Re­nault Scé­nic

Nie wie­der bie­de­rer Fa­mi­li­en-Van: Der neue Re­nault Scé­nic soll als Cross­over Emo­ti­on und Funk­ti­on ver­bin­den. Ge­lingt das?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Jo­han­nes Riegs­in­ger

Be­reits der Zünd­schlüs­sel sagt al­les: Wäh­rend es noch bei der letz­ten Re­nault Scé­nic-Ge­ne­ra­ti­on ein trist-schwar­zes Plätt­chen im Kre­dit­kar­ten­for­mat gab, darf man sich nun ei­nen deut­lich ge­wach­se­nen Hand­schmeich­ler mit glän­zen­der Ober­flä­che in Cre­me­weiß und gro­ßem 3D-Re­nault-Lo­go in die Ho­sen­ta­sche schie­ben. Sieht sehr schick aus! Ge­nau wie der neue Re­nault Scé­nic. Kaum zu glau­ben, dass die­ser sa­gen­haft at­trak­ti­ve Cross­over-Raum­glei­ter tat­säch­lich der neue Scé­nic sein soll. War der nicht mal ein eher bie­de­rer All­tags-Fa­mi­li­en-Van? Die­se Zei­ten sind ein­deu­tig vor­bei, bei Re­nault wird ge­wal­tig um­ge­baut: Funk­tio­nal ge­styl­te Vans sind voll­kom­men out, mus­ku­lös-dra­ma­ti­sche SUV da­ge­gen in – da darf auch ein Dau­er­bren­ner wie der Scé­nic nicht als Funk­ti­ons-Lan­ge­wei­ler da­ne­ben­ste­hen und sich vor dem Zeit­geist fürch­ten. Das Re­sul­tat der Trans­for­ma­ti­on ist um-

wer­fend gut ge­lun­gen. Mit se­ri­en­mä­ßi­gem Zwei­farb-Lack, gi­gan­ti­schen 20-Zoll-Rä­dern (eben­falls Se­rie, ja­wohl!), bul­lig-dy­na­mi­scher Fahr­zeug­front und sinn­lich ge­schwun­ge­nen Flan­ken so­wie der be­ein­dru­cken­den Lich­tSi­gna­tur vorn und auch am Heck macht der neue Scé­nic gro­ße Lust aufs Ein­stei­gen und Los­fah­ren.

De­sign und Funk­ti­on – beim Scé­nic ei­ne funk­tio­nie­ren­de Part­ner­schaft

Auch das Au­to scheint sich auf uns zu freu­en, schal­tet auf Will­kom­mens-Be­leuch­tung und fährt beim Nä­her­kom­men die an­ge­leg­ten Sei­ten­spie­gel au­to­ma­tisch aus. Gut, dass der Scé­nic trotz sei­ner sti­lis­ti­schen Ver­jün­gungs­kur klas­si­sche Van-Tu­gen­den nicht ver­nach­läs­sigt: Der Nach­wuchs lässt sich durch das ho­he Sitz­ni­veau oh­ne Band­schei­ben­vor­fall in den Fond hie­ven, drei Ein­zel­sit­ze schaf­fen hier hin­ten ein groß­zü­gi­ges Rau­m­an­ge­bot für Kids al­ler Grö­ßen. Nur Er­wach­se­ne dürf­ten die Knie­frei­heit auf Dau­er et­was ein­ge­schränkt fin­den. Dass die Sit­ze je­doch zu­sätz­lich längs ver­schieb­bar sind, sorgt für mehr Va­ria­bi­li­tät bei wech­seln­den Ein­satz­zwe­cken. Der Kof­fer­raum mit sei­nem dop­pel­ten Bo­den macht so­wohl im Fa­mi­li­en-All­tag als auch auf Rei­sen ei­ne gu­te Fi­gur: Bei Ein­käu­fen wird druck­emp­find­li­che Wa­re ins un­te­re Fach ge­legt, wäh­rend im obe­ren Stock­werk bei­spiels­wei­se Ge­trän­ke­kis­ten ein­ge­la­den wer­den kön­nen, oh­ne sich das Kreuz aus­zu­ren­ken. Mit zu­neh­men­dem Stau­raum­be­darf legt man zu­erst den Zwi­schen­bo­den nach un­ten, schiebt dann die Fond­sit­ze nach vorn oder legt die Fond­sitz­leh­nen um – so lässt sich das 506 Li­ter gro­ße Ge­päck­ab­teil auf bis zu 1554 Li­ter er­wei­tern. Das reicht dann auch für so manch sper­ri­ges Frei­zeit­ge­rät oder den mitt­le­ren Ein- kauf im freund­li­chen Mit­nah­me-Mö­bel­haus. Al­ler­dings soll­ten Fa­mi­li­en, die noch mehr Platz er­war­ten, den Grand Scé­nic wäh­len: Der et­was teu­re­re Bru­der mit län­ge­rem Rad­stand nimmt bis zu sie­ben Per­so­nen mit auf die Rei­se, bie­tet mehr Bein­frei­heit im Fond und ei­nen grö­ße­ren Kof­fer­raum. Auf den Cock­pit-Plät­zen zeigt der Scé­nic ein groß­zü­gi­ges Rau­m­an­ge­bot, ein sehr luf­ti­ges Raum­ge­fühl (Pan­ora­ma-Wind­schutz­schei­be!) und schon fast re­kord­ver­däch­tig vie­le und brauch­ba­re Abla­ge­mög­lich­kei­ten – die Cross­over-Kur scheint ihm kei­nes­wegs ge­scha­det zu ha­ben. Be­son­ders ins Au­ge sticht aber die gu­te Ver­ar­bei­tungs- und Ma­te­ri­al­qua­li­tät. Hier hebt sich die neue Scé­nic-Ge­ne­ra­ti­on noch ein­mal wei­ter von ih­ren Vor­gän­gern ab. Auch die prin­zi­pi­el­le Er­go­no­mie und die Fahr­zeug-Funk­tio­na­li­tät stim­men – das „Hand­schmeich­ler-Syn­drom“schlägt erst in Sa­chen Elek­tro­nik wie­der zu: Re­nault möch­te durch mo­der­ne In­fo­tain­ment- und As­sis­tenz­sys­te­me punk­ten, doch de­ren Funk­tio­na­li­tät ist nur teil­wei­se op­ti­mal aus­ge­bil­det. Die Be­die­nung des R-Link-In­fo­tain­ment-Sys­tems mit gro­ßem Touch­screen so­wie des Dis­play-In­stru­ments ge­lingt aber auch nach ei­ni­ger Ein­ge­wöh­nung recht gut – wenn sich dann auch die Lo­gik der

