VW Ti­gu­an

Der aus dem VW Pas­sat be­kann­te Zwei­li­ter-Bi­tur­bo­die­sel mit 240 PS ist jetzt auch für den neu­en Ti­gu­an er­hält­lich. Wir ha­ben das kräf­ti­ge Kom­pakt-SUV ge­tes­tet

AUTO ZEITUNG - - INHALT -

Braucht man das? Die­se Fra­ge drängt sich so­fort auf, als der 240 PS star­ke VW Ti­gu­an 2.0 TDI von vier Rä­dern an­ge­trie­ben auf den Re­dak­ti­ons­park­platz fährt. Die be­ein­dru­cken­den Leis­tungs­da­ten mö­gen ei­gent­lich nicht so recht zu dem eher bra­ven SUV-Best­sel­ler pas­sen. Dank op­tio­na­lem R-Li­ne-Pa­ket (2765 Eu­ro) macht das Top-Mo­dell der Ti­gu­an-Bau­rei­he al­ler­dings schon rein op­tisch mäch­tig was her. Stoß­fän­ger, Rad­häu­ser und Schwel­ler wur­den ge­gen­über den an­de­ren Aus­stat­tungs­va­ri­an­ten deut­lich ver­brei­tert, und am Heck pran­gen zwei ecki­ge Aus­puff­blen­den. Im In­nen­raum un­ter­strei­chen Alu-Pe­da­le, Sport­lenk­rad mit run­dem Prall­topf und di­ver­se R-Li­ne-Lo­gos den dy­na­mi­schen An­spruch. An den be­kann­ten Qua­li­tä­ten des Wolfs­bur­gers än­dert der Sport­dress au­to hin­ge­gen nichts: Das Rau­m­an­ge­bot ist mit üp­pi­ger Bein- und Kopf­frei­heit auf al­len Plät­zen an­ge­nehm luf­tig, und der 615 bis 1655 Li­ter gro­ße La­de­raum steckt Ur­laubs­ge­päck oder Groß­ein­käu­fe glei­cher­ma­ßen sou­ve­rän weg. Wei­te­re Plus­punk­te sam­melt der Fa­mi­li­en­freund mit sei­ner se­ri­en­mä­ßig ver­schieb­ba­ren Rück­bank, zahl­rei­chen Abla­gen und St­au­fä­chern so­wie den Klapp­ti­schen im Fond. Die Be­die­nung der vie­len Funk­tio­nen von In­fo­tain­ment und As­sis­tenz­sys­te­men geht oh­ne grö­ße­re Ein­ge­wöh­nung leicht von der Hand – ein­zig das Mul­ti­funk­ti­ons­lenk­rad wirkt mit sei­ner dop­pel­ten Tas­ten­be­le­gung für den Tem­po­ma­ten über­frach­tet. In punc­to Ver­ar­bei­tung kann der so­li­de ge­mach­te Nie­der­sach­se zwar über­zeu­gen, al­ler­dings wur­de bei der ak­tu­el­len Bau­rei­he an den ver­wen­de­ten Ma­te­ria­li­en ge- spart. So fin­den sich auch im Sicht­be­reich hap­tisch we­nig an­spre­chen­de Kunst­stof­fe. Das passt nicht zu den ho­hen VW-An­sprü­chen, rückt aber in den Hin­ter­grund, so­bald man den Start­knopf ge­drückt hat und nach dem be­le­der­ten Sport­vo­lant greift.

Der Die­sel ist ei­ne Wucht – auch dank des mo­de­ra­ten Ver­brauchs

Mit 240 PS, 500 New­ton­me­tern und 228 km/ h Top­speed mar­kiert das Zwei­li­ter-Die­sel­ag­gre­gat die Spit­ze der um­fang­rei­chen Mo­to­ren­pa­let­te. Be­reits nach den ers­ten Ki­lo­me­tern lässt sich die an­fangs ge­stell­te Fra­ge mit ei­nem ein­deu­ti­gen „ei­gent­lich nicht, aber ...“be­ant­wor­ten. Si­cher: Die klei­ne­ren TDI (150 und 190 PS) rei­chen im All­tag völ­lig aus. Den ve­he­men­ten Vor­wärts­drang des Bi­tur­bos möch­te man je-

doch – ein­mal ge­nos­sen – nicht mehr mis­sen. Dank 4Mo­ti­on-All­rad­an­trieb schießt der Ti­gu­an oh­ne Trak­ti­ons­pro­ble­me in ge­mes­se­nen 6,1 Se­kun­den auf Tem­po 100. Auch jen­seits der Richt­ge­schwin­dig­keit schiebt der Die­sel das über 1,8 Ton­nen schwe­re SUV mäch­tig an, bis der Di­gi­talt­a­cho nach 21 Se­kun­den schon 180 km/ h an­zeigt. Ge­ra­de im Sport­mo­dus über­zeugt bei Über­hol­vor­gän­gen das flin­ke An­sprech­ver­hal­ten auf Gas­be­feh­le. Und mit dem Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be steht dem Trieb­werk ein kon­ge­nia­ler Part­ner zur Sei­te, der mit schnel­len Schalt­vor­gän­gen glänzt. Al­ler­dings er­fol­gen die­se bei vol­ler Be­schleu­ni­gung aus dem Stand zum Teil un­ter deut­lich spür­ba­rem Ru­cken. An der Zapf­säu­le legt der VW da­ge­gen deut­lich bes­se­re Ma­nie­ren an den Tag. An­ge­sichts der Fahr­leis­tun­gen geht der Test­ver­brauch von 7,6 Li­tern in Ord­nung. Fah­rer mit sanf­tem Gas­fuß wer­den so­gar mit ei­ner Sechs vor dem Kom­ma be­lohnt. Dass sich der Ti­gu­an ge­ra­de auf der Au­to­bahn wohl­fühlt, liegt nicht zu­letzt an sei­nem kna- cki­gen Fahr­werk, das auch bei schnell durch­fah­re­nen Au­to­bahn­kur­ven kaum Sei­ten­nei­gung zu­lässt. Auf schlecht ge­teer­ten Stra­ßen re­agiert der Wolfs­bur­ger aber et­was steif­bei­nig auf Une­ben­hei­ten – ei­ne Kom­fort­min­de­rung ge­gen­über den sof­ter ab­ge­stimm­ten Mo­del­len, die auch den 20-Zoll-Rä­dern des Test­wa­gens ge­schul­det ist. In­klu­si­ve des um­fang­rei­chen High­li­ne-Trimms kos­tet der stärks­te Ti­gu­an stol­ze 42.700 Eu­ro. Gar­niert man ihn jetzt noch mit Na­vi, As­sis­tenz­sys­te­men und Co, ist schnell die 50.000-Eu­ro-Mar­ke er­reicht – viel Geld für ein Kom­pakt-SUV von VW. Cas­par Win­kel­mann

FA­ZIT: Der neue Bi­tur­bo-TDI ver­hilft dem Ti­gu­an zu ful­mi­nan­ten Fahr­leis­tun­gen bei mo­de­ra­tem Ver­brauch. Dank des groß­zü­gi­gen Rau­m­an­ge­bots und der Fül­le an op­tio­na­len Kom­fort­fea­tures reist man sehr be­quem. Der Preis ist al­ler­dings recht hoch.

Ge­wohn­te VW-Ord­nung, auf­ge­wer­tet mit Sport­lenk­rad, Alu-Pe­da­len und grau­en Zi­er­näh­ten aus dem R-Li­ne-Pa­ket

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