Fahr­be­richt: Por­sche Pan­ame­ra Tur­bo S e-Hy­brid

Das neue Top­mo­dell der Pan­ame­ra-Bau­rei­he, der 680 PS star­ke und 310 km/h schnel­le Tur­bo S E-Hy­brid, hat das Zeug, der Hy­brid­Tech­nik end­gül­tig zum Durch­bruch zu ver­hel­fen

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Horst von Saurma

P or­sche macht ernst: Die neon­grü­nen Farb­tup­fer am künf­ti­gen Top­mo­dell der Pan­ame­ra-Bau­rei­he si­gna­li­sie­ren Ein­ge­weih­ten be­reits: Es wird ein Hy­brid. Und was für ei­ner! Der Tur­bo S E-Hy­brid kom­bi­niert erst­mals ei­nen V8-Bi­tur­bo mit ei­nem per­ma­nent er­reg­ten Syn­chron-Mo­tor und fährt sämt­li­che Fahr­werks­tech­no­lo­gi­en des Hau- ses auf, um leis­tungs­mä­ßig und quer­dy­na­misch ei­ne ab­so­lut un­strit­ti­ge Spit­zen­po­si­ti­on zu be­set­zen. Das Hy­bridkon­zept dient fol­ge­rich­tig nicht ei­ner op­ti­mier­ten Ef­fi­zi­enz, son­dern ver­folgt je­ne Re­gel­stra­te­gie, die der Hy­per­sport­ler 918 Spy­der eta­bliert hat: Im EV-Mo­dus fährt man rein elek­trisch, bis zu 140 km/ h schnell und ma­xi­mal 50 Ki­lo­me­ter weit. Da- nach ist der 14,1-kWh-Ak­ku (Li­thi­um-Io­nen) leer. Im Hy­brid-Mo­dus küm­mert sich die Elek­tro­nik um ei­ne mög­lichst ef­fi­zi­en­te Kom­bi­na­ti­on der Kraft­quel­len so­wie ein öko­no­mi­sches Nach­la­den des Ak­kus wäh­rend der Fahrt. Rich­tig span­nend wird es in den Mo­di Sport und Sport Plus: Hier wird die Po­wer des E-Mo­tors kon­se­quent ge­nutzt, um ei­ne Per­for­mance zu rea­li­sie­ren, die selbst bei ge­stan­de­nen Sport­wa­gen­fah­rern zu Ohn­machts­an­fäl­len An­lass ge­ben könn­te. Ei­ne pu­re, nicht en­den wol­len­de Be­schleu­ni­gungs­or­gie. Die Werks­an­ga­ben von 3,4 Se­kun­den für den Sprint auf 100 km/ h und 11,7 s bis 200 km/ h las­sen nur er­ah­nen, wie er­bar­mungs­los der Pan­ame­ra los­s­türmt. Wir konn­ten es schon live er­le­ben, auf dem Bei­fah­rer­sitz ne­ben Por­sche-Test­fah­rer Lars Kern so­wie LMP1-Renn­pro­fi Ti­mo Bern­hard, die uns zu ers­ten De­mons­tra­ti­ons­run­den im süd­ita­lie­ni­schen Nar­dó mit­ge­nom­men ha­ben. Es bleibt ei­nem schlicht die Spu­cke weg, wenn die Pi­lo­ten nach ru­hi­ger, na­tür­lich rein elek­tri­scher An­fahrt zum Hand­ling­kurs den Schal­ter um­le­gen und die gut sechs Ki­lo­me­ter lan­ge Berg- und Tal-Stre­cke in ein fahr­dy­na­mi­sches Toll­haus ver­wan­deln. Und das mit ei­nem längs- und quer­dy­na­mi­schen Kick, der zum Auf­tritt ei­ner rund 2,3 Ton­nen schwe­ren Li­mou­si­ne so über­haupt nicht pas­sen will – 300 kg der Mas­se ent­fal­len al­lein auf die an Bord be­find­li­che Hy­brid­tech­nik. Um die­se her­aus­ra­gen­de Fahr­dy­na­mik zu rea­li­sie­ren, ha­ben die Ent­wick­ler das gan­ze Re­per­toire an Dy­na­mik-Kom­po­nen­ten auf­ge­fah­ren: Da wä­re der Mo­tor. Nein, falsch: die Mo­to­ren. Der vier Li­ter gro­ße, 550 PS star­ke und 770 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment stem­men­de V8-Bi­tur­bo und der mit 136 PS und 400 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment an­tre­ten­de E-Mo­tor stel­len ge­mein­schaft­lich ein kaum zu schla­gen­des Po­wer-Duo dar. Die

