Mer­ce­des­AMG GT C Roads­ter

V8-Zy­lin­der, Bi­tur­bo, 3982 cm3, 410 kW/ 557 PS bei 5750 /min, 680 Nm bei 1900 – 5750 /min, 7-Gang, Dop­pel­kuppl., Hin­ter­rad­an­trieb; L/B/H: 4551/2007/1260 mm, Leer­ge­wicht: ca. 1660 kg, 0-100 km/h in 3,7 s, Höchst­ge­schwin­dig­keit: 316 km/h, EU-Ver­brauch: 11,4

AUTO ZEITUNG - - FASZINATION • MERCEDES-AMG GT C ROADSTER - Horst von Saurma

An ein paar Ecken und En­den muss noch et­was ge­feilt wer­den, aber an­sons­ten ent­spricht das Er­geb­nis tech­nisch und op­tisch ge­nau mei­nen Vor­stel­lun­gen“, sagt To­bi­as Mo­ers, Vor­sit­zen­der der Ge­schäfts­füh­rung bei Mer­ce­des-AMG. Und er ist kei­ner, der vor Be­geis­te­rung schnell aus dem Häu­schen ge­rät. Ob­wohl er sei­nen Stolz nicht ver­heim­li­chen kann. „Die Kenn­li­ni­en der neu­en Len­kung sind noch nicht letz­ter Stand, und auch der Kof­fer­raum­de­ckel hat in sei­ner Form­ge­bung noch Pro­to­ty­pen-Sta­tus. Da sind wir ma­te­ri­al­tech­nisch ganz neue We­ge ge­gan­gen.“Was dem lei­den­schaft­li­chen In­ge­nieur aber sicht­bar zu­setzt, sind fei­ne, zi­schen­den Ge­räu­sche, die sich zwi­schen obe­rer Sei­ten­schei­ben­kan­te und Dachab­schluss bil­den. Und das aus­ge­rech­net auf mei­ner Bei­fah­rer­sei­te. Aber das Pro­blem ist eben­so schnell ge­löst wie die Ur­sa­che da­für ent­larvt: Das Dach öff­net sich, und be­vor der Grund für das klei­ne akus­ti­sche Miss­ge­schick er­klärt ist – Te­nor: Mit kor­rek­ter Jus­tie­rung der Tür in ih­ren Schar­nie­ren ist die Sa­che leicht be­ho­ben – hat sich das drei­la­gi­ge Stoff­ver­deck be­reits un­ter ei­ner Ab­de­ckung hin­ter den Sit­zen ele­gant zu­sam­men­ge­fal­tet. Die­ser Vor­gang dau­ert ge­ra­de mal elf Se­kun­den und lässt sich auf Knopf­druck bis zu ei­ner Ge­schwin­dig­keit von 50 km/ h be­werk­stel­li­gen. Im Land re­strik­ti­ver Tem­po­li­mits al­so fast im­mer. Wir sind auf dem Ne­va­da High­way im gleich­na­mi­gen USBun­des­staat. Den Tru­bel im schrill-bun­ten Las Ve­gas ha­ben wir hin­ter uns ge­las­sen und fah­ren durch ei­ne ein­sa­me, wüs­ten­ähn­li­che, nichts­des­to­we­ni­ger be­tö­rend schö­ne Land­schaft in Rich­tung Boul­der Ci­ty. Ent­lang des La­ke Me­ad und vor­bei am Hoo­ver-Stau­damm nä­hern wir uns dem Ziel un­se­rer ex­klu­si­ven Er­pro­bungs-Tour: ei­nem von tro­cke­ner Hit­ze ver­dörr­ten und ir­ren ro­ten Fels­for­ma­tio­nen um­ge­be­nen Tal mit dem be­zeich­nen­den Na­men „Val­ley of Fi­re“. Ei­ne an­ge­mes­se­ne Feu­er­tau­fe al­so für zwei neue Open-Air-Mo­del­le, die ab Früh­jahr 2017 auf den Markt kom­men und mit de­nen die noch jun­ge AMG GT-Fa­mi­lie auf fünf Va­ri­an­ten wach­sen wird. Ih­re Be­zeich­nun­gen: AMG GT Roads­ter und AMG GT C Roads­ter. Ne­ben der 476 PS star­ken Ba­sis­ver­si­on be­rei­chert der GT C Roads­ter das Port­fo­lio um ei­ne auch mo­to­risch neue Mo­dell­va­ri­an­te: Mit ei­ner Spit­zen­leis­tun­gen 557 PS und ei­nem ma­xi­ma­len Dreh­mo­ment von 680 Nm han­delt es sich da­bei nicht nur um die stärks­te Roads­ter-Neu­heit, son­dern auch um je­ne, die sich tech­ni­scher Fein­hei­ten aus dem AMG GT R Cou­pé be­dient. Da­zu ge­hört die ak­ti­ve Hin­ter­rad­len­kung eben­so wie das elek­tro­nisch ge­steu­er­te Hin­ter­achs­dif­fe­ren­zi­al. In Kom­bi­na­ti­on mit dem so­ge­nann­ten AMG Ri­de Con­trol-Sport­fahr­werk ga­ran­tiert Mo­ers Fahr­dy­na­mik auf höchs­tem Le­vel: „Wir fah­ren da­mit auf der Nord­schlei­fe Zei­ten von un­ter 7.20 Mi­nu­ten – of­fen.“Die An­lei­hen beim Top-Sport­ler GT R ste­chen beim GT C Roads­ter schon op­tisch ins Au­ge: Die Alu-Kot­flü­gel wöl­ben sich deut­lich fül­li­ger um die Hin­ter­ach­se als beim Ba­sis-

