Mit­tel­klas­se Au­di A5 Sport­back · BMW 4er Gran Cou­pé Sko­da Su­perb

Mit dem Au­di A5 Sport­back will Au­di auch bei den sty­li­schen Schräg­heck­li­mou­si­nen die Füh­rung über­neh­men. Ers­ter Ver­gleichs­test mit BMW 4er Gran Cou­pé und Sko­da Su­perb

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Micha­el God­de FOTOS Da­nie­la Loof ]

Schräg­heck­li­mou­si­nen er­le­ben der­zeit durch die In­ter­pre­ta­ti­on als vier­tü­ri­ge Cou­pés ih­re Re­nais­sance – auch der neue Au­di A5 Sport­back und das BMW 4er Gran Cou­pé de­fi­nie­ren sich mit ih­rer flach ver­lau­fen­den Dach­li­nie und rah­men­lo­sen Sei­ten­schei­ben als Ver­tre­ter der ele­gan­ten Cou­pé-Frak­ti­on. Sko­da wie­der­um ver­tritt mit dem Su­perb nüch­tern die prak­ti­sche Schräg­heck-Kli­en­tel. Ei­nig­keit herrscht nur bei der weit auf­schwin­gen­den Heck­klap­pe. Wel­ches Konzept ist nun ins­ge­samt das bes­se­re? Im Test tre­ten der neue Au­di A5 Sport­back 2.0 TFSI quat­tro mit 252 PS und der gleich star­ke BMW 430i ge­gen den Sko­da Su­perb an, der als 2.0 TSI 4x4 mit 280 PS sei­ne Sach­lich­keit mit reich­lich Dy­na­mik an­rei­chert.

Ka­ros­se­rie

Fla­ches Dach, schma­le Tü­ren: Der Ein­stieg in A5 und 4er ist be­engt. Der Su­perb emp­fängt sei­ne Gäs­te hin­ge­gen mit gro­ßen, weit öff­nen- den Tü­ren. Oh­ne­hin bie­tet der längere, hö­he­re und brei­te­re Sko­da ei­ne op­ti­ma­le Raumöko­no­mie. Sein et­was grö­ße­rer Rad­stand und der im Ge­gen­satz zu den längs ein­ge­bau­ten Vier­zy­lin­dern von A5 und 4er platz­spa­rend quer in­stal­lier­te Mo­tor schaf­fen ei­nen groß­zü­gi­gen In­nen­raum. Wäh­rend die fla­che Dach­li­nie der bei­den Bay­ern den Fond­pas­sa­gie­ren auf den Schei­tel drückt und de­ren Bei­ne zu­dem mit den Vor­der­sit­zen Kon­takt auf­neh­men, herrscht im Tsche­chen vorn wie hin­ten üp­pi­ge Be­we­gungs­frei­heit auf Ober­klas­se­ni­veau. Zu­dem bie­tet der Su­perb ein La­de­vo­lu­men von 625 Li­tern – 480 Li­ter sind es bei sei­nen Ri­va­len – und ei­ne An­hän­ge­last von 2200 Ki­lo­gramm (Au­di 1900 kg; BMW 1600 kg). Das sorgt für wei­te­re Zäh­ler auf dem Punk­te­kon­to. Ei­ne se­ri­en­mä­ßi­ge drei­ge­teilt vor­klapp­ba­re Fond­leh­ne of­fe­riert al­ler­dings nur der A5, beim 4er kos­tet sie Auf­preis. An­sons­ten be­las­sen es der BMW und der Sko­da bei ei­ner asym­me­trisch vor­klapp­ba­ren Leh­ne im Fond. Der Münch­ner schiebt sich da­für bei der Be­die­nung ins Ram­pen­licht. Er ge­fällt mit ei­ner vor-

Der Au­di A5 Sport­back ver­zö­gert warm mit 32,2 Me­tern auf Sport­wa­gen­ni­veau

