Der Bus kommt

Auf der Detroit Au­to Show fei­ert der VW Bus sein Come­back – als spek­ta­ku­lä­re Elek­tro-Stu­die I.D. BUZZ. Die Ent­wick­ler ver­spre­chen 600 Ki­lo­me­ter Reich­wei­te, voll­au­to­no­mes Fah­ren und je­de Men­ge Platz so­wie Kom­fort für bis zu acht Pas­sa­gie­re

AUTO ZEITUNG - - FAHRBERICHT - Jo­nas Eling

Auf der Detroit Au­to Show 2017 prä­sen­tiert VW ei­ne Le­gen­de aus der Zu­kunft. Rein elek­trisch an­ge­trie­ben, auf Knopf­druck au­to­nom und in je­dem Fall weg­wei­send – das ist der I.D. Buzz. Zur ers­ten gro­ßen Au­to­mes­se des Jah­res ha­ben die Wolfs­bur­ger den „Bul­li“wie­der­be­lebt, das Kult-Rei­se­au­to der Frei­geis­ter und Wel­ten­bumm­ler. Der hüb­sche Elek­tro­van ist al­ler­dings weit­aus mehr als nur auf­ge­koch­te Tra­di­ti­on in Zwei­farb-La­ckie­rung. Als zwei­ter Vor­bo­te der für 2020 an­ge­kün­dig­ten Elek­tro­au­to-Of­fen­si­ve ver­deut­licht der I.D. Buzz das enor­me Po­ten­zi­al des neu­en Mo­du­la­ren Elek­tri­fi­zie­rungs­bau­kas­tens (MEB).

374 PS, All­rad­an­trieb und 600 Ki­lo­me­ter Reich­wei­te

Den An­trieb der Stu­die über­neh­men zwei 150 kW star­ke Elek­tro­mo­to­ren an der Vor­der- und Hin­ter­ach­se, die im Ver­bund ma­xi­mal 374 PS auf al­le vier Rä­der über­tra­gen. So aus­ge­stat­tet soll der Van in nur 5,3 Se­kun­den auf Tem­po 100 be­schleu­ni­gen. Zwi­schen den Mo­to­ren ha­ben die Ent­wick­ler ei­ne be­son­ders flach bau­en­de Li­thi­um­Io­nen-Bat­te­rie mit ei­nem Ener­gie­vor­rat von 111 kWh in den Fahr­zeug­bo­den in­te­griert, die den I.D. Buzz und sei­ne acht In­sas­sen mit ei­ner La­dung bis zu 600 Ki­lo­me­ter weit brin­gen soll. Je nach Ein­satz­ge­biet sind auch An­triebs­kon­fi­gu­ra­tio­nen mit rei­nem Heck­an­trieb à la VW T1 und ei­ner et­was klei­ne­ren 83-kWh-Bat­te­rie mög­lich. Ge­la­den wird ka­bel­los per In­duk­ti­on oder an kon­ven­tio­nel­len Haus­halts­steck­do­sen und La­de­säu­len. Bei ma­xi­ma­ler La­de-Leis­tung von 150 kW fül­len sich die Ak­kus in ei­ner hal­ben St­un­de zu 80 Pro­zent. Reich­wei­ten­angst in Elek­tro­au­tos – ein Pro­blem der Ge­gen­wart. Im VW Bus der Zu­kunft kann der laut­lo­se Elek­tro­an­trieb end­lich sein vol­les Po­ten­zi­al aus­schöp­fen, be­son­ders im Hin­blick auf Raum­aus­nut­zung und Fahr­kom­fort. Die platz­spa­ren­de Tech­nik im Fahr­zeug­bo­den sorgt für ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Ge­wichts­ver­tei­lung bei nied­ri­gem Schwer­punkt. Mit 4941 Mil­li­me­ter Ge­samt­län­ge ori­en­tiert sich der I.D. Buzz am ak­tu­el­len VW Mul­tivan, bie­tet da­bei je­doch rund 30 Zen­ti­me­ter mehr

Rad­stand, was be­son­ders den Pas­sa­gie­ren im auf­ge­räum­ten In­nen­raum zu­gu­te kommt.

