Ein­mal ist ge­nug

Ni­co Ros­berg ist wie sein Va­ter Ke­ke For­mel-1-Welt­meis­ter ge­wor­den. Doch an­ders als sein Dad will er sei­nen Ti­tel nicht ver­tei­di­gen

AUTO ZEITUNG - - SPORT - [ TEXT Gre­gor Mes­ser ]

Sel­ten hat man die For­mel 1 der­ar­tig baff er­lebt: Als Ni­co Ros­berg nur fünf Ta­ge nach sei­nem hart er­run­ge­nen WM-Ti­tel sei­nen Rück­tritt von der For­mel 1 be­kannt­gab, lös­te die un­fass­ba­re Nach­richt al­lent­hal­ben Schock­wel­len aus. Da­mit war auch klar: Ros­berg wird nie wie­der um ei­nen wei­te­ren WM-Ti­tel kämp­fen. Auch sein Va­ter Ke­ke war Cham­pi­on. Vor 34 Jah­ren. Al­ler­dings: Ros­berg se­ni­or woll­te sei­nen Ti­tel ver­tei­di­gen. Letzt­lich fuhr er noch vier wei­te­re Sai­sons mit fünf wei­te­ren Sie­gen bis zu sei­nem F1-Aus­stieg nach 146 ab­sol­vier­ten Grands Prix.

Stets an den Ti­tel ge­dacht

Bei­de ver­kör­pern die Top-Prot­ago­nis­ten ih­rer Zeit. Ke­ke Ros­berg war im­mer ei­ner, der wuss­te, was er tat: ent­schluss­freu­dig und wohl­be­dacht, self­made-ori­en­tiert, kon­se­quent und knall­hart in sei­nen Ent­schei­dun­gen. Fit­ness? War bei ihm kein The­ma. Da­für ei­ne Pa­ckung Marl­bo­ro pro Tag. Ni­co hin­ge­gen gab al­les für sei­nen Sport, für die For­mel 1: das frü­he Stre­ben nach Er­folg, das Kämp­fen im Kart, spä­ter in For­mel BMW, For­mel 3, GP2 und end­lich, ab 2006, in der For­mel 1. Schon beim De­büt ge-

lang ihm die schnells­te Renn­run­de. Doch bis zu sei­nem ers­ten Sieg in Chi­na 2012 muss­te Ros­berg 111 Starts ab­sol­vie­ren. Va­ter Ke­ke schaff­te es be­reits bei sei­nem 49. Start. Schon als Drei­kä­se­hoch hat­te Ni­co sein Fern­ziel for­mu­liert: „Und wenn der Pa­pa mir das Kart­fah­ren bei­ge­bracht hat, möch­te ich spä­ter For­mel-1-Welt­meis­ter wer­den.“Aber wirk­lich nur die­ses ei­ne Mal? Es scheint jetzt so. Als Ke­ke Ros­berg 1982 Cham­pi­on wur­de, schaff­te er dies trotz nur ei­nes Sie­ges. Ni­co tri­um­phier­te da­ge­gen neun Mal. Die For­mel 1 von einst war kei­nes­wegs bes­ser. Sie war an­ders. 1982 for­der­te die For­mel 1 zwei Op­fer. In Ni­cos WMSai­son er­eig­ne­te sich ge­ra­de mal ein grö­ße­rer Crash. 1982 gab es elf ver­schie­de­ne Sie­ger in 16 Ren­nen – 2016 stan­den au­ßer Ni­co und Erz­ri­va­le Le­wis Ha­mil­ton in 21 Ren­nen ge­ra­de mal zwei an­de­re Fah­rer ganz oben.

In­ak­zep­ta­ble Här­te

Sein Kart-Kum­pel von einst war es, der Ni­co über die Ma­ßen zu­ge­setzt hat. Spä­tes­tens in Bah­rain 2014 of­fen­bar­te Ha­mil­ton, dass ihm für den Er­folg je­des Mit­tel recht ist – not­falls auch Ros­berg von der Stre­cke zu drän­gen. Was von au­ßen als sen­sa­tio­nel­ler Kampf be­trach­tet wur­de, mün­de­te bei Ros­berg im be­harr­li­chen Un­wil­len, ei­ne gleich har­te, aber nö­ti­ge Fahr­wei­se ge­gen den ei­ge­nen Team­kol­le­gen zu ak­zep­tie­ren. Be­son­ders 2016 be­wies Ros­berg, dass er auch an­ders konn­te. Aber letzt­lich wur­de es ihm, dem so­li­den, an­stän­di­gen Ar­bei­ter, der vom rei­nen Speed her Ha­mil­ton nicht nach­stand, zu viel: Nach 206 For­mel-1-Ren­nen, 23 Sie­gen und ei­nem Ti­tel ist für Ros­berg das Ka­pi­tel For­mel 1 ab­ge­schlos­sen.

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