Mer­ce­des-May­bach G 650 Lan­d­au­let

Die Mer­ce­des G-Klas­se ist der Kö­nig im Ge­län­de. Als May­bach Lan­d­au­let adelt sie nun so­gar ih­re Mit­fah­rer

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Tho­mas Gei­ger

Es ist nur ei­ne Klei­nig­keit, doch für Gun­nar Gü­t­hen­ke ist sie von ent­schei­den­der Be­deu­tung: Kaum öff­nen sich an sei­ner neu­es­ten G-Klas­se die Tü­ren, klap­pen elek­trisch Tritt­bret­ter her­un­ter und hel­fen den In­sas­sen so beim Auf­stieg auf ei­nen Hoch­sitz, der zwei Me­ter über dem Bo­den thront. Wo der Ge­län­de­gi­gant sonst ein har­tes Stück Ar­beit ver- langt, will es der Chef der Bau­rei­he sei­nen Kun­den so be­quem wie mög­lich ma­chen. Schließ­lich ist er kei­ne ge­wöhn­li­che G-Klas­se: Laut dem Mot­to „Das Bes­te zum Schluss“er­hebt Mer­ce­des den Of­f­roa­der kurz vor dem ers­ten ech­ten Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel nach fast 40 Jah­ren in den Adels­stand: Als May­bach Lan­d­au­let wird die­se kan­ti­ge S-Klas­se für Scheichs und Schi­cke­ria zum lu­xu­riö­ses­ten Ge­län­de­wa­gen und zu­gleich zum ex­klu­sivs­ten Ca­brio der Welt.

Por­tala­ch­sen und Bar­fach

Da­für hat Mer­ce­des den Vier­kant, der wie al­le G-Klas­sen bei Ma­gna in Graz ge­baut wird, auf Por­tala­ch­sen ge­stellt, den Rad­stand um fast 60 Zen­ti­me­ter ge­streckt und über der Rück­bank ein Dach aus Stoff statt Stahl ge­schnei­dert. In den spür­bar ge­wach­se­nen Fond ha­ben die Schwa­ben zu­dem die Lie­ge­ses­sel aus der May­bach-Ver­si­on der S-Klas­se samt Bar­fach und Klapp­ti­schen ge­schraubt und zum Fah- rer ei­ne elek­trisch ver­senk­ba­re Trenn­wand ein­ge­zo­gen. Wäh­rend man zum Bei­spiel bei ei­ner lu­xu­riö­sen Sa­fa­ri auf den kli­ma­ti­sier­ten Le­der­lie­gen lüm­melt, die Ho­tS­to­ne-Mas­sa­ge ei­nem den Rü­cken kne­tet, der Fahrt­wind am Schei­tel zupft und sich mit der Son­ne auch die Tier­welt des Dschun­gels in den sil­ber­nen Cham­pa­gner­kel­chen spie­gelt, ge­nießt man ei­nen Lu­xus, wie es ihn in der G-Klas­se noch nicht ge­ge­ben hat. Mit dem ver­län­ger­ten Rad­stand und der um 30 Zen­ti­me­ter ver­brei­ter­ten Spur gibt sich der sonst bis­wei­len har­te Bro­cken un­ge­wohnt sanft – die elek­tri­sche Dämp­fer­ein­stel­lung nimmt auch den starrs­ten Ach­sen ein we­nig von ih­rer Stren­ge. Das hilft auch, wenn man das Lan­d­au­let so nutzt, wie es bei Mer­ce­des seit dem Benz 25/45 PS von 1910 gu­te Tra­di­ti­on ist, und man sich buch­stäb­lich der Rea­li­tät stellt. Denn ein biss­chen fes­ter Grund kann ja nicht scha­den, so­bald man auf­recht und be­quem im

