Deut­sche Her­stel­ler in den USA Nach den Dro­hun­gen von Trump – wie ab­hän­gig sind VW & Co. wirk­lich?

Do­nald Trump be­klagt die Do­mi­nanz der deut­schen Au­to­her­stel­ler in den USA und kün­digt Kon­se­quen­zen an. Doch gibt es die­ses Un­gleich­ge­wicht wirk­lich? Und wie ab­hän­gig sind VW und Co. von Ame­ri­ka?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Mar­kus Bach

Nach nur ei­nem Mo­nat im Amt hat sich der neue US-Prä­si­dent mit zahl­rei­chen Ak­teu­ren an­ge­legt: Um­welt­schüt­zern, Bür­ger­recht­lern, dem Si­li­con Val­ley und na­tür­lich den Me­di­en. Auch ge­gen­über der Au­to­in­dus­trie, be­son­ders den deut­schen Her­stel­lern, geht Do­nald Trump auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs. Er wirft den Deut­schen vor, die USA mit ih­ren Au­tos zu flu­ten, selbst aber kei­ne ame­ri­ka­ni­schen Mo­del­le zu kau­fen: „Wie vie­le Chev­ro­let se­hen Sie in Deutsch­land? Es ist ei­ne Ein­bahn­stra­ße.“Schließ­lich droht er mit 35 Pro­zent Straf­zoll auf je­des Fahr­zeug, das in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten im­por­tiert wird. Die deut­schen Au­to­kon­zer­ne sind ein klug ge­wähl­tes Ziel: Sie ste­hen sym­bol­haft für die Ex­port­stär­ke der Bun­des­re­pu­blik. Au­ßer­dem setzt die Bran­che wie kei­ne zwei­te auf die Glo­ba­li­sie­rung und pro­fi­tiert vom welt­wei­ten Frei­han­del. Doch stim­men die Vor­wür­fe des US-Prä­si­den­ten über­haupt? Und ist die deut­sche Au­to­in­dus­trie wirk­lich so stark vom ame­ri­ka­ni­schen Markt ab­hän­gig, wie vie­le selbst­er­nann­te Ex­per­ten be­haup­ten? Zwar be­klagt Trump, dass in Tei­len New Yorks fast je­der ei­nen Mer­ce­des vor sei­nem Haus ste­hen ha­be, aber die Ver­kaufs­zah­len er­ge­ben ein an­de­res Bild: Die Stutt­gar­ter ka­men 2016 als er­folg­reichs­te deut­sche Mar­ke in den USA auf ei­nen be­schei­de­nen Markt­an­teil von 1,9 Pro­zent. VW und BMW lie­gen mit je­weils 1,8 Pro­zent knapp da­hin­ter. Zum Ver­gleich: Kia hat in Deutsch­land ei­nen ge­nau­so ho­hen Markt­an­teil. Ge­mein­sam kom­men al­le deut­schen Her­stel­ler in den USA auf sie­ben Pro­zent. Al­lein der ko­rea­ni­sche Hy­un­dai-Kon­zern ver­kauft in Ame­ri­ka rund 175.000 Neu­wa­gen pro Jahr mehr als al­le deut­schen Fir­men zu­sam­men. Rich­tig ist aber auch, dass Mer­ce­des, BMW und Au­di in den USA ne­ben Le­xus und Ca­dil­lac zu den fünf er­folg­reichs­ten Pre­mium­mar­ken ge­hö­ren. Was Do­nald Trump je­doch über­ra­schen wür­de: Die US-Au­to­bau­er sind in Deutsch­land viel stär­ker als an­ge­nom­men. Zwar hat Ge­ne­ral Mo­tors sei­ne Mar­ke Chev­ro­let 2015 aus We­st­eu­ro­pa zu­rück­ge­zo­gen – da­mit woll­ten die Ame­ri­ka­ner ih­re Toch­ter Opel stär­ken, die bei uns auf ei­nen Markt­an­teil von 7,3 Pro­zent

