Kom­pakt-Sport­ler Au­di S3 Sport­back BMW M140i · Seat Le­on Cu­pra 300

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT El­mar Sie­pen FO­TOS Da­nie­la Loof ]

Sport Ab­zei­chen

Die meis­ten Men­schen fah­ren fünf­tü­ri­ge Kom­pakt­wa­gen aus Ver­nunfts­grün­den. Doch was ist schon ein aus­schließ­lich auf Ver­nunft ba­sie­ren­des Da­sein? Rich­tig: lang­wei­lig! Wer möch­te schon sein Le­ben haupt­säch­lich mit Knä­cke­brot und koh­len­säu­re­ar­men Mi­ne­ral­was­ser ver­brin­gen. Nie­mand! Ent­spre­chen­de Mit­tel vor­aus­ge­setzt, lässt sich aber auch das Ei­ne tun, oh­ne das An­de­re zu las­sen – et­wa die prak­ti­schen Vor­zü­ge ei­nes Kom­pakt­wa­gens im All­tag nut­zen und spa­ßes­hal­ber zu­gleich die über­bor­den­de Leis­tung der TopMo­del­le der je­wei­li­gen Bau­rei­hen ge­nie­ßen. Au­di hat hier mit dem 310 PS star­ken, all­rad­ge­trie­be­nen S3 Sport­back ein si­che­res Pa­ket für ge­ho­be­ne Fahr­dy­na­mik im Pro­gramm, von dem sich BMW mit dem eben­falls vier­rad­ge­trie­be­nen, aber 340 PS star­ken M140i xD­ri­ve leis­tungs­mä­ßig deut­lich nach oben ab­setzt. Seat will hier mit dem neu­en, „nur“300 PS star­ken Le­on Cu­pra und Front­an­trieb ge­gen­hal­ten – ob das reicht?

Mo­tor/Ge­trie­be

Mit ih­rem tur­bo­ge­la­de­nen 3,0Li­ter-Rei­hen­sechs­zy­lin­der fah­ren die Weiß-Blau­en im stärks­ten 1er ein schwe­res Ge­schütz auf, das mit sei­ner Vor­stel­lung je­den Ken­ner be­geis­tern dürf­te. Die tur­bi­nen­haf­te Dreh­freu­de, die sei­di­ge Lauf­kul­tur und der un­ver­gleich­li­che Ton sind seit je­her Kenn­zei­chen des Münch­ner Mo­to­ren-Mo­nu­ments. Als über­aus fas­zi­nie­rend hin­zu kommt der Druck, den sei­ne ma­xi­mal 500 Nm Dreh­mo­ment selbst noch in hö­he­ren Ge­schwin­dig­keits­re­gio­nen ent­wi­ckeln. Nicht nur mit dem Stan­dard­sprint auf 100 km/ h in ge­ra­de mal 4,3 Se­kun­den setzt er sich von der Kon­kur­renz ab, auch bis zur 200-km/ h-Mar­ke nimmt er dem Au­di 1,5 und dem Seat 1,8 Se­kun­den ab, wäh­rend die Acht­stu­fenAu­to­ma­tik die Gän­ge blitz­schnell und ziel­si­cher auf die pas­sen­de An­schluss-Dreh­zahl plat­ziert. Mit ei­nem Test­ver­brauch von 9,7 Li­ter Su­per Plus pro 100 Ki­lo­me­tern ver­braucht der Bay­er aber auch am meis­ten Kraft­stoff. Üb­ri­gens: In der Be­triebs­an­lei­tung fin­det sich nir­gends ein Hin­weis dar­auf, dass Su­per Plus die ver­brauchs­güns­tigs­te Kraft­stoffsor­te ist. Mit dem Au­di A3-Face­lift stieg die Leis­tung im S3 auf 310 PS. Das ist die der­zeit höchs­te Aus­bau­stu­fe des be­kann­ten 2,0-Li­ter-Vier­zy­lin­der-Tur­bo­ben­zi­ners aus dem VW-Kon­zern, der den Au­di mit sport­li­chem Ton in 4,6 Se­kun­den kaum lang­sa­mer auf Land­stra­ßen­höchst­tem­po ka­ta­pul­tiert. Wie

