Re­nault-Vor­stand Ste­fan Mül­ler über neue Mo­del­le, E-Mo­bi­li­tät und das Er­schlie­ßen wei­te­rer Märk­te

Als Chief Per­for­mance Of­fi­cer ist Ste­fan Mül­ler für das ge­sam­te ope­ra­ti­ve Ge­schäft der Re­naul­tG­rup­pe ver­ant­wort­lich und sieht nicht nur in Deutsch­land gro­ßes Wachs­tums­po­ten­zi­al

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Das Ge­spräch führ­te Jür­gen Voigt

Herr Mül­ler, wie wirkt sich die grund­le­gen­de Er­neue­rung der Re­naul­tMo­dell­pa­let­te (Kad­jar, Mé­ga­ne, Ta­lis­man) aus?

Das ist die größ­te Mo­dell­of­fen­si­ve, die Re­nault je in so kur­zer Zeit ge­macht hat. Wir sind zu­dem mit Kad­jar und Cap­tur in ganz neue Seg­men­te ein­ge­stie­gen. Im Zu­ge die­ser Of­fen­si­ve konn­te Re­nault den Markt­an­teil in­ter­na­tio­nal um über 0,3 Pro­zent­punk­te stei­gern. Wir wach­sen deut­lich bes­ser als ge­plant, so­dass wir vor­aus­sicht­lich in die­sem Jahr mit Re­nault/ Da­cia das ers­te Mal über drei Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge ver­kau­fen wer­den. In Eu­ro­pa le­gen wir über 0,4 Pro­zent an Markt­an­teil zu und sind da­mit die am zweit­stärks­ten wach­sen­de Mar­ke. Das heißt, Re­nault wächst in Eu­ro­pa stär­ker als der Ge­samt­markt. Da­mit sind wir auf ei­nem gu­ten Kurs – haupt­ver­ant­wort­lich ist na­tür­lich die Mo­dell­of­fen­si­ve, die sich auch in Zu­kunft fort­set­zen wird.

Wel­che Rol­le spielt da­bei die Wie­der­be­le­bung der Mar­ke Al­pi­ne?

Al­pi­ne als Mar­ke ist für uns ein in­ter­es­san­ter Bu­si­ness Ca­se. Wir sind über­zeugt, dass Al­pi­ne die Mar­ke Re­nault sehr po­si­tiv auf­la­den kann. Wir wer­den mit dem Cou­pé, das 2017 auf den Markt kom­men und ein in die­sem Seg­ment ein­ma­li­ges An­ge­bot dar­stel­len wird, an die er­folg­rei­che His­to­rie der Mar­ke Al­pi­ne an­knüp­fen.

Hat die Mar­ke Re­nault das Po­ten­zi­al, in Deutsch­land wie­der ei­nen Markt­an­teil von et­wa sieben Pro­zent zu er­rei­chen?

Wir ha­ben als Re­nault Grup­pe mit den Mar­ken Re­nault und Da­cia noch viel Po­ten­zi­al für Wachs­tum. Wir tre­ten nicht nur mit ei­ner neu­en Mo­dell­pa­let­te, son­dern auch mit ei­nem weit­ge­hend neu- en Ma­nage­ment-Team an. Wir ver­zeich­nen per En­de Sep­tem­ber ei­nen deut­li­chen Markt­an­t­eil­zu­ge­winn von 0,33 Pro­zent­punk­ten. Und wir fan­gen ge­ra­de erst an, mit neu­en Fahr­zeu­gen wie Kad­jar, Mé­ga­ne, Ta­lis­man und Scé­nic zu punk­ten. So­mit wer­den die nächs­ten drei Jah­re ganz ent­schei­dend sein für un­ser Wachs­tum.

Wachs­tum wird bei fast al­len Her­stel­lern heu­te durch neue Cross­over­und SUV-Mo­del­le er­zielt. Hat da ein neu­er Van wie der Scé­nic noch Chan­cen?

Auf je­den Fall. Der klas­si­sche Van ver­liert zwar an Be­deu­tung, doch für uns ist der Scé­nic – oder auch der Es­pace – kein Van im klas­si­schen Sin­ne. Auch hier ge­hen wir kon­zep­tio­nell eher in die Rich­tung Cross­over, der in ei­nem sehr gro­ßen Seg­ment sei­ne Käu­fer fin­den wird, dar­un­ter auch vie­le Neu­kun­den.

Re­nault be­kennt sich wei­ter­hin zur Elek­tro­mo­bi­li­tät. Ist hier die an­fäng­li­che Eu­pho­rie nicht eher ei­ner Er­nüch­te­rung ge­wi­chen?

