Au­di Q2 Nis­san Qas­h­qai Peu­geot 3008 Seat Ate­ca

Mit sei­nem eher kru­den Vor­gän­ger hat der neue, be­tont sty­li­sche Peu­geot 3008 nichts mehr ge­mein­sam. Doch rei­chen sei­ne Qua­li­tä­ten aus, um sich an die Spit­ze des Seg­ments zu set­zen?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Mar­cel Küh­ler FO­TOS Zbi­gniew Ma­zar, Da­nie­la Loof (5) ]

Mit fri­schem, sport­li­chem De­sign, um­fang­rei­cher Si­cher­heits­aus­stat­tung und ei­ner ge­hö­ri­gen Por­ti­on Prak­ti­ka­bi­li­tät will der neue Peu­geot 3008 die Hier­ar­chie im im­mer noch boo­men­den Seg­ment der Kom­pakt-SUV durch­ein­an­der­wir­beln. Doch schon im ers­ten Ver­gleichs­test war­ten mit dem Au­di Q2, dem Nis­san Qas­h­qai und dem Seat Ate­ca sehr an­spruchs­vol­le Geg­ner, die nicht nur in der Gunst der Kun­den hoch im Kurs ste­hen, son­dern ih­re Qua­li­tä­ten be­reits in zahl­rei­chen Tests un­ter Be­weis ge­stellt ha­ben. Un­ter den Hau­ben der cha­ris­ma­ti­schen Krax­ler: ef­fi­zi­en­te Tur­bo­ben­zi­ner mit 130 (Peu­geot) bis 163 PS (Nis­san).

Ka­ros­se­rie

Auch wenn es die fu­tu­ris­tisch de­sign­te Ka­ros­se­rie ge­schickt ka­schiert: Mit rund, 4,45 Me­ter Län­ge und 1,91 Me­ter Brei­te ist der neue Peu­geot 3008 das größ­te Au­to im Test. Ent­spre­chend ge­räu­mig geht es im In­ne­ren des Fran­zo­sen

zu. Vorn wie hin­ten freu­en sich die Fahr­gäs­te über reich­lich Platz. Fah­rer und Bei­fah­rer sit­zen ein­ge­rahmt von ei­ner Cock­pit­land­schaft, die fast schon an die ei­nes Raum­schiffs er­in­nert. Da­ge­gen wirkt ge­ra­de der sehr kon­ven­tio­nell ein­ge­rich­te­te, da­bei aber gleich­falls sehr groß­zü­gig ge­schnit­te­ne Nis­san Qas­h­qai fast schon alt­ba­cken. Al­ler­dings hat die spa­ci­ge An­mu­tung des Peu­geot, der hier und da ei­ni­ge Nach­läs­sig­kei­ten bei der Ver­ar­bei­tung of­fen­bart, nicht nur Vor­tei­le – selbst wenn die hoch­ge­setz­ten, di­gi­ta­li­sier­ten Cock­pit-Anzeigen im Ge­gen­satz zu manch an­de­rem Peu­geot-Mo­dell auch von klei­ne­ren Fah­rern kom­plett ein­seh­bar sind. Die Be­die­nung über den Touch­screen er­for­dert ei­ne ge­wis­se Ein­ge­wöh­nung. Zwar las­sen sich al­le wich­ti­gen Funk­ti­ons­ebe­nen (Kli­ma, Mul­ti­me­dia, Na­vi etc.) über Tas­ten an­wäh­len, die hin­ter­leg­ten Me­nüs müs­sen aber erst ein­mal ein­ge­hend er­forscht wer­den. Zu­dem wür­den wir uns ei­nen se­pa­ra­ten Dreh­reg­ler zum Scrol­len wün­schen, wie ihn bei­spiels­wei­se der Seat Ate­ca mit­bringt. Über­haupt ist der Spa­nier ein Mus­ter­bei­spiel an ein­fa­cher Be­die­nung. Sämt­li­che Schal­ter sind lo­gisch be­schrif­tet, und die Me­nü­struk­tur über­for­dert auch Neu­lin­ge kei­nes­wegs. Vom Platz­an­ge­bot her spielt der Sü­d­eu­ro­pä­er in sei­ner ei­ge­nen Li­ga. Ge­ra­de Kopf- so­wie die Bein­frei­heit in Rei­he zwei sind für ein der­art kom­pak­tes Fahr­zeug be­mer­kens­wert. Zu­dem bringt der Ate­ca das größ­te Ma­xi­mal-Ge­päck­raum­vo­lu­men mit. Al­ler­dings wird der Kof­fer­raum bei um­ge­leg­ten Rück­sit­zen durch

