Por­sche 911 Tur­bo S Ca­brio Hei­ße Spritz­tour mit dem 580 PS star­ken, of­fe­nen El­fer zum eins­ti­gen Spie­ler­pa­ra­dies Sun Ci­ty im som­mer­li­chen Süd­afri­ka

Wäh­rend bei uns das Grau des Winters die kur­zen Ta­ge noch fest im Griff hat, re­giert in Süd­afri­ka der Som­mer. Die per­fek­te Jah­res­zeit, um das eins­ti­ge Spie­ler­pa­ra­dies Sun Ci­ty mit dem traum­haf­ten Por­sche 911 Tur­bo S Ca­brio zu er­kun­den

AUTO ZEITUNG - - INHALT -

Die Son­ne brennt, es sind deut­lich über 30 Grad Cel­si­us im Schat­ten. Die Luft riecht leicht wür­zig, ein lau­er Wind ka­schiert ge­schickt, wie heiß es tat­säch­lich ist. Im Februar herrscht in Süd­afri­ka Hoch­som­mer – idea­le Be­din­gun­gen für ei­ne aus­ge­präg­te Tour in ei­nem der der­zeit gran­dio­ses­ten of­fe­nen Sport­wa­gen. Un­ser Rei­se­ge­fährt: das Por­sche 911 Tur­bo S Ca­brio. Ei­ne schwä­bi­sche High-Per­for­mance-Le­gen­de, die wie ge­schaf­fen da­zu ist, die Son­nen­sei­ten des Le­bens aus­zu­kos­ten. Aus­ge­hend vom Flug­ha­fen Jo­han­nes­burg fah­ren wir zu­nächst über ei­ne gut aus­ge­bau­te Au­to­bahn und an­schlie­ßend über die Land­stra­ße nach Nord­wes­ten. Wir pas­sie­ren klei­ne Dör­fer, de­ren Häu­ser mehr­heit­lich aus Well­blech zu­sam­men­ge­schus­tert sind, und se­hen fröh­li­che Kin­der in Schul­uni­for­men in die Schu­len strö­men. Ei­ni­ge win­ken auf­ge­regt und schau­en un­se­rem zu­frie­den vor sich hin brum­men­den Por­sche mit gro­ßen Au­gen hin­ter­her. Der My­thos 911 ver­fehlt auch in der süd­afri­ka­ni­schen Pro­vinz sei­ne Wir­kung nicht. An den an­ge­sichts des ge­rin­gen Ver­kehrs­auf­kom­mens leicht ver­lo­ren wir­ken­den Am­pel­kreu­zun­gen mit­ten im Nir­gend­wo stür­men Ein­hei­mi­sche auf die war­ten­den Au­tos zu. Sie bie­ten meist por­tio­nier­tes Obst oder Ge­mü­se, aber auch bil­li­gen Plas­tik­kram wie gräss­lich bun­te Son­nen­bril­len in den ab­son­der­lichs­ten For­men und Aus­ma­ßen. Es geht aber noch deut­lich skur­ri­ler: An ei­ner Am­pel ver­su­chen zwei jun­ge Män­ner, uns mut­maß­lich ei­gen- hän­dig und ge­gen de­ren aus­drück­li­ches Ein­ver­ständ­nis ein­ge­fan­ge­ne Cha­mä­le­ons an­zu­dre­hen. Ver­dutzt war­ten wir dar­auf, dass die apa­thisch wir­ken­den Ech­sen vor Schreck das tie­fe Nacht­blau un­se­res Por­sche an­neh­men, als die Am­pel glück­li­cher­wei­se wie­der grün wird. Wir