Nein, ganz im Ge­gen­teil. Die Stim­mung in Be­zug auf die E-Mo­bi­li­tät war noch nie so po­si­tiv, und die Aus­sich­ten wa­ren noch nie so gut wie heu­te. Wir sind als Pio­nier ge­star­tet, und was wir ge­macht ha­ben, war rich­tig. Der Welt­markt be­ginnt jetzt rich­tig zu wach­sen, und das Po­ten­zi­al ist rie­sen­groß. Wir be­grü­ßen es, dass vie­le Wett­be­wer­ber in­zwi­schen auf den Zug auf­ge­sprun­gen sind. Zu­sam­men mit Nis­san ist Re­nault Markt­füh­rer und ver­kauft über 50 Pro­zent al­ler bat­te­rie­elek­trisch be­trie­be­nen Fahr­zeu­ge auf der Welt. Her­vor­zu­he­ben ist hier der ZOE, des­sen Ver­käu­fe be­son­ders in Eu­ro­pa si­gni­fi­kant ge­stei­gert wer­den konn­ten und des­sen Er­folg sich mit der nun auf 400 km ver­grö­ßer­ten Norm­reich­wei­te wei­ter fort­set­zen wird. Und für die Zu­kunft ha­ben wir für die Elek­tro­mo­bi­li­tät noch gro­ße Plä­ne, an de­nen wir ge­ra­de ar­bei­ten.

Re­nault führt in den Bau­rei­hen Mé­ga­ne und Scé­nic ei­nen Die­selHy­brid-An­trieb ein. Wie ver­trägt sich das mit den wei­te­ren Stra­te­gi­en zur Elek­tro­mo­bi­li­tät?

Die ver­schie­de­nen Ar­ten der Elek­tri­fi­zie­rung sind ein sinn­vol­ler In­dus­trie-Trend, den auch die Re­nault-Grup­pe auf­greift. Den­noch wird für uns in Zu­kunft der Schwer­punkt ganz klar auf den 100 Pro­zent bat­te­rie­elek­trisch be­trie­be­nen Fahr­zeu­gen lie­gen. Wir sind fest da­von über­zeugt, dass mit den wei­ter ab­neh­men­den Bat­te­rie­kos­ten und mit zu­neh­men­der La­de-In­fra­struk­tur und auch mit zu­neh­men­den Re­strik­tio­nen in den Me­tro­po­len das The­ma Elek­tro­mo­bi­li­tät im­mer wich­ti­ger wird. Dar­über hin­aus wer­den wir aber zu­sätz­lich bis 2020 und dar­über hin­aus un­se­re Fahr­zeu­ge zu­neh­mend elek­tri­fi­zie­ren, auch um schär­fe­re Ab­gas­grenz­wer­te zu er­fül­len. Das reicht vom Mil­dHy­brid über 48-Volt-Tech­nik bis hin zum Plug-in-Hy­brid – al­les Tech­no­lo­gi­en, die uns in der Re­nault-Nis­san-Al­li­anz be­reits zur Ver­fü­gung ste­hen. Wann wir wel­che Tech­no­lo­gie auf den Markt brin­gen, hängt stark da­von ab, ob wir dem Kun­den ein an­spre­chen­des Preis- Leis­tungs-Ver­hält­nis bie­ten kön­nen. Grund­sätz­lich und für die län­ger­fris­ti­ge Pla­nung ist es je­doch am sinn­volls­ten, nur auf ei­ne An­triebs­tech­no­lo­gie – al­so auf den bat­te­rie­elek­tri­schen An­trieb – zu set­zen.

Bis 2020 hat die Re­naul­tNis­san-Al­li­anz zehn au­to­nom oder teil­au­to­nom fah­ren­de Au­tos an­ge­kün­digt. Kön­nen Sie das kon­kre­ti­sie­ren?

Für uns geht es in den nächs­ten Jah­ren dar­um, un­se­ren Kun­den bei je­dem Mo­dell Zug um Zug im­mer mehr As­sis­tenz­sys­te­me zu ei­nem gu­ten Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis zu bie­ten. Ein gu­tes Bei­spiel ist der ge­ra­de in Eu­ro­pa vor­ge­stell­te Ko­le­os, der be­reits ei­ne gan­ze Ar­ma­da an As­sis­tenz­sys­te­men an Bord hat. Dar­über hin­aus wer­den wir uns Schritt für Schritt ent­wi­ckeln, so­dass wir ab cir­ca 2020 au­to­nom fah­ren kön­nen. Im ers­ten Schritt kön­nen die Fahr­zeu­ge auf der Au­to­bahn selbst­stän­dig die Spur hal­ten und den Ab­stand zum Vor­der­mann re­gu­lie­ren. Im zwei­ten Schritt wird das Fahr­zeug auch Über­hol­ma­nö­ver

selbst­stän­dig aus­füh­ren kön­nen. Und schließ­lich wird es dar­um ge­hen, auch in der Stadt au­to­nom fah­ren zu kön­nen. Un­ser nächs­tes un­mit­tel­ba­res Ziel ist je­doch, un­ser An­ge­bot an As­sis­tenz­sys­te­men aus­zu­wei­ten und da­bei das bes­te Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis zu bie­ten.

