Sven Mül­ler Vom Por­sche-Ju­ni­or zum -Werks­fah­rer

Car­re­ra- und Su­per­cup-Meis­ter Sven Mül­ler hat den Auf­stieg vom Por­scheJu­ni­or zum -Werks­fah­rer ge­schafft. Pri­vat pflegt er ein ru­hi­ges Hob­by

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gregor Mes­ser

„ Opa ver­mit­tel­te mir den Spaß am An­geln, Pa­pa am Renn­sport“

Motorsport und An­geln – zwei Sport­ar­ten, wie sie un­ter­schied­li­cher nicht sein kön­nen. Doch für Sven Mül­ler be­deu­tet das ei­ne wie das an­de­re: pu­re Ac­tion! 2016 war Mül­lers bis­lang er­folg­reichs­te Renn­sai­son: zehn Sie­ge im deut­schen Por­sche Car­re­ra Cup, da­zu drei Sie­ge im in­ter­na­tio­na­len Por­sche Su­per­cup. In bei­den Se­ri­en hat Mül­ler sei­nen Meis­ter ge­macht. Sei­ne bei­den ers­ten Ti­tel im Motorsport über­haupt be­deu­te­ten für Mül­ler di­cke Fische. Und sie mach­ten es den Ent­schei­dungs­trä­gern von Por­sche Motorsport leicht, den Rhein-Hes­sen nach drei Jah­ren Aus­bil­dung vom Sta­tus des Ju­ni­ors nun in die Eli­te ih­rer Werks­fah­rer zu be­för­dern. Aus­gleich fin­det der 24-Jäh­ri­ge zu Hau­se bei Bin­gen beim An­geln. Da sind Ru­he, Ge­duld, Aus­dau­er und Kon­zen­tra­ti­on ge­for­dert – wie im Renn­wa­gen. Wo die Na­he in den Rhein mün­det, ist sein Re­vier. Meis­tens frei­lich wirft er die Ru­te in sei­nem An­gel­club IKA im be­nach­bar­ten In­gel­heim aus. „Je­der Fisch ist wun­der­schön“, sagt Mül­ler, und wenn er vom An­geln er­zählt, wäh­nen sich sei­ne Zu­hö­rer fast in He­ming­ways Jahr­hun­dert-Ro­man „Der al­te Mann und das Meer“. „ Als klei­ner Bub ha­be ich in Spa­ni­en Gi­ant Tu­nas ge­se­hen, Rie­sen-Thun­fi­sche. Da­mals hat­te ich mir schon ge­wünscht: So et­was möch­te ich auch mal fan­gen.“Was Mül­ler schon ge­lun­gen ist: „Zwei bis drei St­un­den kämpfst du mit dem Tier, im­mer wie­der zerrt der Fisch an der An­gel, er schlaucht dich, er macht dich fer­tig – und da­nach brauchst du ei­ne Wo­che Er­ho­lung, weil dir die Ar­me vor lau­ter Mus­kel­ka­ter so schmer­zen.“Meist ent­lässt er die Fische wie­der in ih­re Na­tur, es geht ihm nur ums Fan­gen. „Manch­mal war­test du stun­den­lang – und es pas­siert gar nichts.“Al­les wie­der ein­pa­cken, heim­ge­hen. „Es ist mir aber auch schon pas­siert, dass ich ge­ra­de erst am Ufer an­ge­kom­men bin, mein Zelt auf­ge­baut und es mir ge­müt­lich ge­macht ha­be – zack!, beißt ei­ner an. So ist die Na­tur: Man kann das nicht vor­her­se­hen.