Geld oder Au­to

Wer sei­nen Chef über­zeugt, statt ei­ner Ge­halts­er­hö­hung ei­nen Di­enst­wa­gen zu spen­die­ren, kann ei­ni­ges spa­ren

AUTO ZEITUNG - - BUSINESS-EDITION - Klaus Jus­ten

Zwei Din­ge sind es, die Mit­ar­bei­ter als Zu­satz­leis­tung zum Ge­halt be­son­ders schät­zen: die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung und ei­nen Fir­men­wa­gen. Den Mo­ti­va­ti­ons­fak­tor Fir­men­wa­gen kön­nen sich Un­ter­neh­men zu­nut­ze ma­chen. Das spart al­len Be­tei­lig­ten Geld – wenn man das Mo­dell Ge­halts­ver­zicht wählt. Meist wird da­für ei­ne an­ste­hen­de Ge­halts­er­hö­hung ein­ge­setzt. Man kann zwar auch das ver- ein­bar­te Brut­to­ge­halt wie­der re­du­zie­ren, das geht aber nicht un­be­grenzt – auf Ta­rif­be­stand­tei­le darf zum Bei­spiel nicht ver­zich­tet wer­den. Au­ßer­dem gilt der Lohn­ver­zicht nur für künf­ti­ge Mo­na­te, nicht et­wa rück­wir­kend fürs ab­ge­lau­fe­ne Jahr. Ein Au­to-ge­gen-Ge­halt-Ge­schäft könn­te in der Pra­xis so aus­se­hen: Ein Mit­ar­bei­ter wird be­för­dert, sein Ge­halt wür­de ei­nen Sprung ma­chen – von 50.000 Eu­ro im Jahr auf 56.000 Eu­ro. Al­ler­dings wür­den sich auch Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben be­trächt­lich er­hö­hen. Mit sei­nem Ar­beit­ge­ber ver­ein­bart die­ser Mit­ar­bei­ter des­halb, dass er statt der Ge­halts­er­hö­hung ei­nen Fir­men­wa­gen er­hält, der auch pri­vat ge­nutzt wer­den darf. Die Fir­ma be­sorgt das Au­to über ei­nen Full­ser­vice-Lea­sing­ver­trag (sie­he Re­chen­bei­spiel) mit mo­nat­li­chen Kos­ten von knapp 540 Eu­ro.

Zu­sätz­lich über­nimmt die Fir­ma die Tank­rech­nun­gen, die bei an­ge­setz­ten 20.000 Ki­lo­me­tern für den Sko­da Oc­ta­via Combi 2.0 TDI bei rund 1200 Eu­ro lie­gen. Das Un­ter­neh­men ist groß­zü­gig, weil das Fahr­zeug je­des Jahr auch rund 4000 Ki­lo­me­ter auf Ge­schäfts­rei­sen be­wegt wird. Wür­de der Mit­ar­bei­ter da­für, wie bis­her, sein Pri­vat­au­to nut­zen, kos­te­te dies das Un­ter­neh­men 1200 Eu­ro Ki­lo­me­ter­geld. Für den Mit­ar­bei­ter stellt sich das Mo­dell – trotz des Ver­zichts auf brut­to 6000 Eu­ro mehr im Jahr – eben­falls po­si­tiv dar: Von der Ge­halts­er­hö­hung blie­be ihm net­to nur die Hälf­te üb­rig. Da­von könn­te er sich bei Wei­tem kei­nen ver­gleich­ba­ren Pri­vat­wa­gen leis­ten. Un­ge­scho­ren kommt er na­tür­lich nicht da­von, bei ihm schlägt die Di­enst­wa­gen­steu­er auf den geld­wer­ten Vor­teil durch. Der sum­miert sich für den gut aus­ge­stat­te­ten Oc­ta­via mit täg­lich 15 Ki­lo­me­ter Ar­beits­weg auf knapp 6085 Eu­ro. Da­für muss er kei­nen mü­den Cent mehr für ein ei­ge­nes Au­to aus­ge­ben. Leis­tet er sich da­ge­gen den glei­chen Oc­ta­via mit den glei­chen Lea­sing­kon­di­tio­nen, so hat er samt selbst- be­zahl­tem Die­sel am Jah­res­en­de rund 7000 Eu­ro we­ni­ger ver­füg­ba­res Ein­kom­men. Die Ent­schei­dung, das Ge­halts­ver­zichts-Mo­dell dem ei­nen Mit­ar­bei­ter an­zu­bie­ten, dem an­de­ren nicht, muss auf nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den ba­sie­ren. Au­ßer­dem ist der Di­enst­wa­gen ein Ge­halts­be­stand­teil, der Chef kann ihn nicht ein­fach wie­der weg­neh­men. In den meis­ten Fäl­len lohnt sich das Mo­dell. Faust­re­gel ist: Ein Ge­halts­ver­zicht in Hö­he der Lea­sing­ra­te rech­net sich für Ar­beit­ge­ber und -neh­mer.

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