ge­ben dem stärks­ten al­ler of­fe­nen El­fer die Spo­ren und las­sen die ei­gen­tüm­li­che Sze­ne­rie in ei­ner Staub­wol­ke hin­ter uns zu­rück – un­ter­malt vom herr­lich hei­se­rem Fau­chen des Sechs­zy­lin­der-Bo­xers im Heck des Traum­sport­lers. Nach knapp zwei St­un­den Fahrt er­rei­chen wir un­ser ei­gent­li­ches Ziel: Sun Ci­ty. Das be­reits am 7. De­zem­ber 1979 ein­ge­weih­te Res­sort wur­de zu den un­se­li­gen Zei­ten der Apart­heid er­baut und um­fass­te ur­sprüng­lich ein Ho­tel, ein Thea­ter, ei­nen Golf­platz und ein Ca­si­no. Letz­te­res war da­mals die ein­zi­ge le­ga­le Mög­lich­keit, dem Glücks­spiel in Süd­afri­ka zu frö­nen. An­sons­ten wa­ren Rou­let­te und Co. lan­des­weit streng ver­bo­ten. Aus na­he­lie­gen­den Grün­den er­hielt das Res­sort schnell den Spitz­na­men „Sin Ci­ty Afri­kas“– in An­leh­nung an die Zo­cker-Haupt­stadt Las Ve­gas, die im Volks­mund be­kannt­lich Sin Ci­ty (Sün­den­stadt) ge­nannt wird. Wir rol­len durch die streng be­wach­te Ein­fahrt und wer­den von No­kut­hu­la Nko­si, der zu­stän­di­gen Pres­se­spre­che­rin, be­grüßt, die uns die zahl­rei­chen At­trak­tio­nen der ver­schach­tel­ten An­la­ge zei­gen wird. Et­was ein­ge­schüch­tert nimmt No­kie, wie sie der Ein­fach­heit hal­ber ge­nannt wer­den möch­te, auf dem Bei­fah­rer­sitz platz. Die jun­ge, gut ge­laun­te Zu­lu-Da­me quietscht leicht er­schro­cken auf, als wir kurz die Mus­keln des Bi-Tur­bo-Bo­xers spie­len las­sen und mit Nach­druck auf et­wa 50 km/ h be­schleu­ni­gen. Sie ha­be noch nie in ei­nem so schnel­len Au­to ge­ses­sen, sagt sie eu­pho­risch strah­lend. Ganz fach­män­nisch be­ten wir dar­auf­hin die wich­tigs­ten Da­ten des Über-El­fers her­un­ter: 580 PS, null auf 100 km/ h in 3,0 Se­kun­den, 330 km/ h Spit­ze, 215.962 Eu­ro Grund­preis. No­kie schweigt und ge­nießt … Wir steu­ern zu­erst das Ho­tel Pa­lace of the Lost Ci­ty an. Das ma­jes­tä­tisch wir­ken­de Ge­bäu­de mit sei­ner auf­se­hen­er­re­gen­den Ar­chi­tek­tur in­klu­si­ve des im­po­san­ten, 25 Me­ter ho­hen Ein­gangs­be­reichs samt auf­wän­di­ger Spring­brun­nen­an­la­ge ist das Flagg­schiff des Res­sorts. Im Stil ei­nes al­ten, afri­ka­ni­schen Pa­las­tes er­baut, bie­tet es ins­ge­samt 338 lu­xu­riö­se Zim­mer und Sui­ten, vier Re­stau­rants so­wie ei­ne gro­ße PoolAn­la­ge. Un­ser Zuf­fen­hau­se­ner Rei­se­ge­fährt

