Tech­nik: Die Mer­ce­des S-Klas­se wagt das nächs­te Le­vel in punc­to au­to­no­mes Fah­ren

Cle­ve­re As­sis­tenz­sys­te­me über­neh­men in Zu­kunft die Spur­wech­sel, si­tua­ti­ons­ge­rech­te Tem­po-An­pas­sun­gen oder Aus­weich­ma­nö­ver und er­wei­ter­te Funk­tio­nen im Stop-and-go-Ver­kehr

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Hol­ger Ip­pen

Mer­ce­des wagt das nächs­te Le­vel: Schritt für Schritt tas­ten sich die Schwa­ben in die neue Welt der au­to­no­men Mo­bi­li­tät. Na­tür­lich nicht zum Selbst­zweck, son­dern um dem Ziel des un­fall­frei­en Fah­rens wei­ter nä­her zu kom­men. Im Herbst rollt die kräf­tig über­ar­bei­te­te S-Klas­se zu den Händ­lern. Ne­ben Ka­ros­se­rie-Re­tu­schen, neu­en Mo­to­ren und auf­ge­wer­te­tem In­te­ri­eur soll sie mit der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on in­tel­li­gen­ter Fah­rer-As­sis­tenz­sy­te­me das Au­to­fah­ren si­che­rer und kom­for­ta­bler ma­chen. Dr. Micha­el Haf­ner, Che­fIn­ge­nieur und ver­ant­wort­lich für au­to­ma­ti­sier­tes Fah­ren so­wie ak­ti­ve Si­cher­heit bei Mer­ce­des, ver­spricht: „Mit dem In­tel­li­gent Dri­ve der neu­en S-Klas­se nä­hern wir uns dem au­to­ma­ti­sier­ten Fah­ren kon­se­quen­ter und schnel­ler, als vie­le ver­mu­ten.“Und er lädt uns di­rekt zur ers­ten Pro­berun­de im noch mit Ze­bra-Fo­lie ge­tarn­ten Er­pro­bungs­fahr­zeug ein. Mit an Bord sind vie­le elek­tro­ni­sche Hel­fer, die das Ver­kehrs­um­feld noch bes­ser als al­le bis­he­ri­ge Se­ri­en­tech­nik im Blick ha­ben. Da­zu zäh­len vor al­lem op­ti­mier­te Ka­me­ra- und Ra­dar-Sys­te­me, die jetzt bis zu 250 Me­ter vor­aus­schau­en kön­nen. Das ist recht be- acht­lich, denn der Fah­rer er­kennt mit sei­nen Sin­nes­or­ga­nen ei­nen we­sent­lich schma­le­ren und kür­ze­ren „Fahr­schlauch“. In der Re­gel reicht sein Blick gera­de mal 75 bis 150 Me­ter weit. Als wei­te­res wich­ti­ges Puz­zle­teil für die Tech­nik der Zu­kunft set­zen die Mer­ce­des-In­ge­nieu­re auf zen­ti­me­ter­ge­naue di­gi­ta­le Kar­ten, wie sie be­reits jetzt schon vom Map-Spe­zia­lis­ten HERE be­reit­ge­stellt und akri­bisch stets auf ak­tu­ells­tem Stand ge­hal­ten wer­den. Da­durch kann der Ak­ti­ve Ab­stands

as­sis­tent, bei Mer­ce­des Dis­tro­nic ge­nannt, den Fah­rer in ei­ner Viel­zahl kniff­li­ger Si­tua­tio­nen st­re-

cken­ba­siert un­ter­stüt­zen, zum Bei­spiel um früh­zei­tig und kom­for­ta­bel die Fahr­ge­schwin­dig­keit des Au­tos an­zu­pas­sen. Wie gut das funk­tio­niert, da­von konn­ten wir uns be­reits über­zeu­gen. Grund­sätz­lich soll die­se Tech­nik nicht be­vor­mun­dend sein. Im Ge­gen­teil, man muss sie selbst ak­tiv ein­schal­ten. Das be­deu­tet, der Fah­rer wählt per Dis­tro­nic die ge­wünsch­te Ge­schwin­dig­keit. Erst dann wird die­se ak­tiv und re­du­ziert et­wa vor Kur­ven, Kreu­zun­gen und so­gar Kreis­ver­keh­ren das Tem­po vor­aus­schau­end und den Stre­cken­ge­ge­ben­hei­ten an­ge­passt. En­ge Kur­ven geht sie lang­sa­mer, wei­te Kur­ven da­ge­gen flot­ter an. Da­nach be­schleu­nigt sie die S-Klas­se wie­der. Ist ei­ne Rou­ten­füh­rung durch das Na­vi­ge­rät gera­de ak­tiv, dann ver­zö­gert der Mer­ce­des auch, wenn ei­ne Au­to­bahn­aus­fahrt ge­nom­men wer­den muss oder der Fah­rer den Blin­ker setzt, um ab­zu­bie­gen. Kurz: Die neue Dis­tro­nic macht al­les, was ein ge­üb­ter Pi­lot ge­nau­so ma­chen wür­de, nur deut­lich kom­for­ta­bler und vor­aus­schau­en­der als der Durch­schnitts­fah­rer in un­be­kann­ter Um­ge­bung. Dank der hin­ter­leg­ten hoch­prä­zi­sen Di­gi­tal­k­ar­ten kennt sich das Auto selbst in der Frem­de bes­tens aus. Auch un­se­re an­fäng­li­chen Be­fürch­tun­gen, da­mit ei­nen „lah­men Fahr­stil“auf­ge­nö­tigt zu be­kom­men, trifft in der Rea­li­tät nicht zu. Zu­dem be­ein­flusst der Fah­rer die Tem­po- Re­duk­ti­on durch die Vor­wahl des ge­wünsch­ten Fahr­pro­gramms – Eco, Com­fort oder Sport – selbst.

