AL­LES KONNER

Die Spe­zi­es der uni­ver­sell ein­setz­ba­ren Renn­fah­rer zähl­te frü­her zur Norm. Den Spa­gat zwi­schen den Ka­te­go­ri­en schaf­fen heu­te nur we­ni­ge. Die­ses Trio zum Bei­spiel

AUTO ZEITUNG - - SPORT · ALLROUND-RENNFAHRER - Gregor Mes­ser

Wie heißt es doch im­mer so schön? Ab­wechs­lung macht das Le­ben bunt. Dem­nach kann das Le­ben für die drei Jung­pro­fis An­to­nio Fe­lix da Cos­ta, Re­né Rast und Fe­lix Ro­sen­qvist kaum noch sehr viel far­bi­ger wer­den. Wäh­rend in der For­mel 1 be­reits seit Jah­ren je­der Pi­lot aus­schließ­lich nur auf den WM-Kampf fi­xiert ist – kein Wun­der bei mitt­ler­wei­le 21 WM-Läu­fen – und auch in na­tio­na­len Se­ri­en wie der DTM die meis­ten Fah­rer le­dig­lich in die­sem ei­nen Renn­sport-Pro­gramm en­ga­giert sind, ha­ben sich 2016 un­se­re drei Hotshots in al­len mög­li­chen Cock­pits zu­recht­ge­fun­den. Und dies mit Er­folg.

Je­der Ki­lo­me­ter Gold wert

„Ich ha­be Fe­lix ge­ra­ten: Fahr so viel und so oft, wie es ir­gend­wie nur mög­lich ist“, er­zählt der schwe­di­sche Ex-For­mel-1-Pi­lot Ste­fan Jo­hans­son, „denn je­der Ki­lo­me­ter ist Gold wert.“„Seat Time“, nennt man im Bran­chen­jar­gon die Ver­weil­dau­er im Scha­len­sitz. Men­tor Jo­hans­son hat für sei­nen Zög­ling denn auch ein reich­hal­ti­ges Pro­gramm or­ga­ni­siert. Der letzt­jäh­ri­ge For­mel- 3- Eu­ro­pa­meis­ter un­ter­schrieb im Ja­nu­ar ei­nen Ver­trag bei Mer­ce­des als Er­satz­pi­lot für die DTM. Oben­drein durf­te Ro­sen­qvist auch an der GT3-Front ran: Als En­de Au­gust Es­te­ban Ocon von der DTM in die For­mel 1 ab­drif­te­te, stand er pa­rat. Da­mit war frei­lich auch sein Job in den USA ge­tan: Die In­dy Lights-Se­rie, wo er auf An­hieb zu den Spit­zen­kräf­ten zähl­te, muss­te er früh­zei­tig ad ac­ta le­gen – zu vie­le Ter­min­kol­li­sio­nen mit der DTM. Doch da­mit sich ab Herbst kei­ne Lan­ge­wei­le ein­schlei­chen soll­te, un­ter­schrieb Ro­sen­qvist beim in­di­schen Ma­hin­dra Team für die boo­men­de For­mel E. Und weil das im­mer noch nicht ge­nug war, mach­te der Blond­schopf auch noch sei­nen Nord­schlei­fen-Füh­rer­schein – auf ei­nem un­schein­ba­ren To­yo­ta GT86. Der Ein­satz gilt als Vor­aus­set­zung für die Er­laub­nis, im schwe­ren GT3 zu star­ten. On top fuhr Ro­sen­qvist üb­ri­gens schon in ei­nem LMP2Bom­ber bei den 24 St­un­den von Day­to­na im Ja­nu­ar so­wie in der Le­gend-Se­rie, die mit ul­kig aus­schau­en­den Bo­li­den im Stil der 30er-Jah­re aus­ge­tra­gen wird. Ro­sen­qvists Band­brei­te be­weg­te sich so­mit zwi­schen 175 PS über 200 kW (For­mel E) bis zu 550 PS (Mer­ce­des AMG GT3). Ganz ähn­lich, aber nicht so um­fang­reich war das Pro­gramm des Por­tu­gie­sen An­to­nio Fe­lix da Cos­ta. Bei ihm stan­den haupt­säch­lich die En­ga­ge­ments in der DTM und

