Klein­wa­gen Ci­tro­ën C3 · Peu­geot 208 · Re­nault Clio

Klein, kräf­tig und wie­sel­flink – ge­nau­so wie der kleine Co­mi­cGal­li­er wu­seln der neue Ci­tro­ën C3, der be­lieb­te Peu­geot 208 und der face­ge­lif­te­te Re­nault Clio durch den All­tag. Wel­cher der drei Fran­zo­sen schlägt sei­ne Kon­kur­ren­ten aus dem Feld?

AUTO ZEITUNG - - IN­HALT - [ TEXT El­mar Sie­pen FO­TOS Aleksan­der Per­ko­vic, obs/Eg­mont Eha­pa Me­dia Gm­bH (1) ]

Wäh­rend wi­der­spens­ti­ge Gal­li­er im Co­mic den Rö­mern zu schaf­fen ma­chen, mi­schen die Fran­zo­sen re­al auf dem Au­to­mo­bil­markt im eu­ro­päi­schen Klein­wa­gen­seg­ment or­dent­lich mit. Kei­ne Fra­ge, mit prak­ti­schen Ci­ty-Cars ha­ben un­se­re Nach­barn eben­so Er­fah­rung wie mit Die­sel­mo­to­ren. War­um al­so nicht bei­des kom­bi­nie­ren? Lohnt sich nicht, sa­gen Sie? War­um ei­gent­lich? Den­ken Sie ein­mal an die Pend­ler. Im­mer­hin 16 Pro­zent der über 40 Mil­lio­nen Ar­beit­neh­mer pen­deln hier­zu­lan­de je­den Tag mehr als 25 km zur Ar­beit. Da­bei fah­ren die meis­ten mit dem Au­to. Da kommt im Jahr ei­ni­ges an Ki­lo­me­tern zu­sam­men – und der Selbst­zün­der vi­el­leicht dann doch in Fra­ge, zu­mal die Grund­prei­se un­se­rer drei Kan­di­da­ten un­ter 20.000 Eu­ro lie­gen. So gibt es die brand­neue drit­te Auf­la­ge des Ci­trö­en C3 mit 99-PS-Die­sel ab 18.490 Eu­ro, den tech­nisch eng ver­wand­ten, gleich mo­to­ri­sier­ten Peu­geot 208 als Fünf­tü­rer für 18.900 Eu­ro, und der frisch über­ar­bei­te­te Re­nault Clio mit 110 Die­sel-PS kos­tet 19.790 Eu­ro. Stei­gen Sie ein!

Ka­ros­se­rie

Der dem grö­ße­ren C4 Cac­tus fast wie aus dem Ge­sicht ge­schnit­te­nen C3 über­zeugt im Ge­gen­satz zu sei­nen Kon­kur­ren­ten auf al­len Plät­zen mit ei­nem über­ra­schend groß­zü­gi­gen Rau­m­an­ge­bot und ei­ner deut­lich bes­se­ren Über­sicht­lich­keit. Kei­ne Fra­ge, hier füh­len sich vier Er­wach­se­ne so­gar auf län­ge­ren Stre­cken recht gut auf­ge­ho­ben. Schnell fin­det man sich auch bei der Be­die­nung des Ci­tro­ëns zu­recht. Wich­ti­ge Funk­tio­nen wer­den über den Touch­screen an­ge­steu­ert, al­ler­dings auch die Kli­ma­be­die­nung. Im All­tag fällt auf, dass der 208 recht lan­ge braucht, um ein kopp­lungs­fä­hi­ges Smart­pho­ne zu iden­ti­fi­zie­ren. Da­für bie­tet er mit 504 kg die höchs­te Zu­la­dung in­ner­halb des Tri­os. Beim Kof­fer­raum­vo­lu­men liegt al­ler­dings der Clio mit 300 bis 1146 Li­tern vorn. Et­was un­prak­tisch: Die Nutz­bar­keit des ma­xi­ma­len Ge­päck­vo­lu­mens wird bei al­len drei­en durch ei­ne Stu­fe im La­de­bo­den er­schwert, die sich nach Um­le­gen der je­weils asym­me­trisch ge­teil­ten Rück­sitz­leh­nen er­gibt.

