Teu­rer Kom­pro­miss

Bei der Be­wäl­ti­gung der Die­sel-Af­fä­re ist der VW-Kon­zern ei­nen gro­ßen Schritt vor­an­ge­kom­men. Der zu­stän­di­ge US-Rich­ter Charles Brey­er hat dem Ver­gleich zwi­schen Volks­wa­gen und den Zi­vil­klä­gern in den USA statt­ge­ge­ben. Doch der kommt VW mit um­ge­rech­net run

AUTO ZEITUNG - - MEINUNG - Vol­ker Ko­erdt, Chef­re­dak­teur

Wann hat es das schon ein­mal ge­ge­ben? Ein Un­ter­neh­men muss über 15 Mil­li­ar­den an Ent­schä­di­gun­gen und Stra­fen zah­len, und den­noch fällt den Ver­ant­wort­li­chen ein St­ein vom Her­zen. Tat­säch­lich hät­te es für Volks­wa­gen noch we­sent­lich schlim­mer kom­men kön­nen im Die­sel-Skan­dal. Von den welt­weit rund elf Mil­lio­nen be­trof­fe­nen Fahr­zeu­gen be­trifft die jetzt er­ziel­te Re­ge­lung die 490.000 in den USA ver­kauf­ten Mo­del­le mit 2,0-Li­ter-Die­sel­mo­to­ren. Doch es droht wei­te­res Un­ge­mach, denn die 85.000 Mo­del­le Au­di Q5, Q7, VW Toua­reg und Por­sche Cay­enne mit dem Drei­li­ter-Mo­tor sind in dem De­al nicht ent­hal­ten. Bis­lang ha­ben die US-Be­hör­den ei­ner tech­ni­schen Nach­bes­se­rung die­ser Mo­del­le nicht zu­ge­stimmt. Die Ent­schei­dung dar­über stand bei Re­dak­ti­ons­schluss noch nicht fest. Hier könn­ten zu­sätz­li­che Mil­li­ar­den­zah­lun­gen auf den Kon­zern zu­kom­men, und die Ge­fahr wei­te­rer For­de­run­gen von eu­ro­päi­schen Staa­ten so­wie Aus­tra­li­en und 17 wei­te­ren US-Bun­des­staa­ten, die zi­vil­recht­li­che An­sprü­che gel­tend ma­chen, ist groß. Au­ßer­dem dro­hen Stra­fen we­gen kri­mi­nel­len Vor­ge­hens. Der Volks­wa­gen-Kon­zern hat sich des­halb ei­nen Spar­kurs auf­er­legt. Mo­del­le wer­den ge­stri­chen, Mo­dell­va­ri­an­ten re­du­ziert, und VWMar­ken­chef Her­bert Diess for­dert schon die 40-St­un­den-Wo­che statt der bis­lang 35-St­un­den-Wo­che für die VW-Mit­ar­bei­ter. Auch der Jo­bab­bau soll vor­an­ge­trie­ben wer­den. So will Diess wei­te­re Mil­li­ar­den Eu­ro ein­spa­ren. Doch Be­triebs­rats­chef Bernd Os­ter­loh stellt sich quer. Aber oh­ne mas­si­ve Ein­schnit­te wird Volks­wa­gen die Kri­se fi­nan­zi­ell nicht stem­men. Die Kon­zern­toch­ter Au­di hat eben­falls be­reits re­agiert und tritt beim Mo­tor­sport auf die Brem­se. Die In­gol­städ­ter ver­kün­de­ten ge­ra­de ih­ren Aus­stieg aus der WEC. Nach 13 Le Mans-Sie­gen zieht sich die Mar­ke mit so­for­ti­ger Wir­kung aus der Se­rie zu­rück. Ei­nen gu­ten Lauf hat da­ge­gen Re­nault. Das war nicht im­mer so. Zwar kre­ierten die Fran­zo­sen einst Klas­si­ker wie R4 oder Re­nault R16, in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit präg­ten aber auch Flops wie Vel Sa­tis oder Avan­ti­me das Mar­ken­bild. Die Qua­li­tät ließ eben­falls oft zu wün­schen üb­rig. Doch mit der ak­tu­el­len Mo­dell­pa­let­te gibt Re­nault rich­tig Gas. Die For­men­spra­che der neu­en Mo­del­le Mé­ga­ne, Scé­nic oder Cap­tur, ge­zeich­net von Chef-De­si­gner Lau­rens van den Acker, kann sich se­hen las­sen und kommt gut an. Vor al­lem aber, und das ist die wich­tigs­te Bot­schaft, stimmt die Qua­li­tät. So hat der Cap­tur den Langstre­cken­test der AU­TO ZEI­TUNG über 100.000 Ki­lo­me­ter mit Bra­vour ab­sol­viert. Kei­ne Pan­nen, kei­ne Lie­gen­blei­ber, nichts – von we­gen Lais­sez-fai­re. Da­mit ge­hört der Cap­tur zu den drei bes­ten Au­tos, die je­mals in der Ge­schich­te der AU­TO ZEI­TUNG ei­nen 100.000-Ki­lo­me­ter-Langstre­cken­test ab­sol­viert ha­ben. Die Kun­den je­den­falls gou­tie­ren die Ent­wick­lung. „Re­nault ist der­zeit die am zweit­stärks­ten wach­sen­de Mar­ke in Eu­ro­pa“, freut sich Re­nault-Vor­stand Ste­fan Mül­ler.

Re­naults Qua­li­tät kann sich wie­der se­hen las­sen: Der Cap­tur bril­lier­te im Dauertest

US-Rich­ter Charles Brey­er bil­lig­te den Ver­gleich zwi­schen VW und den Zi­vil­klä­gern

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