X Sticht der - fac­tor

Nach fünf Jah­ren gönnt Opel sei­nem er­folg­rei­chen Kom­pakt-SUV ein um­fang­rei­ches Face­lift und nennt es Mok­ka X. Im ers­ten Vergleichstest stellt sich her­aus, ob die Re­tu­schen ge­nü­gen, um sich im boo­men­den Seg­ment wei­ter zu be­haup­ten

AUTO ZEITUNG - - VERGLEICHSTEST • KOMPAKT-SUV - [ TEXT Mar­cel Küh­ler FO­TOS Da­nie­la Loof, Zbi­gniew Ma­zar (7) ]

Mit über 600.000 ver­kauf­ten Ex­em­pla­ren seit sei­nem Markt­start En­de 2012 ge­hört der Opel Mok­ka zu den wich­tigs­ten Fahr­zeu­gen im Port­fo­lio der Rüs­sels­hei­mer. Fürs neue Mo­dell­jahr er­hielt der kom­pak­te Best­sel­ler ein um­fas­sen­des Face­lift, das ihm – ne­ben ei­ner neu­en, deut­lich ge­straff­ten Front – ei­nen ent­rüm­pel­ten In­nen­raum samt in­tui­ti­ve­rer Be­die­nung und neu­er­dings ein zu­sätz­li­ches X im Na­men be­scher­te. Doch rei­chen die­se Maß­nah­men, um die viel­fäl­ti­ge Kon­kur­renz im hart um­kämpf­ten Seg­ment der Ci­ty-Krax­ler aus­zu­ste­chen? Hon­da HR-V, Nis­san Qas­h­qai und Sko­da Ye­ti tre­ten ge­gen den Neu­ling an, um die­se Fra­ge zu be­ant­wor­ten.

Ka­ros­se­rie

Wäh­rend sich die äu­ßer­li­chen Re­tu­schen mit Aus­nah­me des mar­kan­te­ren Ge­sichts in Gren­zen hal­ten, hat Opel das Cock­pit im Zu­ge der Mo­dell­pfle­ge gründ­lich re­no­viert. Die neue Ar­chi­tek­tur er­in­nert mit ih­rer auf­ge­räum­ten Ober­flä­che op­tisch an die des ak­tu­el­len As­tra. Das neue Kom­bi­in­stru­ment war­tet mit schlich­ten, gut ab­les­ba­ren, ana­lo­gen Rund­in­stru­men­ten auf. Mit­tig plat­ziert gibt es ei­nen zeit­ge­mä­ßen, kna­ckig schar­fen Bild­schirm, auf dem sich wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­tio­nen an­zei­gen las­sen. Auch wenn die kin­der­leich­te Be­dien­bar­keit des Sko­da Ye­ti nicht ganz er­reicht wird, stellt der zen-

