Ral­lye-WM: Hy­un­dai star­tet mit sei­nem neu­en i20 WRC in der Fa­vo­ri­ten­rol­le ge­gen Ci­tro­ën, To­yo­ta und Ford

Als Ers­ter der in der WM en­ga­gier­ten Her­stel­ler hat Hy­un­dai mit dem i20 Cou­pé ein World Ral­ly Car der neu­en Ge­ne­ra­ti­on prä­sen­tiert. Bei ih­ren Pi­lo­ten ver­trau­en die Ko­rea­ner auf be­währ­te Kämp­fer

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

Ge­ra­de erst hat die Ral­lye-Welt­meis­ter­schaft En­de No­vem­ber in Aus­tra­li­en ihr Fi­na­le ge­fei­ert, da blickt die Welt des kon­trol­lier­ten All­rad-Drifts schon wie­der auf die neue Sai­son: Nur 60 Ta­ge lie­gen zwi­schen der letz­ten Son­der­prü­fung des Vor­jah­res und der ers­ten Sta­ge der neu­en Sai­son. So we­nig Wett­kampf­pau­se lässt sich kei­ne an­de­re Se­rie. In der wird frei­lich al­les an­ders: Durch die Schock-News vom Aus­stieg Volks­wa­gens re­du­ziert sich das Feld der Werks-Mann­schaf­ten ur­plötz­lich von fünf auf vier Teams. Und eben-

so ur­plötz­lich fin­det sich Hy­un­dai nun vom at­ta­ckie­ren­den Ver­fol­ger in die Rol­le des Fa­vo­ri­ten ge­drängt. Mit der Prä­sen­ta­ti­on des nach neu­em Tech­nik-Re­gle­ment auf­ge­bau­ten i20 Cou­pé An­fang De­zem­ber hat Hy­un­dai als ers­ter Her­stel­ler sei­ne neue Waf­fe ge­zeigt: mit 60 bis 80 PS mehr Leis­tung, in der Brei­te um 55 Mil­li­me­ter ge­wach­sen, deut­li­chen Zu­ga­ben in punc­to Ae­ro­dy­na­mik mit Rie­senHeck­flü­gel, aus­ge­klü­gel­tem Un­ter­bo­den und Dif­fu­sor so­wie Flics an der Front. Die Trup­pe un­ter der Lei­tung des Ko­rea­ners Gyoo-He­on Choi so­wie Team- und Tech­nik­chef Mi­chel Nan­dan be­leg­te 2016 hin­ter Volks­wa­gen Platz zwei in der Kon­struk­teurs­wer­tung. Pi­lot Thier­ry Neu­vil­le wur­de Vi­ze-Welt­meis­ter. Folgt nun der nächs­te Schritt? „Uns wä­re es viel lie­ber, wenn Volks­wa­gen werks­sei­tig noch da­bei wä­re“, be­tont Tech­ni­ker Nan­dan. Der Fran­zo­se hät­te sich nur zu gern mit den Wolfs­bur­gern ge­mes­sen: „Seit un­se­rem Ein­stieg in die Ral­ly­eWM 2014 ha­ben wir drei Au­tos ge­baut – und uns in je­der Sai­son ge­stei­gert.“Aber Nan­dan sagt auch: „Ci­tro­ën wird wie­der voll an­grei­fen. To­yo­ta kommt sehr ehr­gei­zig zu­rück. Und Ford dür­fen wir auch nie un­ter­schät­zen.“

Der neue i20 hat bis­lang rund 6000 Test­ki­lo­me­ter ab­sol­viert. Bis zum Start bei der Ral­lye Mon­te Car­lo kom­men acht wei­te­re Test­ta­ge auf As­phalt so­wie drei wei­te­re auf Schot­ter da­zu. „Wir wol­len um den Ti­tel kämp­fen“, sagt Nan­dan, „et­was an­de­res zu be­haup­ten, wä­re nicht rich­tig.“Be­schei­de­ne Zu­rück­hal­tung kann für Hy­un­dai kein The­ma mehr sein. „Um 0,5 bis ei­ne Se­kun­de pro Ki­lo­me­ter wer­den die Au­tos schnel­ler sein“, schätzt Nan­dan. Be­son­ders auf As­phalt, wo der ae­ro­dy­na­mi­sche Grip am stärks­ten zur Gel­tung kommt, wer­den die re­gle­ment­be­ding­ten Fort­schrit­te am deut­lichs­ten zu er­ken­nen sein. Das Ge­biet der Ae­ro­dy­na­mik stell­te für Nand­ans Equi­pe die größ­te Her­aus­for­de­rung dar – rund 220 Spe­zia­lis­ten be­rei­ten die i20 Cou­pés in Al­zenau na­he Aschaf­fen­burg vor. „Wir ha­ben erst im Ju­li da­mit be­gon­nen, weil die Re­geln noch nicht hun­dert­pro­zen­tig fest­ge­schrie­ben wa­ren.“Zu­dem muss­te das De­sign auch mit den Kon­tu­ren des i20 Cou­pé in Ein­klang ste­hen. Und wei­ter­hin soll­ten die Ae­ro­dy­na­mi­ker und die For­men­bau­er in dem Be­wusst­sein ar­bei­ten, dass, so Nan­dan, „ge- ra­de auf schnel­len Schot­ter­prü­fun­gen vie­le Tei­le ver­lo­ren ge­hen kön­nen, be­son­ders an der Front und an der Sei­te.“

