Au­di Q5 · Au­di Q7

Ge­räu­mig, mo­dern, an­sehn­lich – der neue Au­di Q5 setzt mit die­sen Qua­li­tä­ten nicht nur sei­ne di­rek­ten Wett­be­wer­ber un­ter Druck, son­dern er wird auch zur preis­güns­ti­gen Al­ter­na­ti­ve für sei­nen gro­ßen Bru­der Q7. Oder et­wa doch nicht?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Jo­han­nes Riegs­in­ger FO­TOS Da­nie­la Loof ]

Er ist grö­ßer und trotz­dem leich­ter als sein über­aus er­folg­rei­cher Vor­gän­ger. Er ist mit der gan­zen Band­brei­te mo­derns­ter Si­cher­heits­und As­sis­tenz­sys­te­me aus­ge­stat­tet und da­mit stramm un­ter­wegs in Rich­tung teil­au­to­no­mes Fah­ren. Er wird von eben­so star­ken wie spar­sa­men Trieb­wer­ken be­feu­ert und ist mit bis zu vier Fahr­werks-Al­ter­na­ti­ven er­hält­lich. Da­mit emp­fiehlt sich der neue Au­di Q5 als hei­ßer Kan­di­dat für den Mit­tel­klas­se-SUV-Thron: Wer beim Q5 sucht, wird fin­den, egal, ob es sich um ei­ne Kon­fi­gu­ra­ti­on als mo­de­rat ein­ge­preis­ter Pre­mi­um-La­de­meis­ter für Fa­mi­li­en oder die ul­ti­ma­ti­ve Geld-spielt-kei­ne-Rol­le-Gra­na­te für Tech­nik-ver­rück­te SUV-Fans han­delt. Wer nun aber Eins und Eins zu­sam­men­zählt, muss fest- stel­len, dass Au­di mit dem Q5 nicht nur den Wett­be­wer­bern aus Mün­chen und Stutt­gart Kopf­schmer­zen be­rei­tet, son­dern sich auch im ei­ge­nen Haus ei­nen star­ken Kon­kur­ren­ten für den gro­ßen Q7 her­an­ge­zo­gen hat: Wer die we­ni­ger opu­len­ten Abmessungen des Q5 eher als Vor­teil denn als Nach­teil emp­fin­det und et­was mit rund 10.000 ein­ge­spar­ten Eu­ro an­zu­fan­gen weiß, hat auf dem Pa­pier nur we­ni­ge Grün­de, sich nicht für ei­nen gut aus­ge­stat­te­ten Q5 zu ent­schei­den und da­für den Q7 ste­hen zu las­sen. Und in der Pra­xis?

Der Q5 ist aus­stat­tungs­tech­nisch auf Au­gen­hö­he mit dem Q7

Knapp 4,60 Me­ter zu über fünf Me­ter Fahr­zeug­län­ge, 1,8 Ton­nen Fahr­zeug­ge­wicht statt deut­lich über zwei Ton­nen – der Q5 ist im Ver­gleich mit sei­nem gro­ßen Bru­der Q7 das klei­ne­re und schlan­ke­re Au­to. Klar, wer ei­nen stäm­mi­gen Sie­ben­sit­zer sucht so­wie häu­fig mit viel Ge­päck und drei aus­ge­wach­se­nen Pas­sa­gie­ren im Fond un­ter­wegs ist, dürf­te kaum ei­nen Ge­dan­ken an den Q5 ver­schwen­den – bei na­he­zu je­dem an­de­ren Nut­zungs­pro­fil wird er aber er­staun­lich at­trak­tiv. Denn zier­lich ist das neue Mit­tel­klas­se-SUV kei­nes­wegs. Auf den vier Au­ßen­plät­zen sit­zen Er­wach­se­ne vor­ne wie hin­ten her­vor­ra­gend, der schma­le­re Mit­tel­sitz im Fond taugt auf kur­zen oder mitt­le­ren Stre­cken im­mer noch recht gut. Die ein­zeln um­leg­ba­ren und längs ver­schieb­ba­ren Fond­sit­ze ma­chen den Q5 va­ria­bel, sein Kof­fer­raum ist eben­so ge­räu­mig wie gut zu­gäng­lich. Das op­tio­na­le LTE-Mo­bil­funk­netz und Bor­dWLAN ma­chen den Q5 zur zeit­ge­mä­ßen Mul­ti­me­dia-Rei­se- und Bu­si­ness-Ma­schi­ne, in Sa­chen Kon­nek­ti­vi­tät lässt er über­haupt nichts an­bren­nen. Oder kurz ge­fasst: Im­mer noch kein Grund, ei­nen Q7 zu kau­fen, denn der Q5 bie­tet den­sel­ben Tech­nik-Stand, den der Gro­ße auch hat, und die Auf­prei­se für al­le Op­tio­nen sind eben­falls ver­gleich­bar. Nicht ein­mal in Sa­chen Fahr­werk hat das mäch­ti­ge High­tech-SUV der Ober­klas­se ei­nen Vor­sprung, schließ­lich ist der ak­tu­el­le Q5 eben­falls mit ei­nem Luft­fe­der­fahr­werk zu ha­ben – und wird so zum atem­be­rau­bend viel­sei­ti­gen

