Karl-Tho­mas Ne­u­mann Der Opel-Chef spricht über den Ver­kauf an PSA, wei­te­re SUV-Plä­ne und den neu­en In­si­gnia

Opel-Chef Karl-Tho­mas Ne­u­mann spricht über ei­nen mög­li­chen Ver­kauf von Opel, den neu­en In­si­gnia und die Zu­kunft der Rüs­sels­hei­mer

AUTO ZEITUNG - - INHALT -

Herr Ne­u­mann, ver­kauft GM Opel an PSA?

Im Jahr 2012 ha­ben GM und PSA ei­ne Al­li­anz ge­schlos­sen, die ge­gen­wär­tig drei ge­mein­sa­me Pro­jek­te in Eu­ro­pa um­fasst. Im Rah­men die­ser Al­li­anz prü­fen GM und PSA re­gel­mä­ßig die Mög­lich­kei­ten für wei­te­re Ko­ope­ra­tio­nen und die Aus­wei­tung die­ser Part­ner­schaft. Dies schließt ei­nen mög­li­chen Kauf von Opel durch PSA ein. Es gibt heu­te aber noch kei­ne Ga­ran­tie, dass ei­ne Ei­ni­gung er­zielt wird. Lei­der kann ich Ih­nen zum heu­ti- gen Zeit­punkt kei­ne wei­te­ren De­tails zu die­sem The­ma ge­ben.

Wel­che Er­war­tun­gen set­zen Sie in den neu­en In­si­gnia?

Er wird noch er­folg­rei­cher als der Vor­gän­ger. Er hat vie­le tech­ni­sche High­lights, kann al­les bes­ser als der Al­te und spricht da­mit ei­nen grö­ße­ren Kun­den­kreis an.

Der In­si­gnia ist der An­fang ei­ner gro­ßen Mo­dell­of­fen­si­ve von Opel in die­sem Jahr …

Ja, un­se­re De­vi­se lau­tet: 7 in 2017. Das be­deu­tet, dass die­ses Jahr ins­ge­samt sie­ben neue Mo­del­le kom­men. Da­von drei Va­ri­an­ten des In­si­gnia – als Grand Sport, Sports Tou­rer –, da­zu Vi­va­ro, Am­pe­ra-e, Grand­land X und Cross­land X. Das ist die größ­te Mo­dell­of­fen­si­ve in un­se­rer 155-jäh­ri­gen Ge­schich­te.

Die letz­ten bei­den Mo­del­le sind SUV.

Ja, das ist für uns ganz wich­tig, da­mit be­sei­ti­gen wir ei­ne Schwä­che in un­se­rem Port­fo­lio. Bis­lang hat­ten wir hier Karl Rocks, Adam Rocks und na­tür­lich Mok­ka X, un­ser dritt­wich­tigs­tes Mo­dell nach As­tra und Cor­sa. Die­ses Jahr kom­men die bei­den wei­te­ren SUV – und zum En­de der De­ka­de dann auch noch ein SUV- Flagg­schiff auf Ba­sis des In­si­gnia. Da­mit sind wir dann rich­tig gut auf­ge­stellt.

Was ha­ben wir beim In­si­gnia in Sa­chen EMo­bi­li­tät zu er­war­ten?

Ei­nen elek­tri­schen An­trieb pla­nen wir für un­ser Flagg­schiff nicht. Aber ei­nen Plug-in kön­nen wir uns ir­gend­wann vor­stel­len.

Wie sieht es aus in Sa­chen Au­to­no­mes Fah­ren?

Der neue In­si­gnia hat vie­les da­von an Bord: Ab­stands­ra­dar, Ein­par­kas­sis­tent für Quer- und Längs­park­lü­cken, Fuß­gän­ger­er­ken­nung, To­ter-Win­kel- so­wie Spur­hal­teas­sis­ten­ten mit ak­ti­vem Len­k­ein­griff. Wir glau­ben, dass das Au­to­no­me Fah­ren erst mit den Ro­boTa­xis kommt. Nur bei Un­ter­neh­men wie Lyft und Uber er­gibt das un­se­rer Mei­nung nach Sinn.

Ein an­de­res Reiz­the­ma ist der Die­sel. Wie se­hen Ih­re Pla­nun­gen da aus?

