Kia Op­ti­ma Sports­wa­gon Maz­da 6 Kom­bi Re­nault Ta­lis­man Grand­tour VW Pas­sat Va­ri­ant

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Beim Au­to­kauf zäh­len nicht nur die Fak­ten, son­dern auch die Image-Fak­to­ren. Schließ­lich will man nicht nur gut fah­ren, son­dern auch gut da­ste­hen. Hier spielt der VW Pas­sat Va­ri­ant be­kann­ter­ma­ßen seit Jah­ren die Rol­le des an­ge­sag­ten Klas­sen­bes­ten. Und doch soll es Leu­te ge­ben, die nicht al­les fah­ren wol­len, was al­le fah­ren. Die­sem Drang zu mehr In­di­vi­dua­lis­mus tra­gen die Im­port­mar­ken Rech­nung, die mit ähn­lich adret­ten Kom­bis zu teil­wei­se deut­lich güns­ti­ge­ren An­schaf­fungs­prei­sen oder aber mit üp­pi­ge­rer Se­ri­en­aus­stat­tung als beim Wolfs­bur­ger Mil­lio­nen-Sel­ler auf Kun­den­fang ge­hen. Der jüngs­te Neu­zu­gang im bür­ger­li­chen La­ger ist der ge­lun­gen ge­styl­te Kia Op­ti­ma SW, üb­ri­gens die ers­te Kom­bi-Aus­ga­be des ko­rea­ni­schen Mit­tel­kläss­lers, wo­mit die Asia­ten ein be­son­de­res Au­gen­merk auf sich zie­hen.

Ka­ros­se­rie

Zwar schmei­chelt das Kia-De­sign dem Au­ge, im All­tag geht es je­doch zu Las­ten der Über­sicht­lich­keit. So be­hin­dert die nach hin­ten an­stei­gen­de Gür­tel­li­nie im Ver­bund mit den nicht ver­senk­ba­ren Fond­kopf­stüt­zen die Sicht nach schräg hin­ten. Den Ma­lus der man­geln-

den Über­sicht­lich­keit teilt sich der Kia al­ler­dings mit dem Re­nault Ta­lis­man Grand­tour. Vor­ne wie hin­ten bie­tet der Ko­rea­ner ein groß­zü­gi­ges Rau­m­an­ge­bot, im Fond so­gar den größ­ten Knie­raum sei­ner Klas­se. Bei der Kopf­frei­heit muss man aber Ab­stri­che ma­chen, da beim Test­wa­gen das op­tio­na­le Glas­dach die In­nen­raum­hö­he ein­schränkt. Beim Rau­m­an­ge­bot ist nach wie vor der VW Pas­sat Va­ri­ant das Maß der Din­ge. Das gilt im Üb­ri­gen auch für das Kof­fer­raum­vo­lu­men (650 bis 1780 Li­ter) so­wie für die Zu­la­dung ( 560 Ki­lo­gramm). Da kommt der ko­rea­ni­sche Neu­zu­gang im Seg­ment mit 552 bis 1686 Li­tern und mä­ßi­gen 473 Ki­lo­gramm nicht ganz mit. In Sa­chen Qua­li­tät und Ver­ar­bei­tung gibt der Kia ei­nen gu­ten Ein­stand, reicht fast an den VW her­an. Si­cher­lich wür­de sich kein Kun­de be­schwe­ren, wenn auch die Kof­fer­rau­mein­fas­sung voll­stän­dig

la­ckiert wür­de. Glei­ches gilt für den de­zent face­ge­lif­te­ten Maz­da, des­sen In­nen­raum-Ma­te­ria­li­en et­was bil­lig wir­ken. Da­für bleibt er aber auf der Mar­ter­stre­cke für die Kom­fort­prü­fung klap­per- und knis­ter­frei, was man vom zu­nächst hö­her­wer­tig an­mu­ten­den Ta­lis­man Grand­tour nicht un­be­dingt be­haup­ten kann. Wer im All­tag mit den vier Test­kan­di­da­ten un­ter­wegs ist, freut sich über ei­ne mehr oder we­ni­ger ein­fa­che Be­die­nung. Kia ver­zich­tet im Ge­gen­satz zu Maz­da auf ei­nen zen­tra­len Dreh-Drück-Stel­ler zur Steue­rung di­ver­ser Funk­tio­nen. Statt­des­sen gibt es Me­nü­tas­ten und ei­nen Touch­screen. Na­viBe­rech­nung und Te­le­fon­kopp­lung funk­tio­nie­ren et­wa schnel­ler als im Maz­da. Ge­wöh­nungs­be­dürf­tig: Mit­tels ei­ner Lenk­rad­t­as­te lässt es sich durch die Bord­com­pu­ter-Me­nüs kli­cken, al­ler­dings nur in ei­ne Rich­tung. Auch die Scroll-Rich­tung für die auf dem Touch­screen an­zeig­te Ra­dio­sen­der­lis­te ist ei­ne an­de­re als ver­mu­tet. Steht der Cur­sor rechts oben, kann man die Lis­te nicht wie er­war­tet nach un­ten scrol­len, son­dern muss sie nach oben be­we­gen. Re­nault-Pi­lo­ten müs­sen sich an die teils ver­schach­tel­ten Me­nüs ge­wöh­nen.

