Nach­ruf: Ab­schied vom BMWMo­to­ren-Papst Paul Ro­sche

Paul Ro­sches Mo­to­ren ver­hal­fen BMW zu den größ­ten Er­fol­gen – und ei­nem sport­li­chen Image

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

Mo­to­ren wa­ren sein Le­ben. Vier­zy­lin­der, Rei­hen­sechs­zy­lin­der, Zehn­zy­lin­der, Zwölf­zy­lin­der – je­der ein Meis­ter­werk. Mal mit, mal oh­ne Tur­bo­la­der. Ein „Ro­sche-Mo­tor“im Au­to zu ha­ben, das be­deu­te­te schon in der For­mel 2 fast die Ga­ran­tie zum Sieg. Ein Qua­li­täts-Prä­di­kat war es al­le­mal. Paul Ro­sche kam im No­vem­ber 1957 zu BMW. Sein spä­te­rer Men­tor Alex­an­der von Fal­ken­hau­sen glie­der­te ihn in die nur sechs Mann star­ke For­schungs- und Ent­wick­lungs­ab­tei­lung ein. „Kön­nen Sie No­cken­wel­len be­rech­nen?“, frag­te von Fal­ken­hau­sen ei­nes Ta­ges. So kam Ro­sche zu sei­nem Spitz­na­men „No­ckenPau­le“. Wie kaum ein an­de­rer Ma­schi­nen­bau­er präg­te Ro­sche durch sei­ne in­ge­niö­sen Leis­tun­gen das Image der Mar­ke. Im Ar­beits­le­ben Ro­sches – ein ech­tes Münch­ner Kindl, ge­bo­ren in Schwabing – gab es „wohl kei­ne 15 Mi­nu­ten am Stück, in de­nen er nicht an Mo­to­ren und Mo­tor­sport dach­te“, wie es ein­mal Hans-Joa­chim Stuck for­mu­lier­te. Als „Mei­len­stei­ne der In­ge­nieurs­kunst“hat BMW Ro­sches Ar­beit nun be­zeich­net. Die Trieb­wer­ke, die er ent­wi­ckel­te oder die un­ter sei­ner An­lei­tung ent­stan­den, le­gen aber auch Zeug­nis sei­ner Ar­beits­wei­se ab, mit der er stets zu Wer­ke ging. Ei­ne un­ge­heu­re Dis­zi­plin

war da si­cher­lich nur ein Aspekt. Loya­li­tät bis zum Äu­ßers­ten – für sei­ne Mar­ke, aber auch für sei­ne Mit­ar­bei­ter – ein wei­te­rer. Doch zeich­ne­te ihn auch ei­ne un­ge­brems­te Stur­heit aus. Auf­ge­ben oder Schei­tern ka­men für Paul Ro­sche nie in Fra­ge.

Nach Di­enst­schluss im Un­ter­grund

Und so leb­te in ihm auch stets ein Hauch von An­ar­chie: Als der BMW-Vor­stand En­de 1970 trotz gro­ßer Er­fol­ge jeg­li­che Mo­tor­sport-Ak­ti­vi­tä­ten stopp­te, mach­te Ro­sche mit ei­ner Hand­voll kö­nigs­treu­er Schrau­ber heim­lich in ei­nem Hin­ter­hof wei­ter – im­mer nach Di­enst- schluss. Sein „Un­der­ground-Ra­c­ing“war le­gen­där. Pio­nier­geist und Ex­pe­ri­men­tier­freu­de zähl­ten zu Ro­sches We­sen. Vom Cha­rak­ter her war er der Pro­to­typ des Ur-Bay­ern: im­mer ge­müt­lich, aber eben den­noch ein Ar­beits­tier. Sei­ne sprich­wört­li­che Bier­ru­he war im hek­ti­schen Renn­sport stets von Vor­teil. Ro­sches Mo­to­ren ge­wan­nen un­zäh­li­ge Tou­ren­wa­gen­und For­mel-2- Ren­nen, sie sieg­ten in Le Mans, und 1983 hol­te BMW auch die For­mel-1-WM – die ers­ten Tur­bo-Welt­meis­ter. Nun er­lag Paul Ro­sche, Mo­to­ren-Ge­nie und PS-Zau­be­rer, am 15. No­vem­ber im Al­ter von 82 Jah­ren ei­nem Krebs­lei­den.

„No­cken-Pau­le“mit ei­nem sei­ner Meis­ter­wer­ke: 6,1-Li­ter-V12 mit 633 PS und 727 Nm. Das Trieb­werk sieg­te 1995 und 1999 in Le Mans

1 Der Zwei­li­terSe­ri­en­mo­tor bil­de­te die Ba­sis für den er­folg­reichs­ten Mo­tor der For­mel-2-His­to­rie. 2 Der Vier­zy­lin­der-Vier­ven­ti­ler be­grün­de­te den 1,5-Li­ter-F1-Mo­tor. 3 Mit Tur­bo und di­gi­ta­ler Elek­tro­nik wur­den 1400 PS frei­ge­setzt.

Je­an-Pier­re Ja­ri­er im Werks-March hol­te 1973 den ers­ten For­mel-2-EM-Ti­tel für BMW. Fünf wei­te­re soll­ten bis 1982 fol­gen

Das F1-Tur­bo-Pro­jekt mit Br­ab­ham star­te­te zö­ger­lich, wur­de aber 1982/83 ein Rie­sen-Er­folg

Ro­sche bei der WM-Fei­er in Kya­la­mi: Mit Nel­son Pi­quet ver­band ihn ei­ne lan­ge Freund­schaft

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