tra­le Touch­screen mit sei­nen lo­gisch auf­ge­bau­ten Me­nüs ei­nen gro­ßen Vor­teil dar – ge­ra­de auch im Ver­gleich zum eher um­ständ­lich zu be­die­nen­den Hon­da. Am rei­nen Platz­an­ge­bot hat sich der­weil im Mok­ka nichts ver­än­dert. Das be­deu­tet, dass vorn nach wie vor auch Groß­ge­wach­se­ne art­ge­recht sit­zen kön­nen. Hin­ten las­sen sich zu­min­dest zwei Per­so­nen recht kom­mod un­ter­brin­gen, so­fern sie nicht zu den aus­ge­wie­se­nen Sitz­rie­sen ge­hö­ren. An­sons­ten kann es näm­lich eng mit der Kopf­frei­heit wer­den. Der Nis­san Qas­h­qai – von den äu­ße­ren Ab­mes­sun­gen her das größ­te Au­to im Test – und auch der Sko­da Ye­ti ha­ben aber grund­sätz­lich mehr Platz für ih­re Pas­sa­gie­re an­zu­bie­ten. Der Ja­pa­ner pro­fi­tiert von sei­nem ver­gleichs­wei­se lan­gen Rad­stand und of­fe­riert auch hin­ten viel Bein­frei­heit. Im ge­rad­li­ni­gen Tsche­chen freu­en sich die Fahr­gäs­te hin­ge­gen vorn wie hin­ten über je­de Men­ge Kopf­frei­heit. Die sehr gro­ßen Fens­ter­flä­chen be­güns­ti­gen über­dies ei­nen luf­ti­gen Rau­mein­druck. Au­ßer­dem ist der Ye­ti im­mer noch der un­an­ge­foch­te­ne Ver­wand­lungs­künst­ler im Seg­ment. Als ein­zi­ger ver­fügt er über (kin­der­leicht) de­mon­tier­ba­re Ein­zel­sit­ze im Fond, die das ma­xi­ma­le Vo­lu­men im Fracht­raum auf sat­te 1760 Li­ter an­wach­sen las­sen – und das auch noch se­ri­en­mä­ßig. Für mo­de­ra­te 80 Eu­ro kann man den Bei­fah­rer­sitz zu­sätz­lich mit ei­ner um­leg­ba­ren Leh­ne aus­rüs­ten, die den ein­fa­chen Trans­port lan­ger Ge­gen­stän­de er­laubt. Ei­ne Spe­zia­li­tät des Hon­da HR-V sind in­des die so­ge­nann­ten Ma­gic Seats im Fond. Ih­re Sitz­flä­chen las­sen sich – ähn­lich wie ein Ki­no­ses­sel – mit ei­nem Hand­griff auf­stel­len, so­dass auch ho­he Ge­gen­stän­de wie bei­spiels­wei­se Zim­mer­pflan­zen pro­blem­los trans­por­tiert wer­den kön­nen. Au­ßer­dem stellt der Kof­fer­raum mit gu­ten 448 Li­tern das größ­te Stan­dard-Vo­lu­men zur Ver­fü­gung. Da­für muss der sym­pa­thi­sche Ja­pa­ner beim Platz­an­ge­bot in der Fahr­gast­zel­le Fe­dern las­sen. So bie­tet er vorn wie hin­ten den ge­rings­ten Kopf­raum in die­sem Te­st­um­feld. In Sa­chen As­sis­tenz­sys­te­me hat der­weil der Nis­san Qas­h­qai die Na­se weit vorn. Als ein­zi­ger in­ner­halb des hier ver­sam­mel­ten Quar­tetts kann er bei­spiels­wei­se mit Rund­um-Ka­me­ras be­stückt wer-

den. An­sons­ten of­fe­riert der Ja­pa­ner be­reits vie­le an­de­re Sys­te­me se­ri­en­mä­ßig, wie et­wa Ein­park­hil­fen, Ab­stands­war­ner oder Not­brems­as­sis­tent. Letz­te­ren bie­tet auch der Hon­da HR-V ab Werk. Ein Spur­hal­teas­sis­tent und ein Ab­stands­war­ner sind da­für an ei­ne hö­he­re Aus­stat­tungs­li­nie ge­kop­pelt. Zu den Si­cher­heits-High­lights im wört­li­chen Sin­ne ge­hö­ren beim Opel Mok­ka X die mit 1250 Eu­ro fair ein­ge­preis­ten LEDSchein­wer­fer, die auch ein ad­ap­ti­ves Kur­ven­licht, ei­nen Fern­licht­as­sis­ten­ten und ein sta­ti­sches Ab­bie­ge­licht um­fas­sen. Da­zu sind für den neu­en Rüs­sels­hei­mer noch ein Ab­stands­war­ner, ein Spur­hal­teas­sis­tent und ein Ver­kehrs­zei­chen­scan­ner ver­füg­bar. Der Sko­da Ye­ti kann in punc­to Si­cher­heits­aus­stat­tung sein Al­ter nicht ver­ber­gen. Zwar fin­den sich in der Preis­lis­te Fond-Sei­ten­air­bags oder ein Mü­dig­keits­war­ner, al­ler­dings gibt es für den Tsche­chen we­der ei­ne Ver­kehrs­zei­chen­er­ken­nung noch Spur­hal­teo­der Spur­wech­sel­as­sis­ten­ten.