bild­li­chen Me­nü­struk­tur und der ein­fa­chen wie in­tui­ti­ven Steue­rung über den iD­ri­veCon­trol­ler auf der Mit­tel­kon­so­le. Nicht ganz so ein­fach las­sen sich die kom­ple­xen und im Ver­gleich zum BMW-Sys­tem ver­zweig­te­ren Me­nüpfa­de des Au­di er­kun­den. Der Sko­da ist hier ein­fa­cher struk­tu­riert und stellt sei­nen Fah­rer so vor kei­ne un­lös­ba­ren Auf­ga­ben. Le­dig­lich die Be­die­nung über den Touch­screen ver­langt be­son­ders auf holp­ri­gen Stre­cken mehr Kon­zen­tra­ti­on. Der A5 über­nimmt aber spä­tes­tens bei der Si­cher­heits­aus­stat­tung die Füh­rungs­rol­le. Er er­kennt beim Au­spar­ken den Qu­er­ver­kehr, folgt im Stau auf Wunsch au­to­nom sei­nem Vor­der­mann und re­du­ziert bei ein­ge­schal­te­tem Ab­stands­re­gel­tem­po­ma­ten selbst­stän­dig bei Tem­po­li­mits die Ge­schwin­dig­keit. Das kann die Kon­kur­renz noch nicht bie­ten. Al­ler­dings sind die­se Fea­tu­res – wie auch die Fon­dair­bags oder die Spur-As­sis­ten­ten – nur ge­gen teu­re Auf­prei­se er­hält­lich. Doch dar­in un­ter­schei­det sich der In­gol­städ­ter kaum von sei­nen Kon­kur­ren­ten. Se­ri­en­mä­ßig ist beim Au­di hin­ge­gen die pe­ni­ble Ver­ar­bei­tung. Dem 4er fehlt das lie­be­vol­le Fi­nish und dem Su­perb schlicht die Ma­te­ri­al­gü­te des A5. Den­noch si­chert sich der Sko­da dankt sei­ner deut­lich ge­räu­mi­ge­ren Ka­ros­se­rie das ers­te Ka­pi­tel.

Fahr­kom­fort

Au­di und BMW ver­kör­pern auch mit ih­ren Fahr­werks­ab­stim­mun­gen ih­re dy­na­mi­sche Ori­en­tie­rung. Vor al­lem der In­gol­städ­ter prä­sen­tiert sich sport­lich straff und in­for­miert sei­ne In­sas­sen am deut­lichs­ten über den Fahr­bahn­un­ter­grund. Be­son­ders im Kom­fort­mo­dus ist sei­ne Ka­ros­se­rie deut­lich mehr in Be­we­gung als die des har­mo­ni­scher ab­ge­stimm­ten Münch­ners. Der Sko­da kann es je­doch noch bes­ser. Er hält deut­lich mehr Stö­ße von sei­nen In­sas­sen fern als die bei­den vier­tü­ri­gen Cou­pés. Le­dig­lich bei lang­sa­mer Fahrt brin­gen ihn her­vor­ste­hen­de Kan­ten hier und da aus dem Tritt. Wäh­rend Au­di und BMW in al­len Dämp­fer­kon­fi­gu­ra­tio­nen mit sport­li­cher No­te un­ter­wegs sind, fällt die Sprei­zung der ein­zel­nen

Der Sko­da bie­tet deut­lich mehr Zu­la­dung und ei­ne hö­he­re An­hän­ge­last als sei­ne Ri­va­len

Fahr­mo­di beim lan­gen Tsche­chen grö­ßer aus. Le­dig­lich die lau­ten Ab­roll- und Fahr­werks­ge­räu­sche pas­sen da nicht so recht ins Bild. Selbst der nicht son­der­lich lei­se durch den Wind schlüp­fen­de BMW gibt sich bei ho­hen Ge­schwin­dig­kei­ten zu­rück­hal­ten­der. Der Au­di schirmt sei­ne In­sas­sen al­ler­dings noch et­was bes­ser ab. Nur im Fond stö­ren die hör­ba­ren Ver­wir­be­lun­gen an der Heck­klap­pe. Bei den Sit­zen sind die Un­ter­schie­de ge­rin­ger. Die A5-Sport­sit­ze sind et­was brei­ter ge­schnit­ten als die gut an­lie­gen­den, aber den­noch kom­for­ta­blen Pen­dants des BMW. Den be­que­men und or­dent­lich Sei­ten­halt bie­ten­den Fau­teuils des Sko­da feh­len nur die aus­zieh­ba­ren Bein­auf­la­gen, die Au­di und BMW bie­ten.

Mo­tor / Ge­trie­be

Vier­zy­lin­der, Tur­bo, zwei Li­ter Hu­b­raum: Hier sind sich die Her­stel­ler ei­nig. Le­dig­lich bei Dreh­mo­ment und Leis­tung gibt es Dif­fe­ren­zen. Dass aus­ge­rech­net der Su­perb in die­sem Trio das Kräf­te­mes­sen mit 280 PS für sich ent­schei­det, über­rascht. Bis Tem­po 100 hat er be­reits sei­ne 252 PS star­ken Ri­va­len ab­ge­hängt. Bis 200 km/ h sum­miert sich der Vor­sprung ge­gen­über dem A5 auf knapp ei­ne Se­kun­de. Der BMW fährt da be­reits drei Se­kun­den hin­ter­her. Und das liegt nicht nur dar­an, dass der heck­ge­trie­be­ne 430i nicht so gut vom Start weg­kommt wie die All­rad-Kon­kur­renz. Der