Roads­ter GT. Das Heck hat in der Brei­te um 57 Mil­li­me­ter zu­ge­legt und schafft so den Raum für die gro­ßen 20-Zoll-Rä­der. So glaub­haft die fahr­dy­na­mi­sche Ex­tra-Klas­se rü­ber­kommt, so zu­gäng­lich und auf­ge­schlos­sen zeigt sich der AMG Roads­ter auch weit dies­seits ma­xi­ma­ler Längs- und Qu­er­be­schleu­ni­gun­gen. Selbst wenn das En­de der Fah­nen­stan­ge beim GT C erst bei 316 km/ h er­reicht ist und auch in Sa­chen Be­schleu­ni­gung und Durch­zug kein Wunsch un­er­füllt bleibt: Der star­ke AMG Roads­ter lässt nichts un­ver­sucht, um bei­de In­sas­sen vom Start weg für sich ein­zu­neh­men. Der Ein­stieg? Ea­sy, selbst mit et­was stei­fe­ren Kno­chen. Tur­bu­len­zen im of­fe­nen Cock­pit? Im re­le­van­ten Tem­po­be­reich kaum haar­krüm­mend. Die Wind- und Fahr­ge­räu­sche im ge­schlos­se­nen Zu­stand? Nicht si­gni­fi­kant. Das Raum­ge­fühl und das Ein­ge­bun­den­sein ins Sys­tem? Es geht kaum bes­ser. Nur die et­was un­hand­li­che Grö­ße könn­te am En­de noch ver­hin­dern, dass die Lie­be zum Ob­jekt mit vol­ler Punkt­zahl be­lohnt wird. Aber halt: Ich ver­gaß die ak­ti­ve Hin­ter­rad­len­kung. Sie muss auch im GT C Roads­ter se­gens­rei­che Wir­kung zei­gen, wie der zu­frie­de­ne Au­gen­auf­schlag mei­nes Fah­rers be­weist. Das nach­zu­voll­zie­hen, ist mir zwar nicht ge­gönnt. Aber ich spü­re, wel­che Leis­tungs­Ex­zes­se der Bi­tur­bo-V8 in ge­pfleg­ter Ko­ope­ra­ti­on mit dem Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be und dank per­fek­ter Trak­ti­on voll­bringt – oh­ne selbst ein Ri­si­ko ein­zu­ge­hen. Schließ­lich müss­te To­bi­as Mo­ers den Cops sonst wo­mög­lich er­klä­ren, was es mit die­ser Feu­er­tau­fe im „Val­ley of Fi­re“tat­säch­lich auf sich hat.

„Die Op­ti­mie­rung ei­ner Bau­rei­he hört nie auf“ To­bi­as Mo­ers, Vor­sit­zen­der der Mer­ce­des-AMG-Ge­schäfts­füh­rung

Der Ba­sis-Roads­ter tritt mit 476 PS an, der stäm­mi­ge­re GT C mit 557 PS

Das drei­la­gi­ge Stoff­ver­deck ver­schwin­det in elf Se­kun­den hin­ter den Sit­zen In­mit­ten von Ghost Ci­ty wie von ei­nem an­de­ren Stern: die neu­en AMG-Roads­ter

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