Sport­wa­gen DeZir und Gran­tu­ris­mo Tre­zor: Re­nault-Che­fDe­si­gner Lau­rens van den Acker setzt deut­li­che Ak­zen­te

Mit der Sport­wa­gen stu­die DeZir re­vo­lu­tio­nier­te Ren au lt im Jahr 2010 das Mar­ken de­sign nach­hal­tig. Der spek­ta­ku­lä­re Gran­tu­ris­mo Tre­zor setzt die traum­haf­te Sto­ry nun fort

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Jür­gen Voigt FO­TOS An­ge­li­ka Em­mer­ling (3) ]

Con­cept Cars sind Träu­me, und da­bei bleibt es meis­tens auch. Als kost­ba­re Uni­ka­te dür­fen sie zwar von der Welt be­staunt und von ein paar Au­ser­wähl­ten viel­leicht auch mal an­ge­fasst wer­den, fah­ren oder käuf­lich er­wer­ben ist hin­ge­gen ta­bu. Den­noch ha­ben sol­che ex­qui­si­ten Schau­stü­cke mit­un­ter gro­ßen Ein­fluss auf das, was wir je­den Tag von A nach B be­we­gen. Bes­tes Bei­spiel da­für ist die Sport­wa­gen­stu­die DeZir aus dem Jahr 2010, mit der Lau­rens van den Acker, da­mals frisch­ge­ba­cke­ner neu­er Re­nault-De­si­gn­chef, sein Mes­se-De­büt gab. Für­wahr kei­ne leich­te Auf­ga­be, denn die Fran­zo­sen sind be­rühmt für ih­re auf­se­hen­er­re­gen­den Stu­di­en. Doch was

der neue Che­fde­si­gner an­läss­lich des Pa­ri­ser Au­to­sa­lons da auf die Büh­ne stell­te, kam auf An­hieb beim Pu­bli­kum an. Klar, der DeZir war ei­ne ras­si­ge Sport­wa­gen-Krea­ti­on, die es in die­sem oder ähn­li­chem For­mat nie­mals in die Se­rie schaf­fen wür­de. Doch spä­tes­tens als Re­nault im Jahr 2012 den neu­en Clio prä­sen- tier­te, wur­de klar, wel­che Auf­ga­be van den Acker dem DeZir zu­ge­dacht hat­te: die Ver­kör­pe­rung ei­nes kom­plett neu­en Mar­ken­de­signs.

DeZir und Clio tra­gen die glei­che Hand­schrift

Ob­wohl es sich bei Clio und DeZir um sehr un­ter­schied­li­che Fahr- zeug­ty­pen han­delt, ist die Hand­schrift un­ver­kenn­bar. Vom Luft­ein­lass bis hin zum ver­hei­ßungs­voll rot schim­mern­den Lack nimmt der Klein­wa­gen Zi­ta­te aus dem Sport­ler auf, die in­zwi­schen auch wei­te­re seit­her ein­ge­führ­te Se­ri­en­mo­del­le aus­zeich­net. Und heu­te? Sechs Jah­re nach dem DeZir wur­de es Zeit für die Er- neue­rung des De­sign­zy­klus, den Lau­rens van den Acker sei­ner­zeit ge­star­tet hat. „DeZir, das war un­ge­zü­gel­te Lei­den­schaft, spon­ta­ne Ver­liebt­heit, pu­re Emo­ti­on“, so der De­si­gn­chef an­läss­lich der Vor­stel­lung sei­ner jüngs­ten Stu­die. „Im Ge­gen­satz zum un­ge­stü­men, kom­pro­miss­lo­sen Sport­wa­gen DeZir ver­kör­pert der Re­nault