teils recht ver­schach­tel­ten Me­nü­struk­tur er­schlos­sen hat. Das Elek­tro­nik-Rück­grat des Fahr­zeugs lei­det ein we­nig un­ter sei­ner De­tail­ver­liebt­heit – et­wa die ein­stell­ba­ren In­stru­men­ten-Gra­fik so­wie die schon mal et­was ner­ven­den Warn-, Hin­weis- und Sys­tem-Tö­ne. Al­ler­dings las­sen sich vie­le die­ser Din­ge auch ab­stel­len und in­di­vi­du­ell kon­fi­gu­rie­ren, doch auch da­für muss man erst mal in die Tie­fen des Be­dien­sys­tems ab­tau­chen. Au­ßer­dem wür­de ei­ne App­le CarPlay oder An­dro­id Au­to­Funk­tio­na­li­tät die In­te­gra­ti­on des ei­ge­nen Smart­pho­nes er­leich­tern

Hoch ent­wi­ckel­te Fahr­si­cher­heit frei von jeg­li­cher Ner­vo­si­tät

Doch der neue Scé­nic ist ja nicht nur Mul­ti­me­dia-Ter­mi­nal, son­dern im­mer noch ein Au­to. Und das fährt sich auf­fäl­lig un­spek­ta­ku­lär. Die op­tisch sehr gla­mou­rö­sen 20-Zöl­ler (sie­he Kas­ten) rol­len – wie nicht an­ders zu er­war­ten – be­son­ders bei lang­sa­mer Stadt­fahrt et­was pol­t­rig ab, was sich aber mit zu­neh­men­den Tem­po bes­sert. Zur Kom­forts­änf­te wird der Re­nault aber auch dann nicht. An­sons­ten glänzt der Van mit gu­tem Gera­de­aus­lauf, und auf kur­vi­gen Stre­cken setzt er Lenk­be­feh­le folg­sam und prompt, aber oh­ne en­ga­gier­te Di­rekt­heit um. Fahr­si­cher­heit ist da­bei stets obers­tes Ge­bot, so­dass die Fahr­dy­na­mik­re­ge­lung schon mal vor­sorg­lich sanft kor­ri­gie­rend ein­greift, ob­wohl noch kei­ne un­mit­tel­ba­re Ab­flug­ge­fahr droht. Nur die et­was zu lan­gen Brems­we­ge (37,2 Me­ter warm aus Tem­po 100) pas­sen da nicht so recht ins Bild vom Si­cher­heits­apos­tel, der – aus­ge­rüs­tet mit dem je­wei­li­gen Si­cher­heits­pa­ket – den Ab­stand re­gu­liert, bei Un­ter­schrei­tung des Si­cher­heits­ab­stands oder bei dem Ver­las­sen der Spur warnt, mit tag­hel­lem LEDLicht die Kur­ve aus­leuch­tet und den To­ten Win­kel im Au­ge be­hält. Viel Lob ern­tet der An­trieb. Der 130-PS-Die­sel sorgt für gu­te Mes­s­er­geb­nis­se und ver­braucht im Test sechs Li­ter pro 100 km. Das Sechs­gang-Ge­trie­be ist zwar gut ab­ge­stimmt, lässt sich über den op­ti­mal po­si­tio­nier­ten Schalt­he­bel aber et­was ha­ke­lig schal­ten. Mit dem 1,6-Li­ter-Tur­bo­die­sel geht je­doch die Son­ne über dem gold­gelb leuch­ten­den Test­wa­gen wie­der auf: Gu­te Lauf­kul­tur, zu­pa­cken­des Tem­pe­ra­ment, ge­rin­ger Ver­brauch – das sitzt per­fekt.

FA­ZIT: Der neue Scé­nic ist um Wel­ten at­trak­ti­ver als sei­ne Vor­gän­ger, in vie­len Punk­ten hat er sich trotz sei­nes schi­cken Cross­over-For­mats klas­si­sche Van-Tu­gen­den be­wahrt. Ein we­nig Fein­schliff beim Ab­roll­kom­fort und bei der Be­die­nung könn­ten nicht scha­den.

Trotz Cross­over­Look be­sin­nung auf klas­si­sche VanTu­gen­den: Luf­tig und Va­ria­bel

Mit dem RLink-In­fo­tain­ment be­weist Re­nault Lust an In­no­va­ti­on – funk­tio­nal ist die Be­die­nung aber nur zum Teil. Der Kof­fer­raum ist da deut­lich zu­gäng­li­cher

Busi­ness-/ Eco­no­my­Klas­se: Vorn sitzt man fürst­lich, hin­ten rei­sen vie­le, aber et­was eng

Va­ria­bel: ver­schieb­ba­re Mit­tel­kon­so­le vorn mit or­dent­lich Stau­raum

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