Fahr­kom­fort

Um es vor­weg­zu­neh­men: Ei­ne ve­ri­ta­ble Sänf­te ist kei­ner der vier kom­pak­ten SUV. Gleich­wohl gibt es in der je­wei­li­gen Gü­te des Fe­de­rungs­kom­forts ei­ni­ge Un­ter­schie­de. Den rund­um har­mo­nischs­ten Ein­druck – so­wohl leer als auch be­la­den – hin­ter­las­sen der Nis­san Qas­h­qai und der Sko­da Ye­ti. Bei­de sind zwar grund­sätz­lich eher straff ab­ge­stimmt, doch über­spie­len sie fei­ne wie gro­be Fahr­bahn­schä­den ähn­lich kom­pe­tent. Der Opel Mok­ka X wirkt auf ex­trem schlech­ten Un­ter­grün­den ge­ra­de an der Hin­ter­ach­se eher et­was höl­zern, nimmt Qu­er­fu­gen da­für aber recht ge­las­sen. Nach An­re­gun­gen kommt sei­ne Ka­ros­se­rie zu­dem um­ge­hend wie­der zur Ru­he. Bei ho­hen Ge­schwin­dig­kei­ten eher un­ru­hig ist es an Bord des Hon­da HR-V. Der ker­nig ge­fe­der­te Ja­pa­ner ist auch auf ver­meint­lich top­fe­be­nen Au­to­bah­nen stets leicht in Be­we­gung. Und auf Schlag­lö­chern so­wie Qu­er­fu­gen wirkt der Asia­te eben­falls nicht ganz so sou­ve­rän wie sei­ne Kon­tra­hen­ten. Den bes­ten Sitz­kom­fort in Rei­he eins brin­gen der Opel Mok­ka X und der Sko­da Ye­ti mit. Wäh­rend je­doch beim Tsche­chen be­reits die Stan­dard-Sit­ze ein er­mü­dungs-

frei­es Rei­sen be­güns­ti­gen, sind es im Fall un­se­res Opel-Test­wa­gens die op­tio­na­len Er­go­no­mie­sit­ze, die auf lan­gen Stre­cken für Wohl­be­fin­den sor­gen. Die Vor­der­sit­ze des Nis­san sind zwar et­was weich, bie­ten aber aus­rei­chend Sei­ten­ab­stüt­zung, wäh­rend es den Hon­da-Sit­zen an Bein­auf­la­ge und Sei­ten­halt fehlt.

Mo­tor / Ge­trie­be

Ob­wohl nicht der no­mi­nell Stärks­te im Feld, lie­fert der Opel Mok­ka X mit sei­nem 136-PSDie­sel die flot­tes­ten Be­schleu­ni­gungs­wer­te. Den Sprint auf 100 km/ h er­le­digt er in nur 9,1 Se­kun­den. Der Sko­da Ye­ti hat un­ter der Hau­be das stärks­te Die­sel-Herz. Den­noch kommt er an dem Opel nicht vor­bei, denn sei­ne 150 PS müs­sen am meis­ten Ge­wicht schlep­pen. Der Hon­da HR-V ist bei­spiels­wei­se 170 Ki­lo­gramm leich­ter, so­dass auch er mit sei­nem 120 PS star­ken Selbst­zün­der den An­schluss an die Wett­be­wer­ber nicht ver­liert. Ein Ab­so­lu­tes High­light des Ja­pa­ners: die kna­cki­ge Schal­tung, die mit ih­ren kur­zen We­gen und prä­zi­sen Ras­tun­gen so man­chem Sport­wa­gen gut zu Ge­sicht ste­hen wür­de. Zu­min­dest auf Land­stra­ßen und Au­to­bah­nen kommt hin­ge­gen der Qas­h­qaiPi­lot weit­ge­hend oh­ne Schalt­ma­nö­ver aus. Kein an­de­rer Wett­strei-

ter er­le­digt Zwi­schen­spurts in den ho­hen Gän­gen so schnell wie der un­ge­mein dreh­freu­di­ge Nis­san. Ei­ne be­mer­kens­wer­te Ei­nig­keit herrscht der­weil bei den Ver­bräu­chen: Fast dem ge­sam­ten Test­feld ge­nü­gen durch­schnitt­lich 5,4 Li­ter für ei­ne 100-Ki­lo­me­ter-Tour. Le­dig­lich der Sko­da schlägt ein we­nig über die Strän­ge und kon­su­miert ei­nen hal­ben Li­ter Kraft­stoff mehr.

