Se­at Der

Noch vor Kur­zem war Se­at das Schluss­licht im VWKon­zern. Doch nun fei­ern die Spa­nier neue Re­kor­de. Wie ge­lang die Wen­de?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Mar­kus Bach

schnel­le Auf­stieg vom Sor­gen­kind zum Ge­winn­brin­ger: Wir er­klä­ren den über­ra­schen­den Er­folg der spa­ni­schen VW-Toch­ter

Vor fünf Jah­ren schien für vie­le Ex­per­ten die La­ge klar: VW soll­te Se­at ver­kau­fen. Oder der Wolfs­bur­ger Kon­zern soll­te die spa­ni­sche Mar­ke still und heim­lich ein­stel­len und de­ren Werk in Mar­torell für die Pro­duk­ti­on von Au­di-Mo­del­len nut­zen. Das har­te Ur­teil kam nicht über­ra­schend: 2012 hat­te Se­at be­reits fünf Jah­re lang schwe­re Ver­lus­te ein­ge­fah­ren. Und ein En­de war nicht ab­zu­se­hen. Auch die welt­wei­ten Ver­käu­fe der Spa­nier er­reich­ten vor fünf Jah­ren mit nur 321.002 Fahr­zeu­gen ei­nen Tief­punkt. Die für Se­at wich­ti­gen süd­eu­ro­päi­schen Märk­te steck­ten mit­ten in der Eu­ro­kri­se und ver­zeich­ne­ten star­ke Rück­gän­ge. Auch das Mo­del­l­an­ge­bot gab we­nig An­lass zur Hoff­nung: Der eins­ti­ge Best­sel­ler Se­at To­le­do wur­de nach der de­sign­tech­nisch eher un­glück­li­chen drit­ten Ge­ne­ra­ti­on 2009 ein­ge­stellt. Da­für brach­ten die Spa­nier den ge­ra­de ab­ge­lös­ten Au­di A4 mit Än­de­run­gen an Front und Heck als Se­at Exeo auf den Markt. Doch die Käu­fer wuss­ten mit dem Zwit­ter nichts an­zu­fan­gen, so­dass sei­ne Pro­duk­ti­on be­reits 2013 wie­der be­en­det wur­de. Mit Al­tea und Al­ham­bra setz­te die Mar­ke zu­dem un­be­irrt auf die rück­läu­fi­ge Klas­se der Vans – das boo­men­de SUVSeg­ment blieb un­be­setzt. Da­zu kam die Kon­kur­renz im ei­ge­nen Haus: Auch Sko­da be­legt das Preis­seg­ment un­ter VW. Und die Tsche­chen ver­kün­den stän­dig neue Ver­kaufs­re­kor­de und er­wirt­schaf­ten so­li­de Ge­win­ne.

Die drit­te Ge­ne­ra­ti­on des Le­on brach­te die Wen­de

Doch VW stand zu sei­ner spa­ni­schen Toch­ter, die seit 1986 zum Kon­zern ge­hört. Die schlech­te Aus­las­tung des Werks in Mar­torell wur­de durch die Pro­duk­ti­on des Au­di Q3 in Spa­ni­en ver­bes­sert. Zu­dem in­ves­tier­te der Kon­zern in neue Se­at-Mo­del­le. Die Wen­de kam im No­vem­ber 2012 mit der drit­ten Ge­ne­ra­ti­on des Le­on. Der ge­fäl­lig ge­styl­te Kom­pak­te baut wie der VW Golf VII auf dem mo­du­la­ren Qu­er­bau­kas­ten des VW-Kon­zerns auf. Be­reits sei­nen ers­ten Ver­gleichs­test in der AU­TO ZEI­TUNG konn­te der Le­on ge­win­nen. Die­se Qua­li­tä­ten über-

zeug­ten auch die Kun­den: Mit dem Le­on zo­gen die Ver­kaufs­zah­len der Spa­nier wie­der an. 2016 war er mit 165.148 Ex­em­pla­ren vor dem Ibi­za mit 151.424 Ein­hei­ten der er­folg­reichs­te Se­at. Seit 2013 gibt es den Le­on auch erst­mals als Kom­bi­va­ri­an­te ST. Die Ein­füh­rung der be­lieb­ten sport­li­chen Aus­stat­tungs­li­nie FR un­ter­halb der Cu­pra-Mo­del­le sorg­te zu­dem für ei­ne ho­he Mar­ge. Kein Wun­der, dass die Se­at-Um­sät­ze seit 2012 noch schnel­ler als die Ver­käu­fe an­zo­gen. Und im Ju­li 2016 be­kam Se­at mit dem Ate­ca end­lich das lang er­sehn­te SUV.

Deutsch­land ist der größ­te Ein­zel­markt der Spa­nier

Be­son­ders hier­zu­lan­de zeigt sich der Er­folg der Ibe­rer: So ha­ben sich die Ver­käu­fe bei uns seit 2008 von 49.331 auf 97.585 Ein­hei­ten fast ver­dop­pelt. Da­mit hat Deutsch­land Spa­ni­en als größ­ten Sea­tMarkt ab­ge­löst. Doch die Mar­ke aus Mar­torell pro­fi­tiert auch von der Er­ho­lung der Au­to­mo­bil­märk­te in Sü­d­eu­ro­pa. Au­ßer­halb des Kon­ti­nents tre­ten die Spa­nier nur in Me­xi­ko an. Aber das sehr er­folg­reich: Das Land in Mit­tel­ame­ri­ka ist mitt­ler­wei­le mit 24.500 Ver­käu­fen zum viert­größ­ten Markt für Se­at auf­ge­stie­gen. Im Ge­gen­satz zu Sko­da ist Se­at aber nicht auf dem welt­weit größ­ten Au­to­markt in Chi­na prä­sent. Den­noch ha­ben sich die Spa­nier zu ei­ner Stüt­ze des VW-Kon­zerns ent­wi­ckelt: 2016 er­ziel­te Se­at das bes­te Fi­nanz­er­geb­nis sei­ner Ge­schich­te. Von ei­nem Re­kord­um­satz von 8,9 Mrd. Eu­ro blie­ben 153 Mio. Eu­ro Ge­winn üb­rig – das ers­te Plus seit 2007. Da­bei hat Se­at im Vor­jahr ei­ne Re­kord­sum­me in For­schung und Ent­wick­lung in­ves­tiert: Sat­te 862 Mio. Eu­ro be­deu­ten ei­nen Zu­wachs von 47 Pro­zent. Denn mit neu­en Mo­del­len wol­len die Spa­nier ih­ren Er­folgs­kurs wei­ter fort­set­zen: In die­sem Jahr star­tet der neue Ibi­za, 2018 folgt mit dem Aro­na das ers­te klei­ne SUV des VW-Kon­zerns – ein Kon­kur­rent für Opel Mok­ka und Re­nault Cap­tur. Ein Jahr spä­ter soll das ers­te Elek­tro­au­to der Mar­ke ver­kauft wer­den. Und be­reits 2018 will Se­at sei­nen Er­folg mit ei­nem neu­en Flagg­schiff krö­nen, ei­nem SUV ober­halb des Ate­ca.

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