Smart For­four ED

Sein Re­vier ist die Groß­stadt, da ge­nü­gen klei­ne Reich­wei­ten, so Smart. Und so kommt auch der neue For­four ED nur knapp 160 Ki­lo­me­ter weit. Da­für ist er bil­li­ger als die Kon­kur­renz

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Tho­mas Gei­ger

Fünf­hun­dert­zwan­zig Ki­lo­me­ter – als Smart-Che­fin An­net­te Wink­ler zum ers­ten Mal von der Reich­wei­te des neu­en Opel Am­pe­ra-e hör­te, hät­te sie ei­gent­lich ins Gr­ü­beln kom­men müs­sen. Denn mit 155 km fährt ihr For­four ED nicht ein­mal ein Drit­tel so weit. Doch wenn es ums Geld geht, kehrt da­für das Lä­cheln um­so strah­len­der in ihr Ge­sicht zu­rück. Schließ­lich wird Opel sei­nen elek­tri­schen Hoff­nungs­trä­ger knapp un­ter 40.000 Eu­ro an­bie­ten, wäh­rend sie ei­nes der bil­ligs­ten Elek­tro­au­tos am Markt an­prei­sen kann: 22.600 Eu­ro kos­tet der Smart For­four ED, wenn er im Früh­jahr in den Han­del kommt. Da­für gibt es ein Elek­tro­au­to, das sich be­wusst der Auf­rüs­tung der Ak­kus ver­wei­gert, die ins Geld und ins Ge­wicht geht. Statt­des­sen fo­kus­siert sich der Elek­tro-Smart mit sei­ner 17,6-kWh-Bat­te­rie auf je­nes Ein­satz­ge­biet, in de­nen Stro­mer sinn­voll sind und er oh­ne­hin zu Hau­se ist: den Stadt­ver­kehr. Ne­ben dem güns­ti­ge­ren Fort­wo soll der nur 660 Eu­ro teu­re­re For­four zu­min­dest ei­nen klei­nen Mehr­wert bie­ten und lockt des- halb mit mehr Platz. Plötz­lich kon­kur­riert der Smart nicht mehr al­lein mit dem Re­nault Twi­zy, son­dern nimmt als Zwei-plu­sein-biss­chen-was-Sit­zer mit 185 bis 975 Li­ter La­de­vo­lu­men auch Ri­va­len wie den VW e-Up oder den Ci­tro­ën C-Ze­ro ins Vi­sier

Der sehr klei­ne Wen­de­kreis ist gut für die Stadt

Was den For­four her­aus­hebt aus der Mas­se der an­de­ren Mi­nis, ist sein kon­kur­renz­los klei­ner Wen­de­kreis, der in Kom­bi­na­ti­on mit dem Elek­tro­an­trieb noch viel reiz- vol­ler wird. Denn mit 81 PS und 160 Nm ist der Mo­tor so spurtstark, dass man sich im Park­haus fühlt wie im Au­to­scoo­ter und je­der Kreis­ver­kehr zum Rum­mel­platz wird. Nicht um­sonst soll der Smart in rund fünf Se­kun­den von null auf 50 km/ h schnel­len. Fahr­kom­fort darf man da­bei nicht all­zu viel er­war­ten: Hat der Smart schon als Ver­bren­ner kein Ver­wöhna­ro­ma, ma­chen es ihm die drei Zent­ner für die Bat­te­rie buch­stäb­lich noch ein biss­chen schwe­rer, die Bo­den­wel­len glatt zu bü­geln und das Kopf­stein­pflas­ter zu

igno­rie­ren. Da­für hält der Bon­saiBenz ein paar smar­te Lö­sun­gen pa­rat, um mög­lichst viel Reich­wei­te zu ret­ten: So nutzt er ei­nen Ra­dar­sen­sor, um die Re­ku­pe­ra­ti­on den Ver­kehrs­ver­hält­nis­sen an­zu­pas­sen und beim Brem­sen ein Ma­xi­mum an Ener­gie zu­rück­zu­ge­win­nen. Selbst bei Käl­te, tra­di­tio­nell ein Kil­ler der Reich­wei­te, gibt der Smart nicht klein bei, son­dern wapp­net sich mit zu­sätz­li­cher Tech­nik: Wie je­des ak­tu­el­le Elek­tro­au­to kann man den Wa­gen über ei­ne App be­reits kon­di­tio­nie­ren und kli­ma­ti­sie­ren, wäh­rend er noch an der Steck­do­se hängt. Und da­mit auch dem Fah­rer schnel­ler warm wird, gibt es ne­ben der Sitz­ex­klu­siv für die E-Mo­del­le zu­dem ei­ne Lenk­rad­hei­zung. Zwar schaut man bei theo­re­tisch 160, im All­tag eher 100 Ki­lo­me­ter Reich­wei­te doch ein biss­chen öf­ter auf die Zu­satz­in­stru­men­te, die wie Pil­ze aus dem Ar­ma­tu­ren­brett sprie­ßen. Doch je län­ger man sich durch den Groß­stadt­dschun­gel kämpft, des­to fes­ter reift die Über­zeu­gung, dass man schon an­kom­men wird. Au­ßer­dem hat der klei­ne Ak­ku noch wei­te­re Vor­tei­le: Er schmä­lert ers­tens nicht den oh­ne­hin schon klei­nen Kof­fer­raum des Smart, und man kann die Rück­sit­ze wei­ter­hin hoch­klap­pen wie die Ses­sel im Ki­no. Zwei­tens ist er auch schnel­ler wie­der auf­ge­la­den. Wäh­rend der Opel Am­pe­ra-e im dümms­ten Fall län­ger als ein Tag an der Lei­ne liegt, ist der Smart nach spä­tes­tens sechs St­un­den wie­der zu 80 Pro­zent voll. Mit Wall­box dau­ert das Gan­ze nur 3,5 St­un­den, mit dem ab Herbst ver­füg­ba­ren Schnell­la­der nicht ein­mal mehr 45 Mi­nu­ten. Dass der Ak­ti­ons­ra­di­us ein biss­chen ein­ge­schränkt ist, kann man da ganz gut ver­schmer­zen. Denn so wa­cker sich der For­four mit sei­nem win­zi­gen Wen­de­kreis und sei­nem schnel­len An­spre­chen beim Am­pel­spurt im Stadt­ver­kehr auch schlägt, so möch­te wohl nie­mand mit die­sem Winz­ling auf gro­ße Fahrt ge­hen.

FA­ZIT: Der Smart For­four bie­tet mehr Platz und Va­ria­bi­li­tät als sein klei­ner Bru­der, ist aber fast ge­nau­so wen­dig. Wer vor­wie­gend in der Stadt un­ter­wegs ist, kommt mit dem Elek­tro­mo­bil gut zu­recht.

Gut ver­ar­bei­te­ter In­nen­raum, auf Wunsch mit farb­li­chen Ac­ces­soires

Per Na­vi kann man auch die nächs­ten La­de­sta­tio­nen su­chen Über ei­ne App lässt sich der For­four mit dem Smart­pho­ne an der La­de­sta­ti­on über­wa­chen und kon­di­tio­nie­ren – et­wa auf Tem­pe­ra­tur brin­gen

Wer­den die hin­te­ren Plät­ze nicht ge­nutzt, gibt es bis zu 975 Li­ter La­de­vo­lu­men

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.