kommt. Knapp da­hin­ter liegt der US-Kon­zern Ford mit 7,2 Pro­zent. Rech­net man noch die Mar­ke Jeep da­zu, er­rei­chen die Ame­ri­ka­ner in Deutsch­land ei­nen Markt­an­teil von 14,9 Pro­zent. Das lohnt sich auch fi­nan­zi­ell: Ford hat 2016 in Eu­ro­pa ei­nen Re­kord­ge­winn vor Steu­ern von rund 1,1 Mil­li­ar­den Eu­ro er­zielt. Von ei­nem Un­gleich­ge­wicht zum Scha­den der USA kann al­so kei­ne Re­de sein. Da über­rascht es nicht, dass auch die glo­ba­le Be­deu­tung des ame­ri­ka­ni­schen Markts für die deut­schen Her­stel­ler eher ge­rin­ger aus­fällt als er­war­tet. Zwar sind die USA mit 17,6 Mio. Neu­zu­las­sun­gen in 2016 nach Chi­na der zweit­größ­te Au­to­markt der Welt. Doch ge­ra­de im Ver­gleich zur Volks­re­pu­blik zeigt sich die über­schätz­te Be­deu­tung des US-Markts: Die Mar­ke VW et­wa setzt nur 5,4 Pro­zent ih­rer Neu­wa­gen in den USA ab, auf Chi­na ent­fal­len da­ge­gen sat­te 50,1 Pro­zent. Mer­ce­des ver­kauft 16,3 Pro­zent sei­ner Au­tos in Ame­ri­ka und 22,7 Pro­zent in der Volks­re­pu­blik. Zu­dem pro­du­zie­ren VW und Co. schon heu­te vie­le Mo­del­le in den USA. So be­fin­det sich das welt­weit größ­te BMW-Werk in South Ca­ro­li­na. Iro­nisch: Da fast al­le X-Mo­del­le für den Welt­markt in Ame­ri­ka ge­baut wer­den, ge­hört BMW zu den füh­ren­den Ex­por­teu­ren der USA. Ins­ge­samt pro­du­zier­ten die drei deut­schen US-Wer­ke 2016 rund 850.000 Neu­wa­gen. Den­noch könn­ten die von Do­nald Trump an­ge­droh­ten Zöl­le ge­gen­über Me­xi­ko zum Pro­blem wer­den. Der VW Jet­ta, mit 121.107 Ver­käu­fen der deut­sche Best­sel­ler in den USA, stammt aus dem me­xi­ka­ni­schen Pue­b­la. Auch Au­di, Mer­ce­des und BMW set­zen auf das Nach­bar­land und ha­ben be­reits Mil­li­ar­den in neue Wer­ke in­ves­tiert. Doch hier über­schätzt Trump sei­nen Ein­fluss: Da Me­xi­ko Frei­han­dels­ab­kom­men mit über 50 Län­dern ge­schlos­sen hat, ist die Pro­duk­ti­on der Deut­schen für den Welt­markt aus­ge­legt. Die USA sind zwar ein gro­ßer, je­doch eben nur ein mög­li­cher Ab­satz­markt. Aber die Dro­hun­gen von Do­nald Trump zei­gen vor al­lem, wie über­holt der Be­griff der Na­ti­on im mo­der­nen Au­to­mo­bil­bau ist: Die meis­ten von ihm an­ge­grif­fe­nen Mer­ce­des stam­men zu­meist aus Ala­ba­ma, und die ge­lob­ten Chev­ro­let aus Me­xi­ko oder Ka­na­da …

VW Jet­ta Aus­ge­rech­net der Best­sel­ler un­ter den deut­schen Au­tos in den USA wird in Me­xi­ko ge­baut

Mer­ce­des C-KLas­se Seit 2014 wird das Er­folgs­mo­dell auch im US-Werk in Tu­s­ca­loo­sa pro­du­ziert

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