Fahr­kom­fort

Mit Aus­nah­me des Maz­das sind al­le Test­kan­di­da­ten mit je­weils op­tio­na­len ad­ap­ti­ven Dämp­fern aus­ge­rüs­tet. Um­so grö­ßer ist die Über­ra­schung, die der kon­ven­tio­nell fe­dern­de und dämp­fen­de Maz­da auf der Kom­fort­test­stre­cke be­reit­hält. Zwar wirkt sei­ne Hin­ter­ach­se im lee­ren Zu­stand leicht über­dämpft, doch gibt er sich auf der mit kur­zen, un­re­gel­mä­ßi­gen Bo­den­wel­len ge­spick­ten Be­ton­pis­te weit we­ni­ger pol­t­rig als et­wa der Re­nault im Kom­fort­mo­dus. Der ko­rea­ni­sche Neu­ling Op­ti­ma SW be­geis­tert auf den üb­len Rüt­tel­pis­ten nicht nur mit ei­ner bock­stei­fen Ka­ros­se­rie, son­dern auch mit ei­nem über­aus sanft­mü­ti­gen An­fe­der­ver­hal­ten, das in sei­ner Qua­li­tät fast auf VW-Ni­veau liegt. Un­ter Aus­nut­zung der vol­len Nutz­last über­trifft der Kia so­gar den Pas­sat, in­dem er auf der Be­ton­pis­te deut­lich we­ni­ger Stö­ße an die In­sas­sen wei­ter­lei­tet. Hier braucht der Re­nault sei­nen Fe­der­weg spür­bar auf und wirkt un­har­mo­ni­scher als die Ri­va­len. Un­ter­wegs ge­fällt der Kia bei den Fahr­ge­räu­schen zwar mit nied­ri­gen Schall­druck­pe­geln – was den Ge­räu­schein­druck an­geht, muss er sich aber dem VW ge­schla­gen ge­ben. Er lie­fert das an­ge­nehms­te Klang­bild. Geht es um die Kli­ma­ti­sie­rung, fährt der Re­nault vor­ne­weg. Er ist der ein­zi­ge, der ei­ne se­ri­en­mä­ßi­ge Zwei-Zo­nen-Kli­ma­au­to­ma­tik vor­wei­sen kann und ei­ne auf­preis­freie Sitz­hei­zung mit­bringt. In punc­to Er­go­no­mie fällt auf, dass der Na­vi-Bild­schirm des Kia et­was zu klein und zu weit vom Fah­rer und der des Pas­sat zu weit un­ten plat­ziert ist. Wie beim Maz­da hät­ten beim Kia die Tür­ab­la­ge­fä­cher et­was grö­ßer aus­fal­len dür­fen. Der Ja­pa­ner be­sitzt für die Leh­nen­ver­stel­lung der Vor­der­sit­ze statt ei­nes Drehr­ads nur ei­nen un­prak­ti­schen He­bel. Da­für freut man sich über die straf­fen Pols­ter. Den Sei­ten­wan­gen in­des wünscht man et­was mehr Fes­tig­keit. Die Kia-Sitz­ge­le­gen­hei­ten sind kör­per­ge­recht mo­del­liert und bie­ten ei­nen an­stän­di­gen Sei­ten­halt. Auf Langstre­cken steigt man aus den Pas­sat-Fau­teils al­ler­dings noch ein Stück ent­spann­ter aus. Im Fond bie­tet der VW eben­falls die bes­ten Plät­ze, nicht zu­letzt we­gen der bes­ten Ober­schen­kel­auf­la­ge, auch sind die Pols­ter bes­ser kon­tu­riert

als die des Kia. Im Maz­da ist die man­geln­de Ober­schen­kel­auf­la­ge für Lang­bei­ni­ge auf Langstre­cken ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, wäh­rend Ta­lis­man-Pas­sa­gie­re sich mit ei­ner ver­gleichs­wei­se ho­hen Sitz­po­si­ti­on und we­nig kon­tu­rier­ten Sitz­flä­chen ar­ran­gie­ren müs­sen.