ei­ne Stu­fe un­ter­bro­chen, die das Ein­la­den sper­ri­ger Ge­gen­stän­de er­schwert. Der Au­di Q2 ist hin­ge­gen das kleins­te SUV im Test. Vor al­lem seit­lich fehlt es im Ver­gleich zur durch­weg ge­räu­mi­ge­ren Kon­kur­renz an Be­we­gungs­frei­heit. Den Fond mei­den gro­ße Men­schen auf­grund man­geln­der Kopf­frei­heit bes­ser gleich ganz. Und auch an­spruchs­vol­le­re Trans­port­auf­ga­ben soll­ten auf­grund des ver­gleichs­wei­se ge­rin­gen La­de­vo­lu­mens ver­mie­den wer­den. Da­für kom­men Qua­li­täts­fa­na­ti­ker beim Q2 voll auf ih­re Kos­ten. Sämt­li­che In­te­ri­eur­flä­chen sind pe­ni­belst zu­sam­men­ge­fügt – der An­teil an Hart­plas­tik ist für ei­nen Au­di je­doch hoch. Mar­ken­ty­pisch um­fang­reich ist in­des die Si­cher­heits­aus­stat­tung. Zahl­rei­che As­sis­tenz­sys­te­me wie der se­ri­en­mä­ßi­ge Not­brems­as­sis­tent mit Per­so­nen­er­ken­nung oder der op­tio­na­le Stau­as­sis­tent sol­len ei­ne si­che­re Fahrt be­güns­ti­gen. Doch der neue Peu­geot 3008 braucht sich kei­nes­falls hin­ter dem In­gol­städ­ter Pre­mi­um-Fa­b­ri­kat zu ver­ste­cken. Im Ge­gen­teil: Fea­tu­res wie der se­ri­en­mä­ßi­ge Spur­hal­teas­sis­tent oder der op­tio­na­le No­t­ru­fas­sis­tent be­sche­ren ihm so­gar ei­nen klei­nen Punk­te­vor­sprung vor dem Au­di.

Fahr­kom­fort

Dank sei­ner sport­lich straf­fen Fahr­werks­ab­stim­mung liegt der Peu­geot satt auf der Stra­ße. Kehr­sei­te der Me­dail­le: Selbst auf ver­meint­lich ebe­ner Au­to­bahn herrscht stets ei­ne leich­te Un­ru­he im Auf­bau. Und auch gro­be Une­ben­hei­ten kom­pen­siert der Fran-

zo­se, bei dem wir die ge­rings­ten In­nen­ge­räu­sche ge­mes­sen ha­ben, nicht ganz so sou­ve­rän wie bei­spiels­wei­se der Seat Ate­ca. Der Spa­nier bie­tet rund­um den ge­lun­gens­ten Kom­pro­miss aus dy­na­mi­scher Straff­heit und aus­ge­wo­ge­nem Kom­fort. Sei­ne kon­ven­tio­nel­len Fe­der-/ Dämp­ferE­le­men­te ver­ar­bei­ten fei­ne wie gro­be Fahr­bahn­schä­den glei­cher­ma­ßen kom­pe­tent. Vor al­lem die Vor­der­ach­se des Ate­ca spricht sehr sen­si­bel auf An­re­gun­gen an. Die Hin­ter­ach­se wirkt hin­ge­gen auf hö­he­ren Kan­ten zu­wei­len et­was höl­zern. Ähn­li­ches gilt für den Nis­san Qas­h­qai, der grund­sätz­lich zwar eben­falls recht sen­si­bel an­fe­dert, bei kurz auf­ein­an­der­fol­gen­den Wel­len aber hin­ten ei­ne ge­wis­se Ten­denz zum Tram­peln er­ken­nen lässt. Au­ßer­dem geht es an Bord des er­folg­rei­chen Ja­pa­ners im di­rek­ten Ver­gleich zu den Wett­strei­tern am lau­tes­ten zu. Als ein­zi­ger im Test ist der Au­di Q2 mit ad­ap­ti­ven Dämp­fern aus­ge­stat­tet. Sie be­sche­ren dem In­gol­städ­ter ei­nen sehr gu­ten Au­to­bahn­kom­fort und sor­gen da­für, dass die meis­ten Une­ben­hei­ten in der Fahr­bahn wir­kungs­voll aus­ge­gli­chen wer­den. Al­ler­dings spricht das Set-up des Au­di nicht so sen­si­bel an wie das des Kon­zern-Ver­wand­ten von Seat. Zu­dem ver­liert der Q2 mit ma­xi­ma­ler Be­la­dung ei­ni­ges an Sou­ve­rä­ni­tät und ver­här­tet spür­bar. Da­für bie­tet der Au­di – den op­tio­na­len Sport­sit­zen sei Dank – vorn ei­nen her­vor­ra­gen­den Sitz­kom­fort. Hin­ten sitzt man al­ler­dings im Seat Ate­ca, der den Test gleich­falls mit hoch­kom­for­ta­blen Op­ti­ons­sit­zen vorn be­strei­tet, am be­quems­ten.

