Au­di R8 Spy­der

Der Sturm im Spy­der-Cock­pit ist we­ni­ger auf­brau­send, als es die Leis­tung von 540 PS ver­mu­ten lässt. Trotz­dem ste­hen ei­nem manch­mal die Haa­re zu Ber­ge – spä­tes­tens bei Voll­gas

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Horst von Saurma ]

Au­di Sport, so nennt sich die quat­tro Gm­bH neu­er­dings, macht nicht lan­ge rum, von we­gen frei­wil­li­ge Selbst­be­schrän­kung und der­glei­chen. Ein Su­per­sport­ler mit elek­tro­ni­schen Fuß­fes­seln? Was wür­den die Olym­pio­ni­ken da­zu sa­gen, wenn sie beim Sprint über 100 Me­ter auf ma­xi­mal 10,0 Se­kun­den ein­ge­stellt wer­den wür­den? So darf der R8 V10 ren­nen, was das Zeug hält. Im Fal­le des neu­en Spy­ders sind das stol­ze 318 km/ h. Die freie Fahrt funk­tio­niert aber nur im ge­schlos­sen Zu­stand. Bei ge­öff­ne­tem Dach greift die frei­wil­li­ge Selbst­be­schrän­kung wie­der – wohl­weis­lich auf an­de­re, na­tür­li­che­re Art. Denn un­ab­hän­gig da­von, dass die Traum­mar­ke von knapp 320 km/ h im of­fe­nen Voll­zug we­gen des dann deut­lich schlech­te­ren cw-Werts nicht mehr er­reicht wer­den kann, wird sich wohl kaum ei­ner oh­ne Dach überm Kopf in die Re­gio­nen jen­seits 300 km/ h vor­wa­gen wol­len. Oder et­wa doch? Nun, die läs­sig auf dem Kopf dra­pier­te Kap­pe wird schon bei 250 km/ h nicht mehr ih­ren Zweck er­fül­len kön­nen, so­fern sie nicht mit bei­den Hän­den fest­ge­hal­ten wird. Au­to­no­mes Of­fen­fah­ren bei sol­chem Tem­po? Ver­ges­sen Sie’s. Der Sturm im Cock­pit ist viel zu stark, und selbst die mo­derns­te Spur­hal­te-As­sis­tenz kä­me bei die­ser An­zahl von Me­tern pro Se­kun­de re­gel­tech­nisch nicht mehr mit. Blei­ben wir bei der Rea­li­tät: Die Sitz­po­si­ti­on in den hüb­schen, mit Rau­ten­mus­tern ver­se­he­nen Spy­der-Sport­sit­zen ist nicht so tief, wie man es sich als ei­ni­ger­ma­ßen groß ge­wach­se­ner Mit­tel­eu­ro­pä­er wün­schen wür­de. Mit deut­lich mehr als 1,80 Me­ter Kör­per­grö­ße wird es ge­ne­rell et­was eng. Die ge­rin­ge Tie­fe des Fuß­raums und die nach hin­ten und im Leh­nen­be­reich ein­ge­schränk­te Be­we­gungs­frei­heit zwingt zu ei­ner sehr kom­pak­ten Kör­per­hal­tung, wie sie üb­li­cher­wei­se Pro­fi-Renn­fah­rern auf­ge­zwun­gen wird. Die zwangs­läu­fig et­was zu stark an­ge­win­kel­ten Ar­me und Bei­ne sol­len wohl si­gna­li­sie­ren: Hier ist ein Sport­fah­rer am Start – al­so Vor­sicht, mit dem ist si­cher nicht zu spa­ßen. Grund­sätz­lich ist das völ­lig rich­tig. Die Emp­feh­lung aber lau­tet trotz­dem: Mit den fla­che­ren und über­dies deut­lich mehr Sei­ten­halt bie­ten­den op­tio­na­len Scha­len­sit­zen ist das Platz-Pro­blem weit­ge­hend aus der Welt ge­schafft. Und

nach dem Ge­winn des Sprint­du­ells kann man sich in ih­nen auch mal lo­cker und ent­spannt an­de­ren schö­nen Din­gen wid­men. Denn wer wie der mit 540 PS und eben­so viel Dreh­mo­ment an­tre­ten­de Au­di R8 Spy­der in nur 3,1 Se­kun­den auf Tem­po 100 stürmt, die 200 km/ h-Hür­de in 10,2 Se­kun­den nimmt und in punc­to ne­ga­ti­ver Be­schleu­ni­gung gleich­falls Gro­ßes zu leis­ten ver­mag, der hat ge­nü­gend Sie­ger-Ge­ne ver­sam­melt, um un­ter al­len Um­stän­den Sou­ve­rä­ni­tät zu ge­währ­leis­ten. Den im Ver­gleich zu den neu­en, meist sehr pro­fi­lier­ten Bi­tur­bos der Kon­kur­renz doch et­was zah­me­ren An­tritt in den ho­hen Gän­gen und aus nied­ri­gen Dreh­zah­len her­aus kom­pen­siert das Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be al­ler­dings mit et­was zu eil­fer­ti­gem Ak­tio­nis­mus. Die ex­trem schnel­len, weil gleich von mehr­ma­li­gem Her­un­ter­schal­ten be­glei­te­ten Zwi­schen­sprints brin­gen zwar je­den Geg­ner zum Ver­zwei­feln, kön­nen ei­nen aber auch kir­re ma­chen, wenn ei­nem der Sinn nach et­was ru­hi­ge­rer Gan­gart steht. Erst mit der selbst­be­stimm­ten Gang­wahl per Schalt­pad­deln wird die Vor­stel­lung des wie kaum ein an­de­rer stets im Zen­trum des Ge­sche­hens ste­hen­den Zehn­zy­lin­ders zum voll­ende­ten Ge­nuss. Wer das Dach bei al­lem Sturm und Drang nicht öff­nen möch­te, fährt ein­fach die Heck­schei­be her­un­ter. Auch dann wird die Ver­bin­dung zwi­schen Mensch und Ma­schi­ne so in­ten­siv ge­knüpft, dass je­der Be­sat­zung so­fort warm ums Herz wird. Ne­ben dem ge­wünsch­ten Gang lässt sich so­gar ein Se­gelMo­dus hän­disch ak­ti­vie­ren. Sprit­spa­ren­des Rol­len im Leer­lauf qua­si als Kon­tra­punkt zur weit­ge­hend ge­fahr­lo­sen, weil all­rad­ge­trie­be­nen An­nä­he­rung ans fahr­dy­na­mi­sche Li­mit. Der si­cher­heits­be­ton­ten Un­ter­steu­er-Nei­gung fühlt sich ge­ne­rell zwar auch der Spy­der ver­pflich­tet. Er kann, wenn man’s über­treibt, aber auch an­ders: Bei ei­nem Kon­ter wird es eng.

24 TEST Der Au­di R8 Spy­der ze­le­briert mit sei­nem 540 PS star­ken V10-Sau­ger das Of­fen­fah­ren in Rein­kul­tur

Der akus­ti­sche Bei­trag des gro­ßen Zehn­zy­lin­ders ist (fast) im­mer ein Oh­ren­schmaus ... aber mit gu­tem Sound aus den Kopf­stüt­zen

Gestepp­te Sport­sit­ze mit we­nig Sei­ten­halt ...

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