Sko­da brei­tet sei­ne 350 Nm über­dies deut­lich wei­ter aus und dreht en­ga­gier­ter über 6500 Tou­ren. Der tem­pe­ra­ment­vol­le An­trieb ist se­ri­en­mä­ßig an ein Sechs stu­fen-Dop­pel kupp­lungs ge­trie­be ge­kop­pelt. Schon die EU- Ver­brauchs an­ga­be von 7,1 Li­tern auf 100 km do­ku­men­tiert, dass die sechs­te Stu­fe nicht auf Ef­fi­zi­enz aus­ge­legt ist. Der Test­ver­brauch liegt so­gar bei 10,1 Li­tern. Die S tro­nic im Au­di hat sie­ben Gän­ge – der A5 kommt mit 9,6 Li­tern aus. Bei­den Ge­trie­ben fehlt aber nicht nur die ach­te Fahr­stu­fe der BMW-Au­to­ma­tik, die dem 430i ei­nen Ver­brauch von 8,7 Li­tern be­schert, son­dern vor al­lem de­ren Sou­ve­rä­ni­tät. Sie re­agiert sanf­ter, ar­bei­tet schnel­ler und fin­det ziel­si­cher das pas­sen­de Über­set­zungs­ver­hält­nis zur an­lie­gen­den Dreh­zahl–da fehlt den Dop­pel­kup­pungs­ge trie­ben der Fein schliff.

Fahr­dy­na­mik

Trotz der straf­fen Ab­stim­mung im Sport­mo­dus und sei­nes All­rad­an­triebs hat der Sko­da auf dem Hand­ling­par­cours ge­gen die zwei Bay­ern kei­ne Chan­ce. Der Au­di liegt wie das sprich­wört­li­che Brett auf dem As­phalt, und sein kna­cki­ges Set-up hält ihn si­cher in der Spur. Die Dy­na­mik-Len­kung be­ant­wor­tet da­bei je­den Rich­tungs­wunsch prä­zi­se und un­mit­tel­bar. Doch die va­ria­blen Sport­len­kung des 430i gibt noch mehr Rück­mel­dung. Der BMW folgt noch ge­nau­er sei­nem Fah­rer und pro­fi­tiert von sei­nem neu­tra­len Fahr­ver­hal­ten. Den all­rad­ge­trie­be­nen Au­di kann der heck­ge­trie­be­ne 430i trotz­dem nicht ein­ho­len. Ihm fehlt das Quänt­chen Trak­ti­on, das den A5 schon früh­zei­tig aus Kur­ven stür­men lässt. Den eben­falls mit All­rad an­tre­ten­den Sko­da hat er aber lo­cker im Griff. Zwar ver­wöhnt der Su­perb mit ei­nem be­ste­chend leicht­fü­ßi­gen Hand­ling. Im Grenz­be­reich drückt er aber stär­ker über die Vor­der­ach­se als die bei­den an­de­ren. Vor al­lem schnel­le Rich­tungs­wech­sel wie et­wa im Sla­lom brin­gen den Tsche­chen schnel­ler an sei­ne Gren­zen. Auf ei­nem ganz ei­ge­nen Le­vel prä­sen­tiert sich der A5 bei der Brems­weg­mes­sung. Mit war­mer An­la­ge ver­zö­gert der Sport­back von 100 km/ h bis zum Still­stand in nur 32,2 Me­tern. Der BMW (35,3 Me­ter) und der Sko­da (34,8 Me­ter) be­nö­ti­gen hier deut­lich mehr Stre­cke.

Um­welt / Kos­ten

Die 280 PS star­ke Top-Benz­in­ver­si­on des Sko­da Su­perb kos­tet 42.150 Eu­ro – da­mit ist er schon im Ba­sis­preis fast 6000 Eu­ro güns­ti­ger als der Au­di A5 Sport­back 2.0 TFSI quat­tro. In­klu­si­ve al­ler test­re­le­van­ten Ex­tras sum­miert sich die Dif­fe­renz auf über 7000 Eu­ro und knapp 5000 Eu­ro ge­gen­über dem BMW 430i. Ei­nen wei­te­ren po­si­ti­ven Ein­fluss auf die Kos­ten­bi­lanz ha­ben zu­dem der ge­rin­ge­re Wert­ver­lust, die mit DAB-Ra­dio und hin­te­ren Park­sen­so­ren bes­se­re Se­ri­en­aus­stat­tung und die güns­ti­ge­ren Ver­si­che­rungs­ein­stu­fun­gen. Au­di und BMW lie­fern sich in punc­to Kos­ten ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen, bei dem der BMW sei­nen Preis­vor­teil durch die schlech­te­ren Ga­ran­tie-Be­din­gun­gen wie­der ein­büßt. Zu­dem las­sen sich der­zeit für den Sko­da die bes­ten Ra­bat­te er­zie­len.: Den Top-Su­perb gibt es auf www.mein­au­to.de mit ei­nem Nach­lass von über 20 Pro­zent.

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