For­mel E: tur­bu­len­ter Sai­son­auf­takt in Hong­kong

Zwi­schen den Wol­ken­krat­zern von Hong­kong si­cher­te sich der am­tie­ren­de Meis­ter Sé­bas­ti­en Bu­emi den Auf­takt zur neu­en For­mel E-Sai­son. Der­weil füh­len sich im­mer mehr Her­stel­ler in der Elek­tro­se­rie zu Hau­se

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

Die Ma­cher der For­mel E-Se­rie kön­nen selbst kaum glau­ben, in wel­chen Stru­del von Er­folg, Auf­merk­sam­keit und An­er­ken­nung sie da hin­ein­ge­ra­ten sind. „Mit so viel Zu­spruch hat­ten wir vor zwei Jah­ren nicht ge­rech­net“, gibt auch Se­ri­en-Pro­mo­ter Ale­jan­dro Agag zu. Zahl­rei­che Her­stel­ler und gro­ße Zu­lie­fe­rer sind in der ers­ten Elek­tro-Renn­se­rie der Welt mitt­ler­wei­le ver­tre­ten – oder ha­ben ei­ne Op­ti­on für ein künf­ti­ges En­ga­ge­ment ge­zo­gen. Re­nault, DS, Scha­eff­ler, ZF, Ma­gne­ti Ma­rel­li, Ma­hin­dra, Fa­ra­day Fu­ture und Ja­gu­ar sind be­reits im Ren­nen. Zu­letzt ha­ben Au­di und BMW ih­ren werks­sei­ti­gen Ein­stieg of­fi­zi­ell ge­macht. Und Mer­ce­des ist nun der jüngs­te For- mel E-In­ter­es­sent. Fünf Tage vor dem Event im Her­zen der süd­chi­ne­si­schen Ban­ken­me­tro­po­le – nach Mei­nung vie­ler der bis­lang be­ein­dru­ckends­te For­mel E-Schau­platz – über­rasch­te der Renn­sport-Ab­le­ger der Schwa­ben, Mer­ce­des-Benz Grand Prix, mit sei­nem State­ment, ab der fünf­ten Sai­son im Feld der sound­lo­sen Mo­no­pos­ti mit­ren­nen zu wol­len. Denn dann soll auf den bis­lang ob­li­ga­to­ri­schen Fahr­zeug­wech­sel zur Renn­mit­te end­lich ver­zich­tet wer­den kön­nen: Die neu zu ent­wi­ckeln­de, we­sent­lich stär­ke­re Bat­te­rie (bis zu 250 kW bei ei­ner Leis­tung von um­ge­rech­net 335 PS) soll ge­nug Po­wer ha­ben, um die kom­plet­te Renn­dis­tanz mit nur noch ei­nem Fahr­zeug pro Pi­lot zu ab­sol­vie­ren. Dass Mer­ce­des die Ent­wick­lung der For­mel E ver­folgt, ist nichts

Neu­es – al­le Her­stel­ler welt­weit ma­chen das der­zeit. „Von ei­nem künf­ti­gen En­ga­ge­ment in der For­mel E woll­te Mer­ce­des-Sport­chef To­to Wolff En­de Au­gust noch nichts wis­sen, gab aber ge­gen­über der AU­TO ZEI­TUNG zu: „Wir be­ob­ach­ten die For­mel E, weil man sie ernst neh­men muss. Aber der­zeit steht die Se­rie bei uns nicht auf dem Plan.“Nun be­haup­tet Wolff: „Der­zeit se­hen wir uns al­le ver­füg­ba­ren Op­tio­nen für die Zu­kunft des Renn­sports an. Um­so glück­li­cher sind wir, dass un­se­re Ver­ein­ba­rung mit der For­mel E die Mög­lich­keit si­chert, ab der fünf­ten Sai­son an der Se­rie teil­zu­neh­men.“Die Elek­tri­fi­zie­rung wird ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le ein­neh­men. Elek­tro­mo­bi­li­tät ist das Schlag­wort der St­un­de un­ter den Her­stel­lern, vor al­lem an­ge­sichts des Vor­sto­ßes des Bun­des­ra­tes, ab 2030 Neu­zu­las­sun­gen mit Ver­bren­nungs­mo­to­ren hier­zu­lan­de ver­bie­ten zu wol­len – was frei­lich von je­dem halb­wegs lo­gisch den­ken­den In­ge­nieur ins Reich der Un­mög­lich­keit ver­wie­sen wird. BMW wird ab der Sai­son 2018/19 su­per-of­fi­zi­ell da­bei sein, wenn sich al­les wei­ter­hin so gut ent­wi­ckelt. Der­zeit agie­ren die Bay­ern noch nach dem Mot­to: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Schon jetzt steckt BMWTech­no­lo­gie in den Ren­nern sei-