Er­freu­lich: Der C3 glänzt mit se­ri­en­mä­ßi­ger Ver­kehrs­zei­chen­er­ken­nung und Spur­hal­teas­sis­ten­ten. Spä­ter wird auch noch ein Not­brems­as­sis­tent lie­fer­bar sein. Der Clio kommt ab Werk mit Voll-LED-Schein­wer­fern und da­mit eben­falls mit ei­nem Si­cher­heits­de­tail, das in der Klein­wa­gen­klas­se eher noch die Aus­nah­men als die Re­gel ist.

Fahr­kom­fort

Mit sei­ner tren­di­gen braun-grau­en In­nen­aus­stat­tung ver­brei­tet der C3 so et­was wie Lounge-At­mo­sphä­re. Da­zu pas­sen die be­que­men Sit­ze. Sie sind eher Ses­sel als Sitz und könn­ten für Kur­ven­fahr­ten mehr Sei­ten­halt ver­tra­gen, ih­re Pols­te­rung er­weist sich aber als zu 100 Pro­zent lang­stre­ck­en­taug­lich. Auch hin­ten sit­zen die Pas­sa­gie­re im C3 am bes­ten. Die Peu­geot-Vor­der­sit­ze ge­fal­len mit üp­pi­ger di­men­sio­nier­ten Sei­ten­wan­gen, die sich aber als viel zu weich ent­pup­pen. Au­ßer­dem fällt die Ober­schen­kel­auf­la­ge vorn wie hin­ten recht spär­lich aus. Wie es bes­ser geht, de­mons­triert der Clio mit kör­per­ge­recht kon­tu­rier­ten, op­tio­na­len Sport­sit­zen. 45 45

In punc­to Er­go­no­mie über­zeugt der Ci­tro­ën mit – im Ge­gen­satz zum Re­nault – groß­zü­gig di­men­sio­nier­ten Tür­ab­la­ge­fä­chern. Der C3-Bild­schirm bie­tet zu­dem ei­ne gu­te Auflösung, auch wenn die Me­nü-Sym­bo­le rechts und links da­von et­was grö­ßer sein könn­ten. Der 208 ist das ers­te Fahr­zeug der Mar­ke mit dem i-Cock­pit. Im Ver­gleich zu neue­ren Mo­del­len ver­deckt hier aber das kleine Lenk­rad je nach Sta­tur und Sitz­po­si­ti­on Tei­le der An­zei­ge-In­stru­men­te. Ein­mal in Fahrt punk­tet der Ci­tro­ën mit dem an­ge­nehms­ten Klang­bild, was sich vor al­lem auf Lang­stre­cken als sehr an­ge­nehm er­weist, wäh­rend in den In­nen­räu­men der Ri­va­len das Wohl­be­fin­den deut­lich stär­ker von Wind­und Ab­roll­ge­räu­schen ge­trübt wird. Auf der Au­to­bahn bü­gelt der C3 zu­dem Bo­den­u­n­eben­hei­ten weit­aus bes­ser aus als sei­ne Mit­strei­ter. Dar­an än­dert sich auch nichts, wenn ihm auf dem Test­ge­län­de die üb­le Mar­ter­stre­cke un­ter die Rä­der kommt. Voll­be­la­den braucht er sei­nen Fe­der­weg auf kur­zen Bo­den­wel­len al­ler­dings kom­plett auf. Die­ses Ver­hal­ten zeigt sein PSA-Kon­zern-

kon­kur­rent Peu­geot 208 dar­über hin­aus zu­sätz­lich auch noch auf Qu­er­rin­nen. Voll­be­la­den legt der Re­nault Clio da­ge­gen Neh­mer­qua­li­tä­ten an den Tag und meis­tert die stra­ßen­bau­li­chen Ge­mein­hei­ten et­was sou­ve­rä­ner sei­ne Kon­kur­ren­ten.