Wel­che Be­deu­tung hat die Er­schlie­ßung neu­er Märk­te für das Wachs­tum von Re­nault?

Wich­tig ist hier das Jo­int Ven­ture mit Dong­feng in Chi­na. Wir ha­ben dort ei­ne Fa­b­rik zur Pro­duk­ti­on von Kad­jar und Ko­le­os auf­ge­baut mit ei­ner Ka­pa­zi­tät von 150.000 Au­tos, die wir je­der­zeit auch ver­dop­peln kön­nen. Un­ser En­ga­ge­ment in Chi­na ist im Jahr 2016 noch ei­ne klei­ne Flam­me, aber wir wol­len dar­aus lang­fris­tig ein gro­ßes Feu­er ent­fa­chen. Chi­na ist al­so für uns ein stra­te­gisch lang­fris­ti­ges In­vest­ment. So ein­fach wie noch vor ein paar Jah­ren ist der Markt in Chi­na auf­grund des in­zwi­schen sehr gro­ßen Wett­be­werbs al­ler­dings nicht mehr, zu­mal wir als Mar­ke dort kom­plett neu sind mit ei­nem ganz neu­en Händ­ler­netz. Des­halb wer­den wir uns die Zeit neh­men, die wir brau­chen, um mit den bei­den Mo­del­len Kad­jar und Ko­le­os Er­folg ein­zu­fah­ren. Die Aus­sich­ten sind gut, denn das SUV-Seg­ment ist in Chi­na in den letz­ten Jah­ren um mehr als 30 Pro­zent ge­wach­sen. So­mit ha­ben wir in das rich­ti­ge Seg­ment in­ves­tiert – und wol­len auf lan­ge Sicht na­tür­lich un­ser An­ge­bot in Chi­na auch auf an­de­re Seg­men­te aus­bau­en.

… und au­ßer­halb Chi­nas?

Ei­nen sehr gro­ßen Er­folg er­zie­len wir ge­ra­de in In­di­en mit dem klei­nen SUV Re­nault Kwid, das dort auf An­hieb zu den am meis­ten nach­ge­frag­ten Fahr­zeu­gen zählt. Dar­über hin­aus ge­win­nen der süd- und der mit­tel­ame­ri­ka­ni­sche Markt wie­der an Be­deu­tung. Wir wol­len vor al­lem in Bra­si­li­en und Ar­gen­ti­ni­en wie­der aufs Po­di­um. Vor al­lem in Bra­si­li­en ha­ben wir an Markt­an­teil kräf­tig zu­ge­legt. In die­sen Märk­ten ist es enorm wich­tig, dass sich die Wirt­schaft wie­der er­holt. In die­sen Märk­ten set­zen wir nicht nur auf SUV-Mo­del­le, son­dern auch auf neue Pick-ups, die hier stark ge­fragt sind. Au­ßer­dem ent­wi­ckelt sich der Markt im Iran in­ter­es­sant, wo wir auch sel­ber pro­du­zie­ren und über 200 Pro­zent an Markt­an­teil (6,6 Pro­zent, 54.000 Au­tos) zu­ge­legt ha­ben. Un­ser lang­fris­ti­ges Ziel ist es, dort 400.000 Fahr­zeu­ge zu ver­kau­fen. Wich­tig ist zu­dem die Tür­kei. Dort bau­en wir eben­falls sel­ber Au­tos und sind mo­men­tan die Num­mer zwei auf dem Markt. Auf ei­nem gu­ten Weg sind wir auch in Russ­land mit der In­ves­ti­ti­on in das Un­ter­neh­men Av­to­vaz ( La­da). La­da ist auf ei­nen Markt­an­teil von et­wa 20 Pro­zent ge­stie­gen und na­tür­lich die meist­ver­kauf­te Mar­ke in Russ­land. Die Pro­duk­ti­on hat ei­ne Ka­pa­zi­tät von et­wa ei­ner Mil­li­on Fahr­zeu­gen, die mo­men­tan nicht aus­ge­schöpft wird. Mit ei­nem neu­en Ma­nage­ment-Team und ge­ziel­ten In­ves­ti­tio­nen wird es uns ge­lin­gen, die Ef­fi­zi­enz des Un­ter­neh­mens deut­lich zu stei­gern. Und in Zu­kunft wol­len wir die frei­en Ka­pa­zi­tä­ten auch für an­de­re Mar­ken nut­zen.

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