Fahr­dy­na­mik

Mit sei­ner di­rek­ten Len­kung und sei­nem spon­ta­nen Ein­lenk­ver­hal­ten macht der Mok­ka X auf kur­ven­rei­chen Stra­ßen ei­ne gu­te Fi­gur. In schnel­len Kur­ven legt er ei­ne aus­ge­präg­te Neu­tra­li­tät an den Tag, be­vor er be­ginnt, bei hö­he­rem Kur­ven­tem­po sanft über die Vor­der­rä­der zu schie­ben. Al­ler­dings ver­liert der Opel durch sei­ne lan­gen Brems­we­ge Punk­te. Kalt wie warm be­nö­tigt er stets mehr als 36 Me­ter, um aus 100 km/ h wie­der zum Ste­hen zu kom­men. Deut­lich eher steht der Qas­h­qai. 34,8 Me­ter Brems­weg sind in die­sem Seg­ment ein mehr als nur re­spek­ta­bler Wert. Aber auch sonst gibt sich der Ja­pa­ner fahr­dy­na­misch kei­ne Blö­ße. Über sei­ne stram­me Len­kung lässt sich der neu­tral lie­gen­de Qas­h­qai prä­zi­se durch al­le Ar­ten von Kur­ven di­ri­gie­ren. Ein we­nig mehr Ge­fühl für die Fahr­bahn dürf­te sie je­doch gern ver­mit­teln. Ein durch­aus fahr­ak­ti­ves SUV ist der HR-V, der trotz kräf­ti­ger Sei­ten­nei­gung be­hän­de durch Kur­ven flitzt. Sein gut ab­ge­stimm­tes, sanft re­geln­des ESP, im Hon­daJar­gon VSA (Ve­hi­cle Sta­bi­li­ty As­sist) ge­nannt, so­wie die spon­tan an­spre­chen­de Brem­se sor­gen für ein ho­hes Maß an Fahr­si­cher­heit. Ein von frü­he­ren Test­wa­gen un­be­kann­tes Phä­no­men tritt beim Ye­ti auf dem Hand­ling­kurs auf: Das nicht de­ak­ti­vier­ba­re ESP schrei­tet be­reits bei leich­tem Un­ter­steu­ern ri­go­ros ein und re­du­ziert da­durch die Kur­ven­ge­schwin­dig­kei­ten deut­lich vor dem Er­rei­chen des ei­gent­li­chen Li­mits. Den­noch er­reicht der flin­ke Tsche­che ähn­li­che Run­den­zei­ten wie der schnells­te Test­aspi­rant, der Opel Mok­ka X.

Um­welt / Kos­ten

Letz­te­rer si­chert sich auch den Sieg im Kos­ten­ka­pi­tel. Der Mok­ka X ist im be­wer­te­ten Preis das güns­tigs­te An­ge­bot und punk­tet zu-

sätz­lich mit sei­ner um­fang­rei­chen Mul­ti­me­dia-Aus­stat­tung. In Sa­chen Ga­ran­ti­en sind die an­de­ren Her­stel­ler aber groß­zü­gi­ger. Vom rei­nen Grund­preis her ist der Hon­da am güns­tigs­ten. Dass er im be­wer­te­ten Preis der kost­spie­ligs­te Teil­neh­mer ist, liegt an den 17-Zoll-Rä­dern un­se­res Test­wa­gens. Sie sind ein­zig und al­lein mit der To­paus­stat­tung Exe­cu­ti­ve zu ha­ben, die sat­te 6150 Eu­ro Auf­preis kos­tet. Au­ßer­dem wer­fen die ho­hen Typ­klas­sen­ein­stu­fun­gen den wert­sta­bi­len Ja­pa­ner zu­rück. Das Schluss­licht im Ka­pi­tel mar­kiert der Nis­san Qas­h­qai, der auf den zweit­höchs­ten be­wer­te­ten Preis kommt und die üp­pigs­ten Werk­statt­kos­ten mit­bringt.

Deut­lich mar­kan­te­res Ge­sicht. Die op­tio­na­len LED-Schein­wer­fer ver­fü­gen über Kur­ven­licht

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