Bent­ley Con­ti­nen­tal GT Speed Ca­brio­let ge­gen Mer­ce­des-AMG S 65 Ca­brio­let

Un­se­re Emp­feh­lung heu­te: fei­nes Le­der an er­le­se­nem Holz, alu­mi­ni­um-, stahl- und stoffum­man­telt, da­zu reich­lich fri­sche Luft so­wie ein dop­pel­ter Tur­bo-Punch im Ab­gang. Test-Sau­se mit zwei Zwölf­zy­lin­dern von Bent­ley und AMG – ge­fühl­te Su­per­lu­xus-End­stu­fe

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Paul Eng­lert FO­TOS Klaus Hu­ber-Abend­roth ]

Mit die­sen zwei High End-Zwölf­zy­lin­der-Ca­brio­lets wird der of­fe­ne Fahr­ge­nuss zum ma­xi­ma­len Su­per­lu­xus-Rausch

Die Idee für die 65er Va­ri­an­te des S-Klas­se Ca­bri­os muss den Pro­dukt­pla­nern bei AMG an der Flei­scher­the­ke ge­kom­men sein – frei nach dem Mot­to:„Darf’s auch ein biss­chen mehr sein?“Sehr gern, und da­von nicht ge­nug. An­schlie­ßend wur­de in den eh schon präch­ti­gen Stoff­ver­deck- Stra­ßen­kreu­zer al­les hin­ein­ge­packt, was das La­ger so bie­tet. Fer­tig ist die S-Klas­se-End­stu­fe, von oben bis un­ten in Nap­pa­le­der ge­klei­det, 630 PS stark und über ei­ne Vier­tel- mil­li­on Eu­ro teu­er. Ein ähn­li­ches An­ge­bot gibt es von der In­sel, wo­bei der in Crewe von Hand ge­fer­tig­te Bent­ley Con­ti­nen­tal GT Speed – eben­falls mit Stoff­müt­ze und 635 PS stark – die dop­pel­te Staats­bür­ger­schaft be­sitzt: Er be­dient sich groß­zü­gig am Tech­ni­kGen­pool des VW-Kon­zerns.

Ka­ros­se­rie

Buff, die schwe­re Bent­ley-Tür fällt satt ins Schloss, schön ge­dämpft durch di­cke Dich­tun­gen. Drin­nen: Stil­le dank Dop­pel­ver­gla­sung, gut ge­füt­ter­tem Stoff­dach und je­der Men­ge Dämm- Ma­te­ri­al. Über Platz­man­gel kann man sich vorn trotz des wuch­ti­gen Mit­tel­tun­nels nicht be­kla­gen. Im Mer­ce­des sieht es ähn­lich aus, al­ler­dings nur vorn: Auf der Rück­bank ha­ben Daim­ler-Pas­sa­gie­re spür­bar mehr Platz für Schul­tern und Bei­ne – soll­te mal je­mand hin­ten sit­zen. Hat der Bent­ley­Fah­rer das fum­me­li­ge Wind­schott ein­ge­setzt, ist der Bri­te eh nur noch ein Zwei­sit­zer. AMG-Crui­ser schot­ten sich per Knopf­druck mit hoch aus­fah­ren­dem Auf­stel­ler vor dem Kof­fer­raum­de­ckel und klei­nem Spoi­ler im Schei­ben­rah­men oben vom Wind ab. Doch ers­tens stört das die ele­gan­te Cou­pé-Form, zwei­tens rauscht es im