Sys­tem­leis­tung sum­miert sich auf atem­be­rau­ben­de 680 PS. Das ma­xi­ma­le Dreh­mo­ment von ge­wal­ti­gen 850 New­ton­me­ter liegt be­reits ab 1400 Tou­ren an, wo­bei fast die Hälf­te da­von – 400 New­ton­me­ter – ab der ers­ten Rad­be­we­gung zur Ver­fü­gung steht. Aus dem Stand her­aus tritt die E-Ma­schi­ne mit vol­ler Wucht an und wür­de ein ver­zö­ger­tes An­spre­chen des Bi­tur­bos ka­schie­ren – so­fern der ein Tur­bo­loch hät­te. Hat er aber nicht. Die se­ri­en­mä­ßig mit All­rad­an­trieb und im Fall des Test­wa­gens auch mit All­rad­len­kung an­tre­ten­de Hy­brid-Li­mou­si­ne drückt und zieht aus dem Kur­ven­schei­tel­punkt, dass die Pas­sa­gie­ren glau­ben könn­ten, die Sei­ten­füh­rungs­kräf­te wür­den mit zu­neh­men­der Fahr­zeug­mas­se im­mer hö­her und die Haft­gren­ze wür­de sich mit dem Fahr­pe­dal im­mer wei­ter nach oben ver­schie­ben las­sen. Da fragt man sich: Wie geht das? Bis zu 1,4 g Qu­er­be­schleu­ni­gung in ei­ner vier­tü­ri­gen Lu­xus­li­mou­si­ne, die oh­ne si­gni­fi­kan­te Sei­ten­nei­gung, Wan­ken, Tän­zeln oder Schau­keln al­le Her­aus­for­de­run­gen fahr­dy­na­mi­scher Art meis­tert wie ein rein­ras­si­ger Sport­wa­gen, schei­nen ein Akt der Zau­be­rei zu sein. Tat­säch­lich je­doch bün­delt der Über-Pan­ame­ra nur kon­se­quent den Grip der mäch­ti­gen 21Zoll-Rä­der (vorn: 275/35, hin­ten: 325/30) so­wie die Po­ten­zia­le sämt­li­cher Fahr­werks­kom­po­nen­ten – an­ge­fan­gen beim elek­tro­nisch ge­steu­er­ten All­rad­an­trieb mit va­ria­bler Mo­men­ten­ver­tei­lung und elek­tro­nisch ge­steu­er­tem Sperr­dif­fe­ren­zi­al hin­ten über Tor­que Vec­to­ring und ei­ne va­ria­ble Len­küber­set­zung bis hin zur op­tio­na­len All­rad­len­kung so­wie der ad­ap­tiv ge­dämpf­ten Luft­fe­de­rung mit ak­ti­ven Sta­bi­li­sa­to­ren zum Wank­aus­gleich an Vor­der- und Hin­ter­ach­se. Der Tur­bo S E-Hy­brid zieht sämt­li­che Re­gis­ter. Den Kon­tra­punkt zur über­bor­den­den Mo­tor­power set­zen in­nen­be­lüf­te­te und ge­loch­te Kar­bon-Ke­ra­mik-Schei­ben, die vorn von Zehn­kol­ben-Fest­sät­teln in die Zan­ge ge­nom­men wer­den. An der Hin­ter­ach­se kom­men Vier­kol­benSät­tel zum Ein­satz.

FA­ZIT: Der Por­sche Pan­ame­ra Tur­bo S E-Hy­brid ist ein wür­di­ges Top­mo­dell der Bau­rei­he, das mit ge­ball­ter Tech­nik und un­bän­di­ger Dy­na­mik be­geis­tert. Und: Er hat das Zeug, die bis­lang zö­ger­lich star­ten­de Elek­tri­fi­zie­rung emo­tio­nal stark zu be­schleu­ni­gen.

Das ers­te Mal, das ei­ne Hy­bri­dVer­si­on das Top­mo­dell ei­ner Bau­rei­he re­prä­sen­tiert

Kla­res, über­sicht­li­ches, mo­der­nes Cock­pit auf höchs­tem in­for­ma­ti­ons­tech­ni­schen Ni­veau

Bes­te Un­ter­hal­tung auch auf den bei­den hin­te­ren Plät­zen

Kar­bonKe­ra­mi­kSchei­ben mit Zehn­kol­ben- Fest­sät­teln

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