nes Part­ners, dem US-Team von Michael And­ret­ti, schon jetzt prangt das BMW-Lo­go auf den Au­tos, und der be­reits seit Fe­bru­ar ge­mun­kel­te Wech­sel von DTMPi­lot An­to­nio Fe­lix da Cos­ta zu And­ret­ti ist nun end­lich Fakt. „Wir ar­bei­ten schon län­ger mit And­ret­ti zu­sam­men“, gibt BMW-Sport­chef Jens Mar­quardt zu.

Brin­gen die Her­stel­ler die Kos­ten­kon­trol­le in Ge­fahr?

Bei so vie­len Her­stel­lern droht frei­lich die Ge­fahr der Kos­ten­ex­plo­si­on. „All die Her­stel­ler, das ist na­tür­lich ein Lu­xus­pro­blem“, be­schei­nig­te Pro­mo­ter Agag, „aber wir müs­sen die Kos­ten un­ter Kon­trol­le hal­ten. Das hat Prio­ri­tät.“Man kann auch den An­trieb ei­nes Her­stel­lers kau­fen – wie das chi­ne­si­sche Te­chee­tah-Team, das nun von Re­nault be­lie­fert wird. 100.000 Eu­ro nur darf für den An­trieb ver­langt wer­den. So steht es in den Re­geln. Aber je­der Her­stel­ler will sich na­tür­lich mit sei­ner ei­ge­nen Ent­wick­lung pro­fi­lie­ren. „Je mehr Her­stel­ler da­bei sind, um­so vor­sich­ti­ger muss man sein“, sagt auch Ma­hin­dra-Ass Nick Heid­feld. Die­ter Gass, de­si­gnier­tes Spor­tOber­haupt bei Au­di, sieht eben­so die Kos­ten­pro­ble­ma­tik auf­kom­men: „Man muss höl­lisch auf­pas­sen, dass der ein­ge­schla­ge­ne Weg der Kos­ten­kon­trol­le nicht ver­las­sen wird.“Zur Sai­son 2017/18 be­kennt sich Au­di als Werks­team. „Wir wer­den un­ser En­ga­ge­ment lang­sam stei­gern“, ver­si­chert Gass: „Schon jetzt schau­en wir in al­le Be­rei­che der Tech­nik: In­wie­weit kön­nen wir uns ein­brin­gen?“Die Fe­der­füh­rung für das Pro­jekt wird aber wei­ter­hin beim Team Abt Scha­eff­ler lie­gen.

Die For­mel E wird im­mer po­pu­lä­rer: Das Ren­nen in Hong­kong war aus­ver­kauft

Pre­mie­re in Hong­kong: Noch nie fand in der 7,3-Mil­lio­nen­Me­tro­po­le ein Au­to­ren­nen statt. Hin­ter Pi­quet, Tur­vey, Bird, Lopez und Prost zieht Heid­feld au­ßen her­um an Ma­hin­dra-Team­kol­le­ge Ro­sen­qvist vor­bei

Ers­tes Po­di­um der Sai­son: Di Gras­si, e.Dams-Te­am­chef Dri­ot, Sie­ger Bu­emi und Nick Heid­feld als Drit­ter

Fe­lix da Cos­ta über­hol­te wie ge­wohnt be­herzt: Platz fünf für den BMW-Pro­fi. Team­kol­le­ge Robin Fri­jns schaff­te es mit neu auf­ge­bau­tem Au­to von ganz hin­ten noch auf Rang sechs

Star­ke Leis­tung von De­bü­tant Ma­ro En­gel auf Rang neun. Sam Bird ent­glitt der Sieg beim Stopp. Meis­ter Sé­bas­ti­en Bu­emi (u.) sieg­te von Start­platz fünf aus

Sen­sa­tio­nel­le Auf­hol­jagd: Abt-Scha­eff­ler-Pi­lot Lu­cas di Gras­si (l.) kämpf­te sich von Platz 19 auf zwei. Adam Car­roll (o. r.) hol­te im Ja­gu­ar Platz zwölf. Robin Fri­jns crash­te im Qua­li­fy­ing (r. u.)

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