Ti­tel oh­ne Wert?

Volks­wa­gen hat trotz des Die­sel-Skan­dals 2016 To­yo­ta als Num­mer eins ab­ge­löst und ist nun selbst der welt­größ­te Au­to­mo­bil­her­stel­ler

AUTO ZEITUNG - - MEINUNG - Vol­ker Ko­erdt, Chef­re­dak­teur

End­lich mal wie­der gu­te Nach­rich­ten aus Wolfs­burg: Der VW-Kon­zern ver­kauf­te im ver­gan­ge­nen Jahr mit al­len Mar­ken 10,31 Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge und ver­wies da­mit To­yo­ta (10,18 Mil­lio­nen) – im­mer­hin vier Jah­re die Num­mer eins – auf Rang zwei. An­ge­sichts der an­hal­ten­den Kri­tik, der schlech­ten Pres­se und des Un­muts vie­ler Kun­den ist dies mehr als ein Ach­tungs­er­folg. Es war im­mer das gro­ße Ziel des ehe­ma­li­gen VW-Chefs Mar­tin Win­ter­korn ge­we­sen, mit VW der welt­größ­te Her­stel­ler zu wer­den. Nun hat es der Kon­zern oh­ne ihn ge­schafft – oder trotz sei­nes die Exis­tenz des VW-Kon­zerns be­dro­hen­den Er­bes. Wie man es nimmt. Auch wenn VW in den USA wei­te­re For­de­run­gen von wohl 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro für die Sechs­zy­lin­derDie­sel von Au­di be­glei­chen muss und Ex-VWChef Win­ter­korn we­gen Be­trugs an­ge­zeigt ist – soll­te er schul­dig ge­spro­chen wer­den, dro­hen wei­te­re Scha­dens­er­satz­kla­gen von An­le­gern –, zeigt dies das im­mer noch gro­ße Ver­trau­en vie­ler Kun­den in die Mar­ken von VW. Die Welt­spit­ze er­obert man nicht so ein­fach, wenn nicht die Au­tos top wä­ren. Auch ei­ne ge­wis­se Ent­täu­schung über das Ver­hal­ten von VW scheint die Kun­den kaum da­von ab­zu­hal­ten, wei­ter Au­tos zu kau­fen. Dies gilt be­son­ders für Chi­na, wo al­lein die Mar­ke VW in­zwi­schen mehr als die Hälf­te ih­rer Fahr­zeu­ge an den Mann bringt: Zu­sam­men mit den an­de­ren Kon­zern­mar­ken kam VW 2016 auf 4.318.700 Ex­em­pla­re. Hier ist der Die­sel-Skan­dal kein The­ma. Fe­dern las­sen muss­te Volks­wa­gen da­ge­gen in den USA, und auch in Deutsch­land leg­ten die Wolfs­bur­ger den Rück­wärts­gang ein. Ein Markt­an­teil­ver­lust von knapp zwei Pro­zent ist in ei­nem wach­sen­den Markt, in dem es fast nur Sie­ger gab, zwar ge­ra­de noch zu ver­schmer­zen. Al­ler­dings traf es ei­ni­ge Mo­del­le hier­zu­lan­de be­son­ders hart. So ver­zeich­ne­te der Tou­ran ei­nen Ver­kaufs­rück­gang von fast 30 Pro­zent, und auch den Pas­sat er­wisch­te es mit mi­nus 17 Pro­zent hef­tig. In Em­den, wo der Pas­sat ge­fer­tigt wird, wur­de des­halb für ei­ni­ge Ta­ge schon die Pro­duk­ti­on aus­ge­setzt. „2017 möch­te VW wie­der durch­star­ten, ins­be­son­de­re wenn die Pro­ble­me in den USA weit­ge­hend auf­ge­ar­bei­tet sind“, sagt Ver­triebs- und Mar­ke­ting-Vor­stand Jür­gen St­ack­mann. Aber es sind po­li­tisch un­si­che­re Zei­ten. Ge­ra­de in den USA droht durch Do­nald Trumps An­dro­hung, Au­tos aus Me­xi­ko mit Straf­zöl­len zu be­le­gen, für VW wei­te­res Un­ge­mach: Jet­ta, Beet­le und der All­s­pace – ein sie­ben­sit­zi­ger Ti­gu­an – wer­den in Me­xi­ko pro­du­ziert. Auch auf dem chi­ne­si­schen Markt, von dem Volks­wa­gen ex­trem ab­hän­gig ist, wer­den in die­sem Jahr Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen für den Kauf von Au­tos weg­fal­len. Dies dürf­te die Au­to­kon­junk­tur brem­sen. Doch der Kampf um die Kun­den ist VW si­cher al­le­mal lie­ber als der Kampf mit der ame­ri­ka­ni­schen Jus­tiz. So könn­te 2017 bei den Wolfs­bur­gern wie­der et­was Nor­ma­li­tät ein­keh­ren.

Der Tou­ran (l.) brach in den Ver­käu­fen ein, der At­las ist der Hoff­nungs­trä­ger in den USA

Ver­triebs­vor­stand Jür­gen St­ack­mann kann mit den Ver­käu­fen in 2016 zu­frie­den sein. 2017 soll die Mar­ke VW wei­ter wach­sen

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