Der Au­di Q5 ist nun eben­falls mit Luft­fe­der­fahr­werk zu ha­ben und wird so sehr viel­sei­tig

Ki­lo­me­ter­fres­ser, Ge­län­de­krax­ler oder Kur­ven­räu­ber. Bei un­se­rer Ver­gleichs­fahrt in Me­xi­ko (der neue Q5 wird in ei­nem frisch er­rich­te­ten Au­di-Werk drei St­un­den süd­lich von Me­xi­koCi­ty ge­baut) war der Q5 mit Luft­fe­de­rung un­ter­wegs, der Q7 mit se­ri­en­mä­ßi­gem Stahl­fe­der­fahr­werk. Die Un­ter­schie­de sind im­mens: Im Dy­na­mik-Mo­dus wird der Luft­fe­der-Q5 zum hell­wa­chen, prä­zi­se ein­len­ken­den und bom­ben­so­li­de lie­gen­den Sport­ler, Der Kom­fort­Mo­dus zau­bert ei­ne gro­ße Por­ti­on Flau­schig­keit ins Fahr­ver­hal­ten, oh­ne schwam­mig oder trä­ge zu wir­ken. Statt­des­sen: Wie weg­ge­zau­ber­te Bo­den­u­n­eben­hei­ten, ma­jes­tä­tisch aus­ta­rier­te lan­ge Bo­den­wel­len, weg­ge­schluck­te Qu­er­ril­len, Flick­stel­len und Schlag­lö­cher. Im Au­to­ma­tik-Mo­dus gibt es ei­ne Mi­schung aus bei­den Cha­rak­te­ris­ti­ka, der All­road-Mo­dus sorgt für Ge­län­de-Kom­pe­tenz, und wenn es in Schlamm und Ge­röll mal ganz dick kommt, hilft der zu­sätz­li­che Lift-Of­f­road-Mo­dus mit ma­xi­mal er­höh­ter Bo­den­frei­heit.

Vier­zy­lin­der ge­gen Sechs­zy­lin­der – mit über­ra­schen­dem Re­sü­mee

Der Stahl­fe­der-Q7 da­ge­gen fährt, fe­dert, lenkt – ech­te Be­geis­te­rung kommt al­ler­dings kaum auf. Das ken­nen wir von frü­her ge­fah­re­nen Luft­fe­der-Q7 deut­lich bes­ser. Al­ler­dings wird klar, dass der Q7 die­se Tech­nik nun mit sei­nem klei­nen Bru­der tei­len muss und so oder so kei­nen Vor­teil für sich ver­bu­chen kann. Im Ver­gleich der Ba­sis-Fahr­wer­ke dürf­te der Q5 näm­lich im­mer noch von sei­nem ge­rin­ge­ren Ge­wicht und den kom­pak­te­ren Abmessungen pro­fi­tie­ren. Erst die spek­ta­ku­lä­re Mi­schung aus Luft­fe­der­fahr­werk, Wank­sta­bi­li­sie­rung und All­rad­len­kung kann das üp­pi­ge Kampf­ge­wicht des gro­ßen Q7 ka­schie­ren und für die in die­ser Fahr­zeug­klas­se be­gehr­te Sou­ve­rä­ni­tät sor­gen.