Au­to­no­mes Fah­ren und höchs­te Va­ria­bi­li­tät

Die Zeit der mas­si­ven Mit­tel­kon­so­len und Kar­dan-Tun­nel als „Raum­tren­ner“ist all­mäh­lich vor­über, die Zu­kunft bringt statt­des­sen groß­zü­gi­ge Lounge-At­mo­sphä­re. Be­son­ders die Rol­le des Fah­rers ha­ben die In­ge­nieu­re bei der In­te­ri­eur-Kon­zep­ti­on noch ein­mal gründ­lich über­dacht, schließ­lich soll der I.D. Buzz ab 2025 sei­nen Weg auch auf ei­ge­ne Faust su­chen. Wird das voll­au­to­ma­ti­sier­te Fah­ren (I.D. Pi­lot) ak­ti­viert, fal­tet sich das Touch­pa­dLenk­rad ins Ar­ma­tu­ren­brett – und die La­ser­scan­ner auf dem Dach über­neh­men die Füh­rung. Der Fah­rer kann an­schlie­ßend sei­nen Sitz um 180 Grad dre­hen und sich den Rei­sen­den im Fond zu­wen­den. Ein Ta­blet-Com­pu­ter dient im kon­ven­tio­nel­len Fahr­mo­dus als An­zei­ge- und Be­dien­ele­ment und lässt sich im Mo­dus I.D. Pi­lot samt sei­ner mul­ti­funk­tio­na­len Kon­so­len-Box eben­falls in den hin­te­ren Be­reich ver­schie­ben. Wie es sich für ei­nen ech­ten VW-Bus ge­hört, be­herrscht na­tür­lich auch der I.D. Buzz sämt­li­che Spiel­ar­ten der Sitz­kon­fi­gu­ra­ti­on. Die Ein­zel­sit­ze in Rei­he zwei las­sen sich zu Ti­schen um­klap­pen, und die drit­te Sitz­rei­he wird mit ein paar Hand­grif­fen zur Lie­ge­flä­che – Über­nach­tungs­mög­lich­keit in­klu­si­ve. Ge­nug Platz fürs Rei­se­ge­päck bie­tet der Zu­kunfts­bus oh­ne­hin: ne­ben dem hin­te­ren Kof­fer­raum mit 600 bis 4600 Li­ter La­de­vo­lu­men steht vorn dank des kom­pak­ten An­triebs ein wei­te­res St­au­fach mit Platz für 200 Li­ter be­reit. Die le­gen­dä­ren VW Bus­se der 50er- bis 70er-Jah­re sym­bo­li­sie­ren bis heu­te den Traum von Frei­heit und Rei­se­lust. Be­reits 2001 ver­such­te sich VW an ei­nem Nach­fol­ger und prä­sen­tier­te auf der Mes­se in Detroit den Mi­cro­bus, der es al­ler­dings nie bis in die Se­ri­en­pro­duk­ti­on schaff­te. Nun ist die Le­gen­de zu­rück: mo­dern, in­no­va­tiv und grund­sym­pa­thisch. Ein Image­trä­ger, wie ihn Volks­wa­gen be­son­ders in Ame­ri­ka nur zu gut ge­brau­chen kann. Der Bus kommt – und dies­mal wirk­lich.

Das va­ria­ble In­te­ri­eur bie­tet viel Platz und sehr in­no­va­ti­ve De­tails

Un­ver­wech­sel­ba­res De­sign: Der I.D. Buzz zitiert ge­schickt sei­ne be­rühm­ten Vor­gän­ger

Das Lenk­pad mit Touch-Ober­flä­che fal­tet sich auf Knopf­druck ins Ar­ma­tu­ren­brett

Ein um­lau­fen­der LED-Strei­fen be­tont die Zwei­farb-La­ckie­rung des I.D. Buzz

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