu­fi­ger Fahr­pro­gramm­schal­ter. Im Race-Mo­dus zü­gi­ge Re­ak­tio­nen auf Schalt­be­feh­le

Wo an­de­re Au­tos ei­nen In­nen­raum mit Sit­zen ha­ben, über­rascht die Stu­die mit ei­ner High­tech-Wohl­fühl­oa­se. Sen­so­ren ver­mes­sen die Pas­sa­gie­re, die Front­schei­be dient als Dis­play

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