Mo­tor / Ge­trie­be

So­wohl der Ci­tro­ën als auch der Peu­geot wer­den vom bau­glei­chen 1.6 HDi-Mo­tor mit 99 PS an­ge­trie­ben, der sei­ne Kraft je­weils über ein Fünf­gang-Ge­trie­be an die Vor­der­rä­der schickt. Die Be­schleu­ni­gung des C3 von null auf 100 km/ h in 10,8 (Peu­geot 10,7 Se­kun­den) und die Höchst­ge­schwin­dig­keit von 185 km/ h (Peu­geot 187 km/ h) rei­chen im All­tag völ­lig aus. Der Ci­tro­ën lässt sich zu­dem be­son­ders schalt­faul fah­ren. Kein Wun­der, war­tet er doch im Test mit den bes­ten Elas­ti­zi­täts­wer­ten auf. Von 60 bis 100 km/ h be­nö­tigt er im vier­ten Gang le­dig­lich 7,5 Se­kun­den, und von 80 bis 120 km/ h im fünf­ten Gang ver­ge­hen nur 12,8 Se­kun­den. Sein Kon­zern­ri­va­le be­nö­tigt je­weils rund ei­ne Se­kun­de län­ger. Da kommt selbst der 110 PS star­ke 1.5 dCi-Mo­tor des Re­nault nicht mit. Sei­ne Kraft­ent­fal­tung ist da­für von ei­ner et­was hö­he­ren Dreh­freu­de ge­prägt. Den Stan­dard­sprint hakt der Clio in nur 9,7 Se­kun­den ab, und auch bei der Höchst­ge­schwin­dig­keit de­klas­siert er die Kon­kur­renz mit 190 km/ h. Als ein­zi­ger ver­fügt er zu­dem über ei­ne Sechs­gang-Schalt­box, die sich prä­zi­ser schal­ten lässt als die Fünf­gang-Ge­trie­be der PSA-Kon­kur­renz. An der Tank­stel­le hilft ihm das aber nicht, im Ge­gen­teil: Mit ei­nem Test­ver­brauch von 5,6 Li­tern liegt er 0,7 Li­ter über den Wer­ten von C3 und 208. Be-

acht­lich: Als Spar­fuchs-Ver­brauch re­gis­trie­ren wir beim Ci­tro­ën nur 3,8 Li­ter pro 100 Ki­lo­me­ter.

Fahr­dy­na­mik

Auf dem Hand­ling-Kurs zeigt der C3 bei Kur­ven­fahrt ein deut­lich hö­he­res Grip-Ni­veau als der 208, der schon bei ge­rin­ge­ren Kur­ven­tem­pi zum Un­ter­steu­ern an­setzt. Die Ci­tro­ën-Len­kung be­nö­tigt für Rich­tungs­än­de­run­gen re­la­tiv gro­ße Lenk­win­kel, ver­mit­telt aber mehr Fahr­bahn­kon­takt und ver­langt et­was nied­ri­ge­re Hal­te­kräf­te als die des 208. Pro­vo­zier­te Aus­weich­ma­nö­ver bei hö­he­ren Tem­pi fängt das ESP des C3 stets si­cher ab. Doch geht der Schleu­der­schutz ins­ge­samt – wie auch der des Peu­geot – et­was über­vor­sich­tig zu Wer­ke, was auf das fahr­dy­na­mi­sche Tem­pe­ra­ment drückt. Da­von bringt der Re­nault Clio ei­ne gan­ze Men­ge mit, was wie­der mal be­weist, dass sich auch Ver­nunf­t­au­tos und Fahr­ver­gnü­gen nicht aus­schlie­ßen. Sei­ne straf­fe Fahr­werks­ab­stim­mung un­ter­drückt all­zu gro­ße Auf­bau­be­we­gun­gen in Wech­sel­kur­ven recht er­folg­reich, und das Ein­lenk­ver­hal­ten ist et­was spon­ta­ner als das der Kon­kur­ren­ten. Wie beim Ci­tro­ën dürf­ten die Lenk­win­kel al­ler­dings et­was klei­ner aus­fal­len. Sei’s drum: Der Clio über­nimmt fahr­dy­na­misch den sport­li­chen Part in­ner­halb des Tri­os, was sich auch bei den Brems­mes­sun­gen be­merk­bar macht. Mit war­mer An­la­ge kommt er be­reits nach 34,5 Me­tern aus 100 km/ h zum Still­stand, der Ci­tro­ën lie­fert mit 35,5 Me­tern da­ge­gen den kür­zes­ten Kalt­brems­weg.