Wir pla­nen nicht, we­ni­ger Die­sel an­zu­bie­ten. Aber es ist zu be­fürch­ten, dass die Kun­den­ver­un­si­che­rung wei­ter an­hält.

Ist ein Drei­zy­lin­der im In­si­gnia denk­bar?

Das ist noch nicht ent­schie­den. Ge­ne­rell wer­den wir die An­zahl der Mo­to­ren künf­tig si­cher re­du­zie­ren. So sind et­wa Sechs­zy­lin­der bei Opel kein The­ma mehr. Die stän­dig ver­schärf­ten An­for­de­run­gen – et­wa Ben­zin-Par­ti­kel­fil­ter – ber­gen enorm hohe Kos­ten. Wir brau­chen die Res­sour­cen künf­tig auch für die E-Mo­bi­li­tät.

Ra­tio al­so vor Emo­tio­nen?

Wir ver­su­chen, un­se­re Au­tos sehr emo­tio­nal zu ge­stal­ten, et­wa mit der neu­en Aus­stat­tungs­li­nie OPC-Trim­li­ne – und wir wer­den auch den In­di­vi­dua­li­sie­rungs­grad künf­tig enorm stei­gern.

Opel hat 2016 so vie­le Au­tos ver­kauft wie schon lan­ge nicht mehr und den Markt­an­teil in Deutsch­land ge­stei­gert. Aber schwar­ze Zah­len ka­men nicht da­bei her­aus …

Ja, lei­der. Zu­erst kam der Rück­zug aus Russ­land – für uns ein wich­ti­ger Markt – und dann der Br­ex­it. Letz­te­rer hat schwer­wie­gen­de Fol­gen für un­ser Ge­schäft. Haupt­as­pekt sind die Wech­sel­kur­se des bri­ti­schen Pfun­des ge­gen­über Eu­ro und US-Dol­lar, die deut­lich ge­sun­ken sind. Das Ver­ei­nig­te Kö­nig­reich ist un­ser größ­ter Ein­zel­markt. Die dort ver­kauf­ten Fahr­zeu­ge – 2016 fast 290.000 Stück – wer­den von den Kun­den in Bri­ti­schen Pfund be­zahlt. Das be­deu­tet um­ge­rech­net in Eu­ro und Dol­lar ge­rin­ge­re Er­lö­se als vor dem Br­ex­it. Wir pro­du­zie­ren zwar im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich in zwei Wer­ken, was ei­nen ge­wis­sen „na­tür­li­chen Schutz“vor Wech­sel­kurs­schwan­kun­gen be­deu­tet. Al­ler­dings fer­ti­gen wir dort et­wa 100.000 Au­tos we­ni­ger, als wir dort ver­kau­fen. Zu­dem kau­fen wir die zur lo­ka­len Pro­duk­ti­on not­wen­di­gen Ma­te­ria­li­en über­wie­gend im Eu­ro- und im Dol­lar-Raum ein. Die Zu­lie­fe­run­gen sind so­mit viel teu­rer ge­wor­den, was un­ser Er­geb­nis eben­falls be­las­tet.

Was be­deu­tet das für das Jahr 2017?

Das heißt, dass wir mit ei­ner zu­sätz­li­chen Be­las­tung von 300 Mil­lio­nen Eu­ro für die­ses Jahr rech­nen müs­sen. Wir wer­den vom Er­geb­nis et­wa so wirt­schaft­lich sein wie 2016. Den­noch wer­den wir vom Vo­lu­men her wach­sen, da bin ich mir si­cher. Mit sie­ben neu­en Mo­del­len im Markt wol­len wir er­folg­rei­cher sein. Wir kön­nen und wol­len uns nicht zum Er­folg spa­ren. Wir wis­sen, dass wir oh­ne den Br­ex­it deut­lich pro­fi­ta­bel ge­we­sen wä­ren. Wir set­zen uns selbst sehr un­ter Druck, die­ses Ziel 2018 zu er­rei­chen.

Das Ge­spräch führ­te Vol­ker Ko­erdt.

Opel-Chef Karl-Tho­mas Ne­u­mann plant sie­ben neue Mo­del­le in 2017

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.