Ge­än­der­te Motor­cha­rak­te­ris­tik

„Wir ha­ben so weit wie mög­lich ver­sucht, un­ser 2016er-Au­to wei­ter­zu­ver­wen­den“, er­klärt Nan­dan. So ist die Rah­men­struk­tur ex­akt die glei­che wie beim Vor­gän­ger. Wie­der kommt das be­währ­te se­quen­zi­el­le Sechs­gang-Ge­trie­be vom fran­zö­si­schen Zu­lie­fe­rer Sa­dev zum Ein­satz. Eben­so wur­de die La­ge des Mo­tors nicht ver­än­dert. Al­ler­dings: Weil der Luft­men­gen­be­gren­zer im Durch­mes­ser von 33 auf 36 Mil­li­me­ter ver­grö­ßert wer­den durf­te, hat sich auch die Motor­cha­rak­te­ris­tik ver­bes­sert. Nan­dan: „Wir fah­ren jetzt mit hö­he­rer Dreh­zahl, weil das nutz­ba­re Dreh­zahl­band in ei­nem hö­he­ren Be­reich ver­läuft.“Der Boost von 2,5 bar für den Tur­bo­la­der ist in­des gleich ge­blie­ben. „Und so­mit hat sich am Dreh­mo­ment eben­falls nichts ge­än­dert, wes­we­gen wir auch die Stei­fig­keit des Fahr­werks und des Kä­figs un­an­ge­tas­tet las­sen konn­ten.“Da­für sind nun die Rei­fen stär­ker ge­for­dert. Wie­der zu­rück in den World Ral­ly Cars des Jahr­gangs 2017 ist das elek­tro­nisch ge­steu­er­te Mit­tel­dif­fe­ren­zi­al. „Da­mit kann man sehr gut das Un­ter­steu­ern kor­ri­gie­ren. Das Au­to lässt sich prä­zi­ser auf den Fahr­stil ein­stel­len“, schwärmt Vi­ze-Welt­meis­ter Thier­ry Neu­vil­le. Der Bel­gi­er stellt aber um­ge­hend ge­nau­so klar: „Das Cen­ter-Diff gibt je­doch ge­nau­so die Mög­lich­keit, völ­lig da­ne­ben­zu­lie­gen. Und zwar so, dass man es nicht so­fort merkt.“

6000 Ki­lo­me­ter hat Hy­un­dai mit dem neu­en Cou­pé ge­tes­tet, da­von rund 4000 auf Schot­ter

Viel Flü­gel­werk: Die Ae­ro­dy­na­mik sticht beim neu­en Hy­un­dai i20 Cou­pé so­fort ins Au­ge

Thier­ry Neu­vil­le Der am­tie­ren­de Vi­ze­welt­meis­ter sagt: „Ich will 2017 ei­nen Platz bes­ser ab­schnei­den!“

Hay­den Pad­don Der Ar­gen­ti­ni­en-Sie­ger ge­wann 15 Son­der­prü­fun­gen 2016: „Aber 2017 sol­len es rund 50 wer­den“

Da­ni sordo Der WM- Fünf­te ist vom neu­en Hy­un­dai be­geis­tert: „Der i20 ist jetzt noch at­trak­ti­ver“

Tech­nik­chef Mi­chel Nan­dan „Wir en­ga­gie­ren uns für die kom­men­den drei Sai­sons in der Ral­lye-WM. Min­des­tens!“

Ci­tro­ën kehrt werks­sei­tig zu­rück: Ei­nen C3 WRC wird Kris Mee­ke steu­ern, im zwei­ten wech­seln sich Craig Bre­en und Sté­pha­ne Lef­eb­v­re ab, bis ab Mai dau­er­haft ein drit­tes Au­to ein­ge­setzt wird

Das Fah­rer­auf­ge­bot von Ford hängt von der Ent­schei­dung Sé­bas­ti­en Ogiers ab. Eric Ca­mil­li gilt als ge­setzt

Im To­yo­ta Ya­ris star­ten Ja­ri-Mat­ti Lat­va­la, Ju­ha Han­ni­nen und Esa­pek­ka Lap­pi

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