Der Le­on Cu­pra wiegt bis zu 205 Ki­lo

we­ni­ger als sei­ne Kon­kur­ren­ten

die Ri­va­len ist auch der In­gol­städ­ter bei 250 km/ h ab­ge­re­gelt. Herr­lich ist das kur­ze Sprot­zeln aus dem Aus­puff, her­vor­ge­ru­fen durch die Zy­lin­der­aus­blen­dung beim Hoch­schal­ten mit dem Sie­ben­gang- Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be. Die kür­ze­re Ge­samt­über­set­zung ver­ur­sacht ge­gen­über der des BMW ein hö­he­res Dreh­zahl­ni­veau: Bei 180 km/ h auf dem Ta­cho liegt der Au­di im höchs­ten Gang bei 3200 /min, der BMW bei nur 2750 /min, doch ist das Dreh­ver­mö­gen des S3-Mo­tors et­was ge­rin­ger aus­ge­prägt als das des M140i xD­ri­ve, der lo­cker knapp über 7000 Tou­ren er­reicht. Der Seat, no­mi­nell der Schwächs­te des Tri­os, nimmt sich bis zur 100-km/ h-Mar­ke 5,5 Se­kun­den Zeit, muss al­ler­dings sei­ne ge­sam­te Kraft über die Vor­der­rä­der auf die Stra­ße brin­gen. Da­für spricht sein Mo­tor im an­wähl­ba­ren Cu­pra-Mo­dus ge­nau­so bis­sig an wie das S3-Ag­gre­gat in der dy­na­mi­cEin­stel­lung. Das Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be des Le­on muss sich mit nur sechs Gän­gen be­gnü­gen, die aber ähn­lich za­ckig ge­wech­selt wer­den wie bei der Kon­kur­renz. Aus­nah­me: der Kick­down am Kur­ven­schei­tel­punkt, wo der Gang­wech­sel auf sich war­ten lässt. Mit nur 9,3 Li­ter Su­per Plus fährt der Seat beim Ver­brauch vorn­weg: Er un­ter­bie­tet gar noch den Au­di um 0,2 Li­ter – und das, ob­wohl er mit noch hö­he­ren Dreh­zah­len un­ter­wegs ist (180 km/ h: 4100 /min).

Fahr­dy­na­mik

Auf dem Hand­ling-Kurs ist der Au­di un­schein­bar schnell, bleibt auf sei­nen 19-Zöl­lern lan­ge neu­tral, be­vor er zum Un­ter­steu­ern ten­diert. Er wirkt et­was kopf­las­tig, bleibt im Grenz­be­reich aber gut­mü­tig. Leich­te, sanft ein­set­zen­de Last­wech­sel­re­ak­tio­nen las­sen sich auch ober­halb der Au­to­bahn­richt­ge­schwin­dig­keit noch gut pa­rie­ren. Sei­ne se­ri­en­mä­ßi­ge Pro­gres­siv-Len­kung er­for­dert re­la­tiv ho­he Hal­te­kräf­te, und die Do­sier­bar­keit der Brem­se könn­te bei star­ker Be­las­tung bes­ser sein. Hier ver­mit­telt der BMW ein bes­se­res Pe­dal­ge­fühl. Die Ver­zö­ge­rungs­leis­tung der se­ri­en­mä­ßi­gen M-Sport­brem­se liegt un­ge­fähr auf ei­nem Ni­veau mit der des Au­di. An­sons­ten fühlt er sich deut­lich hand­li­cher an als sein baye­ri­scher Kon­kur­rent, folgt mit sei­ner (auf­preis­frei­en) va­ria­blen Sport­len­kung Rich­tungs­be­feh­len spon­ta­ner und bleibt stets auf der neu­tra­len Sei­te. Sein All­rad­an­trieb ist spür­bar heck­las­ti­ger aus­ge­legt und lässt ihn bei Be­darf mit fahr­spaß­för­dern­dem leich­ten Leis­tungs­über­steu­ern aus der Kur­ve be­schleu­ni­gen. In der Sum­me nimmt er dem S3 Sport­back im Hand­ling 1,6 Se­kun­den ab. Die pu­re Über­ra­schung ist al­ler­dings der Seat, der auf op­tio­na­ler, ex­trem haft­fä­hi­ger 19-Zoll-Be­rei­fung vom Typ Mi­che­lin Pi­lot Sport Cup 2 vor­fährt. Noch za­cki­ger als der BMW jagt der Cu­pra 300 durch Kur­ven jeg­li­cher Ra­di­en und glänzt mit ei­ner für ei­nen Front­trieb­ler nicht für mög­lich ge­hal­te­nen Trak­ti­on. Die se­ri­en­mä­ßi­ge Pro­gres­siv­len­kung kann zwar nicht ver­heh­len, dass 300 PS an den Vor­der­rä­dern zer­ren, lässt aber be­züg­lich ih­rer Prä­zi­si­on kei­ne Wün­sche of­fen. Gas­lup­fen in Kur­ven an der Rei­fen­haft­gren­ze be­ant­wor­tet der Seat mit spür­ba­rem, aber gut kon­trol­lier­ba­rem Ein­dre­hen des Hecks. Ge­wöh-