Ein wei­te­res in­ter­es­san­tes Fea­ture ist der Ak­ti­ve Spur­wech­sel­as­sis­tent. Will der Fah­rer über­ho­len, dann reicht hier ein An­tip­pen des Blin­kers. Die Sen­so­rik des Au­tos über­prüft, ob die Spur vor, ne­ben und hin­ter dem ei­ge­nen Fahr­zeug frei ist, be­ach­tet da­bei die Ge­schwin­dig­kei­ten her­an­na­hen­der an­de­rer Fahr­zeu­ge und setzt dann in die freie Lü­cke zum Spur­wech­sel an. „ An­de­re Ver­kehrs­teil­neh­mer im to­ten Win­kel zu über­se­hen, ist hier aus­ge­schlos­sen“, ver­si­chert Haf­ner, denn die S-Klas­se ver­fügt – an­ders als der Mensch – über ei­nen 360-Grad-Rund­um­blick. Mit dem Ak­ti­ven Tem­po­li­mit-As­sis

ten­ten re­gelt das Auto zu­dem Ge­schwin­dig­keits­be­schrän­kun­gen selbst­stän­dig. Durch Kom­bi­na­ti­on von Ka­me­ra und Kar­ten-In­fos sol­len so­gar frisch ein­ge­rich­te­te Bau­stel­len-Li­mits oder tem­po­rä­re Be­gren­zun­gen via Schil­der­brü­cken si­cher er­kannt wer­den. Orts­ein­gangs­schil­der be­rück­sich­tigt der Hel­fer zu­dem so recht­zei­tig, dass kurz da­hin­ter auf­ge­stell­te Ra­dar­fal­len ih­ren Schre­cken ver­lie­ren und Ord­nungs­äm­ter leer aus­ge­hen. Nach den je­wei­li­gen Be­gren­zun­gen nimmt das Auto von selbst Fahrt auf und be­schleu­nigt wie­der auf das ge­setz­te Wunsch­tem­po. Auch das St­au­fol­ge­fah­ren wird bei der neu­en S-Klas­se kom­for­ta­bler: Im läs­ti­gen Stop-and-go-Ver­kehr rollt das Fahr­zeug auch noch nach 30 Se­kun­den wie­der los und folgt dem vor­aus­fah­ren­den Ver­kehr.

Part­ner­schutz im Vi­sier

Für mehr Fuß­gän­ger-Si­cher­heit star­tet in der neu­en S-Klas­se ein

Aus­weich-Len­kas­sis­tent. Die­ser un­ter­stützt den Fah­rer bei Aus­weich­vor­gän­gen: Wenn bei­spiels­wei­se ein Pas­sant un­ver­mit­telt im Ge­fah­ren­be­reich vor dem Auto auf­taucht und der Fah­rer ei­ne – meist hek­tisch über­zo­ge­ne – Lenk-Aus­weich­be­we­gung ein­lei­tet, lenkt das Sys­tem mit zu-sätz­li­chen Lenk­mo­men­ten in die rich­ti­ge Rich­tung, um dem Fuß­gän­ger kon­trol­liert aus­zu­wei­chen und das Fahr­zeug auf der Aus­weich­spur zu sta­bi­li­sie­ren. Ei­ne hilf­rei­che Un­ter­stüt­zung, die in sol­chen Schreck­se­kun­den al­len Be­tei­lig­ten dien­lich ist.

Ak­ti­ver Nothalt Greift der Fah­rer nicht mehr ins Fahr­ge­sche­hen ein, bremst ein As­sis­tent (nach War­nung) das Auto bis zum Still­stand ab und ak­ti­viert ei­nen No­t­ruf

Die S-Kla­se star­tet im Herbst mit neu ge­stal­te­ter Front­par­tie, neu­en Mo­to­ren und vie­len zu­sätz­li­chen As­sis­ten­ten

Ak­ti­ver Spur­wech­selasis­tent Das Blin­kerAn­tip­pen lei­tet den au­to­ma­ti­schen Spur­wech­sel ein Ers­te Aus­fahrt mit der neu­en, noch ge­tarn­ten S-Klas­se, die voll­ge­packt mit cle­ve­ren As­sis­ten­ten den Fah­rer un­ter­stützt

Tem­po-An­pas­sung Die ak­ti­ve Dis­tro­nic re­du­ziert au­to­ma­tisch und gut do­siert die Ge­schwin­dig­keit vor Kur­ven, Kreu­zun­gen und Kreis­ver­keh­ren so­wie Aus­fahr­ten. Da­nach be­schleu­nigt das Auto wie­der auf Wunsch­tem­po

Ak­ti­ve­r­Len­kAs­sis­tent Der Fah­rer wird durch un­ter­stütz­ten Lenk-, Gas- so­wie Brems­ein­griff spür­bar ent­las­tet. Bei nicht ein­deu­ti­gen Stra­ßen-Li­ni­en ori­en­tiert sich die S-Klas­se an Vor­aus­fah­ren­den, Leit­plan­ken oder Leit­pfos­ten

Schil­der wer­den bei der neu­en S-Klas­se nicht nur er­kannt, son­dern auch be­rück­sich­tigt: Das Tem­po wird zu­nächst ent­spre­chend re­du­ziert, an­schlie­ßend be­schleu­nigt das Fahr­zeug wie­der auf die vor­ge­wähl­te „Setz-Ge­schwin­dig­keit“

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