Au­di RS 7 per­for­mance BMW M6 Gran Cou­pé Ca­dil­lac CTS-V Por­sche Pan­ame­ra Tur­bo

Der Por­sche Pan­ame­ra Tur­bo will auch in der zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on mit 550 PS die bes­te Sport-Li­mou­si­ne sein. Doch die Ri­va­len­von Au­di, BMW, und Ca­dil­lac weh­ren sich - mit schie­rer Po­wer zwi­schen 600 und 649 PS

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Mar­tin Ur­ban­ke FO­TOS Da­ni­el­la Loot ]

Fast 100 PS we­ni­ger Leis­tung wir­ken auf den ers­ten Blick nicht wie ein un­fai­res Kräf­te­mes­sen. Doch in der Ver­gan­gen­heit hat sich wie­der­holt ge­zeigt, dass Por­schePS ir­gend­wie an­ders ge­rech­net wer­den müs­sen und leis­tungs­mä­ßig ver­meint­lich über­le­ge­ne Fahr­zeu­ge am En­de den kür­ze­ren ge­zo­gen ha­ben. Mal se­hen, wie es sich beim ak­tu­el­len Pan­ame­ra Tur­bo ver­hält, der ja zu­gleich auch mehr Kom­fort und we­ni­ger Ver­brauch, ei­ne bes­se­re Kon­nek­ti­vi­tät und er­wei­ter­te As­sis­tenz­funk­tio­nen im Las­ten­heft ste­hen hat­te. Gilt das auch für den ge­die­ge­nen Ober­klas­se-Vier­tü­rer, dass bei ei­nem Por­sche stets die Sport­lich­keit an ers­ter Stel­le steht?

Ei­ne Fra­ge, die wir im Ver­gleich mit den schärfs­ten Ra­ke­ten im Seg­ment der Lu­xus­li­ner klä­ren wol­len. Au­di schickt da­zu den 605 PS star­ken RS 7 Sport­back in der Per­for­mance-Ver­si­on ins Ren­nen. Aus Mün­chen rollt das BMW M6 Gran Cou­pé samt Com­pe­ti­ti­onPa­ket mit 600 PS auf den Hof, und die Amis ent­sen­den den Ca­dil­lac CTS-V, un­ter des­sen Hau­be der Kom­pres­sor-V8 aus der Cor­vet­te Z06 sein Un­we­sen treibt – mit 649 PS. Da muss sich der neue Por­sche ganz schön stre­cken …

Ka­ros­se­rie

Und das darf man in die­sem Fall durch­aus wört­lich neh­men. Denn mit ei­ner Au­ßen­län­ge von nun­mehr 5049 mm fehlt ihm im­mer noch ein Mil­li­me­ter, um das Gar­de­maß des Ca­dil­lac CTS von ex­akt 5,05 Me­tern zu er­rei­chen. Je­doch nut­zen die Por­sche-In­ge­nieu­re den um­bau­ten Raum ge­schick­ter aus und rea­li­sie­ren in die­sem Test­feld klar das ge­räu­migs­te In­te­ri­eur. Fah­rer und Bei­fah­rer füh­len sich eher an Bord ei­nes Lu­xus­klas­se-Ver­tre­ters, wäh­rend BMW und Ca­dil­lac dort über­ra­schend knapp aus­fal­len. Im M6 engt die wuch­ti­ge Mit­tel­kon­so­le den Bei­fah­rer un­nö­tig stark ein, wäh­rend im CTS vor­nehm­lich der Fah­rer in al­len Rich­tun­gen zu­erst an­stößt. Der Au­di punk­tet trotz der un­er­war­tet ho­hen Sitz­po­si­ti­on mit ei­nem sehr brei­ten In­nen­raum und ei­ner recht zier­li­chen Mit­tel­kon­so­le. Im Fond ein ähn­li­ches Bild: Der Por­sche – wenn auch nur mit zwei Sitz­plät­zen – ge­währt den Pas­sa­gie­ren den meis­ten Frei­raum so­wie den be­quems­ten Ein­stieg. Auch der Au­di of­fe­riert nur zwei Plät­ze im Fond, drückt Per­so­nen über 1,80 Me­tern je­doch leicht auf den Schei­tel. Theo­re­tisch taugt der BMW hin­ge­gen so­gar zum Fünf­sit­zer, was je­doch höchs­tens auf ganz kur­zen Etap­pen zu er­tra­gen ist. Der Fond des Amis knau­sert bei der Knie­frei­heit und eig­net sich auch nur be­dingt für drei, hat aber im­mer­hin ei­ne or­dent­li­che Kopf­frei­heit zu bie­ten. In der Be­die­nung set­zen Au­di und BMW auf be­währ­te Sys­te­me und Me­nü­struk­tu­ren. Der Ca­dil­lac ver­langt nach et­was mehr Ein­ge-