“Be­vor sich Sven Mül­ler an sei­nem Teich aus­brei­tet, wählt er aus sei­nem Ar­senal da­heim bis zu drei Ru­ten her­aus. Da­zu un­ge­zähl­te Blin­ker, Kö- der, Lei­nen, Ha­ken. Auch Sport­fi­schen ist ein Ma­te­ri­al­sport. Sei­ne Lie­be frei­lich gilt ei­ner An­gel aus Bam­bus. Sie ist über 60 Jah­re alt. Ih­re fei­ne Pa­ti­na er­zählt von lan­gen Du­el­len zwi­schen Mensch und Tier. Auch Mül­ler kann von so manch di­ckem Fisch be­rich­ten: „Ein­mal stand ich in ei­nem kaum drei Me­ter brei­ten Sei­ten­arm der Na­he. Plötz­lich ein Wels! Gut an­dert­halb Me­ter lang, ein fet­ter Bur­sche und so schwer, dass mir der Kä­scher ge­bro­chen ist.“Auch ihn hat Mül­ler wie­der frei­ge­las­sen. Zum An­geln hat ihn sein Groß­va­ter ani­miert, zum Motorsport ge­lei­te­te ihn sein Va­ter. Micha­el Mül­ler, Kfz-Sach­ver­stän­di­ger und Be­sit­zer von drei GFÜ-Prüf­stel­len, star­te­te in den 90ern im Ford Pu­ma Cup, im Ci­tro­ën Sa­xo Cup und auf der Langstre­cke am Nür­burg­ring. Erst­mals ins Kart setz­te der Va­ter sei­nen vier­jäh­ri­gen Fi­li­us 1996 im ita­lie­ni­schen Cer­vo. Aus der mun­te­ren Ur­laub­sat­trak­ti­on im Kin­der­kart wur­de ein Sport um Ti­tel und Po­ka­le – da war Mül­ler elf. Im Al­ter von 18 Jah­ren meis­ter­te er den Ein­stieg in die For­mel ADAC, wo er flugs zum hart­nä­cki­gen Dau­er­ri­va­len von Pas­cal Wehr­lein avan­cier­te. „ Der rich­ti­ge Ehr­geiz hat mich aber erst 2011 in der For­mel 3 ge­packt“, un­ter­streicht Mül­ler, „da ha­be ich mir in den Kopf ge­setzt: Ich will Pro­fi wer­den.“Da­zu zähl­te für den FachA­bitu­ri­en­ten auch die Aus­bil­dung zum Mecha­tro­ni­ker: „Da­mit woll­te ich mir das tech­ni­sche Ver­ständ­nis an­eig­nen, das ich als Back­ground brau­che, da­mit ich den In­ge­nieu­ren und Mecha­ni­kern ei­ne bes­se­re Rück­mel­dung ge­ben kann“, be­tont Mül­ler. Künf­tig wird der Jung­pro­fi im GT-Sport ein­ge­setzt. „Die gro­ßen Langstre­cken­klas­si­ker ha­ben es mir an­ge­tan.“Mül­ler hat neue Zie­le im Vi­sier: „Day­to­na, Se­bring, Le Mans, Nür­burg­ring.“Dort zu tri­um­phie­ren, das wä­ren mal wirk­lich gro­ße Fische.

Hecht am Ha­ken Mül­ler freut sich mit sei­nem Club­ka­me­ra­den am Ika­see in In­gel­heim über den ge­lun­ge­nen Fang Su­per­cup­Cham­pi­on Im Car­re­ra von Wal­ter Lech­ner sieg­te Mül­ler in Spiel­berg, Sil­vers­to­ne und Bu­da­pest

Mit Te­am­chef Franz Kon­rad: 2017 hol­te Mül­ler zehn Car­re­ra Cup-Sie­ge, sie­ben da­von in Fol­ge

GasTstart im Werks-911 RSR beim WEC-Lauf 2015 au­to zei­tung 3 | 17 in Spa: Mül­ler ab­sol­vier­te sein GT-De­büt auf Rang drei

Erz­ri­va­le In der For­mel ADAC du­el­lier­te sich Mül­ler mit dem heu­ti­gen For­mel-1-Pi­lo­ten Pas­cal Wehr­lein (l.)

Das Ers­te

Mal Ei­ne Fahrt im Kart er­leb­te der vier­jäh­ri­ge Sven im Ur­laub im ita­lie­ni­schen Cer­vo

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