Au­to­mo­bil­bau Hig­htech-Kunst­stof­fe wer­den ei nim­mer wich­ti­ge­rer Be­stand­teil der Fahr­zeug pro­duk­ti­on

Im­mer mehr Tei­le im Au­to wer­den aus leich­ten Hig­htech-Kunst­stof­fen ge­fer­tigt. Der Che­mie­kon­zern Lan­xess lie­fert nicht nur das pas­sen­de Ma­te­ri­al, son­dern un­ter­stützt die Her­stel­ler auch bei der Kon­struk­ti­on kom­plet­ter Bau­tei­le

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Jür­gen Voigt

Tra­di­tio­nell rech­net man ja das Au­to­mo­bil dem Ma­schi­nen­bau zu, und das klingt wie­der­um ein­deu­tig nach Me­tall. Na­tür­lich spie­len Stahl und Alu nach wie vor ei­ne tra­gen­de Rol­le, doch in­zwi­schen be­ste­hen un­se­re Au­tos zu 15 bis 20 Pro­zent aus Kunst­stof­fen, Ten­denz stei­gend. Da­ran hat auch der Che­mie­kon­zern Lan­xess sei­nen An­teil. Das in Köln an­säs­si­ge Un­ter­neh­men mit rund 16.700 Mit­ar­bei­tern in 29 Län­dern ge­ne­riert sei­nen Um­satz von et­wa 7,9 Mil­li­ar­den Eu­ro (2015) zu gro­ßen Tei­len mit In­dus­trie­che­mi­ka­li­en, die letzt­end­lich nicht sel­ten Ver­wen­dung im Au­to­mo­bil­bau fin­den. Da­zu zäh­len ne­ben tech­ni­schen Kunst­stof­fen zum Bei­spiel Ad­di­ti­ve für Kraft­und Schmier­stof­fe eben­so wie Farb­pig­men­te für La­cke oder Che­mi­ka­li­en zur Le­der­ver­a­bei­tung. Zu­dem ge­hört Lan­xess mit dem Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men Ar­lan­xeo zu den füh­ren­den Pro­du­zen­ten von syn­the­ti­schem Kaut­schuk – dem Grund­stoff zur Rei­fen­her­stel­lung.

Kunst­stof­fe über­neh­men ei­ne tra­gen­de Rol­le

Doch in­zwi­schen über­neh­men Kunst­stoff­tei­le im wahrs­ten Wort­sinn auch tra­gen­de Funk­tio­nen, die bis­lang Me­tall­kon­struk­tio­nen vor­be­hal­ten wa­ren. Die Zei­ten, in de­nen Kunst­stof­fe aus­schließ­lich als bil­li­ger Werk­stoff für Ver­klei­dun­gen und Ge­häu­se dien­ten, ist längst vor­bei. In­zwi­schen kann man das leich­te Ma­te­ri­al so aus­le­gen und in Form brin­gen, dass es spe­zi­fi­sche tech­no­lo­gi­sche Ei­gen­schaf­ten wie et­wa Zug­fes­tig­keit, Bie­ge­stei­fig­keit oder Warm­fes­tig- keit er­reicht, die man ei­nem „Plas­tik­teil“bis­lang nicht zu­ord­nen konn­te – sie­he Bei­spiel links. Zu­nächst muss na­tür­lich die Che­mie stim­men, das heißt, es kommt auf den Bau­plan für die na­he­zu end­los lan­gen Mo­le­kül­ket­ten an, denn Kunst­stoff ist nicht gleich Kunst­stoff. Die Aus­wahl und das Ver­fei­nern ei­nes Werk­stoffs ge­hö- ren zu den Haupt­auf­ga­ben der Ent­wick­lungs­ab­tei­lung bei Hig­hPer­for­mance-Ma­te­ri­als am Lan­xess-Stand­ort Dor­ma­gen. Im An­wen­dungs­tech­ni­kum wer­den pro Jahr bis zu 3000 neue Kunst­stoff­re­zep­tu­ren ent­wi­ckelt, op­ti­miert und er­probt, von de­nen am En­de je­doch nur ein klei­ner Teil in den Han­del kommt. Aber der hohe Ent­wick­lungs­auf­wand fließt nicht nur in die zum Teil stark spe­zi­fi­zier­ten Re­zep­tu­ren. Im Tech­ni­kum ist zu­dem ein Team von In­ge­nieu­ren und Tech­ni­kern auch mit der Kon­struk­ti­on kon­kre­ter Bau­tei­le zu Test­zwe­cken be­schäf­tigt. In en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit dem Kun­den, zum Bei­spiel ei­nem Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer, kann so­mit das Pro­dukt zur Se­ri­en­rei­fe ent­wi­ckelt wer­den – bis hin zur rei­bungs­lo­sen und wirt­schaft­li­chen Fer­ti­gung.

Von der Rech­ner-Si­mu­la­ti­on bis zum Se­ri­en­pro­dukt

Die Ar­beit des Teams be­ginnt am Rech­ner (CAE, Com­pu­ter-Ai­ded En­gi­nee­ring) und reicht von der Bau­teil­aus­le­gung über vir­tu­el­le Fes­tig­keits­prü­fun­gen bis hin zur Fer­ti­gung des Pro­to­ty­pen und des­sen Über­prü­fung im Ma­te­ri­al Tes­ting Cen­ter. Neue An­for­de­run­gen im Au­to­mo­bil füh­ren zu neu­en Werk­stof­fen. So ver­langt die zu­neh­men­de Elek­tri­fi­zie­rung zum Bei­spiel nach fes­ten, tem­pe­ra­tur­be­stän­di­gen Bat­te­rie-Ge­häu­se­werk­stof­fen oder die LED-Tech­nik nach stär­ker wär­me­ab­lei­ten­den Kunst­stof­fen. Hohe Fes­tig­keits­an­for­de­run­gen er­fül­len et­wa glas­fa­ser­ver­stärk­te Kunst­stof­fe. Schon die Zu­ga­be von 0,2 bis 0,3 Mil­li­me­ter lan­gen Kurz­fa­sern kann die Stei­fig­keit ei­nes Kunst­stoffs um das Sechs- bis Zehn­fa­che stei­gern. Noch hö­he­re An­for­de­run­gen er­füllt der end­los­fa­ser­ver­stärk­te Ver­bund­werk­stoff der Mar­ke Te­pex. Die­ser wird als um­form­ba­res Halb­zeug ge­lie­fert – ähn­lich wie Ble­che, nur nicht aus Me­tall, son­dern aus viel leich­te­rem Kunst­stoff.

Das Tech­ni­kum am Stand­ort Dor­ma­gen ist das Herz der Ent­wick­lungs­ab­tei­lung. Hier ent­ste­hen neue Kunst­stof­fe und Pro­to­ty­pen-Tei­le

Das Pro­dukt ist ein un­schein­ba­res Kunst­stoff­gra­nu­lat, das zum Bei­spiel in ei­ner Spritz­guss­ma­schi­ne zum fer­ti­gen Bau­teil um­ge­formt wird

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