Mer­ce­des-AMG GT C Roads­ter

Stür­mi­sche Zei­ten bei AMG: Pünkt­lich zum 50. Ju­bi­lä­um gibt es das be­tont dy­na­mi­sche Flagg­schiff GT jetzt auch als Roads­ter. Ein Kick­down, und die Ge­burts­tags­ker­zen ge­hen von ganz al­lein aus

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Tho­mas Gei­ger

Ver­kehr­te Welt in Af­fal­ter­bach. Statt sich zum 50. Ge­burts­tag reich be­schen­ken zu las­sen, dreht AMG den Spieß ein­fach um und macht der ver­wöhn­ten Kund­schaft die Ge­schen­ke. Denn pünkt­lich zum run­den Ju­bi­lä­um le­gen die schnel­len Schwa­ben ih­ren Spit­zen­sport­ler GT jetzt auch als Roads­ter auf und star­ten oben oh­ne zur Po­wer-Par­ty. Na gut, so ganz ge­schenkt ist das Open AirMo­dell bei ei­nem Grund­preis von 129.180 Eu­ro na­tür­lich nicht. Doch gibt es im Ge­gen­zug so viel Emo­ti­on, Ad­re­na­lin und vor al­lem fri- schen Wind, dass die­ses Geld gut an­ge­legt ist. Erst recht, wenn man sich für den eben­falls neu­en, stär­ke­ren GT C ent­schei­det. Als vier­te Spiel­art des Sport­wa­gens schließt er für 160.650 Eu­ro auf­wärts die Lü­cke zwi­schen dem GT S und dem müh­sam ins Kor­sett der Stra­ßen­zu­las­sung ge­press­ten Renn­wa­gen GT R und punk­tet da­bei nicht nur mit ei­nem sat­ten Leis­tungs­plus für den vier Li­ter gro­ßen V8-Tur­bo hin­ter dem Maul­korb von Küh­ler­grill im Pan­ame­ri­ca­na-De­sign. Zu den 557 PS und den be­reits bei 1900 Tou­ren ab­ruf­ba­ren 680 Nm gibt es oben­drein noch ein deut­lich bul­li­ge­res De­sign mit ei­nem wun­der­bar wei­ten Heck über der brei­te­ren Spur und GT R-Fi­nes­sen wie die elek­tro­nisch ge­re­gel­te Sper­re im Heck und die ak­ti­ve Hin­ter­achs­len­kung. Da­mit lässt sich der GT noch ein biss­chen schnel­ler um die Kur­ven prü­geln, und man kann die mes­ser­schar­fe Len­kung da­bei noch ein biss­chen ge­fühl­vol­ler do­sie­ren. Ob­wohl der Roads­ter ge­nau­so steif ist wie die ge­schlos­se­ne Ver­si­on und kei­ne 50 Ki­lo schwe­rer, ge­lingt der mes­ser­schar­fe Kur­ven­ritt so­gar noch bes­ser, weil dann we­ni­ger vom Fah­ren ab­lenkt. Auf der an­de­ren Sei­te bie­tet der of­fe­ne GT den wei­te­ren Er­leb­nis­ho­ri­zont – selbst wenn man sich da­für zu­min­dest je­ne elf Se­kun­den lang mä­ßi­gen muss, die das Dach zum Öff­nen braucht. Da­nach al­ler­dings wirkt der Sprint von null auf 100 km/ h in 3,7 Se­kun­den viel in­ten­si­ver, wenn der V8Sound un­ge­fil­tert am Trom­mel­fell kit­zelt. Und 316 km/ h füh­len sich gleich noch schnel­ler an, wenn da­bei ein Or­k­an­sturm am Rest­haar

zerrt. An­ders als im Cou­pé hat man al­ler­dings nicht stän­dig das Mes­ser zwi­schen den Zäh­nen. Im­mer wie­der fällt die Hand auf den brei­ten Mit­tel­tun­nel, und man gönnt sich im Com­fort-Mo­dus der AMG Ri­de Con­trol ein biss­chen Ent­span­nung. Nicht, weil die Fahr­pro­gram­me Sport, Sport+ oder der Ra­ce­mo­de un­kom­for­ta­bel wä­ren, selbst wenn der GT da­mit spür­bar en­ga­gier­ter un­ter­wegs ist. Son­dern ein­fach, weil man sich und sein Au­to nicht ganz so ernst nimmt, wenn ei­nem die Son­ne ins Ge­sicht lacht und der Wind in den Haa­ren spielt. Und weil der GT Roads­ter eben doch so et­was ist wie der wah­re SL und des­halb ge­nau­so gut den Po­wer­crui­ser gibt, aus dem man noch nach St­un­den völ­lig ent­spannt aus­steigt. Aus gu­tem Grund hat selbst die­ser Spit­zen­sport­ler mit Stoff­müt­ze Kom­fort-Ex­tras wie ein ziem­lich wir­kungs­lo­ses und eher bil­lig an­mu­ten­des Wind­schott und ei­ne ziem­lich wir­kungs­vol­le und teu­er be­zahl­te Na­cken­hei­zung. Nicht um­sonst rühmt AMG die wei­ter ge­wach­se­ne Band­brei­te in der GT-Fa­mi­lie, die nun schon sie­ben Mit­glie­der hat. Und da­bei wird es nicht blei­ben. Denn AMG-Chef To­bi­as Mo­ers macht kei­nen Hehl dar­aus, dass er sich für die Zu­kunft ei­ne noch schär­fe­re Black Se­ries für sei­nen Spit­zen­sport­ler vor­stel­len kann. Das vier­tü­ri­ge GT-Kon­zept aus Genf ist schließ­lich auch kein Hirn­ge­spinst, son­dern ein sehr kon­kre­tes Ent­wick­lungs­pro­jekt. Zwar hat AMG im Ju­bi­lä­ums­jahr bei die­sem Pro­gramm kaum Luft zum Fei­ern, weil die schnel­le Trup­pe ganz ne­ben­bei ja auch noch ei­nen Hy­per-Sport­wa­gen mit For­mel-1-Tech­nik für die Stra­ße ent­wi­ckelt. Doch kön­nen sie mit dem GT Roads­ter zu­min­dest ein biss­chen Pus­te spa­ren. Denn ein Kick­down ge­nügt, und die Ker­zen auf der Tor­te ge­hen ganz von al­lein aus.

FA­ZIT: Zwar sägt AMG mit dem of­fe­nen GT Roads­ter kräf­tig am Ast des SL. Doch lei­den­schaft­li­cher, leis­tungs­be­rei­ter und kein biss­chen we­ni­ger lu­xu­ri­ös als die Le­gen­de, ist der neue Roads­ter in je­der Hin­sicht das bes­se­re Au­to und bringt so reich­lich fri­schen Wind in das Seg­ment.

Die schmu­cke Kom­man­do­zen­tra­le in­te­griert den Fah­rer per­fekt ins Au­to – auch un­ter frei­em Him­mel

Kna­ckig: AMG gönnt dem GT C brei­te­re Kot­flü­gel für ei­ne grö­ße­re Spur­wei­te

Op­tio­nal: be­son­ders stand­fes­te Kar­bon-Ke­ra­mi­kB­rems­an­la­ge

Kon­takt zum Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.