Mo­tor / Ge­trie­be

Mit 163 PS ist der 1,6 Li­ter gro­ße Tur­bo­ben­zi­ner des Nis­san Qas­h­qai das stärks­te Trieb­werk im Feld. Der Au­di Q2 und der Seat Ate­ca ver­fü­gen bei­de über ei­nen eben­falls auf­ge­la­de­nen 1,4-Li­ter-Vier­zy­lin­der mit 150 PS. Leis­tungs­mä­ßig das Schluss­licht ist der 130 PS star­ke 1,2- Li­ter-Tur­bo­ben­zi­ner des Peu­geot 3008, der im Üb­ri­gen als ein­zi­ger Mo­tor des Quar­tetts mit drei Zy­lin­dern aus­kom­men muss. Be­güns­tigt durch die gu­te Trak­ti­on und das schnell schal­ten­de Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be – ein Hand­schal­ter stand zum Test­zeit­punkt sei­tens des Her­stel­lers lei­der nicht zur Ver­fü­gung –, sprin­tet der Au­di am flot­tes­ten, näm­lich in 8,5 Se­kun­den auf Land­stra­ßen­tem­po. Da­mit ist er noch et­was schnel­ler un­ter­wegs als der mit der glei­chen An­triebs­ein­heit, je­doch ma­nu­el­lem Ge­trie­be aus­ge­rüs­te­te Seat Ate­ca. Und auch die End­ge­schwin­dig­keit des Ba­ju­wa­ren, im­mer­hin 212 km/ h, liegt deut­lich über de­nen sei­ner Kon­tra­hen­ten. Der Nis­san Qas­h­qai spielt sei­nen Leis­tungs­vor­teil erst jen­seits des zu­läs­si­gen Land­stra­ßen­tem­pos aus und fährt den üb­ri­gen Wett­be- wer­bern da­von. Da­bei ar­bei­tet sich der Vier­zy­lin­der des Ja­pa­ners gleich­mä­ßig durchs Dreh­zahl­band und legt ins­ge­samt ein ho­hes Maß an Dreh­freu­de an den Tag. Die ex­ak­te und leicht­gän­gi­ge Schal­tung des Ja­pa­ners dürf­te aber kür­ze­re We­ge auf­wei­sen. Auch wenn der Peu­geot im di­rek­ten Ver­gleich nicht mit sei­nen Wett­strei­tern mit­hal­ten kann, ist sein Drei­zy­lin­der ei­ne ad­äqua­te An­triebs­quel­le für das fran­zö­si­schen De­si­gner-SUV. So­bald die klei­ne An­fahr­schwä­che erst ein­mal über­wun­den ist, zieht das lauf­ru­hi­ge Trieb­werk den 1428 Ki­lo­gramm schwe­ren 3008 mun­ter vor­an. Ei­nen Ver­brauchs­vor­teil kann sich das Down­si­zing-Agg­re-

Der Nis­san be­nö­tigt mit kal­ter An­la­ge 34,6 Me­ter für ei­ne Voll­brem­sung aus 100 km/ h

Mit sei­nen agi­len Hand­lin­gei­gen­schaf­ten be­geis­tert der Q2 sport­li­che Na­tu­ren

Das Ge­päcka­be­teil taugt mit 405 bis 1050 Li­tern nicht für Um­zugs­auf­ga­ben

Pfif­fig ein­ge­rich­te­tes Au­di-Cock­pit mit top Ver­ar­bei­tung. Viel Hart­plas­tik

Die Sport­sit­ze (op­tio­nal) ver­wöh­nen mit ho­hem Langstre­cken­kom­fort

In Rei­he zwei bie­tet der Q2 nur we­nig Raum für groß­ge­wach­se­ne Fahr­gäs­te

Der Qas­h­qai hat den stärks­ten und spar­sams­ten Mo­tor im Feld

Der Kof­fer­raum ist der zweit­kleins­te im Test. Ver­gleichs­wei­se ho­he La­de­kan­te

Der Ar­beits­platz des Nis­san wirkt et­was an­ge­jahrt. Teils ein­fa­che Ma­te­ria­li­en

Auch grö­ße­re Men­schen sit­zen im Ja­pa­ner sehr kom­mod

Die Sit­ze sind ziem­lich weich ge­pols­tert und bie­ten we­nig Sei­ten­halt

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