Zu ei­nem ähn­li­chen Re­sü­mee ge­lan­gen wir auch beim Blick un­ter die Mo­tor­hau­ben: In die­sem Ver­gleich tritt der Q7 mit dem auf 218 PS und hö­he­re Ef­fi­zi­enz ge­trimm­ten Drei­li­ter-V6-Tur­bo­die­sel des Mo­dells 3.0 TDI ul­tra an, der Q5 2.0 TDI rückt mit ei­nem 190 PS star­ken Zwei­li­ter-Vier­zy­lin­der aus. Der no­mi­nell 28 PS und 100 New­ton­me­ter gro­ße Vor­teil des Q7 ver­flüch­tigt sich bei über zwei Ton­nen Fahr­zeug­ge­wicht al­ler­dings ra­sant. Der Q5 lässt sich im Sprint zwar zu­erst ein paar Zehn­tel ab­neh­men, holt dann aber auf und rennt am En­de so­gar ge­ring­fü­gig schnel­ler. Auch die Lauf­kul­tur des Vier­zy­lin­ders ist so gut, dass nicht ein­mal die be­rühm­te Prin­zes­sin auf der Erb­se hier ei­nen kla­ren Vor­teil für den Sechs­zy­lin­der her­bei­re­den könn­te. Um Ef­fi­zi­enz be­müht sind bei­de Kan­di­da­ten. Es muss je­doch nicht lan­ge ge­rät­selt wer­den, wel­ches Kon­zept grö­ße­re Chan­cen auf ge­rin­ge­ren Ver­brauch hat: Das leich­te­re, mo­de­ra­ter mo­to­ri­sier­te Mo­dell ge­winnt. Zu­dem hat Au­di ein Tech­nik-Sch­man­kerl für den Q5 in pet­to, das den Ver­brauch trotz auf­wän­di­ger All­rad­tech­nik wei­ter drückt: Das „ul­tra quat­tro“-Sys­tem des Q5 kop­pelt im All­tags­be­trieb die Hin­ter­rä­der kom­plett vom An­trieb ab und schal­tet sie nur dann blitz­schnell zu, wenn Trak­ti­ons­ver­lust droht.

FA­ZIT: Der neue Au­di Q5 ist tech­nisch auf der Hö­he der Zeit, aus­ge­spro­chen gut ge­lun­gen und macht so auch sei­nem gro­ßen Bru­der Q7 star­ke Kon­kur­renz. Der muss sich vie­le Ober­klas­se-Fea­tu­res und we­sent­li­che Kom­fort-Merk­ma­le mit dem Q5 tei­len und bleibt so­mit nur ei­ne Emp­feh­lung für ganz har­te Kri­te­ri­en: Häu­fi­ger An­hän­ger-Be­trieb, häu­fi­ge Fahr­ten mit vie­len Pas­sa­gie­ren und Ge­päck, sie­ben Sit­ze. Für al­les an­de­re gibt es den Q5.

Der no­mi­nel­le Leis­tungs­Vor­teil des Q7 ver­flüch­tigt sich bei über zwei ton­nen Fahr­zeug­ge­wicht ra­sant

Au­di Q7: Der In­nen­raum bie­tet je­de Men­ge Platz – drei voll­wer­ti­ge Sit­ze im Fond, zwei wei­te­re bei Be­darf im Ge­päck­raum (u.), Bein­frei­heit XXL (l.). Das funk­tio­na­le, edel ver­ar­bei­te­te Cock­pit lässt kaum Wün­sche of­fen

Au­di Q5: Viel­sei­tig ein­stell­ba­re Fahr­mo­di (rechts), va­ria­bles und ge­räu­mi­ges In­te­ri­eur (u.). Das Cock­pit ge­fällt mit gu­ter Über­sicht­lich­keit und aus­ge­spro­chen ho­her Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät ma­de in Me­xi­ko

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