der For­mel E im Ka­len­der. Aber dann ka­men noch Ein­sät­ze in der Langstre­cken-Meis­ter­schaft auf der Nord­schlei­fe im klei­nen Kun­den­sport- BMW M235i hin­zu: „Mei­ne ers­ten Run­den im Renn­wa­gen auf der Nord­schlei­fe, das er­in­ner­te mich an mei­ne Test­fahr­ten im Red Bull-For­mel 1 vor vier Jah­ren“, re­ka­pi­tu­lier­te Fe­lix da Cos­ta. „Da wur­de mir die gan­ze Freu­de am Renn­fah­ren wie­der be­wusst.“Schon zu Sai­son­be­ginn ab­sol­vier­te der BMW-Werks­fah­rer ein Ren­nen im bra­si­lia­ni­schen Stock Car-Cham­pio­nat: Platz zwei. Und auch im ADAC GT Mas­ters war da Cos­ta für BMW im M6 GT3 Ein­satz.

Rast, der Pri­mus im LMP2

Wäh­rend Kol­le­ge Ro­sen­qvist 2016 auf 37 Renn­ein­sät­ze kam, ab­sol­vier­te Au­di-All­roun­der Re­né Rast „nur“24 Ren­nen. Haupt­säch­lich im ver­trau­ten R8 LMS, wo er im­mer ei­ne zu­ver­läs­si­ge Haus­num­mer ist: In Day­to­na tri­um­phier­te er nach 24 St­un­den. Auch ei­nen über­ra­schen­den Start in der For­mel E durf­te Rast ver­bu­chen. In der LMP2-Ka­te­go­rie der Langstre­cken-WM in­des be­wies Rast, dass er das Maß der fah­re­ri­schen Din­ge ist. Vier Pole­po­si­tio­nen konn­te er für das G-Dri­ve-Team ho­len; in Le Mans wur­de er nur knapp ge­schla­gen Zwei­ter. Zu­dem tes­te­te Rast für Au­di den neu­en LMP1-Bo­li­den R18. Dass ein Pro­fi sei­ner Gü­te all­zeit be­reit sein muss, be­wies er bei sei­nem ers­ten DTM-Ein­satz Mit­te Ju­li in Zand­vo­ort. Weil sich Stamm­pi­lot Adri­en Tam­bay im Sams­tags­ren­nen die Hand ver­knackst hat­te, wur­de Rast am glei­chen Abend mo­bi­li­siert – als er gera­de auf ei­ner Par­ty in Hannover war. Um drei Uhr sonn­tags­früh traf Rast am See­bad ein, um sechs Uhr mor­gens ließ er sich den Sitz im RS 5 an­pas­sen. Sei­ne zwei­te DTM-Chan­ce er­hielt er beim Fi­na­le in Ho­cken­heim an­stel­le von Mat­ti­as Ek­ström: Rast hol­te dank bes­se­rer Vor­be­rei­tung di­rekt Rang sechs. Er wird 2017 in den DTM Ka­der von Au­di auf­rü­cken. Rast wird sich nun erst­mal mit sei­nem neu­ge­bo­re­nen Söhn­chen be­schäf­ti­gen. Und Ro­sen­qvist und Fe­lix da Cos­ta? Sie kön­nen nicht ge­nug krie­gen: Mit­te No­vem­ber steht für bei­de das pres­ti­ge­träch­ti­ge For­mel-3-Ren­nen von Ma­cau im Ka­len­der.

Mer­ce­des C 63 DTM Dall­ara Spark For­mel E Mer­ce­des AMG GT3 Ore­ca FLM09 To­yo­ta TMG GT86 CS-V3 Le­gends Se­ries

Dall­ara Spark For­mel E

Fe­lix Ro­sen­qvist be­stritt nur ei­ne hal­be Sai­son in der In­dy Lights-Se­rie: Auf den Stra­ßen­kur­sen von St. Pe­ters­burg und To­ron­to konn­te er ins­ge­samt drei Ren­nen ge­win­nen. Bei den 24h von Spa be­leg­te er im Mer­ce­des AMG GT3 Rang zwei

Re­né Rast gilt als Mul­ti­ta­lent. Egal ob Frontoder Hin­ter­rad­an­trieb: Rast ist in je­dem Au­to schnell. 2016 ab­sol­vier­te er 24 Ren­nen. Bei den 24h von Day­to­na ge­wann er die GTD-Klas­se

Der stets zwei­kampf­star­ke Fe­lix da Cos­ta hat­te ei­ne durch­wach­se­ne DTM-Sai­son. In Zand­vo­ort ge­lang ihm ein Po­dest­platz. Nach drei DTMJah­ren kon­zen­triert sich der BMW-Werks­fah­rer künf­tig vor al­lem auf die For­mel E

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