Tre­zor das Kon­zept ei­nes Gran­tu­ris­mo – ge­macht fürs schnel­le, kom­for­ta­ble Rei­sen zu zweit.“Trotz der deut­lich er­kenn­ba­ren Un­ter­schie­de zwi­schen bei­den Kon­zep­ten setzt der Tre­zor die Tra­di­ti­on schlüs­sig fort. Bei­de Con­cept Cars sind bat­te­rie­elek­trisch be­trie­be­ne Au­tos, de­nen, so die Ein­schät­zung der Fran­zo­sen, die Zu­kunft ge­hört. Er­kenn­bar ist dies üb­ri­gens auch an den Mo­dell­be­zeich­nun­gen, denn das Z steht bei Re­nault für Ze­ro Emis­si­on, al­so null Schad­stoff­aus­stoß. Dem gut 4,20 Me­ter lan­gen und 1,16 Me­ter fla­chen DeZir reich­ten da­mals ge­ra­de mal 150 Elek­tro-PS (110 kw) an der Hin­ter­ach­se für be­acht­li­che Fahr­leis­tun­gen ( null bis 100 km/ h in 5,0 s), denn das ra­di­ka­le Leicht­bau­kon­zept mit Kev­lar-Ka­ros­se­rie und Git­ter­roh­rah­men aus dem Renn­wa­gen Mé­ga­ne Tro­phy bringt es auf ein Leer­ge­wicht von nur 850 Ki­lo­gramm. Auch die Tech­nik des Tre­zor hat ih­ren Ur­sprung zum Teil im Renn­sport, al­ler­dings in der neu­zeit­li­chen Spiel­art. Der An­trieb stammt aus dem For­mel-E-Au­to des Welt­meis­ter­teams Re­nault e.dams und steht mit 350 PS deut­lich bes­ser im Fut­ter als der DeZir-An­trieb. Al­ler­dings ist der ex­akt 4,70 Me­ter lan­ge und 2,18 Me­ter brei­te Tre­zor von deut­lich üp­pi­ge­rer Sta­tur. Den­noch hält sich die Fahr­zeug­mas­se mit 1600 Ki­lo­gramm in Gren­zen, so­dass der Gran­tu­ris­mo sei­ner Be­stim­mung als schnel­ler Rei­se­wa­gen oh­ne wei­te­res nach­kommt und in we­ni­ger als vier Se­kun­den auf 100 km/ h be­schleu­nigt. Das Leicht­bau­kon­zept des Tre­zor um­fasst ein Fahr­zeug­chas­sis und die zum Teil mit ei­ner wa­ben­ar­ti­gen Struk­tur aus­ge­ar­bei­te­ten Ka­ros­se­rie­tei­le aus Kar­bon­fa­ser- ver­stärk­tem Kunst­stoff (CFK). Auf­fäl­lig sind auch die hand­werk­lich rou­ti­niert ge­ar­bei­te­ten Alu­mi­ni­um- Rad­auf­hän­gun­gen, die eben­falls Ge­wicht spa­ren. Im Ge­gen­satz zum in­nen eher kühl und re­du­ziert wir­ken­den DeZir setzt der Tre­zor auf ei­ne opu­len­te Wohl­fühlat­mo­sphä­re, ge­taucht in ein war­mes Rot. Lau­rens van den Acker ent­wi­ckelt De­sign­zy­klen, die sich an den Le­bens­pha­sen ei­nes Men­schen ori­en­tie­ren. Der ers­te Zy­klus star­te­te mit dem DeZir, der das stärks­te Ge­fühl, die Lie­be, ver­kör­per­te. Der neu­es­te Zy­klus be­ginnt wie­der mit pu­rer

Bei­de Elek­tro­stu­di­en nut­zen Tech­nik aus dem Mo­tor­sport

Emo­ti­on. „Doch der Tre­zor kommt nicht so un­ge­stüm da­her wie der DeZir. Der Sturm der fri­schen Ver­liebt­heit hat sich ge­setzt, und die Zwei­sam­keit fes­tigt sich auf ei­nem so­li­den Fun­da­ment“, so van den Acker. Dar­auf deu­ten auch tech­ni­sche Spie­le­rei­en hin wie der per­so­na­li­sier­te au­to­no­me Fahr­mo­dus des Tre­zor, der sich nur zu zweit per Fin­ger­ab­druck ak­ti­vie­ren lässt. Der Tre­zor steckt vol­ler wei­te­rer emo­ti­ons­ge­la­de­ner De­tails. Das Öff­nen des Wa­gens gleicht dem Öff­nen ei­nes Schmuck­käst­chens, denn statt kon­ven­tio­nel­ler Tü­ren klappt hier ei­ne Kup­pel auf.

Holz und Le­der har­mo­nie­ren im glei­chen Farb­ton

Zum Vor­schein kom­men ne­ben der kli­ma­ti­sier­ten Bat­te­rie­ein­heit im Vor­der­wa­gen auch fei­ne, ro­te Le­der­kof­fer, ein­ge­fasst in ei­nen Rah­men aus kunst­voll ver­leim- tem Eschen­holz in der glei­chen Far­be. Die Holz­rah­men für die Kof­fer und auch für die Sit­ze ent­stan­den üb­ri­gens in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Fahr­rad­her­stel­ler KEIM­cy­cles, der sich auf Holz­rah­men spe­zia­li­siert hat. Es las­sen sich zahl­lo­se wei­te­re stilund lie­be­vol­le De­tails auf­zäh­len, et­wa die La­ser­licht-durch­flu­te­ten Glas­fa­sern, die als Rück­lich­ter die­nen, oder auch die hand­ge­fer­tig­ten, farb­lich ak­zen­tu­ier­ten Rei­fen von Con­ti­nen­tal. Al­les nur Spie­le­rei? Nein, denn für Lau­rens van den Acker gibt der Tre­zor ei­nen Aus­blick auf die nächs­ten Re­naul­tT­rends: „French De­sign“und „Ea­sy Li­fe“. Bei­des soll den un­be­schwer­ten Um­gang mit dem Au­to för­dern, ganz im Stil der fran­zö­si­schen Le­bens­art. Da­zu soll auch – und jetzt wird es wie­der tech­nisch – das Tre­zor-Be­di­en­kon­zept bei­tra­gen, ba­sie­rend auf Touch­screens mit OLED-Tech­no­lo­gie.

Küh­le, re­du­zier­te Wohn­welt von 2010. Nicht ganz so vie­le und so bun­te Dis­plays wie heu­te im Tre­zor DEZIR

Ei­nes der wil­des­ten Tür­kon­zep­te der Au­to­mo­bil­ge­schich­te un­ter­schei­det klar zwi­schen Fah­rer und Bei­fah­rer

Über ei­nen Se­ri­en­DeZir hät­ten wir uns sehr ge­freut. Aber das Sport­wa­gen­the­ma nimmt ja nächs­tes Jahr die neue Al­pi­ne wie­der auf Sie wur­den als Uni­ka­te für den Mes­se­auf­tritt ge­schaf­fen. Den­noch sind sie kei­ne Ein­tags­flie­gen, son­dern hin­ter­las­sen ih­re Spu­ren im re­nault-De­sign

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