wöh­nung so­wie ei­ner ziel­ge­nau­en Be­die­nung der Touch-Ober­flä­chen für die Kli­ma­ti­sie­rung. Auch die Lo­gik der Lenk­rad­t­as­ten muss man zu­nächst ein­mal ver­in­ner­li­chen, zu­mal das In­fo-Dis­play äu­ßerst viel­schich­tig an­ge­legt ist. Por­sche prä­sen­tiert im Pan­ame­ra sein neu­es In­fo­tain­ment-Sys­tem, das wei­test­ge­hend über­zeu­gend ge­glie­dert und schnell zu er­schlie­ßen ist. Al­ler­dings stö­ren ei­ni­ge Klei­nig­kei­ten, et­wa das um­ständ­li­che und nur mä­ßig dimm­ba­re Nacht­de­sign der An­zei­gen. Auch dass man vom Lenk­rad aus den Ra­dio­sen­der nicht per Knopf­druck wech­seln kann, ver­wun­dert. An­de­rer­seits ver­dient sich der Por­sche Lob für die Ges­ten­steue­rung der elek­tri­schen Heck­klap­pe oder die klar de­fi­nier­ten Touch­flä­chen ne­ben dem Wähl­he­bel, die ei­ne hap­ti­sche Rück­mel­dung ge­wäh­ren. Laut­stär­ke­reg­ler und Warn­blinkschal­ter je­doch lie­gen im Zuf­fen­hau­se­ner eher un­güns­tig plat­ziert.

Fahr­kom­fort

Klar ist: Wer min­des­tens 550 PS auf die Stra­ße brin­gen will und rund zwei Ton­nen Ge­wicht bän­di­gen muss, braucht straf­fe Fahr­wer­ke. Den­noch ver­fol­gen die vier Kan­di­da­ten un­ter­schied­li­che Phi­lo­so­phi­en: Der Au­di et­wa gibt sich durch­weg straff, bleibt aber stets ver­bind­lich und lässt sich we­der durch der­be Schlä­ge noch ho­he Zu­la­dun­gen aus der Ru­he brin­gen. Viel­mehr rollt er voll be­setzt ei­ne Spur ge­schmei­di­ger ab. Akus­tisch hält er sich bis auf die rap­pe­li­ge Ge­päck­rau­m­ab­de­ckung des Test­wa­gens eben­falls zu­rück. Die Sit­ze sind wie sein Fahr­werk: ge­ne­rell straff, aber be­quem. Die Mul­ti­kon­tur-In­te­gral­sit­ze im M6 Gran Cou­pé ver­mit­teln min­des­tens ge­nau­so viel Sei­ten­halt, las­sen sich aber bei­na­he per­fekt an jed­we­de Sta­tur an­pas­sen und ver­zich­ten auf je­de un­nö­ti­ge Här­te. Das Fahr­werk rollt auf ebe­nen

Ober­flä­chen sanf­ter ab, of­fen­bart aber bei Fu­gen und der­ben Bo­den­wel­len ei­ne un­er­war­tet har­sche Gan­gart und reicht die Schlä­ge vor al­lem an der Hin­ter­ach­se und be­son­ders un­ter ho­her Zu­la­dung reich­lich tro­cken wei­ter. Ähn­lich der Ca­dil­lac CTS-V, des­sen Set-up durch­aus ei­nen an­spre­chen­den All­tags­kom­fort zu­lässt, im di­rek­ten Ver­gleich aber un­ter al­len Be­din­gun­gen die meis­te Un­ru­he ver­ur­sacht. Sei­ne Re­ca­roSit­ze bie­ten ei­nen erst­klas­si­gen Sei­ten­halt, doch ih­re Bein­auf­la­ge ist knapp be­mes­sen, und die Kopf­stüt­zen sind zu kurz. Das auf­wän­di­ge Luft­fe­der-Fahr­werk des Pan­ame­ra bie­tet auf lan­gen Etap­pen mit Ab­stand den höchs­ten Kom­fort. Leich­te Schwä­chen bei lang­sa­mer Fahrt gleicht der Por­sche mit sou­ve­rä­nem Schluck­ver­mö­gen bei gro­ben Schlä­gen und lan­gen Bo­den­wel­len aus. Die ad­ap­ti­ven Sport­sit­ze des Test­wa­gens um­schlie­ßen oh­ne ein­zu­en­gen und ent­las­ten die Mus­ku­la­tur op­ti­mal.

