Ral­lye-WM Schwe­den Ers­ter Sieg für Rück­keh­rer To­yo­ta

Im erst zwei­ten An­lauf ge­lang WM-Rück­keh­rer To­yo­ta bei der Ral­lye Schwe­den ein Über­ra­schungs­er­folg – wäh­rend der Kon­kur­renz Feh­ler un­ter­lie­fen

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

Tom­mi Mä­ki­nen moch­te sein Glück kaum fas­sen. Wie ein ver­rückt ge­wor­de­ner Tanz­bär stepp­te der To­yo­ta-Te­am­chef bei der Siegerehrung: auf der Ram­pe sein Fah­rer Ja­ri-Mat­ti Lat­va­la mit dem Ya­ris WRC. Lat­va­la, das ewi­ge Ner­ven­bün­del, über Jah­re im­mer wie­der ein Crash-Pi­lot und bei Volks­wa­gen oft ge­de­mü­tigt vom un­fass­ba­ren Sé­bas­ti­en Ogier – die­ser Lat­va­la führ­te To­yo­ta zum ers­ten Ral­lye-WMSieg der Ja­pa­ner seit 1999. Der zwei­te Platz zu­letzt beim Auf­takt bei der Ral­lye Mon­te Car­lo? Ein Zu­falls­tref­fer, si­cher­lich. Aber jetzt der Sieg in Schwe­den? Ab­so­lut ver­dient. Der Ya­ris WRC hat ge­schafft, was nie­mand von ihm er­war­tet hat­te. Denn zu welt­fremd er­schie­nen die Kon­zep­te rund um das Au­to und die Team­struk­tur: Puuo­pu­la als Team­sitz mit­ten in Finn­land – viel zu weit weg von der gro­ßen Welt des Ral­lye­sports. Der in Köln von der To­yo­ta Motorsport Group TMG mit gro­ßem Ent­wick­lungs­auf­wand ge­bau­te Pro­to­typ – mal eben schnell auf die Sei­te ge­stellt und igno­riert. Weil Mä­ki­nen mit größ­ter per­sön­li­cher Un­ter­stüt­zung von Kon­zern­pa­tri­arch Akio To­yo­da in der Fer­ne Finn­lands ein­fach sein ei­ge­nes Ding mach­te. Doch in Schwe­den über­zeug­te der Ya­ris WRC eben nicht nur mit re­el­lem Speed, son­dern auch durch Zu­ver­läs­sig­keit. Was hat­te sich al­so ge­än­dert? Trotz gro­ßer Dis­har­mo­ni­en zu Be­ginn des Pro­jekts vor 20 Mo­na­ten wird das Team nun von stoi­schem Glau­ben an den Er­folg ge­prägt. Der Zu­sam­men­halt war nie grö­ßer. So et­was färbt auf ei­ne sen­si­ble Per­sön­lich­keit wie der von Lat­va­la ab. Ei­nem Ogier konn­te der Fin­ne bei Volks­wa­gen nur aus­nahms­wei­se das Was­ser rei­chen. Der Fran­zo­se – nichts für un­gut – mach­te Lat­va­la kalt, wann im­mer er konn­te. Um­so be­ein­dru­cken­der, was der 31-jäh­ri­ge Fin­ne jetzt in der Re­gi­on Värm­land auf­führ­te. Nicht nur weil er ab Sonn­tag­mor­gen die über Nacht ge­erb­te Füh­rung lo­cker ver­tei­dig­te – nein, bei der fi­na­len Su­pers­ta­ge, was ei­gent­lich ei­ne ty­pi­sche Dis­zi­plin Ogiers ist und wo es um fünf Ex­tra­punk­te geht, de­klas­sier­te Lat­va­la das Feld. Re­spekt.

Ogier & Co. mit Feh­lern

Da schaut die Kon­kur­renz na­he­zu aus­nahms­los dumm aus der Wä­sche. Ogier, der Künst­ler und Per­fek­tio­nist, un­ter­lief ein klei­ner Aus­rut­scher, über den er sich noch heu­te är­gert. So­mit nur Rang drei hin­ter Team­kol­le­ge Ott Tänak. Weit schlim­mer aber ist das Un­ge­schick von Thier­ry Neu­vil­le: Der Bel­gi­er ver­gab wie schon bei der Ral­lye Mon­te Car­lo ei­nen schein­bar si­che­ren Sieg für Hy­un­dai – wie­der we­gen ei­nes la­pi­da­ren Ane­ckens bei nied­ri­gem Tem­po. Den­noch gilt Hy­un­dai mit dem neu­en i20 auch künf­tig als fa­vo­ri­siert. Das lässt sich von Ci­tro­ën noch nicht be­haup­ten. Den Fran­zo­sen feh­len die Po­wer, wie sie der Ford Fies­ta bringt, und das Hand­ling in kur­vi­gen Ab­schnit­ten, wie es der Hy­un­dai zeigt. Die Ci­tro­ën-Fah­rer müs­sen stär­ke­re Lenk­be­we­gun­gen durch­füh­ren, und sie kön­nen erst spä­ter ans Gas ge­hen. Selbst ein Rou­ti­nier wie Kris Mee­ke kämpft auf ver­lo­re­nem Ter­rain. Steht dem Nord­iren ei­ne Sai­son vol­ler Frus­tra­ti­on be­vor? Mög­lich. Denn Mee­ke hät­te im ver­gan­ge­nen Som­mer auch für ein an­de­res Team un­ter­schrei­ben kön­nen – für To­yo­ta.

Im­mer noch Ti­tel­fa­vo­rit: Doch Hy­un­dai blieb in Schwe­den nur Rang vier

Schon zwei Ral­lyes durch Flüch­tig­keits­feh­ler ver­lo­ren: Ob Thier­ry Neu­vil­le die ver­pass­ten Punk­te noch auf­holt?

WM-Le­a­der: Ex-VW-Pi­lot Lat­va­la half, den To­yo­ta dank neu­er Dif­fe­ren­zi­alAb­stim­mung zum Sie­ger zu ma­chen. Er führt die WM mit vier Punk­ten Vor­sprung auf Ogier an

Am An­schlag: In Schwe­den er­wies sich Ci­tro­ën von den vier Her­stel­lern am we­nigs­ten sieg­fä­hig

Not amu­sed: Kris Mee­ke ha­der­te mit dem C3 eben­so wie Team­kol­le­ge Craig Bre­en

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