VW e-Golf · Golf GTE · Golf R

Mit grö­ße­rer Bat­te­rie und auf 300 Ki­lo­me­ter ge­stei­ger­ter Reich­wei­te soll der neue e-Golf elek­tri­sche Mo­bi­li­tät mas­sen­taug­li­cher ma­chen

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Jo­han­nes Riegs­in­ger

Das Um­feld, in dem Volks­wa­gen die Face­lift-Ge­ne­ra­ti­on des e-Golf vor­stellt, lässt tief bli­cken: Auf dem Park­platz ne­ben­an war­tet die sport­li­che Plug-in-Hy­bridver­si­on Golf GTE auf zu­cken­de Gas­fü­ße, am En­de un­se­rer Aus­fahrt im rein elek­trisch an­ge­trie­be­nen Golf darf im Golf R für ein paar Renn­stre­cken­run­den ins all­rad­ge­trie­be­ne 310Tur­bo-PS-Par­al­lel­uni­ver­sum ab­ge­bo­gen wer­den. Es geht al­so ganz und gar nicht zu­ge­knöpft öko­lo­gisch oder ef­fi­zi­ent-CO2-neu­tral­spaß­be­freit zu. Die Bot­schaft des ir­gend­wie dann doch wie­der ganz gut pas­sen­den Um­felds ist klar: Der e-Golf ist die elek­trisch an­ge­trie­be­ne Al­ter­na­ti­ve für fort­ge­schrit­te­ne High­tech-Fans. Un­ter­halt­sam und mit in­zwi­schen 300 km op­ti­mis­tisch er­mit­tel­ter Norm-Reich­wei­te nur noch dann be­schäf­ti­gungs­in­ten­siv, wenn man es wirk­lich will. Der Elek­tro­an­trieb nä­hert sich da­mit der Au­to-Wirk­lich­keit an: K(aum)ein Mensch kauft Au­tos oh­ne Ge­füh­le. Jen­seits der 25.000 Eu­ro – der e-Golf kos­tet knapp 36.000 Eu­ro (Lis­ten­preis oh­ne Bo­nus) – muss ein Au­to schon ir­gend­wie auch Spaß ma­chen. Die po­li­tisch kor­rek­te CO2-„Frei­heit“ist da vor al­lem des­halb nur ein zeit­geis­ti­ger Fei­gen­blatt-Bei­fang, weil mün­di­ge Bür­ger schon lan­ge wis­sen, dass der Strom in der deut­schen Steck­do­se im­mer noch zu über 70 Pro­zent aus Koh­le- und Kern­kraft kommt.

Elek­tri­sches Fah­ren oh­ne Ra­di­us-Klaus­tro­pho­bie

Wir wol­len nun aber ganz und gar nicht das ho­he Lied der fos­si­len Brenn­stof­fe sin­gen. Zum En­ter­tain­ment im e-Golf ge­hört schon auch, flüs­ter­lei­se an Tank­stel­len vor­bei­zu­se­geln und sich da­bei das blas­se Ge­sicht des Tank­warts vor­zu­stel­len. Der wie­der­um wä­re gern hä­misch grin­send da­bei, wenn im e-Golf die La­de­an­zei­ge un­ter die Zehn-Pro­zent-Mar­ke rutscht und der Elek­tro-Fah­rer zu­se­hends ner­vös wird. Doch im neu­en e-Golf mit sei­ner deut­lich hö­he­ren Bat­te­rie­ka­pa­zi­tät von 35,8 kWh soll­te sich die­se Si­tua­ti­on mit et­was Pla­nung weit­ge­hend ver­mei­den las­sen: Die be­reits er­wähn­ten 300 km theo­re­ti­sche Reich­wei­te – in der Pra­xis dürf­ten rund 200 km dar­aus wer­den – ma­chen den e-Golf nun auch fit für den ganz nor­ma­len Pend­ler-All­tag oh­ne dau­ern­des

Um­krei­sen ir­gend­wel­cher La­de­stel­len. Und wenn dann doch ein­mal ab­seits der hei­mi­schen Steck­do­se ge­la­den wer­den muss, macht das nun auch kei­nen ex­zes­si­ven Zwangs­stopp mehr nö­tig: An schnell­la­de­fä­hi­gen Sta­tio­nen zieht der e-Golf in­ner­halb von 45 Mi­nu­ten von null auf 85 Pro­zent La­dung, nach ei­ner gu­ten St­un­de ist die Bat­te­rie voll.

Dreh­mo­ment und kom­pro­miss­lo­se Mo­der­ne

Ab dann kann der e-Golf wie­der völ­lig un­be­fan­gen be­wei­sen, was in ihm steckt – und das ist vor al­lem ein ganz nor­ma­ler Golf: ge­räu­mig, zeit­los, funk­tio­nal. Wä­re da nicht sei­ne ge­ball­te As­sis­tenz­sys­tem-9,2- Zoll-Touch­screenGes­ten­steue­rungs-In­fo­tain­men­tVer­net­zungs-Macht, könn­te man schon bei­na­he sa­gen: schnör­kel­los. Aber da­zu müs­sen wir erst noch teil­au­to­no­mes Fah­ren bis 60 km/ h dank des Stau­as­sis­ten­ten oder der Fern vor kli­ma­ti­sie­rung mit­tels Smart­pho­ne-App oder an­de­re Tricks nor­mal fin­den. Spä­tes­tens wenn man dann aber wie­der ganz ana­log auf kur­vi­gen Lieb­lings­stre­cken un­ter­wegs ist, wächst ei­nem der bä­ren­star­ke Elek­tro­an­trieb ans Herz: Mit ge­wal­ti­gem Schmalz prescht der VW e-Golf vor­wärts, läs­sig hin­ge­pfef­fer­te Zwi­schen­sprints wer­den zur häu­fig ze­le­brier­ten Lieb­lings­be­schäf­ti­gung, und aus Kur­ven her­aus­be­schleu­ni­gen, dass die Trak­ti­ons­kon­trol­le hek­tisch um Haf­tung ringt, ist ein herr­li­ches Ver­gnü­gen.

FA­ZIT: Trotz des Bo­nus von 4000 Eu­ro dürf­te sein Ein­stiegs­preis den über­ar­bei­te­ten e-Golf im­mer noch von ei­ner Kar­rie­re als Öko-Mas­sen­mo­bil ab­hal­ten. Die deut­lich ge­stei­ger­te Reich­wei­te macht ihn aber in­ter­es­sant als elek­tri­sche Al­ter­na­ti­ve für tech­nik­be­geis­ter­te Pre­mi­um-Golf-Fans. e-Golf oder Golf R? – Hmmm …

Voll di­gi­tal: elek­tro­spe­zi­fi­sche An­zei­gen, Cock­pit mit neu­em 9,2-Zoll-Dis­play Von au­ßen ein Golf – un­ter der be­kann­ten Hül­le steckt nun ei­ne grö­ße­re Bat­te­rie mit 35,8 kWh, die ei­ne Reich­wei­te von bis zu 300 Ki­lo­me­tern mög­lich ma­chen soll

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