Daim­ler, als hät­te man die Lüf­tung auf An­schlag ge­stellt, und drit­tens macht Ca­brio-Fah­ren mit Wind­schott nur halb so viel Spaß. Apro­pos: Die Freu­de im Bent­ley wird durch das klei­ne­re La­de­vo­lu­men et­was ge­trübt, wo­bei man im­mer noch 260 Li­ter zur Ver­fü­gung hat – egal, ob das Dach ge­öff­net oder ge­schlos­sen ist. Au­ßer­dem merkt man dem eng­li­schen Bro­cken an, dass sei­ne Ab­lö­se naht: Sen­so­ren, die beim Spur­hal­ten und -wech­seln as­sis­tie­ren oder ein Sys­tem für die au­to­no­me Voll­brem­sung bei Un­fall­ge­fahr sind nicht im An­ge­bot. Doch der Bent­ley hat ein an­de­res Pfund zu bie­ten. Das ge­stepp­te Le­der, die per­fek­ten Näh­te, mas­si­ve Luft­aus­strö­mer-Reg­ler: Im Ver­gleich zum kühl und tech­nisch an­mu­ten­den Mer­ce­des-AMG ver­mit­telt sein In­te­ri­eur den Flair feins­ter Hand­werks­kunst und hun­dert­zehn­pro­zen­ti­ger Prä­zi­si­on – auch wenn bei­de Lu­xus-Ca­bri­os auf ei­nem Le­vel lie­gen. Al­ler­dings of­fen­bart der bri­ti­sche Test­wa­gen wäh­rend der Fahrt Knis­ter­ge­räu­sche, und der schwe­re Schie­be­ver­schluss des Schmink­spie­gels ka­pi­tu­liert bei flotter Kur­ven­fahrt vor den Flieh­kräf­ten.

Wie stoppt man 2547 kg in nur 35,1 Me­tern? Mit Kar­bonKe­ra­mik- Brem­sen für 12.882 Eu­ro

Fahr­kom­fort

Wer mehr als 250.000 Eu­ro für ein Au­to aus­gibt, will kei­ne lan­gen Op­ti­ons­lis­ten wäl­zen. Das muss er auch nicht, denn in Sa­chen Kom­fort pa­cken Af­fal­ter­bach und Crewe al­les in ih­re Ca­bri­os, was im Pro­gramm ist: zig­fach elek­tri­sche ein­stell­ba­re Sit­ze mit Hei­zung, Küh­lung, Mas­sa­ge und Spei­cher­tas­ten für die Lieb­lings­kon­fi­gu­ra­ti­on. Doch im Mer­ce­des geht es noch et­was kom­for­ta­bler zu: Hier be­ar­bei­ten 14 Luft­kam­mern Ge­säß und Rü­cken, stüt­zen Ober­schen­kel und Tor­so bei er­höh­ter Qu­er­be­schleu­ni­gung per­fekt ab, und die in Hö­he und Tie­fe ein­stell­ba­ren Kopf­stüt­zen pas­sen sich je­dem Haupt an. An­pas­sen kön­nen sich auch die Fahr­wer­ke der zwei Lu­xus­li­ner mit Luft­fe­de­rung und ad­ap­ti­ven Dämp­fern, wo­bei sich der Bent­ley auf Une­ben­hei­ten ein we­nig ge­las­se­ner gibt und gar nicht erst ver­sucht, sport­lich zu wir­ken. Den­noch zit­tert die Ka­ros­se­rie manch­mal et­was nach, und har­te Stö­ße drin­gen bis ins be­heiz­te Le­der­lenk­rad vor. Der AMG hat rund 20 Zen­ti­me­ter mehr Rad­stand, ist stei­fer, straf­fer und ten­diert selbst in der Kom­fort­stel­lung mehr zum Ra­cer – der er nicht ist.

Beim Ge­räu­schein­druck ist das Bild genau um­ge­kehrt: Im Leer­lauf hält sich der Con­ti­nen­tal noch zu­rück, hebt die bas­si­ge Stim­me aber schon beim Wähl­he­bel­zug in D und macht be­reits bei Teil­last im­mer deut­lich hör­bar, dass hier 635 Pfer­de auf ih­ren Ein­satz war­ten. Der AMG bläst beim Start erst­mal die Ba­cken auf und häm­mert das üb­li­che Klang­ge­wit­ter durch die En­d­roh­re, blub­bert und rö­chelt im Leer­lauf wie ei­ne Ha­fen­bar­kas­se, ver­schont die In­sas­sen wäh­rend der Fahrt aber mit akus­ti­schem Mus­kel­spiel – für Zaun­gäs­te gilt das nicht.

