Vans BMW 2er Ac­tive Tou­rer · Re­nault Scé­nic

Kan­tig, prak­tisch, ver­nünf­tig – lang­wei­lig? Das war ein­mal. Der Van von heu­te muss schnit­tig und schick sein. So wie der neue, 20-Zoll-be­reif­te Re­nault Scé­nic. Kräf­te­mes­sen mit dem Fa­mi­li­en­dy­na­mi­ker 2er Ac­tive Tou­rer aus dem Hau­se BMW

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Paul Eng­lert FO­TOS Da­nie­la Loof ]

Ein rich­ti­ger Bie­der­mann war der Scé­nic nie. Aus heu­ti­ger Sicht ist der 1996 noch als Mé­ga­ne-Ab­le­ger ge­star­te­te Kom­pakt­van zwar op­tisch eher ein Lan­ge­wei­ler, doch da­mals war er Vor­rei­ter und Top­sel­ler, weil es prak­tisch kei­ne Kon­kur­renz gab. Erst Jah­re spä­ter zo­gen die Wett­be­wer­ber mit Za­fi­ra, Tou­ran oder Pi­cas­so nach – und BMW brauch­te so­gar bis 2014 für den Schritt ins Van-Seg­ment. Der 2er Ac­tive Tou­rer bricht auch di­rekt mit ei­ner BMW-Kern­tu­gend: Vor­der- statt Hin­ter­rad­an­trieb. Au­ßer­dem ha­ben die Ein­stiegs­mo­to­ren nur drei Zy­lin­der – so wie der 116-PS-Die­sel im 216d-Test­wa­gen. Re­nault schickt mit der vier­ten Scé­nic-Ge­ne­ra­ti­on ei­nen Mix aus Van und SUV ins Ren­nen – üp­pi­ge Rä­der, reich­hal­ti­ge Aus­stat­tung und ed­le An­mu­tung in­klu­si­ve.

Ka­ros­se­rie

Im All­tags­stress zwi­schen Kin­der­gar­ten, Schu­le, Su­per­markt und Ar­beits­platz zäh­len prag­ma­ti­sche Din­ge wie Rau­m­an­ge­bot, Va­ria­bi­li­tät und Über­sicht­lich­keit. Zwar bie­tet der neue Scé­nic ein paar Li­ter mehr Ge­päck­vo­lu­men und darf mehr zu­la­den so­wie zie­hen als der Ac­tive Tou­rer. Da­für bie­tet der BMW ein gro­ßes Fach un­term La­de­bo­den, drei­ge­teilt um­klapp­ba­re Fond­leh­nen, ei­ne ver­schieb­ba­re Rück­bank (350 Eu­ro) und sei­nen ma­xi­mal fünf Pas­sa­gie­ren et­was mehr Raum – vor al­lem auf den äu­ße­ren Fond­plät­zen. Hin­ten­sit­zen­de im Re­nault ha­ben seit­lich spür­bar we­ni­ger Kopf­frei­heit, auch für Schul­tern so­wie El­len­bo­gen feh­len ein paar Zen­ti­me­ter, und im Ge­gen­satz zu den BMWMit­fah­rern kön­nen Scé­nic-Hin­ter­bänk­ler ih­re Fü­ße nicht ganz un­ter die Vor­der­sit­ze schie­ben. Trotz­dem hält man es dort zu dritt auf der se­ri­en­mä­ßig ver­schieb­ba­ren Rück­bank bes­ser aus. Kei­ne gu­te Idee war es al­ler­dings, so wuch­ti­ge Ti­sche an die Vor­der­sitz­leh­nen zu schrau­ben, weil so die Bein­frei­heit enorm ein­ge­schränkt wird. Prak­tisch hin­ge­gen: Der um­klapp­ba­re Bei­fah­rer­sitz für lan­ges La­de­gut ist im Re­nault Se­rie (nicht mit elek­trisch ein­stell­ba­ren Sit­zen vorn), BMW ver­langt für die­ses