Mo­tor / Ge­trie­be

In Sa­chen Mo­to­ri­sie­rung ge­hen die Her­stel­ler un­ter­schied­li­che Die­sel-We­ge. Kia be­schei­det sich mit ei­nem 1,7-Li­ter-Ag­gre­gat, das mit 141 PS im Ver­gleich am un­te­ren En­de liegt. Re­nault lässt es gar nur bei 1,6 Li­tern be­wen­den, holt mit zwei Tur­bo­la­dern dar­aus aber 160 PS. Kei­ne Ex­pe­ri­men­te bei VW: Hier ver­rich­tet der be­kann­te 2,0-Li­terTDI mit 150 PS sei­nen Di­enst. Maz­da kom­bi­niert ver­gleichs­wei­se viel Hu­b­raum mit nied­ri­ger Ver­dich­tung (14,0:1), um die Ro­he­mis­sio­nen zu sen­ken. Auch bei ihm lie­gen 150 PS an und ma­chen den Nip­pon-Bi­tur­bo­die­sel zu ei­nem sehr an­ge­neh­men Be­glei­ter. Dreh­freu­dig, druck­voll und spon­tan an­spre­chend geht er ans Werk, wäh­rend sein kna­cki­ges 6-Gang-Ge­trie­be (Maz­da konn­te für die­sen Test kei­ne Au­to­ma­ti­kVer­si­on lie­fern) ei­nen ge­hö­ri­gen An­teil am Fahr­ver­gnü­gen lie­fert. Das al­les gibt es für ei­nen Test­ver­brauch von 6,0 Li­tern Die­sel auf 100 km. Die Fahr­leis­tun­gen sind mit ei­nem Sprint in 8,8 Se­kun­den

von null auf 100 km/ h der Träg­heit eben­so un­ver­däch­tig wie die 210 km/ h Höchstgeschwindigkeit. Das kön­nen nur noch der Re­nault mit 215 und mit 216 km/ h der eben­so sprint­star­ke Pas­sat bes­ser, der zu­dem mit ei­nem Test­ver­brauch von nur 5,7 Li­tern Die­sel der Spar­sams­te des Quar­tetts ist. Wie der Maz­da lie­fert auch der Re­nault ein Ma­xi­mal­dreh­mo­ment von 380 Nm. An lan­gen Stei­gun­gen merkt man ihm trotz­dem sein Hu­b­raum­de­fi­zit an. So dau­ert es auf der Au­to­bahn auch re­la­tiv lan­ge, bis er sei­ne Spit­ze er­reicht. Dar­an än­dert auch die re­la­tiv kur­ze Über­set­zung nichts. Folg­lich gibt es auch beim Ver­brauch kei­ne Hel­den­ta­ten zu ver­mel­den. Mit 6,3 Li­tern ist der Ta­lis­man der durs­tigs­te Kom­bi im Test. Das mit 1677 Ki­lo höchs­te Leer­ge­wicht und der schwächs­te Mo­tor mün­den wie er­war­tet in den schlech­tes­ten Fahr­leis­tun­gen für den Kia: 11,0 Se­kun­den bis zu 100-km/h-Gren­ze und 200 km/h Höchstgeschwindigkeit be­deu­ten die ro­te La­ter­ne für den Op­ti­ma. Sein op­tio­na­les Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be geht nicht so za­ckig wie die eben­falls mit zwei Kupp­lun­gen be­stück­te Sechs­gan­gBox des VW zu Wer­ke. Ins­ge­samt har­mo­niert der Ko­rea­ner am bes­ten mit ge­las­se­nen Fah­rern.

Fahr­dy­na­mik

Der Kia um­run­det den Hand­ling­Kurs recht neu­tral. Die Len­kung

Kei­ne Ex­pe­ri­men­te: Der VW Pas­sat Va­ri­ant ist in je­der Ge­ne­ra­ti­on so­fort als sol­cher er­kenn­bar

Die klar struk­tu­rier­te, ein­fa­che Be­die­nung gibt auch Pas­sat-Neu­kun­den kei­ne Rät­sel auf. Hin­zu kommt die gu­te Ver­ar­bei­tung

Top-Plat­zie­run­gen: So gut wie im Pas­sat Va­ri­ant sitzt es sich vorn wie hin­ten in kei­nem der Kon­kur­ren­ten

Ad­ap­ti­ve Dämp­fer mit vor­wähl­ba­ren Mo­di (1200 Eu­ro ab Com­fort­li­ne)

Mit dem Op­ti­ma SW trägt nun auch der Mit­tel­klas­se-Kia das ak­tu­el­le Mar­ken­ge­sicht aus der Fe­der von De­si­gner Peter Schrey­er

Gut ab­les­ba­re Rund­in­stru­men­te. Der Touch­screen ist je­doch et­was zu klein ge­ra­ten und nicht ge­ra­de griff­güns­tig plat­ziert

An­ge­nehm straff ge­pols­ter­te Sit­ze. Im Kia-Fond fällt die Kopf­frei­heit al­ler­dings et­was knapp aus

Die klei­ne Kon­troll­leuch­te im Dreh­zahl­mes­ser zeigt das Fahr­pro­gramm

Beim Re­nault Ta­lis­man Grand­tour dCi 160 sind Voll-LED-Schein­wer­fer auf­preis­frei an Bord

Die Sei­ten­wan­gen der Vor­der­sit­ze dürf­ten straf­fer ge­pols­tert sein, die Sitz­po­si­ti­on im Fond ist recht hoch

In den Fahr­leis­tun­gen bleibt der Kia deut­lich hin­ter dem VW zu­rück

Beim An­blick der Hecks von Re­nault und Maz­da kom­men De­sign-Lieb­ha­ber durch­aus auf ih­re Kos­ten

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