Um­welt / Kos­ten

Der Ci­tro­ën ist nicht nur beim test­re­le­van­ten Preis der Güns­tigs­te, er ver­ur­sacht auch den ge­rings­ten Wert­ver­lust. Zu­sam­men mit den nied­rigs­ten Kraft­stoff­kos­ten si­chert ihm das den Ka­pi­tel­sieg. Bei den Auf­wen­dun­gen für den Die­sel­kraft­stoff ist der Peu­geot zwar ge­nau­so güns­tig, ver­ur­sacht laut ADAC aber die höchs­ten Werk­statt­kos­ten. Auch in der Ver­si­che­rung ist der 208 der Teu­ers­te. Den­noch kann er sich in die­sem Ka­pi­tel noch knapp vor den Re­nault schie­ben, dem hier die höchs­ten Sprit­kos­ten den Sieg ver­der­ben.

Mit sei­ner Kunst­stoff­be­plan­kung tritt der C3 recht rus­ti­kal auf Klein­wa­gen · Ver­gleichs­test Ci­troēn

Die Ar­ma­tu­ren sind gut ab­les­bar, die Be­die­nung des Fran­zo­sen gibt kei­ne Rät­sel auf

Die Fahr­hil­fen wer­den auf dem über­sicht­li­chen Touch­screen ak­ti­viert

Im Fond bie­tet der C3 ei­nen für die Klein­wa­gen­klas­se be­acht­li­chen Sitz­kom­fort

Die Vor­der­sit­ze sind dank der an­ge­neh­men Pols­ter auch lang­stre­ck­en­taug­lich

Bei be­herz­ter Kur­ven­fahrt schiebt der 208 früh über die Vor­der­rä­der Peu­geot

Das kleine Lenk­rad ver­deckt je nach Ein­stel­lung Tei­le der Ar­ma­tu­ren

Das sta­ti­sche Kur­ven­licht gibt es erst in der höchs­ten Aus­stat­tungs­stu­fe Allu­re

Vor­der­sit­ze mit kör­per­ge­rech­ter Kon­tu­rie­rung, aber zu wei­chen Wan­gen

Auf der Rück­bank bie­tet der Peu­geot zu we­nig Ober­schen­kel­auf­la­ge

Mit der grau-sil­ber­nen Heck­schür­ze auf Sport ge­trimmt, ver­kör­pert der Clio sei­ne dy­na­mi­schen Ta­len­te auch op­tisch Re­nault

Das grif­fi­ge Lenk­rad und der kna­ckig ge­führ­te Schalt­he­bel die­nen dem Fahr­spaß

Er­leuch­tend: Die Voll-LEDSchein­wer­fer sind für den Clio mit 110-PS-Die­sel se­ri­en­mä­ßig

Pas­sen wie an­ge­gos­sen: die kom­for­ta­blen Sport­sit­ze des GT-Li­ne Pa­kets Plus

Straf­fe Pols­ter im Fond, aber man sitzt mit re­la­tiv stark an­ge­win­kel­te Bei­nen

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