Der Fran­zo­se ist 136 Ki­lo schwe­rer und leis­tet 14 PS mehr als der Bay­er

Fahr­kom­fort

Für 490 Eu­ro of­fe­riert der Ac­tive Tou­rer sehr be­quem ge­schnit­te­ne Sport­sit­ze mit aus­zieh­ba­rer Ober­schen­kel­auf­la­ge, de­nen man nur ih­re et­was zu ge­rin­ge Brei­te an­krei­den kann. Im Re­nault-Test­wa­gen ist das Re­lax-Pa­ket für 590 Eu­ro ent­hal­ten – und bis auf die hart ge­pols­ter­ten, in der Tie­fe zwar ein­stell­ba­ren, aber nicht op­ti­mal ar­re­tier­ba­ren Kopf­stüt­zen löst es sein Ver­spre­chen mit Mas­sa­ge­funk­ti­on und groß­zü­gig ge­schnit­te­ner Bein­auf­la­ge ein. In punc­to Er­go­no­mie ge­fällt der mit vie­len prak­ti­schen Abla­gen aus­ge­stat­te­te 2er bes­ser, da­für kon­tert der Re­nault mit se­ri­en­mä­ßi­ger Zwei-Zo­nen-Kli­ma­au­to­ma­tik. Be­heiz­ba­re Sit­ze vorn kos­ten für bei­de Vans ex­tra, BMW bie­tet zu­dem ein be­heiz­ba­res Lenk­rad an. Beim The­ma Fe­de­rung hat der ad­ap­tiv ge­dämpf­te BMW (500 Eu­ro) die Na­se vorn: Er fil­tert Une­ben­hei­ten al­ler Art deut­lich ef­fi­zi­en­ter her­aus als der Re­nault, des­sen Hin­ter­ach­se auf Kan­ten und Fu­gen mit zu­neh­men­der Be­la­dung tro­cken und bo­ckig an­spricht.

Mo­tor / Ge­trie­be

Ob­wohl der Scé­nic 14 PS mehr Leis­tung hat, be­nö­tigt er we­gen sei­nes hö­he­ren Ge­wichts 0,1 Se­kun­den län­ger für den Spurt von null auf 100 km/ h als der BMW. Da­für ab­sol­viert er dank sei­ner kür­ze­ren Ge­trie­be­über­set­zung schnel­le­re Zwi­schen­spurts. Und dass er mit 6,6 Li­tern auf 100 km nur mi­ni­mal mehr Die­sel braucht als der leich­te­re BMW (6,5 Li­ter) mit klei­ne­rem Mo­tor, liegt an sei­nem ef­fi­zi­en­ten Vier­zy­lin­der. Das Ag­gre­gat baut schon bei nied­ri­gen Dreh­zah­len mehr Druck auf als der kul­ti­vier­te Drei­zy­lin­der im 2er, der dank län­ge­rer Ge­trie­be-Über­set­zung im­mer 200 bis 300 Tou­ren lang­sa­mer dreht (100 km/ h: 1700 /min im sechs­ten Gang) als der Re­nault-Tur­bo­die­sel. Wer im 216d spon­tan über­ho­len will, schal­tet aber ein­fach schnell zu­rück durch ei­ne klar ge­führ­te Gas­se mit kur­zen We­gen. Im Scé­nic wirkt die Schalt­ku­lis­se hin­ge­gen et­was aus­ge­lei­ert, we­ni­ger kna­ckig und de­fi­niert.