Mo­tor / Ge­trie­be

Letz­te­re kom­men un­ter Last in den vol­len Ge­nuss klang­lich fein ab­ge­schmeck­ter Ab­gas­an­la­gen mit Zwölf­zy­lin­derBi­tur­bo- Mo­to­ren am vor­de­ren En­de. Zwar kann der S 65 mit sei­nen 1000 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment ab 2300 Tou­ren bei Voll­gas aus dem Stand vor Kraft kaum ge­hen, und man freut sich über die ef­fi­zi­ent ein­grei­fen­de An­triebs­schlupf­re­ge­lung. Trotz­dem wuch­tet das hin­ter­rad­ge­trie­be­ne Fünf­me­ter-Schiff sei­ne Mas­se in gera­de mal 4,4 Se­kun­den auf Land­stra­ßen­tem­po und ist da­mit ei­nen Hauch schnel­ler als der Bri­te mit All­rad­an­trieb und fünf Ex­tra-PS – bis 200 km/ h wächst der Ab­stand wei­ter an. Wor­an liegt‘s? Vor al­lem am Ge­wichts­vor­teil von 340 kg. Bal­last spielt auch ei­ne Rol­le beim Ver­brauchs­du­ell, wo­bei sich der Con­ti­nen­tal-W12 mit Zy­lin­der­ab­schal­tung und nied­ri­ge­ren Dreh­zah­len (3350 Tou­ren bei 250 km/ h) nach Kräf­ten ge­gen den mit Start-Stopp-Sys­tem und Se­gel­funk­ti­on ge­seg­ne­ten Dreiv­en­ti­ler von AMG wehrt. Den­noch geht der Punkt mit 16,1 zu 17,9 l SP/100 km nach Deutsch­land. Viel­leicht soll­te man sich den Ex­tra-Lu­xus gön­nen und den mo­bi­len Be­tan­kungs­dienst von Bent­ley bu­chen: nie wie­der schmut­zi­ge Fin­ger an der Zapf­säu­le. Bei­de Mo­to­ren lau­fen be­son­ders vi­bra­ti­ons­arm, der Bent­ley nervt auf Dau­er aber et­was mit sei­nen dröh­ni­gen In­nen­raum-Fre­quen­zen. Die von un­ten her­aus gleich­mä­ßi­ge­re und dreh­freu­di­ge­re Kraft­ent­fal­tung und den spon­ta­ne­ren An­tritt at­tes­tie­ren wir dem Bri­ten, und auch sei­ne Acht­stu­fen-Au­to­ma­tik agiert sanf­ter als das Daim­ler-Ge­trie­be mit sie­ben Stu­fen. End­gül­tig ab­set­zen kann sich der

Im Ver­gleich zum GT Speed ist der 2,2 Ton­nen schwe­re S 65 bei­na­he ein Leicht­ge­wicht

Au­tos im Test Bent­ley Con­ti­nen­tal GT Speed Ca­brio­let 635 PS, 327 km/h, 17,9 l SP/100 km, 238.476 Eu­ro Mer­ce­des-AMG S 65 Ca­brio­let 630 PS, 250 km/h 1, 16,1 l SP/100 km, 256.177 Eu­ro 1 elektr. ab­ge­re­gelt; op­tio­nal: 300 km/h

Auf den ers­ten Blick: ei­ne C-Klas­se mit AMG-Pa­ket und ein bul­li­ger Bri­te aus Crewe

Bu­ckel­pis­te vor­aus? Ein­fach per Touch­screen die Dämp­fer an­pas­sen Mit Wind­schott macht das Ca­bri­oFah­ren nur halb so viel Freu­de Zeit­los: Auch nach fast 14 Di­enst­jah­ren ist das Bent­ley­Cock­pit noch im­mer ein Mo­nu­ment: mas­siv, wuch­tig, klar Rein­set­zen, wohl­füh­len: fein ge­stepp­tes Le­der, Hei­zung, Lüf­tung, Mas­sa­ge, Na­cken­wär­mer. Aber: star­re Kopf­stüt­zen

War­me Luft, küh­les Cock­pit: Edel ist der Daim­ler – aber auch ir­gend­wie kühl, di­gi­tal und sehr tech­nisch

Un­be­dingt ent­span­nen: Die Ses­sel sind be­heizt, be­lüf­tet und mas­sie­ren mit 14 Luft­kam­mern

Kei­ne Fum­me­lei: Fast al­le Sitz­funk­tio­nen steu­ert man – ty­pisch Mer­ce­des – über Knöp­fe und Schal­ter in der Tür

Bling, bling: LED-Schein­wer­fer mit fun­keln­den Swa­rov­ski-Kris­tal­len

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.