nungs­be­dürf­tig ist nur das leicht schwän­zeln­de Heck bei star­ken Brem­sun­gen aus ho­hen Tem­pi. Die kür­zes­ten Brems­we­ge ver­söh­nen den Fah­rer je­doch mit die­ser Ei­gen­heit. Den Be­sit­zer­stolz dürf­te zu­dem die Run­den­zeit des Le­on för­dern, die 0,6 Se­kun­den un­ter der des BMW und sat­te 2,2 Se­kun­den un­ter der des Au­di liegt.

Fahr­kom­fort

Zwar fe­dert der BMW auf As­phal­tNar­ben sen­si­bler an als der Au­di, ver­schenkt die­sen Vor­sprung al­ler­dings auf mit Bo­den­wel­len ge­spick­ten Land­stra­ßen und Au­to­bah­nen, wo schon klei­ne Wel­len den Auf­bau stets in Be­we­gung hal­ten, was auf Langstre­cken spür­bar den Kom­fort min­dert. An der Zu­la­dungs­gren­ze fe­dert der 1er al­ler­dings ei­ne Spur kom­for­ta­bler als der S3. Auch der Cu­pra 300, wie die Test-Kon­kur­renz mit ad­ap­ti­ven Dämp­fern be­stückt, fe­dert und dämpft or­dent­lich, doch an das Ni­veau der an­de­ren bei­den reicht er nicht ganz her­an. Nicht zu­letzt, weil er voll be­la­den merk­lich an Sou­ve­rä­ni­tät ver­liert. Langstre­cken las­sen sich am bes­ten auf den Au­di-Sit­zen aus­hal­ten, Kon­tur und Pols­te­rung pas­sen per­fekt. Das gilt auch für die Sea­tScha­len­sit­ze, die je­doch ei­ne et­was dün­ne­re Pols­te­rung auf­wei­sen. Die BMW-Sport­sit­ze könn­ten für be­leib­te­re Zeit­ge­nos­sen ein we­nig schmal ge­schnit­ten sein. Und im Fond des Münch­ners geht es für grö­ße­re Mit­fah­rer in Sa­chen Sitz­kom­fort deut­lich un­be­que­mer zu als in den Ri­va­len. Als Aus­gleich für die Kom­fort­ein­bu­ßen punk­tet der 1er mit der bes­ten Er­go­no­mie: Schö­ne, gut ab­les­ba­re Ana­log­an­zei­gen er­freu­en das Au­ge, ei­ne elek­tro­ni­sche Öl­stands­kon­trol­le er­spart eben­so schmut­zi­ge Fin­ger wie der zwei­ma­li­ge Zug am Hau­ben­öff­ner zur En­trie­ge­lung der Mo­tor­hau­be, und der Dreh-Drück-Stel­ler für das iD­ri­ve-Sys­tem ist griff­güns­tig plat­ziert. Im Ge­gen­satz da­zu dürf­te die Me­nü-An­steue­rung per Wipp­schal­ter auf der Au­di-Mit­tel­kon­so­le nicht je­dem ge­fal­len. Im Seat liegt der Kof­fer­raum­bo­den Band­schei­ben-un­freund­lich et­was zu tief, was spe­zi­ell Rü­cken­ge­schä­dig­te stört. Un­ter­wegs war­tet üb­ri­gens der Au­di im Kom­fort-Mo­dus mit dem ner­ven­scho­nen­ds­ten Klang­bild auf.

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