Mo­tor / Ge­trie­be

Hin­zu kommt, dass der neu ent­wi­ckel­te V8 mit dop­pel­ter Tur­bo­auf­la­dung die höchs­te Lauf­kul­tur bie­tet. Zu­dem rea­li­siert der Vier­li­ter-Ben­zi­ner trotz des ver­meint­li­chen Leis­tungs­man­kos fu­rio­se Fahr­leis­tun­gen – dank des statt­li­chen Dreh­mo­ments von ma­xi­mal 770 Nm. Über­dies ent­puppt sich der Por­sche-An­trieb als der spar­sams­te: Ru­hi­ge Fahrt be­lohnt der Tur­bo mit Ver­bräu­chen knapp über zehn Li­tern, im Schnitt ge­neh­migt er sich 12,8 l/100 km. An­ge­sichts der Fahr­leis­tun­gen ein gu­ter Wert. Hilf­reich ist da­bei das neu­er­dings acht­stu­fi­ge Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be von ZF, das nicht nur blitz­schnell, but­ter­weich und punkt­ge­nau schal­tet, son­dern auch für sehr nied­ri­ge Dreh­zah­len sorgt (1600 /min bei 130 km/ h). Toll: Die Se­gel­funk­ti­on ar­bei­tet un­auf­fäl­lig per­fekt. Noch mehr Punch hat nur der ur­ge­wal­ti­ge 6,2-Li­ter-Bul­le des Ca­dil­lac. Doch der Kom­pres­sorV8 mit zen­tra­ler No­cken­wel­le braucht stets ei­nen klei­nen Mo­ment, be­vor der vol­le Schub von 855 Nm ab­ruf­be­reit ist. Die ZFAu­to­ma­tik ver­fügt eben­falls über acht Stu­fen, wirkt aber et­was rup­pi­ger als die Ge­trie­be in den Ri­va- len. Doch das größ­te Man­ko des CTS-V ist der mit durch­schnitt­lich 15,8 Li­tern höchs­te Test­ver­brauch – zu­mal er mit 72 Li­tern das kleins­te Tank­vo­lu­men auf­weist. Au­di und BMW lie­fern sich in die­sem Ka­pi­tel ein Kopf-an-KopfRen­nen: Bei­de hän­gen für ei­nen Tur­bo-Mo­tor ver­blüf­fend gut am Gas. Der M6 lässt sich noch fei­ner do­sie­ren, der RS 7 baut im Over­boost noch mehr Druck auf. Die Ge­trie­be funk­tio­nie­ren im All­tag ta­del­los, je­doch lässt sich der BMW prä­zi­ser ab­stim­men und re­agiert fi­xer. Bei den Ver­bräu­chen lie­gen die Kon­tra­hen­ten fast gleich­auf (Au­di: 13,1 Li­ter, BMW 13,0 Li­ter), doch im Sprint zieht der Au­di sei­nem Ri­va­len deut­lich da­von.

Fahr­dy­na­mik

Hier pro­fi­tiert der Au­di – wie der Por­sche – vom All­rad­an­trieb, der sei­ne Po­wer ver­lust­frei in Vor­trieb um­setzt. Je­doch of­fen­bart der RS 7 in schnel­len Kur­ven mehr Un­ter­steu­ern als sei­ne Mit­strei­ter. Das macht ihn zwar leicht be­herrsch­bar, kappt aber die Dy­na­mik, wie der Wert im Sla­lom­test be­legt. Zu­dem hal­ten die Kar­bon-Stop­per des In­gol­städ­ters der Test­pro­ze­dur zwar oh­ne mess­ba­res Fa­ding stand, doch die Do­sier­bar­keit ist mä­ßig, und bei sport­li­cher Fahr­wei­se ge­ben sie als ers­te Rauch­zei­chen. Ganz an­ders die ge­wal­ti­gen Brem­sen des Por­sche, der nicht nur au­ßer­or­dent­lich gut ver­zö­gert,