Fahr­dy­na­mik

Ver­g­li­chen mit der BMW-Heck­trieb­ler-Frak­ti­on ist der 2er Ac­tive

Tou­rer an sich kei­ne Aus­bund an Dy­na­mik – im Ver­gleich zum Re­nault Scé­nic al­ler­dings schon. Auf ab­ge­sperr­tem Test­ge­län­de zeigt der Bay­er, dass er bei spon­ta­nen Aus­weich- oder Brems­ma­nö­vern mehr Re­ser­ven bie­tet, si­che­rer auf dem As­phalt liegt und so im Ernst­fall bes­ser ge­wapp­net ist, um ei­nen Un­fall zu ver­mei­den. Die sat­te Stra­ßen­la­ge mit den op­tio­na­len 17-Zöl­lern (700 Eu­ro) und die spon­tan agie­ren­de so­wie viel Rück­mel­dung bie­ten­de va­ria­ble Sport­len­kung (250 Eu­ro) schaf­fen Ver­trau­en ins Fahr­zeug, wo­durch man im zu­dem hö­her an­ge­sie­del­ten Grenz­be­reich ent­spann­ter un­ter­wegs ist. In Sa­chen Brems­weg ist der Re­nault dem BMW zwar dicht auf den Fer­sen, doch mit sei­nen im Ver­hält­nis zum Durch­mes­ser (20 Zoll) sehr schma­len Rei­fen (195 mm) kann der Scé­nic die Brem­sund Sei­ten­füh­rungs­kräf­te nicht so op­ti­mal auf die Stra­ße über­tra­gen wie der Ac­tive Tou­rer. Zu­dem ist sein Gera­de­aus­lauf mi­ni­mal ner­vö­ser. Und im Stadt­ver­kehr macht sich der grö­ße­re Wen­de­kreis des Re­nault be­merk­bar.

Um­welt / Kos­ten

Gut 1000 Eu­ro mehr muss man für den BMW 216d Ac­tive Tou­rer aus­ge­ben und be­kommt da­für we­ni­ger Aus­stat­tung als beim Re­nault Scé­nic (u.a. Kli­ma­au­to­ma­tik, Ein­park­hil­fe, Bei­fah­rer­sitz klapp­bar, DAB-Ra­dio). Der Fran­zo­se steht mit 28.490 Eu­ro in der Lis­te, in­klu­si­ve test­re­le­van­ter Ex­tras sind es 590 Eu­ro mehr (Test­wa­gen­ge­samt­preis: 35.840 Eu­ro). Auch bei der Wie­der­ver­kaufs­pro­gno­se macht er im Ver­gleich zum hier reich­hal­tig aus­ge­stat­te­ten Tes­tVan aus Bay­ern (be­wer­te­ter Preis: 31.590 Eu­ro, Test­wa­gen: 42.150 Eu­ro) eben­falls ei­ne bes­se­re Fi­gur. Ein paar Eu­ro mehr muss man al­ler­dings für Steu­er und War­tung des Scé­nic zah­len. Und auf­grund der schlech­ten Voll­kas­ko­ein­stu­fung (Typ­klas­se 24/1022 Eu­ro) fal­len die Ver­si­che­rungs­kos­ten deut­lich hö­her aus als für den 2er Ac­tive Tou­rer (663 Eu­ro). Ein Pfund des Scé­nic sind da­für die Ga­ran­tie­zei­ten: Re­nault ge­währt fünf Jah­re auf Tech­nik und Lack so­wie ei­ne un­be­grenz­te Mo­bi­li­täts­ga­ran­tie. BMW hin­ge­gen bie­tet le­dig­lich drei Jah­re auf Tech­nik so­wie An­strich und ver­spricht ge­ra­de mal fünf Jah­re Mo­bi­li­tät.

Au­tos im Test Bmw 216d Ac­tive Tou­rer 116 PS, 195 km/h, 6,5 l D/100 km, 29.650 Eu­ro Re­nault Scé­nic dCi 130 130 PS, 194 km/h, 6,6 l D/100 km, 28.490 Eu­ro

No­men est omen: Der BMW zir­kelt ak­ti­ver ums Eck, liegt sat­ter und ist ein­fach schnel­ler BMW

Ty­pi­sches BMW-Cock­pit mit Ana­log­in­stru­men­ten. Ein­fa­che Be­die­nung, gu­te Qua­li­tät

830 mm 640 mm 1010 mm 1650 mm Drei­ge­teilt klapp­ba­re Fond­leh­nen (Se­rie), gro­ßes Fach un­ter dem La­de­bo­den

Et­was eng an­lie­gen­de, an­sons­ten her­vor­ra­gend pas­sen­de Sport­sit­ze für 490 Eu­ro

Schal­ter für die Fahr­mo­di mit Wir­kung auf Len­kung, Fahr­werk und An­trieb

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