Trumps Au­to­welt

Der neue US-Prä­si­dent Do­nald Trump möch­te bis zu 35 Pro­zent Straf­zöl­le auf in die USA im­por­tier­te Au­tos er­he­ben – und er be­klagt, dass die Deut­schen zu we­nig ame­ri­ka­ni­sche Au­tos kau­fen

AUTO ZEITUNG - - MEINUNG -

Nach dem Wil­len von Do­nald Trump sol­len Au­tos, die in den USA ver­kauft wer­den, auch dort ge­baut wer­den. Ins­be­son­de­re für die deut­schen Au­to­mo­bil­her­stel­ler ist dies ein Pau­ken­schlag, denn von den in den USA rund 1,3 Mil­lio­nen ver­kauf­ten deut­schen Fahr­zeu­gen in 2016 wur­de ein Groß­teil in Me­xi­ko ge­baut. Dort sind nicht nur die Löh­ne ge­rin­ger, son­dern das Land er­mög­licht durch das NAFTA-Ab­kom­men auch den Frei­han­del mit 50 Län­dern. Macht Trump Ernst, könn­te er per Prä­si­den­ten­de­kret das Ab­kom­men in­ner­halb von zwei bis vier Wo­chen auf­kün­di­gen und die Um­set­zung sei­ner Ein­fuhr­zöl­le in die We­ge lei­ten. Dass Trump sich ge­ra­de die Au­to­mo­bil­in­dus­trie zur Brust nimmt, hängt auch mit sei­ner po­pu­lis­ti­schen Po­li­tik zu­sam­men. Denn Au­to­mo­bil­her­stel­ler sind nun mal be­kann­ter als die Ver­tre­ter an­de­rer Bran­chen. Mit rund 17,5 Mil­lio­nen Fahr­zeug­zu­las­sun­gen im ver­gan­ge­nen Jahr ist der US-ame­ri­ka­ni­sche Markt zu­sam­men mit Chi­na der Größ­te der Welt. In der ar­beits­in­ten­si­ven Au­to­in­dus­trie lie­ßen sich am schnells­ten neue Jobs schaf­fen, so Trumps Kal­kül. Fa­tal wä­re es ins­be­son­de­re für Au­di und BMW, denn die In­gol­städ­ter ha­ben erst im Sep­tem­ber ein neu­es Werk in Me­xi­ko er­öff­net, wo der neue Q5 ge­baut wird, und BMW plant ab 2019 dort eben­falls ei­ne neue Pro­duk­ti­ons­stät­te, in der der nächs­te 3er pro­du­ziert wird. Au­to­mo­bil­wer­ke sind teu­er. Ein neu­es Werk mit den Fer­ti­gungs­stra­ßen ein­zu­rich­ten, ver­schlingt et­wa ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro an Kos­ten. Und auch die In­fra­struk­tur mit den Zu­lie­fe­rern be­darf ei­ner be­son­de­ren Lo­gis­tik. So et­was reißt man nicht wie ei­ne Bret­ter­bu­de ein­fach ab, die man dann an ei­nem an­de­ren Ort wie­der zu­sam­men­na­gelt. Dass Trump kein Meis­ter tief­ge­hen­der Ana­ly­sen ist, hat er nicht nur im Wahl­kampf be­wie­sen, son­dern auch mit der Aus­sa­ge: „Die Deut­schen soll­ten mehr ame­ri­ka­ni­sche Au­tos kau­fen.“Mit et­was Nach­hil­fe in Ge­schich­te wüss­te der Prä­si­dent, dass die ame­ri­ka­ni­schen Her­stel­ler ihr Glück in Deutsch­land be­reits ver­sucht ha­ben, aber kläg­lich schei­ter­ten, weil die meis­ten Pro­duk­te ein­fach nicht kon­kur­renz­fä­hig wa­ren. Es ist noch nicht lan­ge her, dass sich Dodge und Chrys­ler vom deut­schen Markt zu­rück­ge­zo­gen ha­ben. Und auch Chev­ro­let hat vor gut zwei Jah­ren die Reiß­lei­ne ge­zo­gen: Zu schlech­te Qua­li­tät, hö­he­re Ver­bräu­che, ein lü­cken­haf­tes Ver­triebs­netz – da­mit konn­ten die deut­schen Kun­den nicht ge­lockt wer­den. Zum Au­to­bau­en ge­hört eben im­mer noch so­li­des Hand­werk statt ei­nes gro­ßen Mund­werks, Mr. Pre­si­dent. Dass die USA­me­ri­ka­ner aber durch­aus auch gu­te Au­tos bau­en kön­nen, be­wei­sen die Cor­vet­te, der neue Cama­ro oder der Ca­dil­lac CTS-V. Aber auch hier feh­len Mar­ke­ting und Ver­trieb. Kaum ei­ner in Deutsch­land weiß, was die­se Au­tos kön­nen. Bleibt ab­zu­war­ten, ob am En­de al­les so heiß ge­ges­sen wird, wie es ge­kocht wird. Tat­sa­che ist je­doch, dass Trump das Han­dels­bi­lanz­de­fi­zit der USA von 55,8 Mrd. Dol­lar ver­rin­gern möch­te. Dass die deut­sche In­dus­trie und Po­li­tik Trumps Aus­sa­gen aber ernst neh­men, dar­an be­steht kein Zwei­fel: Der Ver­band der Au­to­mo­bil­in­dus­trie (VDA) und der Bun­des­ver­band der Deut­schen In­dus­trie (BDI) sol­len an­geb­lich schon Pa­ke­te schnü­ren, um die­se Kanz­le­rin Mer­kel für ih­ren nächs­ten Be­such mit­zu­ge­ben.

Stopp, nicht mit mir: Do­nald Trump möch­te bis zu 35 Pro­zent Straf­zöl­le auf im­por­tier­te Au­tos er­he­ben

Vol­ker Ko­erdt, Chef­re­dak­teur

Kläg­lich ge­schei­tert: Mit Au­tos wie dem schlecht ver­ar­bei­te­ten Dodge Ca­li­ber hat­ten die US-Her­stel­ler kein Glück

Ein Bei­spiel für ge­lun­ge­nen ame­ri­ka­ni­schen Au­to­bau: der Chev­ro­let Cama­ro mit bul­li­gem V8 für rund 46.000 Eu­ro

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