Der neue Por­sche Pan­ame­ra ist viel­sei­tig ta­len­tiert und ver­bin­det Po­wer mit Lu­xus

son­dern zu­dem mit Prä­zi­si­on, Neu­tra­li­tät und Spur­sta­bi­li­tät bis ans Li­mit glänzt. Die va­ria­ble All­rad­len­kung des Test­wa­gens ver­mit­telt da­bei ein in­ten­si­ves Feed­back, was es er­laubt, den Wa­gen mit spie­le­ri­scher Leich­tig­keit sport­lich schnell zu be­we­gen. Mehr fah­re­ri­schen Ein­satz for­dern da na­tur­ge­mäß die bei­den Heck­trieb­ler BMW und Ca­dil­lac, die zu­wei­len hef­tig mit der Hin­ter­ach­se aus­kei­len. Das macht rou­ti­nier­ten Pi­lo­ten zwar gro­ßen Spaß und er­laubt spek­ta­ku­lä­re Drifts, ist aber spe­zi­ell bei Näs­se an­spruchs­voll, wenn 600 und mehr PS un­ter der Hau­be wü­ten – zu­min­dest so­lan­ge die Re­ge­l­elek­tro­nik ab­ge­schal­tet ist. Dass bei­de Au­tos nicht ganz so ra­sant be­schleu­ni­gen wie die Werks­an­ga­ben ver­spre­chen und im Brems­test schlech­ter da­ste­hen als vor­an­ge­gan­ge­ne Ex­em­pla­re, dürf­te nicht zu­letzt der herbst­li­chen Wit­te­rung ge­schul­det sein. Wir ha­ben zwar auf tro­cke­ner Stre­cke ge­mes­sen, je­doch bei un­ter zehn Grad Cel­si­us, was den sonst so grif­fi­gen Mi­che­lin-Pneus auf M6 und CTS schein­bar we­ni­ger be­hagt. Stand­fes­tig­keit und Do­sier­bar­keit der je­wei­li­gen Stop­per än­dern sich in­des nicht.

Um­welt / Kos­ten

Beim Blick in die Preis­lis­ten sticht der Ca­dil­lac CTS-V mit sei­nem Grund­preis von knapp un­ter 100.000 Eu­ro klar her­vor. Zu die­sem Ta­rif gibt es bei der Kon­kur­renz „nur“450 PS (Au­di S7: 83.650 Eu­ro; BMW 650i: 94.800 Eu­ro). Por­sche of­fe­riert un­ter­halb die­ser Mar­ke le­dig­lich das gera­de erst lan­cier­te Pan­ame­ra-Ein­stiegs­mo­dell mit 330 PS (ab 88.989 Eu­ro). Den­noch ret­tet der Cad­dy nur ei­nen knap­pen Ka­pi­tel­sieg über die Zi­el­li­nie, weil sei­ne lau­fen­den Kos­ten recht hoch aus­fal­len. Gut: Das über­ar­bei­te­te Mul­ti­me­di­aPa­ket mit OnS­tar-Ser­vice und WLAN-Hots­pot ist durch­aus kon­kur­renz­fä­hig. Der Por­sche Pan­ame­ra Tur­bo ist nicht nur im Grund­preis das teu­ers­te Au­to, son­dern zieht auch ei­nen hor­ren­den Wert­ver­lust von fast 85.000 Eu­ro (20.000 km Jah­res­lauf­leis­tung, kal­ku­liert auf vier Jah­re) nach sich. Bei Treib­stoff­kos­ten und Ver­si­che­rungs­ta­ri­fen schnei­det der Tur­bo je­doch er­freu­lich güns­tig ab. Die Ba­sis­prei­se von Au­di und BMW sind zwar nied­ri­ger als bei Por­sche, aber bei den Ex­tra-Kos­ten für die test­re­le­van­ten Op­tio­nen ste­hen sie dem Stutt­gar­ter kaum nach. Den­noch ist der Au­di am En­de über 35.000 Eu­ro güns­ti­ger.

Au­di RS 7 Sport­back Per­for­mance 605 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 3,3 s, 305 km/ h Spit­ze*, 13,1 l SP/ 100 km, 121.700 Eu­ro * op­tio­nal Por­sche Pan­ame­ra Tur­bo 550 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 3,3 s, 306 km/ h Spit­ze, 12,8 l SP/ 100 km, 153.011 Eu­ro

Ca­dil­lac CTS-V BMW M6 Gran Cou­pé Com­pe­ti­ti­on

649 PS, Hin­ter­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 4,5 s, 320 km/ h Spit­ze, 15,8 l S/ 100 km, 98.500 Eu­ro 600 PS, Hin­ter­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 4,4 s, 305 km/ h Spit­ze*, 13,0 l SP/ 100 km, 139.900 Eu­ro * op­tio­nal; mit Com­pe­ti­ti­on-Pa­ket

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