Selbst in der Pro­vinz ent­fal­tet der My­thos 911 sei­ne vol­le Wir­kung

er­regt um­ge­hend so viel Auf­se­hen wie ei­ne Her­de ro­sa Ele­fan­ten. Selbst die be­zau­bern­den Emp­fangs­da­men zü­cken ih­re Smart­pho­nes und schie­ßen ein paar Bil­der. Un­ser nächs­tes Ziel: das – wie al­les in Sun Ci­ty – künst­lich an­ge­leg­te, gleich­wohl ma­le­ri­sche Schwimm­pa­ra­dies, das in Form ei­ner ver­sun­ke­nen Stadt ge­hal­ten ist. Ba­de­fans bie­tet die An­la­ge fei­nen, wei­ßen Strand und ka­ri­bisch an­mu­ten­des, glas­kla­res Was­ser. Doch trotz der idea­len Tem­pe­ra­tu­ren herrscht nur we­nig Be­trieb – ob dies an der pe­ne­trant lau­ten Charts­mu­sik liegt, die aus zahl­rei­chen Laut­spre­chern dröhnt? Wir wis­sen es nicht.

Wer Ru­he sucht, spielt lie­ber Golf

Doch wie sieht es ei­gent­lich mit den einst so be­rüch­tig­ten Ca­si­nos aus? Sie spie­len heu­te nur noch ei­ne eher un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le im Frei­zeit­an­ge­bot des Res­sorts. Neu­gie­rig las­sen wir uns die größ­te Spiel­höl­le Sun Ci­tys zei­gen. In dunk­len Ni­schen dad­deln ei­ni­ge we­ni­ge Be­su­cher an Ein­ar­mi­gen Ban­di­ten. An­de­re ver­su­chen ihr Glück an Rou­let­te- oder Black-JackTi­schen. Wirk­lich sün­dig geht es hier je­doch au­gen­schein­lich nicht zu. Ein viel be­deut­sa­me­rer An­zie­hungs­punkt für die Be­su­cher Sun Ci­tys sind heu­te des­halb die ma­le­ri­schen Golf-Area­le. Der größ­te Kurs be­fin­det sich ein­ge­bet­tet in den Res­sort-Be­reich Lost Ci­ty un­weit des Pa­lace-Ho­tels. Das Spiel­feld er­streckt sich auf über 100 Hekt­ar Flä­che und be­inhal­tet die ver­schie­de­nen Land­schafts­the­men Wüs­te, Ge­bir­ge und Park. Die größ­te At­trak­ti­on des Plat­zes aber ist das Was­serHin­der­nis an Loch 13, in dem sich le­ben­di­ge Kro­ko­di­le auf­hal­ten – ein­ge­zäunt, frei­lich! Den Schlä­ger schwingt hier heu­te al­ler­dings nie­mand. Al­lein sind wir trotz­dem nicht: Ein klei­nes Ru­del wil­der War­zen­schwei­ne ge­nießt den son­ni­gen Tag auf dem Fair­way. Laut No­kie kei­ne Sel­ten­heit: Die nicht ganz un­ge­fähr­li­chen Tie­re füh­len sich auf der ru­hi­gen Golf­an­la­ge wohl. Zwi­schen­fäl­le, bei de­nen Men­schen oder Schwei­ne zu Scha­den ge­kom­men wä­ren, ha­be es bis­lang nicht ge­ge­ben, sagt die Pres­se­da­me. Den­noch sind wir er­leich­tert, dass wir uns in si­che­rer Dis­tanz zu den Tie­ren be­fin­den und die­se of­fen­bar kei­nen drin­gen­den An­lass da­zu se­hen, sich uns zu nä­hern. Sol­che Er­leb­nis­se sind es, die die Zeit in Sun Ci­ty wie im Flug ver­ge­hen las­sen. Oh­ne dass wir es be­merkt hät­ten, neigt sich der Tag dem En­de ent­ge­gen. Die Son­ne geht hier be­reits ge­gen 19 Uhr un­ter. Der Au­gen­blick ist ge­kom­men, das Res­sort zu ver­las­sen. Wir ver­ab­schie­den uns von No­kie, die dem Por­sche mit leicht weh­mü­ti­gem Ge­sichts­aus­druck hin­ter­her­sieht, und rol­len zu­rück Rich­tung Jo­han­nes­burg. Wäh­rend der Fahrt kommt uns ei­ne ent­schei­den­de Fra­ge in den Sinn: Ob die bei­den Jungs ih­re selbst­ge­fan­ge­nen Cha­mä­le­ons wohl tat­säch­lich los­ge­wor­den sind?

104 Re­por­ta­ge: Fahr­spaß im hei­ßen Süd­afri­ka mit dem Por­sche 911 Tur­bo S Ca­brio

[ TEXT Mar­cel Küh­ler FO­TOS Frank Ra­te­ring ]

– auch vom Emp­fangs­per­so­nal

Das 911 Tur­bo Ca­brio ist in Sun Ci­ty ein sehr sel­te­ner Gast. Ent­spre­chend häu­fig wur­de un­ser Test­wa­gen fo­to­gra­fiert

Oben: Wer dem 580-PS-Ca­brio die Spo­ren gibt, er­lebt fu­rio­se Fahr­leis­tun­gen. Von null auf Tem­po 100 schießt es in drei Se­kun­den

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