Fuß­raum steht, das Haupt gen Him­mel reckt und huld­voll hin­un­ter­winkt auf die Welt da drau­ßen. Und dann wä­re da noch der Über­roll­bü­gel. Der wirft zwar läs­ti­ge Schat­ten beim Son­nen­bad, ist jetzt aber ei­ne sta­bi­le Stüt­ze beim ab­ge­ho­be­nen Bad in der Men­ge. Egal ob Pa­ra­de-Po­si­ti­on oder Pi­zBu­in-Stel­lung – was ei­nem in die­ser G-Klas­se am al­ler­we­nigs­ten in­ter­es­siert, ist ihr An­trieb. Da­bei baut Gü­t­hen­ke im May­bach den dicks­ten Mo­tor ein, den Mer­ce­des ak­tu­ell zu bie­ten hat. Nicht um­sonst trägt die G-Klas­se das Ty­pen­kür­zel 650. Das steht für den sechs Li­ter gro­ßen Bi-Tur­bo-V12 aus dem G 65 AMG, der selbst bei 3,3 Ton­nen Le­bend­ge­wicht für stan­des­ge­mä­ßen Vor­trieb sorgt: Laut Werk ver­ge­hen für den Spurt von null auf 100 km/h we­ni­ger als sechs Se­kun­den, und nur mit Rück­sicht auf Rei­fen und Ru­he un­ter dem ge­schlos­se­nen Dach wird bei 180 km/ h ab­ge­re­gelt. Für man­chen könn­te das Kraft­pa­ket so zu ei­ner Ver­su­chung wer­den. Elek­tri­sche Tritt­stu­fen, kli­ma­ti­sier­te Mas­sa­ge­lie­gen und Frisch­luft, bis der Haar­fes­ti­ger streikt – so woh­lig es ei­nem das May­bach Lan­d­au­let auch ma­chen möch­te, zwingt es die Ei­gen­tü­mer zu­min­dest ein­mal doch aus der Kom­fort­zo­ne: bei der Un­ter­schrift auf dem Kauf­ver­trag. Denn selbst wenn Bau­rei­hen­chef Gü­t­hen­ke den ge­nau­en Preis erst An­fang März in Genf ver­ra­ten will, macht er aus des­sen Hö­he kei­nen Hehl: „Das wird mit Ab­stand der teu­ers­te Mer­ce­des in der Mo­dell­pa­let­te und auch den 6x6 noch über­tref­fen.“Und bei Ta­ri­fen weit jen­seits der hal­ben Mil­li­on kom­men dann so­gar die Scheichs ins Schwit­zen …

FAZIT: Hoff­nungs­los un­ver­nünf­tig und völ­lig über­zo­gen – aber ge­nau das macht ein Lu­xus­au­to aus. Und war­um sich in ei­nen Lam­bor­ghi­ni oder Fer­ra­ri quet­schen, wenn man das Gan­ze be­que­mer ha­ben kann?

Ei­gen­wil­lig: Me­ga-Rad­stand, Klapp­ver­deck

Pracht­vol­le Tas­ten­samm­lung: Die klas­si­schen Be­dien­ele­men­te ma­chen deut­lich, aus wel­cher Epo­che der „G“stammt. Di­ckes Sport­lenk­rad Klar zur Him­mel­fahrt: viel­fach elek­trisch ein­stell­ba­re Fond-Lie­ge­ses­sel mit per­fo­rier­tem Le­der in Rau­ten­step­pung. Bar­fach mit Kühl­funk­ti­on zwi­schen den Sit­zen Ru­he­be­reich: Die Trenn­schei­be zwi­schen Herr­schaft und fah­ren­dem Per­so­nal lässt sich ver­dun­keln

May­bachs Dop­pel-M steht im Daim­ler-Reich für Su­per­lu­xus

Vol­le Wucht: Ein sechs Li­ter gro­ßer Bi-Tur­bo-V12 sorgt für stan­des­ge­mä­ßes Fort­kom­men. Bei Be­darf sind als 1000 New­ton­me­ter am Werk

Fein­heit: Die De­tail­ver­liebt­heit macht auch vorm Fel­gen­horn nicht Halt

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